Freiheit und Gelassenheit - Psalm 91

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Krust, Ralf

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Sep 6, 2025, 6:28:59 AM9/6/25
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Freiheit und Gelassenheit

Liebe Gemeinde,

Freiheit und Gelassenheit sind zwei Eigenschaften, die auch mir wichtig sind. Doch ich habe festgestellt, dass es wirkliche Freiheit nur in der Rückbindung an Gott gibt. Und Gelassenheit finde ich, wenn ich mein Leben vom tragfähigen Fundament des christlichen Glaubens tragen lasse. Von beiden hören wir im Psalm 91, denn wir zu Beginn gebetet haben und aus dem ja der Taufspruch von Liara stammt.

Die Bibel – Psalm 91, 1-6.91-12 - 7.9.2025

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt… Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

diese Gelassenheit hätte ich gerne: unter dem Schirm des Höchsten zu sitzen und unter dem Schatten des Allmächtigen zu bleiben. Doch halt, das schränkt ja meine Freiheit ein. Denn will ich dort sein, wo Gott seinen Schirm hinstellt und dort mich aufhalten, wo der Schatten meines Chefs gerade hinfällt? Wir merken: das Verhältnis von Gelassenheit und Freiheit ist doch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Was ist Freiheit? Vielen denken zuerst einmal an ihre individuelle Freiheit, dass ich tun und lassen kann, was ich will und bei einer Entscheidung völlig unabhängig bin. Das ist leider eine völlig falsche Sicht von Freiheit. Denn wenn ich an mein Leben denke, dann gab es zu jeder Zeit Grenzen durch Familie und Umwelt in dem Sinne, dass die Freiheit des Einzelnen dort aufhört, wo die Freiheit des anderen anfängt. Das entspricht auch dem, wie Gott uns geschaffen hat. Gott hat uns als sein Ebenbild erschaffen und das schließt die Freiheit zur Beziehung mit ein.

Es ist die Freiheit Freunde zu wählen, die Freiheit den Partner zu wählen vor allem die Freiheit die Beziehung zu Gott, den Glauben, zu wählen. Gott drängt sich nicht auf, sondern er bietet uns erfülltes Leben an. Was sich aber zeigt ist, dass Freiheit, die Freiheit sich zu binden ist, eben an Gott oder an die Gottlosigkeit.

Viele haben Angst, dass wenn sie ihr Leben mit Gott leben, das wirkliche Leben verpassen. Dabei gibt gerade der Glauben an Jesus Christus ein wirklich erfülltes Leben.

Aus der viel propagierten absoluten Freiheit wird ganz schnell die „Geworfenheit ins Dasein“, dass wir der Welt ausgeliefert sind und wir keine Hilfe und keine Rettung haben

Die Erkenntnis, dass die Bindung an Gott meine Freiheit nicht einschränkt, sondern sogar erst ermöglicht.

In diesem Sinne möchte ich die beiden ersten Verse unseres Psalms noch einmal beten:

Wer die echte Freiheit hat „unter dem Schirm des Höchsten zu sitzen und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht gelassen zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Das gibt Gelassenheit und Gottvertrauen.

Der britische Erweckungsprediger C.H, Spurgeon schreibt in seinem Psalmenkommentar mit dem Titel „Aus der Schatzkammer Davids“ zum ersten Vers von unserem Psalm folgendes. Er vergleicht ihn mit dem Aufbau des Tempels in Jerusalem mit dem Vorhof und dem Inneren des Tempels, dem durch einen Vorhang abgetrennten Allerheiligsten, in dem die Cherubim, das sind Engel mit Flügel, den Gnadenthron Gottes mit ihren Flügeln beschirmen.

„Die Segnungen, die in diesem Psalm verheißen sind, gelten nicht allen Gläubigen, sondern nur denen, die in enger Gemeinschaft mit Gott leben. Jedes Kind Gottes schaut zum Allerheiligsten und auf den Gnadenthron. aber nicht alle wohnen dort. Viele gehen nur von Zeit zu Zeit hinein, um sich Trost und Hilfe zu holen, leben aber nicht beständig in der wunderbaren Gegenwart Gottes. Wer durch die reiche Gnade Gottes in besondere und beständige Gemeinschaft mit Gott gekommen ist, so dass Christus in ihm bleibt und er in Christus, erfährt besondere Segnungen. Wer nur von weitem dem Herrn nachfolgt, betrübt den Heiligen Geist und kennt solche Segnungen nicht. Nur die kommen in das Allerheiligste, die die Liebe Gottes in Christus erfahren haben; aber nur die wohnen dort, die Christus zum Inhalt ihres Lebens gemacht haben. Für sie ist der Vorhang zerrissen; ihnen steht der Zugang zum Gnadenthron immer offen; sie können die schützenden Cherubim und die Herrlichkeit des Höchsten schauen. … Anbeter, die im Vorhof bleiben, wissen wenig vom inneren Heiligtum, sonst würden sie weitergehen, um ganz in die Nähe Gottes und in die vertraute Gemeinschaft mit ihm zu kommen. „Und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt." Der allmächtige Herr beschützt alle, die bei ihm wohnen. Sie bleiben unter seinem Schutz wie Gäste unter dem Schutz der Gastfreundschaft des Gastgebers. Der Psalmist dachte sicher an die Flügel der Cherubim im Allerheiligsten, als er diesen Satz schrieb. Wer Gemeinschaft mit Gott hat, ist beschützt und sicher. Auch wenn Böses ihn überfällt, werden die ausgestreckten Flügel der Macht und Liebe Gottes ihn decken. Dieser Schutz ist beständig und ausreichend, weil es der Schatten des Allmächtigen ist. Seine Allmacht schützt in jedem Überfall. Es gibt keine andere Zuflucht, die man mit dem Schatten des Allmächtigen vergleichen könnte. Wo der Schatten des Allmächtigen ist, da ist der Allmächtige selbst. Je enger unsere Gemeinschaft mit ihm ist, desto zuversichtlicher können wir sein.“

Die Frage an jeden von uns ist: Gehe ich nur ab und zu mit Gott, dann bin ich quasi außen vor, oder lebe ich immer mit ihm, dann wir das das Gebet des Psalms auch zu meinem Gebet?

