Joseph - – Matthäus 1,18-25

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Krust, Ralf

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Dec 23, 2025, 4:46:34 AM12/23/25
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Joseph

Liebe Gemeinde,

Josef wird in der Weihnachtsgeschichte oft übersehen. Meist sprechen wir über Maria und über das Kind in der Krippe. Wie schon in der Lesung deutlich wurde, möchte ich heute gezielt auf Josef eingehen. Er ist der Mann, welcher für Jesus während seiner Kindheit und Jugend ein Vater war.

 

Bibeltext – Matthäus 1,18-25 (Basisbibel)
18 So war die Geburt Jesu: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt, und ehe sie zusammenkamen, wurde sie schwanger durch den Heiligen Geist.
19 Josef, ihr Mann, war gerecht und wollte sie nicht öffentlich bloßstellen, und er hatte vor, sie heimlich zu verlassen.
20 Während er darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; er wird sein Volk von ihren Sünden retten.“
22 Dies alles geschah, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hatte:
23 „Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, was übersetzt heißt: Gott ist mit uns.“
24 Als Josef aus dem Schlaf erwachte, tat er, wie der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm Maria zu sich.
25 Er hatte keinen Geschlechtsverkehr mit ihr, bis sie ihren Sohn gebar, und er gab ihm den Namen Jesus.

 

Wenn wir diesen Bibeltext hören, sehen wir: Josef hatte ein Leben vor sich, das durch Gottes Plan völlig auf den Kopf gestellt wurde. Vier Aspekte fallen mir besonders auf:

1. Die Verantwortung, die Josef übernahm
Die Aufgabe, die Josef bekommen hat, war außergewöhnlich. Niemand zieht freiwillig ein Kind groß, das nicht biologisch das eigene ist, ein Kind, das für die Rettung der Welt bestimmt ist. Josef erwies sich als ein Mann aus der Linie Davids sein, gerecht, klug, treu und verantwortungsbewusst. Gott wählte den richtigen Mann – und er hatte trotz aller Zweifel Vertrauen in Gottes Plan.

Weihnachten erinnert uns an unsere Verantwortung, die ich mit einem Satz von John F. Kennedy ausdrücken kann. Er hängt der im Rathaus einer meiner früheren Gemeinden: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“ Oder auf Weihnachten angewendet heißt der Satz so: „Frage nicht, was Gott für dich tun kann, er hat an Weihnachten schon seinen Sohn geschickt, sondern frage was du als Folge für dieses Geschenk, im Glauben für Gott tun kannst“

2. Josefs Mitgefühl und Treue
Als Josef erfuhr, dass Maria schwanger war, hätte er sich schämen, zornig oder enttäuscht fühlen können. Viele hätten sie bloßgestellt oder verlassen. Auch er wollte ihr zuerst zeigen, wo der „Zimmermann das Loch gelassen hat“. Doch Josef entschied sich, gerecht und liebevoll zu handeln. Er beschützte Maria und das Kind, er liebte sie und folgte Gottes Plan.

Stellen wir uns vor, ein Angehöriger verliert plötzlich seinen Partner. Nahe Verwandte übernehmen Verantwortung für den Zurückgebliebenen und die Kinder, kümmern uns um sie, trösten, begleiten. Das kann erschöpfend sein, doch es ist ein Ausdruck von Liebe. Josef tat Ähnliches: Er nahm Maria und Jesus an, trotz Unsicherheiten und öffentlichen Erwartungen. Seine Treue und sein Vertrauen ermöglichten dem Kind in der Krippe einen geschützten Start ins Leben.

Zeigen wir nicht manchmal im Streit auch unserem Gegenüber wo der Zimmermann das Loch gelassen hat, statt uns zu überlegen, wie wir trotz unterschiedlicher Meinungen miteinander auskommen können. Joseph hat nicht sofort Hurra geschrien, sondern ganz menschlich und impulsiv gedacht. Doch er hat auf die Stimme Gottes gehört und trotzt aller Zweifel sein Vertrauen in Gottes Plan durchgehalten.

 

3. Gottes Großzügigkeit wird durch Josef sichtbar

Mit Gottes Großzügigkeit begann ein Weg der Liebe und der Schmerzen. Maria und Joseph erfuhren es zuerst. Maria gab ihren Leib und ihre Liebe und musste erleben, dass ihr Sohn nicht ihr gehört. Joseph gab seinen Namen, seine Kraft und seine Ehre, sein Hab und Gut und hatte nichts als Schwierigkeiten. Kein Glanz fiel auf seine Treue, Demut und Hingabe. Und Jesus selbst wurde in seiner Liebe zum Menschen so verletzlich, dass er sich schließlich auf seine Liebe zu uns festnageln und kreuzigen ließ.

