Auf Gottes Versprechen vertrauen
Liebe Gemeinde,
Krach in der Familie. Wer kennt das nicht? Dass dies bis zu Mordgedanken gehen kann, zeigt uns schon die Bibel. Dunkle Schatten haben sich auf die Zelte Isaaks, des Sohnes von Abrahams gelegt.
Der schlaue Jakob hat seinen Zwillingsbruder, den Naturbuschen Esau, mit einem Trick aufs Kreuz gelegt. Jakob kauft von Esau für einen Teller Linsensuppe das Erstgeburtsrecht ab. In Folge erschleicht er sich dann den väterlichen Segen, indem er sich als sein Bruder Esau verkleidet. Unsaubere Mittel schaffen im Leben stets auch unsaubere Zustände. Es entgeht der Mutter Rebekka nicht, welch ein tiefer Hass sich in Esau gegen seinen Bruder Jakob festsetzt. Um einen Ausweg gegen diese Mordgedanken zu finden, ersinnt sie einen neuen Plan. Sie überredet ihren Mann, Jakob nach Haran zu ihrem Bruder Laban zu schicken, bis sich der Zorn seines Bruders Esaus gelegt hat. Schlauer kann man eine Flucht vor dem eigenen, mordlustigen Bruder nicht verpacken und hier beginnt der heutige Text:
Die Bibel - 1.Mose 28,10–17.20-21 – Basisbibel
10Jakob zog von Beerscheba nach Haran. 11Unterwegs kam er an einen Ort, an dem er übernachtete. Denn die Sonne war schon untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dort und legte ihn neben seinen Kopf. Dann schlief er ein. 12Im Traum sah er eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes hinauf und herunter. 13Plötzlich stand der Herr vor ihm und sagte: »Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14Sie werden so zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten. Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet sein. 15Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst. Ich bringe dich zurück in dieses Land. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich vollbringe, was ich dir verheißen habe.« 16Als Jakob aus dem Schlaf erwachte, sagte er: »Der Herr ist an diesem Ort anwesend, und ich wusste es nicht.« 17Da fürchtete er sich und dachte: »Vor diesem Ort muss man Ehrfurcht haben! Hier ist gewiss ein Haus Gottes und ein Tor zum Himmel.« …
20Dann gab Jakob ein feierliches Versprechen: »Gott stehe mir bei und behüte mich auf meiner Reise. Er gebe mir Brot zum Essen und Kleidung zum Anziehen. 21Wenn er das tut und ich wohlbehalten zum Haus meines Vaters zurückkehre, dann soll der Herr mein Gott sein.
Gott ist selbst in solchen verfahrenen Situationen da und er begegnet dem schlauen, intellektuellen Jakob hier in einer Art und Weise, wie er es versteht und bereit wird sich auf den Weg zu einem Leben mit Gott zu machen. Das wir das Eingehen Gottes auf Jakobs Persönlichkeit im Blick behalten, ist ganz wichtig. Denn jeder Christ hat eine ganz eigene Art, die Beziehung mit Gott zu leben. Wenn wir dies beachten, dann befreit uns das von frommen Druck der Gleichmacherei und unserem schlechtem Gewissen. Es gibt eben nicht nur die eine Art christlichen Glauben zu leben: Weil jeder von uns einzigartig ist, hat auch jeder einen ganz eigenen Weg, Gott und Jesus zu lieben, ihn anzubeten, ihm zu dienen.
Darum geht es in dem Buch „Neun Wege, Gott zu leben“. Der Autor entfaltet neun unterschiedliche geistliche Temperamente und Begabungen mit ihren jeweiligen Eigenarten, Stärken und Gefahren. Er zeigt, wie diese unsere Beziehung zu Jesus Christus prägen. So hilft er dabei, besser zu verstehen, wie Gott uns geschaffen und gemeint hat, und zeigt, dass wir ihn genau so lieben können und sollen, wie wir sind.
Der Natur-Typ begegnet Gott auf einer anderen Weise als der sinnliche. Wer die Traditionen liebt, erfährt Gott in unterschiedlichen Dingen, als ein asketischer Mensch. Der Aktionist braucht andere Wege als eine fürsorgliche Person. Wer sich Gott enthusiastisch nähert, macht das auf eine unterschiedliche Art als ein kontemplativer Typ. Und dann gibt es noch die Intellektuellen, die an die Sache mit Gott von ihrem Verstand her rangehen.
