Schloss Im Himmel

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Carin Mita

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Aug 5, 2024, 3:21:32 AM8/5/24
to presunathcres
Diejunge Waise Sheeta lebt seit dem Tod ihrer Eltern allein in ihrer Htte in den Bergen. Von ihren Eltern erbte sie eine Kette mit einem Edelstein. Der geheimnisvolle Musca, ein Agent der Regierung, entfhrt sie mithilfe der Armee auf ein Luftschiff. Als dieses von der Luftpiratin Dora und ihren Shnen angegriffen wird, klettert Sheeta aus einem Fenster und strzt in die Tiefe. Da ihr Stein die Kraft hat, sie zum Schweben zu bringen, landet sie bewusstlos in den Armen von Pazu, der ebenfalls Waise ist und bei den Bergarbeitern einer Minenstadt arbeitet. Er ist auf der Suche nach Laputa, einer verborgenen Stadt im Himmel, die sein verstorbener Vater gesehen haben will.

Als die Piraten erscheinen, flieht Pazu gemeinsam mit Sheeta. Auf der Flucht treffen sie auch auf die Armee und die Agenten, sodass sie sich schlielich in die Minen zurckziehen. Dort erfahren sie von einem alten Bergmann, dass Sheetas Stein ein Flugstein einer untergegangenen Kultur ist: Laputa. Sheeta erzhlt, dass sie von der Knigsfamilie abstammt und der Stein zeigt, dass sie die Thronfolgerin ist. Auf ihrem Weg zurck zur Minenstadt werden die beiden Freunde von der Armee aufgegriffen, die sie in eine Festung bringen. Musca will Sheeta nutzen, um Laputa zu finden und versucht, sie fr sich zu gewinnen. Pazu wird um ihretwillen freigelassen und kehrt in sein Haus zurck. Dort trifft er erneut auf Piraten, denen er sich anschliet, um Sheeta zu retten.


Whrend Pazus Abwesenheit erweckt Sheeta versehentlich einen Roboter, der aus Laputa auf die Erde gefallen ist und in der Festung aufbewahrt wurde. Dieser will ihr helfen und den Weg nach Laputa zeigen, richtet aber in der Festung der Armee Zerstrung und Chaos an. Sheeta kann so gemeinsam mit Pazu und den Piraten fliehen, jedoch gelangt Musca an Sheetas Stein, der ihm den Weg nach Laputa zeigt. Gemeinsam mit der Armee macht er sich ebenfalls auf den Weg. Mit Luftschiffen gelangen beide Gruppen nach Laputa. Pazu und Sheeta kommen zuerst an und sind berwltigt von den wunderbaren Grten, der Natur und Friedlichkeit. Menschen scheint es keine zu geben, jedoch einen friedlichen Roboter, der sich liebevoll um die Tiere und Pflanzen kmmert.


Auch Musca und die Armee kommen bald an und nehmen die Piraten gefangen. Musca, der sich ebenfalls als ein Nachkomme der ursprnglichen Bewohner Laputas entpuppt, ffnet mithilfe des Steins ein geheimes Tor und bernimmt die Macht in der fliegenden Stadt. Mit Sheeta als Geisel an seiner Seite ttet er die Soldaten und will mit den mchtigen Waffen Laputas die Weltherrschaft an sich reien. Jedoch gelingt es Sheeta und Pazu, ihn zu berwltigen und die Zerstrungsformel zu sprechen. Der Kern der Stadt zerstrt sich und reit Musca in die Tiefe. Sie fliegen mit einem Gleiter davon, whrend der obere Teil Laputas, die friedliche Stadt, die durch einen riesigen Baum vor der Zerstrung geschtzt wurde, immer weiter in den Himmel entschwebt.


