Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin Psalm 139

2 views
Skip to first unread message

Krust, Ralf

unread,
Aug 30, 2025, 2:10:29 AM8/30/25
to predi...@googlegroups.com

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin

Liebe Gemeinde,

bei vielen Dingen kommt es darauf an, mit welchem Ohr ich sie höre und mit welcher Einstellung ich sie betrachte. Um es deutlich zu machen, was ich damit meine, erzähle ich eine kleine Begebenheit:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Einen Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuleihen. Doch da kommen ihm Zweifel: Was ist, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich kaum. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgetäuscht, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug leihen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

(nach P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)

Machen wir es hoffentlich anders? Hören wir auf Psalm 139, aus dem Taufspruch des heutigen Taufkindes stammt.

 

Die Bibel - Psalm 139, 1-16.23-24 – 31.08.2025

HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, / und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht. HERR, du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht wurde, da ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war… Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

 

„HERR, du erforschest mich und kennest mich.“ Nun kann ich dazu sagen: „Big Brother is watching you“ und das führt dann in der extremen Form zu der Gottesvergiftung, die Tilman Moser in seinem Buch beschrieben hat.

Oder ich nehme das Ohr meines barmherzigen, himmlischen Vaters, und schon wird deutlich, dass Gott mich mit den gütigen und wohlwollenden Augen des guten Hirten ansieht und schon komme ich zu einem ganz anderen Ergebnis.

Dies ist entscheidend, denn damit wird der Psalm für uns zu einem wunderbaren Versprechen und stillt unsere tiefen Sehnsüchte und Bedürfnisse, er ist wunderbar, geradezu zu wunderbar für mich:

Es ist, die Sehnsucht beachtet zu werden, die Sehnsucht gerade stehen zu können und die Sehnsucht verstanden zu werden

  • Wir tragen in uns die tiefe Sehnsucht beachtet zu werden (schauen Sie mal zum/r Nachbar/in und begrüßen Sie ihn/sie)

Deswegen ist es gut miteinander Gottesdienst zu feiern und gemeinsam Gott loben. Wir dürfen uns an der Musik freuen und anderen eine Freude zu machen. So werden wir beachtet, beachten andere und loben Gott als denjenigen der die Musik geschaffen hat und sich daran freut, wenn wir ihn loben und preisen.

  • Wir tragen in uns die tiefe Sehnsucht gerade stehen zu können.

Schon die äußerliche Haltung eines Menschen macht einiges deutlich. Steckt er gebückt oder aufrecht. Gott hat uns ein Rückgrat gegeben, das wir geradestehen können. Denn nur dann wird der Blick in Richtung Himmel offen. Ich stehe vor Gott, will daran erinnern, den Blick zu dem zu heben, der mich wie kein anderer kennt und mich mit seinen barmherzigen Augen ansieht.

  • Wir tragen in uns die tiefe Sehnsucht verstanden zu werden.

Gott versteht mich, manchmal sogar besser als ich mich selbst verstehe. Wenn ich mich von ihm verstanden weiß, dann stehe ich ganz anders da, dann kann ich für das stehen, wer ich bin und wie ich bin. Wo ich auch stehe, darf ich wissen, dass ich vor dem lebendigen Gott stehe und ich vor ihm auch verantwortlich bin.

Das dürfen wir uns bewusst machen – wir stehen vor dem lebendigen Gott und dürfen hier einiges über ihn und seine Eigenschaften lernen. Gott ist der Allwissende und der Allgegenwärtige, von ihm kommen wir her und zu ihm gehen wir hin.

  • Gott, der Allwissende

Gott weiß und sieht alles und trotzdem habe ich Freiheit über meine Entscheidungen. Von Gott ist nur in Gegensätzen und scheinbaren Widersprüchen zu sprechen, da er unsere Vorstellungen von Raum und Zeit sprengt. Dies kann ich im Glauben mit Staunen und freudiger Verwunderung anerkennen, sagen, das ist zu wunderbar für mich oder ich kann versuchen vor ihm zu fliehen, was allerdings recht sinnlos ist, denn hier kommen wir zur nächsten Eigenschaft Gottes, er ist