Aber durch diese Liebe verwandelte Gott das Dunkel der Weltnacht in das Licht der Weihnacht. Christ der Retter ist da! Für uns ist damals der Heiland geboren. Gott bindet sich an unser Leben. Er weiht uns seinen Sohn. Nun ist alles ganz anders.
Josef wurde aufgefordert, selbst großzügig Jesus als sein Kind anzunehmen, obwohl er nicht sein leiblicher Vater war. Gleichzeitig ist Jesus auch durch Josefs Linie ein Nachkomme Davids. Das zeigt uns Gottes Großzügigkeit: Wir dürfen Teil seiner Familie werden, trotz unserer Fehler und Schwächen. Gott lädt uns ein, seine Kinder zu sein. Er schenkt uns eine neue Identität und eine neue Zukunft.

Wenn wir das auf unseren Alltag übertragen, bedeutet es: Glaube wird konkret, wenn wir ihn in allen Bereichen unseres Lebens leben. Nicht nur in der guten Stube unseres Lebens, die wir anderen zeigen, sondern auch in den stillen Räumen: im Schlafzimmer, im Umgang mit Beziehungen, in unserer Arbeit, in der Schule, im Ehrenamt, selbst im Gespräch mit Freunden.

Wenn wir nur tief im Inneren glauben, aber unser Handeln und unseren Alltag davon ausnehmen, bleibt der Glaube abstrakt. Wenn wir jedoch unser Leben mit Gott teilen, kann er uns verändern und leiten, so wie er Josef leitete.

4. Josef als Vorbild für unseren Glauben
Josef zeigt uns, dass wir Glauben aktiv leben können. Er lebte Glaube nicht nur in Worten, sondern in Tat und Verantwortung. Auch wir können das: im Umgang mit Kindern, in der Schule, am Arbeitsplatz oder zu Hause. Wenn wir helfen, trösten, Verantwortung übernehmen und gerecht handeln, setzen wir ein Zeichen: Jesus Christus wirkt in uns.

Manche Menschen erleben in dieser Zeit Trauer oder Einsamkeit. Weihnachten ist ein Fest der Freude, aber auch der Erinnerung an Verluste. Wir können diesen Menschen begegnen, zuhören, helfen, kleine Zeichen der Hoffnung geben – wie Josef Maria und Jesus Schutz und Geborgenheit gab.

Ein kleiner Junge besucht mit seiner Großmutter am Heiligen Abend die Kirche. Nach dem Gottesdienst gehen sie nach vorne, um die große Krippenlandschaft anzusehen. Der Stall, die Hirten, Maria und Josef, Ochse und Esel, die Weisen aus dem fernen Orient werden bestaunt. Plötzlich entdeckt der Junge das winzige Kind in der Krippe und ruft laut: „Oma, der liebe Gott ist aber klein!”

Wir erwarten von Gott etwas Großes, Herrliches, Mächtiges und Gewaltiges, aber er wird so klein und winzig wie ein Kind. Gott kommt uns Menschen nahe. Denn an seine Größe reichen wir nie heran. Wer ihm begegnen will, muss sich zu dem Kind herabneigen. So wie es Joseph in seinem kleinen Glauben und vielen Zweifeln tat. Und dann wächst unser Glaube, wie auch Jesus gewachsen, groß und stark geworden ist. Aber es beginnt klein, unscheinbar und gering, um heranzuwachsen zum vollen Maß des Glaubens. Wenn der Glaube an Christus in unserem Herzen geboren wird, ist er zunächst ganz klein. Aber er wächst und wird stark. Gott bleibt gerade darin groß, dass er sich in Liebe so tief zu uns herabneigt.

Die Weihnachtsgeschichte erinnert uns daran, dass Glaube und Vertrauen in Jesus Christus konkret werden müssen. Gott ist in Jesus Christus Mensch, also ganz konkret geworden. Weihnachten ist mehr als Lichter, Lieder und Geschenke. Das Kind in der Krippe ist Gott, der zu uns kommt – mitten in unseren Alltag, in unsere Schule, unsere Arbeit, unsere Familie.

Josef zeigt uns, wie wir Glauben leben können: still, leise, treu und doch wirkungsvoll. Wie er können wir Menschen begleiten, beschützen, lieben und Verantwortung übernehmen. So wird Weihnachten lebendig in unserem Handeln, und wir tragen die Botschaft weiter: Jesus Christus ist mit uns – nicht nur heute, sondern im Alltag und immer.

Amen

 

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