Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden! - Apostelgeschichte 2,6–8.17a.21

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Krust, Ralf

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May 23, 2026, 3:19:40 AMMay 23
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Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden!

Liebe Gemeinde,

warum feiern wir Pfingsten? Damit wir durch Gottes Heiligen Geist den christlichen Glauben verstehen. Kurz gesagt: Der christliche Glaube bedeutet: Es muss doch mehr als alles geben. Der Heilige Geist weckt in unserem Herzen die Frage: Gibt es mehr als alles – also mehr als ein schönes Haus, eine liebe Familie, beruflichen Erfolg, Urlaubsreisen und all das, was unser Leben ausfüllt? Dieses „Mehr“ ist nicht einfach irgendeine Idee. Dieses „Mehr“ ist Gott selbst – der, der hinter allem steht, der Ursprung des Lebens ist und unserem Leben Sinn und Ziel gibt.

Damit wir auf diese Frage kommen und damit wir den Glauben verstehen, hat Gott an Pfingsten den Heiligen Geist gesandt. Dazu hören wir einige Verse aus der Apostelgeschichte, den ganzen Text kann auf dem Gottesdienstblatt zu Hause nachgelesen werden (Apostelgeschichte 2, 1-21):

 

Die Bibel – Apostelgeschichte 2,6–8.17a.21 (Basisbibel)

Als das Brausen einsetzte, strömten die Menschen zusammen. Sie waren verstört, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden. Erstaunt und verwundert sagten sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? …«

»In den letzten Tagen wird es geschehen, spricht Gott:
Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen. …
Und jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.«

 

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Was bekennen wir eigentlich, wenn wir das miteinander sprechen?

Das erklärt sich am besten aus den folgenden Aussagen des Glaubensbekenntnisses: „die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Kirche und Gemeinschaft der Glaubenden bilden den Raum, in dem der Heilige Geist wirkt. Dort wird die Vergebung erfahren und zugesprochen. Dort wächst Hoffnung über den Tod hinaus. Dort schenkt Gott ewiges Leben. Das alles schafft der Heilige Geist.

Damals am Anfang kamen viele Menschen durch das Wirken des Heiligen Geistes zum Glauben an Jesus Christus. Heute besteht die Herausforderung oft darin, dass Menschen, die sich Christen nennen, neu entdecken, was lebendiger Glaube bedeutet: nämlich eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Vertrauen auf Gottes Führung im Alltag.

Ich möchte das mit drei Gedanken entfalten:

  • verstehen, worum es im Glauben geht,
  • dass wir uns gegenseitig verstehen,
  • und dass wir in unserer Unterschiedlichkeit zusammenfinden.

1) Verstehen, worum es im Glauben geht

Der Heilige Geist zeigt uns: Glaube bedeutet, dass es mehr gibt als das Sichtbare.

Es gibt mehr als Besitz und Erfolg. Sie können unser Leben angenehm machen, aber sie tragen uns nicht in allen Situationen des Lebens.

Es gibt mehr als das, was wir planen und kontrollieren können. Wie schnell merken wir doch, dass unser Leben zerbrechlich ist und das wir nicht alles in der Hand haben.

Es gibt mehr als dieses irdische Leben. Der christliche Glaube sagt uns: Wer zu Jesus Christus gehört, dessen Leben endet nicht im Tod. Gott schenkt ewiges Leben.

Pfingsten erinnert uns daran: Der Mensch lebt nicht nur von dem, was er sehen und anfassen kann. Der Mensch lebt aus der Beziehung zu Gott. Der Heilige Geist öffnet uns dafür die Augen und das Herz.

2) Der Heilige Geist will wirken, dass wir uns gegenseitig verstehen

Wie wichtig das ist, merken wir spätestens dann, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinanderstoßen – in Familien, in der Gesellschaft und manchmal auch in der Kirche.

Das Wunder von Pfingsten bestand ja nicht hauptsächlich darin, dass plötzlich alle dieselbe Sprache gesprochen hätten. Das Wunder bestand darin, dass Menschen einander verstanden haben.

Der Heilige Geist ist der große Übersetzer Gottes. Er hilft uns, dem anderen zuzuhören. Den anderen verstehen heißt nicht automatisch, seine Meinung zu übernehmen. Aber es bedeutet, ernst zu nehmen, warum jemand so denkt und empfindet.

Gerade Christen sollten Menschen sein, die zuhören können. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern errichten. Menschen, die nicht sofort verurteilen, sondern zuerst verstehen wollen.

