Ja, Gott ist gut! - 2. Chronik 5,12b – 6, 2

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Krust, Ralf

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Mar 18, 2025, 8:28:01 AM3/18/25
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Ja, Gott ist gut!

Liebe Gemeinde, Liebe Posauenchöhrler,

Trompeten und Posaunen kommen vielfach in der Bibel vor. Sie spielen eine so wichtige Rolle, dass ich hier nur einige der Aspekte davon anreißen kann. Ausgehen will ich dabei von einem musikalischen Ausschnitt bei der Einweihung des ersten, des salomonischen Tempels in Jerusalem. Hier sehen wir, wie der musikalische Lobpreis Gottes im Festgottesdienst damals aussah und was in der unsichtbaren Welt dabei zeitgleich geschah:

 

Basisbibel 2. Chronik 5,12b – 6, 2 - Bezirksbläsergottesdienst 16.03.2025 Reminiscere Eschelbronn

5, 12b Alle Sänger von den Leviten stand mit Zimbeln, Harfen und Leiern östlich vom Altar. Bei ihnen waren 120 Priester, die Trompeten bliesen. 13 Die Trompeter und Sänger musizierten mit einer Stimme. Sie lobten und dankten dem Herrn. Sie vereinten Trompeten, Zimbeln und alle Instrumente zu einem Lobgesang für den Herrn: »Ja, er ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen.« Im gleichen Moment erfüllte eine Wolke das Haus, das Haus des Herrn. 14 Solange diese Wolke da war, konnten die Priester nicht hineingehen und Dienst tun. Denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte den Tempel. 6.1 Damals sagte Salomo: »Der Herr hat gesprochen: ›Ich will im Wolkendunkel leben.‹ 2 Und ich, ich habe nun für dich dieses Haus gebaut: Ein würdiger Ort, an dem du für immer wohnen kannst.« 

 

Das Alte Testament unterscheidet zwischen Trompeten und Posaunen. Trompeten waren aus Silber und glichen den heutigen Instrumenten nur insoweit, als sie keinen Zug und keine Ventile hatten. Und wie wir gerade gehört haben, waren es z.B. die Priester, die diese spielten. Posaunen dagegen hatten eine ganz andere Form, als uns das spontan in den Sinn kommt. Sie wurden aus Tierhörnern gefertigt (Horn zeigen) und sind was wir heute unter dem Begriff Schofar kennen.  Sieben davon wurden z.B. vor dem Einsturz der Mauern von Jericho geblasen. Das Neue Testament dagegen kennt nur einen Begriff, sei es für Trompete oder Posaune.

In den meisten deutschen Bibelübersetzungen ist allerdings nicht vom Schofar die Rede oder von einem Widderhorn, sondern von Posaunen. Der Grund dafür: Martin Luther übersetzte vor 500 Jahren das hebräische „Schofar“ mit dem deutschen „Posaune“. Aber nicht nur Luther, auch viele andere Bibelübersetzer wählten für „Schofar“ ein zu ihrer Zeit gebräuchliches Blasinstrument mit einem besonders lauten Ton. Sie wollten das biblische Geschehen für ihre Zeitgenossen sinnlich erlebbar machen. Darum erfolgte die Übersetzung mit Posaune.

Im Judentum soll der Klang des Schofars den Menschen wachrütteln – bis heute. Der Klang des Schofars an Rosch Ha-Schana, dem Neujahrstag, ermuntert den Menschen, achtsam zu leben und religiös-moralisch Bilanz zu ziehen. Der Mensch soll darüber nachdenken, wie er sich im zu Ende gehenden Jahr verhalten hat, sagt der Nürnberger Rabbiner Elijahu Tarantul. „Der Tag des Gerichts kommt, man soll aufwachen und versuchen, das Urteil des Gerichts zum Positiven zu beeinflussen.“

Ganz anders als beim Schofar im Judentum verhält es sich mit der Posaune im christlichen Glauben. Ihre liturgische Funktion unterscheidet sich vollkommen von der des Schofars. An die Stelle des Mahnenden tritt das Lob Gottes. So wie es in Psalm 150 heißt, den wir zu Beginn gebetet haben:

„Lobet Gott in seinem Heiligtum! Lobet ihn mit Posaunen!“

Doch kommen wir zu unserem heutigen Text zurück:

Die Instrumente wurden für freudige Gelegenheiten und für den Krieg benutzt.

