Gottes Stärke
Liebe Jubilare, Liebe Gemeinde,
„Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmerung Pforte ist er mir nah und spricht.“ Dieses haben wir zu Beginn gesungen und Jochen Klepper, der dieses Lied gedichtet hat, hatte dabei in einer persönlich schwierigen Zeit unseren heutigen Text vor Augen:
Jesaja 50,4–9 13.04.2025 Palmsonntag Jubelkonfirmation Eschelbronn
4 Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. 5 Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. 6 Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. 7 Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. 8 Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! 9 Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen?
Wie können wir mit Schwierigkeiten und Problemen in unserem Leben und in unserem Christsein umgehen. Und das Erste, was wir dabei schmerzhaft feststellen müssen: es gibt kein fehlerloses, perfektes Leben. Wir können es uns noch so sehr wünschen oder danach streben.
Der Prophet Jesaja stellt uns hier eine schillernde Gestalt vor, die zumeist der Gottesknecht genannt wird. Dieser Gottesknecht zeigt uns, wie es möglich ist, im Glauben und in der Gemeinschaft, mit Gottes Hilfe, trotz den finsteren Tälern des Lebens zu einem erfüllten Leben, welches Gottes Ziel im Auge hat, zu finden.
In diesem Gottesknecht finden wir viele unterschiedliche Facetten, von denen ich nur drei nennen möchte:
Über die zweite und dritte Bedeutung des Gottesknechtes möchte ich heute reden.
Der Gottesknecht ist für mich Hilfe für meinen Glauben
Einen ersten Hinweis bietet der Theologe Sören Kierkegaard, der in seiner Schrift „Krankheit zum Tode“ zur Auferweckung des Lazarus schreibt:
„Christlich verstanden, ist im Tod unendlich viel mehr Hoffnung als in bloß menschlichem Sinn.
Sogar da, wo nicht nur Leben vorhanden ist, sondern dieses Leben in voller Gesundheit und Kraft steht.“
Kierkegaard will damit auch sagen: Es ist nicht der Tod und das Scheitern zu fürchten, sondern das perfekte, schöne Leben ohne Gott und ohne das mein Glaube im Alltag Konsequenzen hat.
Von hier aus will ich zeigen, welche Hilfen der Text für meinen Glauben bietet:
Gott hat mir eine Zunge gegeben,
um mit den Müden reden – aber was ist, wenn ich selbst müde bin?
Das gilt es auszuhalten, auch dem Druck von außen auszuhalten und in den Abgrund meiner eigenen Müdigkeit schauen, damit Gott mich wieder fit und wach machen kann.
Denn als jemand, der selbst Müdigkeit erfahren hat, kann ich doch viel besser zu Menschen reden, die müde sind und ihnen helfen neue Kraft und Hoffnung zu schöpfen.
Gott hat mir das Ohr geöffnet,
damit ich ein Jünger oder besser übersetzt ein Schüler bin – ein Lernender, also jemand der noch etwas lernen kann und darf.
Die Frage an mich ist, bin ich bereit zu hören, das bedeutet mich hörend von Gott ändern zu lassen und meine eigenen Erwartungen mit Gott und den Menschen, die mich kennen durchsprechen und zu diskutieren.
Dann werde ich bereit sein auf Gott zu hören, auch wenn er Gebete nicht immer so erfüllt, wie ich mir das vorstelle.
Wenn ich das erfahre, dann kann ich doch viel tiefer und echter über Gebet reden, als jemand der scheinbar immer nur Gebetserhörungen erfährt.
Gott hilft mir,
denn meine Müdigkeit und meine fehlende Änderungsbereitschaft zeigen mir, dass ich Gott brauche.
Menschen ändern sich zumeist erst, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Und dann kommt noch etwas ganz anderes hinzu: oft kann ich die Umstände gar nicht ändern, aber was ich ändern kann, ist meine Einstellung zu den Umständen. Und dies kann der entscheidende Schritt sein, mit einer Situation umzugehen. Das kann die gescheiterte Ehe sein oder eine körperliche Einschränkung, mein Mangel an Freude oder meine beschränkte Begabung, die dauernden finanziellen Sorgen oder der Kummer mit den Kindern. Und das bleibt vielleicht sogar so, aber ich kann damit leben.