Denn wir gehören trotz aller Unterschiede zusammen – weil wir zu Jesus Christus gehören.

3) Der Heilige Geist eint uns in unserer Unterschiedlichkeit

Pfingsten zeigt: Gott liebt keine Uniformität. Die Menschen in Jerusalem blieben Parther, Meder, Römer oder Juden. Sie blieben verschieden. Und doch wurden sie durch den Heiligen Geist verbunden.

Vor Jahren habe ich das einmal selbst erlebt. Es gab Streit darüber, ob man beim Bibellesen und Singen Deutsch oder Russisch verwenden solle. Daraus entstanden Spannungen und schließlich trennten sich Gruppen voneinander. Doch der Heilige Geist versteht beide Sprachen. Er möchte nicht Spaltung, sondern gemeinsames Lob Gottes.

Gerade darin liegt etwas Wunderbares: Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören. Unterschiedliche Frömmigkeitsstile, unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Begabungen – all das kann sich ergänzen.

Darum ist es ein Geschenk, wenn in einem Gottesdienst verschiedene Menschen mitwirken:

  • Musikerinnen und Musiker,
  • Sängerinnen und Sänger,
  • Menschen im Gebet,
  • Menschen im stillen Dienst,
  • Kinder, Jugendliche und Ältere.

Wo der Heilige Geist wirkt, entsteht keine eintönige Gleichmacherei, sondern eine lebendige Einheit in Vielfalt.

Und genau dadurch wird Gemeinde anziehend. Menschen merken dann: Hier gibt es mehr als bloß Organisation oder Tradition. Hier lebt etwas von Gottes Liebe.

Der Heilige Geist ist seit Pfingsten ausgegossen und wirkt unter uns. Er ist kein Sonderbonus für besonders fromme Menschen. Gottes Geist ist ein Geschenk für alle, die sich Jesus Christus öffnen.

Manchmal wird so getan, als gäbe es Christen erster und zweiter Klasse. Doch Pfingsten sagt etwas anderes: Gottes Geist wird „über alle Menschen“ ausgegossen.

Die Frage ist nicht, ob Gott geben will. Die Frage ist vielmehr: Lassen wir ihn wirken?

Darum betet Paul Gerhardt, wie im Eingangslied gesungen:

Zieh ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast,
der du, da ich verloren, mich neugeboren hast.

Und später heißt es:

Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit,
willst nicht, dass uns betrübe Zorn, Zank, Hass, Neid und Streit.

Der Heilige Geist will Menschen zusammenführen. Er schafft Verständigung. Er schenkt Liebe. Er bewegt Herzen.

Aber das bleibt nicht ohne Folgen. Wer um den Heiligen Geist bittet, bittet zugleich darum, dass Gott ihn verändert. Gottes Geist bringt Bewegung in unser Leben. Er hinterfragt unsere Gewohnheiten, unsere Denkweisen und manchmal auch unsere Bequemlichkeit.

Der Heilige Geist macht lebendig. Ohne ihn würde christlicher Glaube erstarren und leer werden. Er schenkt Mut, Hoffnung und neue Ideen. Er zeigt Wege, wie wir unseren Glauben im Alltag leben können.

Wenn durch den Heiligen Geist so vieles in Bewegung gerät, dann stellt sich natürlich die Frage: Was bleibt?

Drei Dinge sind für mich grundlegend:

  1. Der Glaube an Jesus Christus.
    Durch ihn habe ich Hoffnung über dieses Leben hinaus. Er gibt meinem Leben Sinn und Ziel.
  2. Die Familie und die Menschen, die uns anvertraut sind.
    Hier erfahren wir Liebe, Verantwortung und Geborgenheit.
  3. Die Gemeinschaft der Glaubenden.
    Niemand muss den Glauben allein leben. Gott stellt uns Geschwister an die Seite, die mit uns glauben, hoffen und beten.

Seit Pfingsten redet Gott durch seinen Geist zu jedem Menschen. Er spricht die Sprache des Herzens – eine Sprache, die jeder verstehen kann.

Und darum gilt bis heute die große Verheißung Gottes:

„Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden!“

Auf dem Namen Jesu liegt Segen, Hoffnung und Leben – heute und in Ewigkeit. Gottes Heiliger Geist hilft uns, das zu verstehen, darauf zu vertrauen und daraus zu leben.

Amen.

 

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