Zielorientiert Leben
Liebe Gemeinde,
Paulus hat kein Problem damit, den Philippern immer wieder das gleiche
zu sagen. Was ihm wichtig ist, wiederholt er oft, damit es sich
einprägt. Das ist wie es erzählt wird von einem meiner Pfarrerskollegen.
Er hält eine phantastische Predigt. Alle gehen zufrieden nach Hause. Am
nächsten Sonntag ist die Kirche wieder voll. Gespannte Erwartung: Was
wird der Pfarrer diesmal sagen? Und dann ... Wie bitte? Das ist ja die
gleiche Predigt wie am letzten Sonntag. Was soll denn das? Verwirrt
verlassen die Gemeindeglieder die Kirche. Einer fasst Mut und fragt:
„Herr Pfarrer, war das heute nicht die Predigt vom letzten Sonntag?“
Daraufhin der Pfarrer: „Ja, das stimmt, es war die gleiche Predigt.“ Der
Frager mag es gar nicht glauben und fragt nach: „Aber wieso haben Sie
denn die gleiche Predigt noch einmal gehalten? Die kannten wir doch
schon.“ „Stimmt“, sagte daraufhin der Pfarrer, „gehört habt ihrs schon.
Aber noch nicht beherzigt und getan.“ Was ist Paulus so wichtig, dass er
es immer und immer wieder sagt, damit die Philipper und wir es
beherzigen und auch tun?
Die Bibel - Philipper 3, 1-16
1 Im Übrigen, meine Brüder und Schwestern: Freut euch, weil ihr zum
Herrn gehört! Es macht mir nichts aus, euch immer wieder dasselbe zu
schreiben. Denn das gibt euch Sicherheit.
2 Nehmt euch in Acht vor den Hunden! Nehmt euch in Acht vor den bösen
Arbeitern! Nehmt euch in Acht vor den Verstümmelten!
3 Denn wir sind eigentlich die Beschnittenen. Wir sind diejenigen, die
dem Geist Gottes dienen. Wir sind stolz, dass wir zu Christus Jesus
gehören. Irdische Vorzüge spielen für uns dabei keine Rolle.
4 Obwohl ich selbst mich durchaus auf solche irdischen Vorzüge berufen
könnte. 4 Wenn sich also irgendjemand auf seine irdischen Vorzüge
berufen will – ich hätte jedenfalls noch viel mehr Grund dazu.
5 Ich wurde am achten Tag beschnitten. Ich gehöre zum Volk Israel, zum
Stamm Benjamin. Ich bin ein Hebräer und stamme von Hebräern ab. In Bezug
auf das Gesetz war ich ein Pharisäer.
6 Über meinen Einsatz lässt sich sagen: Ich verfolgte die Gemeinde. Und
was meine Treue gegenüber dem Gesetz betrifft: Daran gab es nichts
auszusetzen.
7 Aber alles, was mir damals als Vorteil erschien, betrachte ich jetzt
als Nachteil – und zwar im Hinblick auf Christus.
8 Ja wirklich: Ich betrachte es ausnahmslos als Nachteil. Dahinter steht
die überwältigende Erkenntnis, dass Jesus Christus mein Herr ist!
Verglichen mit ihm ist alles andere wertlos geworden, ja, in meinen
Augen ist es nichts als Dreck! Das Einzige, was zählt, ist: Christus zu
gewinnen
9 und zu ihm zu gehören. Denn ich gelte nicht als gerecht, weil ich das
Gesetz befolge, sondern weil ich an Christus glaube. Das ist die
Gerechtigkeit, die von Gott kommt und deren Grundlage der Glaube ist.
10 Christus und die Kraft seiner Auferstehung möchte ich erfahren. An
seinem Leiden möchte ich teilhaben – bis dahin, dass ich ihm im Tod
gleich werde.
11 Das alles geschieht in der Hoffnung, auch zur Auferstehung vom Tod zu
gelangen.
12 Ich möchte nicht behaupten, dass ich das alles schon erreicht habe
oder bereits am Ziel bin. Aber ich laufe auf das Ziel zu, um es zu
ergreifen – weil ja auch ich von Christus Jesus ergriffen bin.
13 Brüder und Schwestern, ich bilde mir wirklich nicht ein, dass ich es
schon geschafft habe. Aber ich tue eines: Ich vergesse, was hinter mir
liegt. Und ich strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt.
14 Ich laufe auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen: die
Teilhabe an der himmlischen Welt, zu der Gott uns durch Christus Jesus
berufen hat.
15 Wir alle, die wir zu den »Vollkommenen« zählen, sollen uns das stets
vor Augen halten. Falls ihr anderer Ansicht seid, wird Gott euch auch
darüber noch Klarheit verschaffen.
16 Jedenfalls sollten wir an der Überzeugung festhalten, die wir bereits
gewonnen haben.
