Friedhöfe sind Kleiderablagen für die Ewigkeit - Johannes 5, 24–29

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Krust, Ralf

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Nov 22, 2025, 2:44:36 AM11/22/25
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Friedhöfe sind Kleiderablagen für die Ewigkeit

Liebe Gemeinde,

dieser Sonntag trägt verschiedene Namen: Viele nennen ihn Totensonntag. Im Gesangbuch steht er als Ewigkeitssonntag, und früher sprach man vom Gedenktag der Entschlafenen.
Diese drei Namen öffnen drei unterschiedliche Perspektiven:
– wir denken an unsere Verstorbenen,
– wir schauen auf die Ewigkeit,
– und wir hören die Zusage der Auferstehung.

Heute, an diesem Gedenktag, bringen viele von uns ihre Trauer mit: um einen Menschen, der fehlt, um Erinnerungen, die schmerzen, um offene Fragen, die geblieben sind.
In diese Trauer hinein hören wir die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium.


Biblischer Text – Johannes 5, 24–29

24Amen , amen, das sage ich euch: Wer mein Wort hört, und dem glaubt, der mich beauftragt hat, hat das ewige Leben, Er kommt nicht vor Gottes Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen, 25Amen , amen, das sage ich euch: Die Stunde kommt, ja sie bricht schon an: Da werden die Toten die Stimme des Gottessohnes hören. Und diejenigen, die den Ruf hören, werden leben! 26Aus sich selbst heraus schenkt der Vater das wahre Leben, Genauso hat er es auch dem Sohn gegeben, aus sich selbst heraus das wahre Leben zu schenken. 27Er hat ihm auch die Vollmacht gegeben, Gericht zu halten. Denn er ist der Menschensohn, 28Wundert euch nicht darüber: Es kommt die Stunde, in der alle Toten in ihren Gräbern seine Stimme hören. 29Sie werden alle herauskommen. Diejenigen, die Gutes getan haben, werden auferstehen, um das ewige Leben zu empfangen. Diejenigen aber, die Böses getan haben, werden auferstehen, um verurteilt zu werden.


1. Der Tod – zwei Blickrichtungen

Wenn wir an Gräbern stehen, spüren wir sofort, wie unterschiedlich der Tod erlebt wird. Manche sehen im Tod nur das Ende, das Dunkel, die Trennung. Andere erleben – oft trotz Tränen – eine tiefe Hoffnung und eine Ahnung von Nähe Gottes.

Ich möchte dies mit einem kleinen Wortspiel verdeutlichen: dem Wort „Tod“.


Ohne Glauben: T–O–D = „Trauer ohne Durchblick“

T – Trauer: Ohne Hoffnung über das Sichtbare hinaus und den Glauben an Jesus Christus bleibt Trauer oft hoffnungslos. Wir haben keinen Halt, keine Perspektive.

O – Ohne: Ohne die Beziehung zu Jesus Christus bleibt nur der Gedanke: „Nach dem Tod ist alles aus.“ Das macht das Leben eng und die Trauer schwer.

D – Durchblick fehlt: Viele greifen dann zu Vorstellungen, die nach Trost klingen sollen – etwa Wiedergeburt oder Seelenwanderung –, oft ohne ihren eigentlichen religiösen Hintergrund. In den Religionen, aus denen sie stammen, sind sie meist kein Trost, sondern ein mühsamer Kreislauf.


Mit Glauben: T–O–D = „Tür öffnet Durchgang“

T – Tür: Jesus selbst ist diese Tür. Er war tot – und ist auferstanden. Er hat den Tod geöffnet, von innen her.

O – Öffnet: Der Glaube an Jesus Christus öffnet uns die Gewissheit: Hinter dieser Tür wartet Gott. Nicht das Nichts, sondern der, der uns geschaffen hat.

D – Durchgang: Der Tod bleibt schmerzhaft – aber er ist nicht Endstation. Er ist ein Übergang. Deshalb sagt Jesus: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“

Heute, am Gedenktag der Entschlafenen, hören wir das besonders für diejenigen, die wir vermissen: Ihr Weg endet mit Jesus nicht im Dunkel.


2. Biblische Bilder – Trost für Trauernde

Um zu beschreiben, was mit uns geschieht, wenn wir sterben, verwendet die Bibel Bilder. Bilder, die uns trösten wollen:

1. Das Bild der Kleider:
Wir legen die alten Kleider ab wie am Abend. Und Gott gibt uns neue – weiße, himmlische Kleider.
Der französische Journalist André Frossard hat einmal gesagt:
„Friedhöfe sind nur Kleiderablagen für die Ewigkeit.“
Ein starkes Bild für alle, die an einem Grab stehen und sich fragen: „Wo ist mein Mensch jetzt?“

2. Das Bild des Schlafs:
Sterben ist wie Einschlafen. Und die Auferstehung ist wie Aufwachen im Licht Gottes. Franz von Assisi sagte: „Sei willkommen, mein Bruder Tod. Er wird mir die Pforte zum Leben sein.“
Das ist keine romantische Verklärung – es ist die Hoffnung eines Menschen, der Jesus vertraute.