Blicken wir mit diesem Wissen einmal auf unsere heutige Hauptperson, den Jakob. Er geht an die Sachen zumeist ganz rational ran, so dass bei ihm der intellektuelle Typ am besten passt. Dazu einfach ein paar Begebenheiten aus seinem Leben:
Das Dumme ist nur, dass er hier seinen Verstand nicht mit, sondern gegen Gott gebraucht. Er hat verantwortungslos gehandelt. Darum finden wir ihn im heutigen Dilemma wieder: Die Konsequenz des Betrugs ist, das er fliehen muss.
Ich merke mir hier eines, dass ich meinen Verstand nicht gegen Gott gebrauchen möchte, sondern immer wieder zusammen mit Gott verantwortlich handeln lerne.
Ich merke mir hier folgendes: Meine Leiter zu Gott ist die Person Jesus Christus. In ihm hat Gott die himmlische Verbindung hergestellt und wenn ich mich auf ihn und seine Worte verlasse, dann komme ich ihm durch den Glauben Stück für Stück näher.
In unserer Gesellschaft bringen wir den Verstand nicht automatisch in Verbindung mit Liebe und Hingabe. Es ist immer das Herz das in diesem Zusammen genannt wird. Zum Valentinstag gibt es Schokoladenherzen, aber keine Schokoladengehirne. Im biblischen Zusammenhang sind Verstand und Herz aber gar nicht so weit auseinander. „Leb“ d.i. der hebräische Begriff für Herz bezeichnet das ganze „Ich“ des Menschen, sein Selbstbewusstsein, sein Erkennen, Streben, Fühlen und Wollen. Es ist letztlich das, was wir als „verantwortliches Handeln“ oder ganz einfach mit „Verantwortung“ bezeichnen. Und damit sind wir ganz schnell bei unserem Denken und unserem Verstand.
Menschen die Gott zuerst einmal mit dem Verstand begegnen sollen darauf achten, dass dies dann in ihr Herz dringt und von dort her ihre Hände zu verantwortlichem Handeln bewegt.
Drei Gefahren für Christen, die ihren Glauben vor allem vom Verstand her leben, will ich nicht verschweigen.
Gefahr Nr. 1 Den Streit und die Diskussion zu sehr zu lieben
Jakob liebte die Auseinandersetzung mit seinem Bruder Esau und später mit seinem Schwiegervater Laban. Im Theologenhauskreis in Tübingen bei Campus für Christus war die erste Reaktion meiner Frau, die nicht verstehen konnte, warum man sich über so ein Thema streitet. Das wichtige dabei ist, das man den anderen auch bei einer anderen Meinung als Christ stehen und die Größe hat zu sagen: we agree to disagree, zu Deutsch: wir einigen uns darauf, uns nicht zu einigen.
Gefahr Nr. 2 Wissen statt Handeln
Jakob wusste, was von Gott her richtig ist, und hat doch das gemacht was ihm nützte. Das Wissen um verantwortliches Handeln vor Gott muss vom Gehirn ins Herz und vom Herz in die Hand gelangen. Wissen um das was richtig ist, ersetzt nicht das Handeln.
Gefahr Nr. 3 Stolz
Der Stolz von Jakob bekam einen großen Dämpfer, als er von seinem Bruder fliehen musste. Stolz ist eine verbreitete Schwäche bei Menschen mit einem scharfen Verstand, vor allem wenn sie das Bestreben haben, buchstäblich jeden verbessern zu müssen. Es kommt auf das richtige Gespür an, wann und wo ein gutes Gespräch seinen Platz hat.
Es gilt die Stärken des Verstandes zu nutzen und dabei diese Gefahren zu vermeiden.
Gott begegnet uns, jeden in seiner individuellen Weise. „hier haben wir uns heute den intellektuellen Weg angeschaut, so wie Jesus sagt: „Du soll Gott lieben mit ganzem Verstand.“
Das ist ein Stück weit auch meiner persönlichen Lebensgeschichte, so wie Jakob hier die Versprechen Gottes auf die Probe stellt:
„Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.“
Das habe auch ich ausprobiert und erfahren, dass Gott zu seinem Wort steht.
Und wie gesagt, das ist ein Zugang zu Jesus Christus und zu Gott. Ich stelle ihn an den Beginn der Neun Wege, weil er mir geholfen hat. Aber es gibt noch viele weitere Wege Gott zu lieben und mit denen werden wir uns die nächsten Wochen beschäftigen. Heute möchte ich eine Frage für die nächste Woche, zum Nachdenken mit auf den Weg geben. Jeder soll ich in der nächsten Woche immer wieder die Frage stellen:
„Was hilft mir persönlich, Gott und Jesus Christus immer mehr und mehr zu lieben?“
Amen.