Wenn im Mittelalter ein deutscher Kaiser gestorben war, wurde der
schwere Sarg durch die Straßen der Stadt bis vor das verschlossene
Portal des Domes getragen. Dann schlugen die Fürsten, die den Sarg
begleiteten, an das Tor und riefen: "Hier kommt der Kaiser des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation." Aus dem Inneren des Domes kam die
Antwort der Priester: "Den kennen wir nicht." Dann riefen die Fürsten
alle fürstlichen Titel des Kaisers. Aber immer tönten die Stimmen aus
dem Inneren: "Den kennen wir nicht." Schließlich riefen die Fürsten. "Es
kommt ein Sünder, der durch die Gnade Jesus Christi selig werden will."
Da öffnete sich das Portal: "Nur ein Sünder kann hereingelassen und
begnadigt werden."
Jesus Christus stellt alles auf den Kopf. Selbst ein Kaiser muss
anklopfen und um Einlass bitten. Vor Gott zählen weder Titel noch gute
Werke. Vor Gott sind alle Menschen gleich: "Nur als Sünder, der durch
die Gnade Jesu Christi gerecht gemacht ist, kann ich bei Gott
hereingelassen und begnadigt werden."
Wenn ich Bilanz über mein Leben ziehe, dann kann ich das wie ein
Kaufmann versuchen. Die guten Werke und alles was ich Positives
vorzuweisen habe, ziehe ich auf der Habenseite zusammen. Die schlechten
Dinge und alles was nicht stimmt, schreibe ich auf die Verlustseite. Und
dann addiere ich die beiden Seiten und hoffe, dass am Ende ein positives
Ergebnis herauskommt.
Aber ist das zielführend? Paulus hat seine eigene Bilanz einmal
durchgerechnet und beschreibt sie in unserem heutigen Text: "Ich wurde
am achten Tag beschnitten. Ich gehöre zum Volk Israel, zum Stamm
Benjamin. Ich bin ein Hebräer und stamme von Hebräern ab. In Bezug auf
das Gesetz war ich ein Pharisäer. Über meinen Einsatz lässt sich sagen:
Ich verfolgte die Gemeinde. Und was meine Treue gegenüber dem Gesetz
betrifft: Daran gab es nichts auszusetzen."
Übertragen wir diese Lebensbilanz einmal in unsere Zeit und rechnen eine
durchaus realistische Bilanz eines durchschnittlichen heutigen Menschen:
"Ich wurde als kleines Kind getauft, so wie es üblich ist. Ich komme aus
einem kirchlichen Elternhaus. Von Geburt an gehöre ich zu einem
christlichen Volk, wie schon alle meine Vorfahren. Außerdem fühle ich
mich den Menschenfreunden verbunden, einer Gruppe, die sich sehr für
ihre Mitmenschen einsetzt. Oder noch besser: Ich gehe regelmäßig in die
Kirche und lese die Bibel. Ich habe die Egoisten immer von ihrem
falschen Weg abzubringen versucht und nach meiner Überzeugung "Ich tue
recht und scheue niemand" gelebt. Gemessen an dem, was das Gesetz
fordert, brauche ich mir nichts vorzuwerfen." Damit setzen diese
Menschen auf ihr bürgerliches Gutsein und ein scheinbar frommes
Guthabenkonto. Aber beide Bilanzen sind nicht zielführend, weil bei
keiner am Ende ein positives Ergebnis heraus kommt. Wenn ich nur auf
Recht und Gesetz setze, dann ich am Ende auch nach Recht und Gesetz
beurteilt und dadurch letztendlich von Gott verurteilt.
Nach dieser vernichtenden Bilanz holt Paulus aus und schreibt, was
wirklich zielführend ist: „Das Einzige, was zählt, ist: Christus zu
gewinnen und zu ihm zu gehören. Denn ich gelte nicht als gerecht, weil
ich das Gesetz befolge, sondern weil ich an Christus glaube. Das ist die
Gerechtigkeit, die von Gott kommt und deren Grundlage der Glaube ist.“
Wie wichtig Jesus Christus und die tägliche Begegnung mit ihm für mein
Leben ist, will ich an einem kleinen Zahlenbeispiel deutlich machen:
Christus ist die Zahl Eins, die Nummer Eins. Stellen wir die Eins an die
Spitze einer Zahl und fügen nach rechts hin eine beliebige Anzahl Nullen
hinzu, so wird die Summe immer größer, denn die Eins steht an der
Spitze. Setzen wir die Nullen nach links hin an, werden diese Nullen
alle bedeutungslos bleiben. Christus ist die Nummer Eins. Wer ihn ans
Ende stellt, bleibt eine hoffnungslose Null. Wer ihn an die Spitze
stellt, wird dadurch aufgewertet und wichtig.
Jesus Christus ist die Nummer 1. Das wichtige ist, das er auch in meinem
Leben immer wieder die Nummer 1 wird und ich an die Spitze setze.
Ich will das Ganze noch mit einen Wortspiel ausdrücken. Die Null zeigt,
dass ich vor und zu Gott gar nichts bringen kann, dass ich vollkommen
unvollkommen bin. Wenn ich dazu stehe und Gott ans Werk lasse, und vor
meine Nullen die göttliche eins setze, dann werde ich unvollkommen
vollkommen. Meine Unvollkommenheit bleibt, nur durch Gott werde ich
gerecht und vollkommen.