3. Das Bild der Verwandlung:
Wie eine Raupe zum Schmetterling wird, so wird unser irdischer Körper verwandelt.
Wir wissen nicht, wie unser himmlischer Leib aussieht. Aber er wird herrlicher sein als alles, was wir kennen.
Das tröstet besonders, wenn wir an Menschen denken, die schwer krank waren oder viel gelitten haben.


3. „Warum lässt Gott Leid zu?“ – eine Geschichte zum Weiterdenken

Viele von uns tragen an diesem Sonntag nicht nur Trauer, sondern auch Fragen:
Warum musste mein Vater so kämpfen?
Warum wurde mein Kind so jung aus dem Leben gerissen?
Warum dieses Leiden?

Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Aber manchmal helfen uns Geschichten, den Blick zu öffnen.

Sie spielt in der Grand-Central-Station in New York, dem größten Bahnhof der Welt.

Die Sonne flutet durch die zwanzig Meter hohen Fenster und fällt über die Marmortreppen wie in eine große Kathedrale. Doch die vielen Menschen – aus allen Sprachen und Hautfarben – schauen sich kaum um. Sie haben es eilig. Und so bemerken sie nicht, dass neben ihnen Menschen gehen, die in großer Not sind.

Einer jedoch sieht es. Es ist Gepäckträger Nr. 42, etwa vierzig Jahre alt.

Eine junge Frau ruft: „Gepäckträger!“

Nr. 42 geht auf sie zu. Bei ihr ist eine ältere Dame im Rollstuhl.

„Bitte bringen Sie meine Mutter zum Zug nach Philadelphia! Ich muss kurz telefonieren.“

Der Gepäckträger schiebt den Rollstuhl durch die belebte Bahnhofshalle. Die alte Dame nimmt ihr Taschentuch und wischt sich über die Augen.

„Ist das Ihre Tochter, Madam? Eine schöne Frau!“, sagt der Gepäckträger freundlich.

Die Dame nickt.

„Haben Sie mehrere Kinder zu Hause? Sie müssen glücklich sein – bei einer so netten Tochter.“

So redet der Gepäckträger weiter, bis sie am richtigen Gleis angekommen sind.

Die Dame öffnet ihre Tasche und pudert sich.

„Merkt man, dass ich geweint habe?“, fragt sie hastig.

„Kaum“, antwortet der Gepäckträger.

„Ich will nicht, dass meine Tochter es merkt – aber ich bin so verzweifelt. Ich bin krank, sehr krank. Niemand kann mir helfen!“

„Gott kann helfen“, sagt Nr. 42 ruhig.

„Meinen Sie wirklich, ich könnte glauben, dass es einen guten Gott im Himmel gibt, wenn er mich so leiden lässt?“

Der Gepäckträger antwortet leise, aber bestimmt:

„Gott hat seinen eigenen Sohn auch leiden und sterben lassen – um unserer Sünden willen.“

Die Dame schaut überrascht auf.

„Das verstehe ich nicht.“

„Niemand versteht es völlig, Madam. Aber wir glauben es.“

„Soll ich glauben, dass Gott mir diese Krankheit …?“

„Das müssen Sie selbst entscheiden, Madam. Aber eines von beidem müssen Sie glauben: Entweder, dass Gott Sie trotzdem liebt – oder dass alles sinnlos ist. Ich nehme das Erste an. Das gibt mir Frieden und Zuversicht, das Schwere zu tragen, auch wenn ich es nicht verstehe. – Aber sehen Sie: Hier kommt Ihre Tochter.“

„Wie heißen Sie, Gepäckträger?“, fragt die Dame beim Einsteigen.

„Ralston Young, Madam, Gepäckträger Nr. 42.“

„Mr. Young, ich danke Ihnen. Sie werden noch von mir hören.“

Ein Jahr später erhält Ralston einen Brief:

„Meine Mutter ist gestorben. Sie wollte, dass ich Ihnen schreibe, sie sei im Frieden und im Vertrauen zu Gott heimgegangen. Die Familie dankt Ihnen …“

Ralston ist glücklich – denn er hat mit seinem Glauben einem anderen Menschen geholfen. Das ist seine Arbeit: Gepäckträger und Seelsorger zugleich. Ein Träger von Lasten – im größten Bahnhof der Welt.


Schluss

Lasst uns Tod also im Glauben an Jesus Christus buchstabieren als: „Tür öffnet Durchgang zu Gott“
dann werden Friedhöfe zu Orten der Hoffnung: Kleiderablagen für die Ewigkeit.

Und lasst uns Leben buchstabieren als: „Liebe echt beständig [im] ewig Nachhausekommen“
Dann wird unser Weg hier in Gottes gute Ewigkeit münden.

Amen.

 

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