Zur kriegerischen Verwendung möchte ich nur auf die schon genannte Begebenheit des Falles der Mauern von Jericho hinweisen.

Weiter sollte der Posaunenhall das Volk, auch zu gottesdienstlichen Versammlungen zusammenrufen. Das ist eine Aufgabe, den heute die Kirchenglocken übernommen haben.

In der gottesdienstlichen Feier zeigten sie damals die unsichtbare Anwesenheit Gottes an.

Auch Posaunen und Trompeten unterliegen dem Schicksal aller menschlichen Dinge: wir können sie zum Segen oder zu unserem Schaden nutzen. Drücken wir es mit einem Sprichwort aus: Wer zu stark in die Posaune der Trübsal bläst, der hat kein Ohr mehr für die Flöte der Freude!

Die Trompeten erklingen hier zur Einweihung des Tempels und so sollten wir einen Blick darauf werfen. Der Tempel war das sichtbare Zeichen der unsichtbaren Anwesenheit Gottes.

Ein Teil dieses Gedankens wurde auf die Gebäude der Kirchen übertragen und deswegen tun wir uns mit dem momentanen Prozess der Gebäudereduzierung so schwer.

Zwei Impulse, die uns bei diesem Ablöseprozess helfen können

1) Als Christen ist für uns Jesus der Ort der Begegnung mit Gott, dem unsichtbaren himmlischen Vater. Und diese Begegnung geschieht nicht nur in Kirchen, sie kann überall geschehen.

2) Die Nachfolger des Tempels sind für das Neue Testament auch nicht die Kirchen, sondern die christliche Gemeinde, so wie Paulus sagt: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und Gottes Geist darin wohnt?“ (1. Korinther 3, 16)

Dort wo sich Posaunenchöre versammeln um Gott mit Musik zu ehren, wird an Gott großem Tempel gebaut und durch die Musik an Gott erinnert. Ja noch mehr, ich habe zu Beginn gesagt, dass der Text uns zeigt, was in der unsichtbaren Welt geschieht, wenn die Musikinstrumente erklingen: Gottes Herrlichkeit zieht in den Tempel ein. Und Jesus zeigt uns, dass dies auch heute geschieht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, um miteinander Posaune zu spielen, bin ich mitten unter ihnen.

„Gedenke Herr an deine Barmherzigkeit“ ist das Thema und die Erkenntnis des heutigen Sonntages. Diese Erkenntnis erinnert mich an ein Interview mit dem leitenden Oberstaatsanwalt im Kanton Zürich. Nach 35 Jahren Praxis in der Strafverfolgung wurde er pensioniert und nach seiner Bilanz gefragt. Im Blick auf die immer komplizierter werdende Strafgesetzordnung meinte er: „Etwas zugespitzt gesagt: ‚Eigentlich würden doch die Zehn Gebote genügen. Das sage sogar ich als Agnostiker.’“(Zürcher TA 21.02.2014, S.16-17)

Dieses Eingeständnis hat mich beeindruckt! Es liegt quer zu den Einstellungen in unserer Gesellschaft, in der das Bewusstsein weitgehend verloren gegangen ist, dass Gottes Wege gut, ja eigentlich das Beste für uns wären! Vielmehr wird öffentlich längst so Manches als gut, nützlich und lustig propagiert, vor dem Gottes Zehn Gebote eindringlich warnen! Alles scheint im Namen der Freiheit erlaubt zu sein. Wer gibt da schon gerne zu, dass ihm ein Fehler unterlaufen ist? Und wer gibt noch zu, dass er auch ein Sünder vor Gott ist? Ist dies überhaupt noch nötig?