Der Film war der erste des 1985 gegrndeten Studio Ghibli. Die Grndung war nach dem Erfolg von Nausica aus dem Tal der Winde von 1984 mglich und geschah mit weiterer finanzieller Untersttzung von Tokuma Shoten. Nun sollten mit dem gleichen Team weitere Kinofilme entstehen.[3]


Der 124 Minuten lange Film entstand von 15. Juli 1985 bis 23. Juli 1986. Es wurden 69.262 Bilder gezeichnet und 381 verschiedene Farben benutzt.[4] Als Vorbereitung fr den Filmdreh reiste Miyazaki mit anderen Ghibli-Mitarbeitern nach Grobritannien. Das Szenenbild wurde stark von Landschaften im Sden von Wales geprgt, die das Team zur Zeit der Bergarbeiterstreiks in den 1980er Jahren besuchte:[5][6] 1984 war Hayao Miyazaki selbst Zeuge der Streiks und 1986 besuchte er die Region erneut zur Arbeit am Film. Er war vom Kampf der Minenarbeiter um ihre Arbeit und von der Strke ihrer Gemeinschaft beeindruckt und lie dies in die Darstellung von Pazus Dorf einflieen.[7] Knstlerischer Leiter war Nizo Yamamoto. Bei der Schlsselbildanimation arbeitete unter anderem Katsuya Kondo mit, der spter als Charakterdesigner bei Filmen wie Kumo no yō ni Kaze no yō ni oder Flstern des Meeres bekannt wurde. Der verantwortliche Produzent war Isao Takahata, der das erste Mal in seiner Karriere diese Rolle bernahm.[8]


Die Musik zum Film komponierte wie bei fast allen Filmen Miyazakis Joe Hisaishi. Er nutze dabei ein klassisches westliches Orchester wie auch japanische Instrumente. Daneben hat der Film aber auch viele Segmente ohne Musik, in denen lediglich Gerusche wie das Rauschen der Rotorbltter zu hren sind.[9] Fr die US-amerikanische Synchronfassung, welche Disney produziert hat, wurde Joe Hisaishi 1999 damit beauftragt, die 37-mintige Filmmusik auf 90 Minuten zu verlngern und mit einem Sinfonieorchester neu aufzunehmen.[4]


Die Hintergrnde sind oft detailliert ausgearbeitet. Die Titelsequenz, die die Geschichte von Laputa zeigt, hat einen deutlich anderen Stil als der Rest des Films. Die Bilder sind holzschnitthaft und in Sepia-Farbtnen gehalten. Sie erhalten dadurch den Anschein alter Drucke.[10] Der Stil ist an Illustrationen zu den Bchern Jules Vernes angelehnt.[9]


Analog zur japanischen Leserichtung von rechts nach links nimmt auch im Film der rechte Bildraum oft eine besondere Bedeutung ein. So sind die wichtigen Handlungsentwicklungen sowie die Protagonisten oft rechts im Bild zu sehen (Cadrage). Beispielsweise in einer Gleitflug-Szene des Filmes erscheint eine Diagonale von rechts oben nach links unten, welche der Leserichtung von Mangas gleicht.[11] Zur Erzeugung einer Illusion von rumlicher Tiefe setzt Miyazaki hufig das Gleiten der Bildebenen gegeneinander, insbesondere der Wolken, sowie die Verkleinerung oder Vergrerung von Objekten ein. So entsteht der Eindruck, etwas bewege sich relativ zum Betrachter, ohne dass der Betrachter sich selbst bewegt.[12] Auch die Bewegung der Flugmaschinen ist meist ein Gleiten, wobei schrge Winkel stets dennoch den Einfluss von Gravitation oder des Windes vermitteln und die Maschinen nicht vllig von allem losgelst wirken.[13]


Es wird oft eine weite Kameraeinstellung benutzt, in denen die Figuren manchmal nur noch als Silhouetten zu sehen sind. Bei nahen Einstellungen hingegen wird viel Wert auf Details gelegt, welche zuvor verborgen blieben. Die Kamera schweift oft ber Nebenschliches und macht Gebrauch von einer atmosphrischen Inszenierung, wodurch sich der Film stark von westlichen Animationsfilmen unterscheidet. Auch die Schuss-Gegenschuss-Technik wird, beispielsweise in Dialogen, oft angewandt. Im Gegensatz zu den ruhigen poetischen Szenen gibt es auch viele Actionszenen, die, verglichen mit spteren Verhltnissen, recht langsam geschnitten sind. Oft verleiht eine Parallelmontage dem Geschehen mehr Dynamik.[11]