Erst der täglichen Begegnung mit Jesus Christus bekomme ich die richtige
Bilanz für mein Leben. Und nur in der Begegnung mit Jesus Christus,
erfahre ich, wie Gott wirklich ist, ich muss nur einen Buchstaben
austauchen und habe damit eine wesentliche Eigenschaft Gottes:
„Gott ist gut.“
Diese Tatsache hat zuerst einmal etwas Erschreckendes an sich. Denn wenn
ich erfahre, dass Gott gut ist, dann erst merke ich, wie sehr ich Sünder
bin. Wenn ich in Jesus Christus dem lebendigen Gott begegne, erfahre
ich, wie unvollkommen ich bin.
Wie gut tut es mir da, dass Gott wirklich gut ist. Denn in seiner Güte
nimmt er die Schuld von mir, in seiner Güte nimmt er mir all das
Schlechte weg und macht mich in Jesus Christus gerecht. Das ist das, was
uns zu Beginn die Geschichte vom Begräbnis der deutschen Kaiser zeigt:
"Nur als Sünder, der durch die Gnade Jesu Christi gerecht gemacht ist,
kann ich bei Gott hereingelassen und begnadigt werden."
Ich werde ohne gute Taten, ohne gute Werke vor Gott gerecht. Gott
vergibt mir meine Schuld und meine Sünde in Jesus Christus. Und nun
kommt eine Frage, die in diesem Zusammenhang oft gestellt wird. Wenn
Gott vergibt, dann ist es doch egal, wie ich lebe? Wenn ich Sünde und
Schuld begangen habe, dann kann ich doch wieder zu Gott gehen und er
nimmt sie mir weg? Ich kann ohne Rücksicht auf Gott leben und am Schluss
auf dem Totenbett die Notbremse ziehen.
Auch wegen dieser Frage habe ich das Zahlenbeispiel mit der Eins und den
Nullen erzählt. Die guten Werke sind die Nullen des Glaubens. Wenn ich
die guten Werke ohne Christus vollbringe, dann ist bei Gott ihre Summe
gleich Null. Wenn Werke ohne Christus vollbringe, dann sind sie vor Gott
nichts wert.
Und wenn ich die guten Werke für wichtiger als Jesus Christus halte,
dann bringen sie mich ab vom Glauben. Wenn ich Werke vor Jesus Christus
stelle, dann bleiben sie Nullen, dann sind sie vor Gott nichts wert.
Aber wenn ich im Glauben an Jesus Christus, und durch Jesus Christus
gute Werke tue, dann ist Christus die Nummer eins. Durch ihn werden
meine Werke unendlich wertvoll vor Gott.
Gerecht werde ich durch den Glauben an Jesus Christus. Und dieser Glaube
befähigt mich dazu, anderen Gutes zu tun. Dann schenkt mir Gott in
meiner Unvollkommenheit seine Vollkommenheit.
Lasst uns täglich mit diesem guten Gott in Verbindung bleiben.
Dazu gibt es das Fenster zum Himmel, das Telefon in den Himmel und das
Informationsbüro über den Himmel.
Die Bibel, darin vor allem die Worte Jesu, ist das Fenster zum Himmel.
Die Bibel hilft uns dabei, Gott und Jesus Christus kennenzulernen.
Das Gebet ist das Telefon in den Himmel. Das Gebet ist der heiße Draht
zu Gott.
Und die Gemeinschaft mit anderen Christen ist das Informationsbüro über
den Himmel. Wenn wir uns im Gottesdienst treffen, wenn wir mit anderen
Christen reden, erfahren wir mehr über Gott. Uns allen miteinander
schenkt er in unserer Unvollkommenheit seine Vollkommenheit.
Gott zeigt uns durch die Auferstehung seines Sohnes Jesu Christi, dass
selbst der Tod uns nicht von ihm trennen kann. In unserem Tod können wir
Gemeinschaft mit Jesus Christus haben. Das heißt: Er will uns begleiten
und trösten in der Stunde unseres Todes. Und über den Tod hinaus können
wir Gemeinschaft mit Jesus Christus haben. Das heißt: So wie er
auferstanden ist, werden auch wir auferstehen. Und wenn wir an ihn
glauben, werden wir in ewiger Freude bei Gott leben.
Ziehen wir so Bilanz in unserem Leben:
Es gibt nur e i n e n Posten in unserer Lebensbilanz, der uns
dauerhaften Sinn für unser Leben gibt und der auch im Angesicht des
Todes standhält:
Die tägliche Begegnung mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus. Er
begegnet uns im Fenster zum Himmel, der Bibel. Wir erfahren mehr über
ihn im Informationsbüro über den Himmel, in der Gemeinschaft mit anderen
Christen. Und wir haben den heißen Draht, das Telefon zum Himmel. Wenn
wir mit ihm reden und rechnen, dann erfahren wir im Alltag täglich neu:
wir leben und glauben unvollkommen vollkommen.
Amen.
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