Wenn der Psalmbeter dafür dankt, dass uns Gott vergibt und den richtigen Weg zeigt und dass sein Wille gut, gerecht und zuverlässig ist, dann hat das mit einer sehr schmerzlichen, zeitlosen Erfahrung zu tun: Schuld presst das Herz zusammen, sie ängstigt und bedrückt. Sünde führt immer in Not, Jammer und Elend, produziert oft unlösbare Probleme und mitunter bittere Feindschaften, sie bringt den Alltag völlig durcheinander und kostet viel Geld.

Und damit uns das nicht so schwerfällt, hat Gott uns die Musik gegeben. „Wer nur den lieben Gott lässt walten.“ wurde vor der Predigt gespielt und gesungen und damit bekannt, dass wir auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen. Kirchenvater Augustin wird der einprägsame Satz zugeschrieben: „Wer singt, der betet doppelt.“ Und das kann ich heute durchaus erweitern: „Auch wer im Posaunenchor spielt, der betet doppelt.“

Wir dürfen mit unserem Leben, mit allem, was wir sind und mit allen Gaben, die wir haben, Gott loben. Das Lob Gottes zieht sich durch, bis wir einmal im Himmel sein werden. Der Chronist hat das auch hier in unserem heutigen Text mit eingefügt mit der Zeile »Ja, Gott ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen.« Diese Zeile finden wir in vielen Psalmen wieder. Sie kann helfen: wenn wir zweifeln, wenn wir klagen, wenn wir traurig sind, wenn wir mutig sind, wenn wir hoffen, wenn wir uns freuen: »Ja, Gott ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen.«

Und damit kommen wir zur letzten Trompete bzw. Posaune

Was mir nicht so bewusst war und ich bei der Vorbereitung wahrgenommen habe. Gott ist auch Posaunenbläser. Wenn Jesus wiederkommen wird, wird Gott selbst die Posaune blasen und die Menschen, die zu ihm gehören sammeln. Der Posaunenruf wird auch die Toten aus den Gräbern auferwecken und auch uns zu Jesus rufen, den wir dann sichtbar sehen werden. Bis dahin brauchen wir die Augen des Glaubens, wie es folgende Geschichte zeigt:

Ein Missionar sucht monatelang nach einem Wort für "Glaube" in der Papuasprache. Eines Tages kommt ein Eingeborener zu ihm und sagt: "Du erzählst uns von Jesus und sagst, er sei für uns gekreuzigt und auferstanden. Hast du Jesus gesehen?" "Nein." "Bestimmt aber dein Großvater!" "Auch nicht." "Dann lebt Jesus gar nicht in deiner Heimat, woher weißt du dann, dass Jesus lebt?" Unterdessen hatte sich eine Wolke vor die Sonne geschoben. "Siehst du die Sonne?" fragte der Missionar. Der Mann schüttelte den Kopf. "So ist es auch mit Jesus. Die Sonne scheint, auch wenn du sie nicht siehst. Ich sehe Jesus nicht und weiß doch, dass er lebt!" Der Mann dachte lange nach, dann sagte er: "Ich verstehe dich. Dein Auge hat Jesus nicht gesehen, aber dein Herz kennt ihn. Mit dem Herzen hast du Jesus gesehen!"

Nun hatte der Missionar das Wort für "Glaube" gefunden: Jesus mit dem Herzen sehen."

So wünsche ich bis zur letzten Posaune, wenn wir uns dann in Gottes Herrlichkeit sehen werden, uns die Sicht von Jesus im Herzen und noch viel Freude bei Lob Gottes mit allen Instrumenten. Und ich bin sicher, auch im Himmel werden Posaunenchöre Gott loben.

Und das ist auch das, was wir mit dem nächsten Lied tun wollen, Gott loben: Gott gab uns Atem dazu.

Amen

 

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