Mit dem Schauplatz der Handlung whlte Miyazaki wie oft in seinen Filmen statt des modernen Japans eine apokalyptische oder vormoderne Welt, hier eine, in der die Industrialisierung noch nicht abgeschlossen ist:[15] Der Film spielt in einer an das viktorianische Zeitalter angelehnten Welt. Bei der Schilderung der technischen Elemente orientierte sich Miyazaki an Autoren des 19. Jahrhunderts wie Jules Verne.[9] Der Name Sheeta geht auf Prinzessin Sita aus dem indischen Epos Ramayana zurck.[3] Die im Film auftretenden Roboter wurden von Miyazaki selbst entworfen. hnliche Roboter erschienen schon 1980 in einer Episode seiner Animeserie Lupin. Damals lie sich Miyazaki von einer Episode der Superman-Zeichentrickserie der Fleischer Studios von 1941 inspirieren.[4] Auerdem sind auf der Insel Fuchshrnchen zu sehen, die schon in Nausica aus dem Tal der Winde auftraten.[3]


Das Schloss im Himmel ist, wie viele von Miyazakis Filmen, stark von der fast ausschlielich in Japan aktiv praktizierten Religion Shintō beeinflusst. Der Grundgedanke von Harmonie im Shintō besagt, dass man sorgsam mit der natrlichen Umwelt des Menschen umgehen solle und Technik sinnvoll einzusetzen habe. Im Film zeigt sich jedoch, dass die Einheit von Mensch, Natur und Technik nicht geglckt ist. Die Menschen befinden sich in einer Zeit mit einem groen gesellschaftlichen und technischen Wandel. Die Arbeiterschicht muss sich diesen Vernderungen beugen und wird von den Groindustrien ausgebeutet. In einer Szene deutet ein kleines Poster auf die harten Kmpfe zwischen den Arbeitern und den ausbeuterischen Minenbesitzern hin. Jedoch gibt es auch die andere Seite, wo Maschinen nach dem Vorbild der Natur gebaut wurden. So haben die von den Luftpiraten benutzten Ornithopter eine groe hnlichkeit mit Libellen. Auch erscheint gegen Ende des Filmes ein Roboter, der sich liebevoll um Grten und Tiere kmmert.[11] Auch in den Fluggerten, die von der Natur inspiriert sind und meist eher klobig oder gar nicht flugfhig erscheinen, sieht Thomas Lamarre einen Ausdruck von Miyazakis Ablehnung von Hochtechnologie (wie Jets) und Vorliebe fr ungewhnlichere Technik. Die im Film erfolgreichsten Maschinen beziehungsweise die der Helden sind dabei auch die einfachsten und kleinsten.[8]


Wie in anderen Filmen Miyazakis nimmt auch hier das Element des Fliegens (so auch zum Beispiel Porco Rosso und Kikis kleiner Lieferservice) und die Kritik an einem martialischen Militarismus (wie z. B. in Das wandelnde Schloss oder Nausica aus dem Tal der Winde) einen groen Stellenwert ein. Laut Susan Napier zeige Miyazaki im Fliegen als Symbol wie auch hier zustzlich im Willen der beiden Protagonisten, am Ende sich fr eine bessere Welt zu opfern (mit der Insel abzustrzen), Hoffnung und die Mglichkeit zu Vernderung und Freiheit.[15] Auch wenn, anders als in anderen seiner Filme, bei Das Schloss im Himmel nicht vor allem das Mdchen oder die junge Frau fliegt, so stehe das Fliegen bei Miyazaki auerdem auch fr die Strke und Eigenstndigkeit, die die Protagonistin erreicht.[23]


Der Film kam am 2. August 1986 in die japanischen Kinos. Er wurde auf einem Kinoticket zusammen mit zwei Folgen der Fernsehserie Sherlock Hound, die ebenfalls von Miyazaki stammt, gezeigt.[6] Der Vertrieb erfolgte durch Tōei. Nach Verffentlichung des Filmes wurde die Filmgeschichte als zweibndiger Roman publiziert. Osamu Kameoka schrieb die jeweils 172 Seiten umfassenden Bcher und Miyazaki illustrierte diese mit farbigen Bildern.

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