Das heißt aber nicht, dass wir keine Not oder Widrigkeiten in unserem Leben erfahren werden. Die Schwierigkeit ist, dass wir die Probleme oft nicht verstehen, die uns gerade über den Weg laufen, nach dem Motto „Warum muss denn mir das passieren?“ Zu dieser Frage berichtetet eine Mutter von dem Gespräch mit ihrer Tochter: ‚Meine Tochter erzählte mir, wie in ihrem Leben momentan alles schiefläuft. Sie habe Probleme mit dem Mathe-Unterricht in der Schule, ihr Freund habe sie verlassen und ihre beste Freundin ziehe weg. Während ich ihr aufmerksam zuhöre, backe ich einen Kuchen und frage: „Möchtest du davon etwas haben?" „Ja, Mami, gerne. Ich liebe deinen Kuchen." „Okay, hier hast du ein bisschen Butter", sage ich und halte ihr ein Stück hin. „Igitt!" „Und hier sind ein paar rohe Eier?" „Widerlich." „Möchtest du dann lieber etwas Mehl? Oder vielleicht Backpulver?" „Mama, wie kommst du denn auf diese Idee? Das ist ja schon fast eklig!" „Ja, du hast recht. Jedes dieser Dinge ist für sich allein nicht besonders lecker. Aber wenn du sie im richtigen Verhältnis miteinander vermischst und backst, dann werden sie zu einem wunderbaren leckeren Kuchen! So ähnlich ist es bei Gott. Oft fragen wir uns, warum er uns durch schwierige Zeiten gehen lässt. Doch er weiß, warum er uns zumutet, was passiert. Alle diese Ereignisse dienen uns zum Besten. Wir müssen ihm einfach vertrauen, denn sie tragen tatsächlich zu etwas Gutem bei. Gott schickt dir jeden Frühling neue Blumen und jeden Morgen einen Sonnenaufgang. Immer, wenn du jemanden zum Sprechen brauchst, hört er dir zu. Er hat dich lieb."‘ Diese wirkliche Freiheit gibt Gelassenheit und Gottvertrauen.

Bei diesem Psalm komme ich nicht umhin, noch ein wenig über Engel zu reden. Wir haben aus Engeln niedliche, pausbäckige Gestalten gemacht, die mit den Engeln der Bibel wenig zu tun haben.

Wenn in der Bibel ein Engel mit eine Botschaft Gottes den Menschen begegnet, dann spricht er als erstes: „Fürchte dich nicht“ Das zeigt uns aber auch, dass die direkte Berührung mit der göttlichen Welt durchaus furchteinflößend sein kann. Ohne vollständig sein zu wollen, will ich einmal einige biblische Aspekte von Engeln nennen, die nicht so bekannt sin.

  • Engel bewachen die Grenzen Gottes, die nicht überschritten werden dürfen, so zum Beispiel den verlorenen Zugang zum Paradies.
  • Engel setzten des Bösen Grenzen, das sehen wir im Kampf des Engelfürsten Michael mit dem Widersacher Gottes.
  • Der Schriftseller Adalbert Stifter drückt aus, was uns der Psalm zeigt: „Der Schmerz ist ein heiliger Engel; durch ihn allein sind mehr Menschen größer geworden als durch alle Freuden der Welt“
  • Engel müssen nicht immer Flügel haben.

Vor einigen Jahren sind meiner Tochter zwei Engel in Frankfurt begegnet. Sie war mit einer Freundin auf dem amerikanischen Konsulat in Frankfurt und hat ihr Visum für das Au-Pair beantragt. Wegen der Sicherheitskontrolle am Eingang hat sie alles Unnötige und dabei auch ihren Geldbeutel im Auto der Freundin gelassen. Nun stellte sich heraus, dass sie noch ein Foto brauchte, das sechs Euro kostet. Freundin und Autoschlüssel waren unerreichbar. In ihrer Not sprach sie zwei Passanten auf ihr Problem an und fragte, ob sie ihr sechs Euro geben könnten. Und tatsächlich erwiesen sich die beiden als Engel Gottes und gaben ihr ohne Zögern das Geld, sie konnte ihr Foto machen und bekam ihr Visum.

Der Taufspruch von Liara: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Das heißt nicht, dass uns keine Probleme und Schwierigkeiten begegnen, sondern dass kein Problem und keine Schwierigkeit so groß ist, dass sie uns von Gott und von seiner Liebe trennen können und Gott oft ganz andere Wege hat, als wir uns das überhaupt vorstellen können.

Wer Psalmen betet, der reagiert nicht überstürzt, sondern gelassen. Das heißt nicht, dass uns alle Not erspart bleibt, aber Gott ist bei uns in der Not, so wie der Psalmbeter betet: „Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.“ Zuflucht können wir hier auch mit Wohnung übersetzen.

Bei und mit Gott im alltäglichen Leben wohnen.  Das zeigt uns, was im Leben wirklich wichtig ist und worauf es ankommt, auf Gelassenheit und echte Freiheit und das wir nach einem erfüllten Leben am Ende in Gottes Herrlichkeit ankommen. Amen.

Telefon 06226/41856

 

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