  • Gott, der Allgegenwärtige

„du verstehst meine Gedanken von ferne“ da könnte ich nun sagen, Gott ist ganz weit weg, wie soll ich denn zu ihm kommen. So wird es manchem von uns heute Morgen gehen. Doch Gott kommt uns entgegen und wir machen heute den richtigen Schritt, wenn wir Sophie taufen. Gott ist gleichzeitig der Ferne und doch der Nahe. Es kann erschrecken, dass ich mich vor Gott nirgendwo verstecken kann, doch deine Allgegenwart ist von seiner Liebe geprägt, so wie es im Psalm heißt: „so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ Und wir sind auf diese Verbindung zu Gott angelegt, denn

  • Gott ist der Schöpfer

Gott hat den Eltern Sophie/uns unser Leben geschenkt, so wie es hier heißt: du Gott „hast mich gebildet im Mutterleibe“ und „alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“

Haben wir dann überhaupt eine Möglichkeit uns frei zu entscheiden? Da Gott außerhalb der Zeit steht, ist es zwischen dem das Gott weiß, was ich tue - und das ich meine Entscheidungen selbst treffen kann – nur menschlich gesehen ein Gegensatz. Machen wir uns das bildlich klar. Unser Leben ist wie eine Linie, deren Startpunkt unsere Geburt und der Endpunkt unseren Tod darstellen. „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Das ist nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich gemeint. Gott und seine Fürsorge umgibt diese Linie in jedem Moment unseres Lebens, er ist wie eine Ellipse, die uns umhüllt, schützt und birgt. Wir können unsere Entscheidungen treffen und Gott weiß und kennt sie schon. Was gibt es da Größeres, als unsere Entscheidungen im Blick auf Gott hin zu treffen und ihm zu danken, dass er uns das Leben geschenkt hat und auch erhält. Ich wünsche, dass ihr Sophie das immer wieder verdeutlichen könnt und sie dann zu dem Dank kommt, den ihr in ihrem Taufspruch heute stellvertretend in ihrem Mund und ihr Leben gelegt wird:

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“

Damit ist uns zugesagt, dass wir von Gott herkommen und zu Gott hin unterwegs sind, denn

Gott ist der Vollender

Doch kann ich das überhaupt verstehen, wenn es hier heißt: „Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!“ dann kann ich es doch gleich lassen, Gott verstehe ich ja eh nicht.

Das wäre aber dann ungefähr so, wie wenn ich sagen würde, gleich nach dem Gottesdienst nehme ich mein Smartphone und werfe es weg, denn ich verstehe nicht, was da zwischen Glasscheibe und Rückwand passiert. Keine Angst, mach ich nicht, denn es kommt nicht darauf an, dass ich verstehe, wie das Gerät im Innern funktioniert, sondern, dass ich es bedienen und verwenden kann.

Deswegen rücke ich drei Dinge aus dem Psalm in den Blick, die ich verstehen und anwenden kann

  • ich bin wunderbar und einzigartig geschaffen. Das wird heute Sophie zugesagt, und das wird uns allen mit auf den Weg gegeben. Lasst uns herausfinden, welche tollen Gaben und Fähigkeiten uns Gott mit auf den Weg gegeben hat.
  • Wir haben nicht nur einen Schönwettergott oder –glauben. Denn, ob Licht oder Dunkel, gute oder schwere Tage, Gott ist für mich da. Und er stillt meine Sehnsucht, ich werde von ihm geachtet, ich werde von ihm verstanden. Und er hilft mir, für meine Überzeugung gerade zu stehen.
  • Ich bin vor Gott für mein Tun und Lassen verantwortlich. „Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege“ – Wenn ich Fehler mache, bei Gott ist Vergebung. Wenn ich mal einen falschen Weg einschlage, bei Gott ist Wegweisung. Dieses Wissen macht mich froh und frei, mein Leben zu leben, in dem Wissen, das noch mehr kommt, denn

Gott wird einmal sein alles in allem. Und wenn ich einmal bei ihm im Himmel bin, dann werde ich alle die Dinge verstehen, die jetzt gerade noch nicht verstehe, die im Moment zu wunderbar für mich sind. So endet auch der Psalm:

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“

Ich wünsche, dass wir uns nächste Woche jeden Tag diesen positiven Blick auf Gott und sein Wort schenken lassen. Das Leben wird weiter aus Positivem und Schwierigen, aus Hellen und Dunklen bestehen, aber Schwierigkeiten lassen sich besser meistern, wenn wir sie zusammen mit Gott und in seinem alles erhellenden Licht angehen.

Amen.

 

Psalm 139, 1-16.23-24.pdf
#predigt.rtf
Reply all
Reply to author
Forward
0 new messages