Eines ist wichtig: es geht hier um Schwäche, nicht um Sünde. Es geht nicht darum falsche Entscheidungen schön zu reden oder unangemessenes Verhalten zu rechtfertigen. Nein, es geht um die Schwächen, unter denen wir leiden und die uns das Leben und den Glauben schwer machen. Um die Dinge, auf die Gott uns antwortet: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist im Schwachen mächtig.
Der Gottesknecht ist aber auch eine Richtungsanweisung für uns als Gemeinschaft
Als Müde und Schwache, dürfen wir uns um die Müden und Schwachen kümmern
Dies geschieht auch schon in vielfältiger Weise und sollte für uns Ansporn sein, dies weiter und auf vielfältige andere Art zu tun.
Danke für alle BesucherInnen, die bei den Kranken und Einsamen vorbeischauen und sie trösten.
Danke für alle, die bei den kleinen Dingen im Hintergrund mitgeholfen, dass diese Jubelkonfirmation stattfinden kann.
Das sind kleine Dienste und Aufgaben, die im Hintergrund passieren und gerne übersehen werden, die aber für die Menschen große segensreiche Auswirkungen haben.
Als auf Gott Hörende dürfen wir andere einladen auch auf Gott zu hören
Überlegen wir uns jemand, den wir über die folgenden Feiertage Karfreitag und Osern zum Gottesdienst einladen und mitbringen können. Denn dann stehen nicht nur wir unter dem Segen des Wortes Gottes, sondern geben es auch noch an andere weiter.
Miteinander auf Gott hören und Dinge ermöglichen und Mitarbeiter ermutigen, anstatt die Fehler zu suchen und dem anderen unter die Nase zu reiben.
Ich will andere ermutigen, auf Gott zu hören und das Gehörte in den Alltag umzusetzen.
Als auf Gott Vertrauende dürfen wir andere auf Gottes Hilfe hinweisen
d.h., dass wird davon erzählen, was Gott an kleinen und großen Wundern in unserem Alltag tut.
Das bedeutet, dass wir anderen Menschen im Namen Gottes helfen, gerade darin, dass wir ihnen einen realistischen Umgang mit Schwächen zeigen. Denn auch Jesus sagt an vielen Stellen: Die Schwächen bleiben. Er fährt aber fort: Ich kann trotz deiner Schwächen etwas mit dir anfangen. Und dann laufe ich nicht mehr einem perfekten Idealbild nach, sondern kann mich auf meine Mitarbeit bei Gottes Sache konzentrieren. Dieser veränderte Blick verändert, weil wir merken: mit mir kann Jesus etwas anfangen. Jeder kann und darf in Gottes Gemeinschaft mitarbeiten. Und jeder, jede, die noch so einen kleinen Dienst tun, erhält einen Teil der Ehre, die uns durch Jesus zusteht. Das ist heilsame Kraft und das Gegenteil von Druck. Es fordert uns heraus, nicht nach hinten, sondern nach vorne zu schauen und zu gehen.
Dann werden wir einladende, offene Gemeinschaft, und zwar nicht nur für die Menschen, die wir gerne um uns hätten, sondern auch für die Menschen, die kommen, weil Gott sie uns schickt.
Der Gottesknecht hat es erlebt, dass Gebete nicht erhört werden und Schwäche durch Gnade Gottes zur Stärke wird.
Der Gottesknecht hat erfahren, dass Pläne scheitern, und dies durch Gnade Gottes zur Stärke wird.
Der Gottesknecht hat es gewagt, in die eigenen Abgründe zu schauen, und seine Schwäche durch Gnade Gottes zur Stärke werden zu lassen.
Der Gottesknecht hat durchlitten, wenn Schwächen wehtun und diese durch Gnade Gottes zu Stärke werden.
Legt nächste Woche Gott Euren Alltag im Gebet hin, dann wird aus unserer Schwäche durch die Gnade Gottes seine Stärke.
Amen