Gott wohnt, wo man ihn einlässt - – 2. Chronik 5, 2–5.12–14

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Krust, Ralf

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May 2, 2026, 2:51:16 AMMay 2
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Gott wohnt, wo man ihn einlässt

Liebe Gemeinde,

der heutige Sonntag trägt den Namen Kantate – „Singet!“ Ein Sonntag also, an dem die Musik im Mittelpunkt steht. Und das passt wunderbar zu unserem Predigttext. Denn dort wird nicht nur gebaut, getragen und organisiert – dort wird vor allem gesungen, gespielt, musiziert. Der Tempel wird eingeweiht – und Musik erfüllt ihn.

Hören wir auf den Predigttext aus der Basisbibel:

Die Bibel – 2. Chronik 5, 2–5.12–14 (Basisbibel)
2 Salomo plante eine Versammlung in Jerusalem. Die Ältesten Israels sollten kommen, dazu alle Stammesführer und Familienoberhäupter. Er wollte nämlich die Bundeslade des Herrn heraufholen. Sie war noch in der Stadt Davids – das ist Zion.
3 Und alle Israeliten versammelten sich zu einem Fest beim König in Jerusalem. Das war im siebten Monat.
4 Alle Ältesten Israels kamen. Die Leviten trugen die Lade des Herrn.
5 Sie trugen die Lade, das Zelt der Begegnung und alle heiligen Geräte aus dem Zelt. Es waren die Priester aus dem Stamm Levi, die alles wegtrugen. …
12 Alle Sänger von den Leviten waren in feines Leinen gekleidet: Asaf, Heman, Jedutun, ihre Söhne und ihre Brüder. Mit Zimbeln, Harfen und Leiern standen sie östlich vom Altar. Bei ihnen waren 120 Priester, die Trompeten bliesen.
13 Die Trompeter und Sänger musizierten mit einer Stimme. Sie lobten und dankten dem Herrn. Sie vereinten Trompeten, Zimbeln und alle Instrumente zu einem Lobgesang für den Herrn: »Ja, er ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen.«
Im gleichen Moment erfüllte eine Wolke das Haus, das Haus des Herrn.
14 Solange diese Wolke da war, konnten die Priester nicht hineingehen und Dienst tun. Denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte den Tempel.


Was für ein gewaltiges Bild! Menschen versammeln sich. Instrumente erklingen. Stimmen vereinen sich. Und mitten hinein in diesen Lobgesang kommt Gott selbst – unsichtbar in einer Wolke, spürbar in seiner Herrlichkeit.

Gott wohnt, wo man ihn einlässt.
Das ist der Titel der heutigen Predigt – und genau das geschieht hier.

Doch zugleich stellt sich eine wichtige Frage:
Braucht Gott diesen Tempel, braucht Gott unsere Kirchen überhaupt?

Schon König Salomo wusste: Kein Gebäude kann Gott fassen. Kein Raum ist groß genug. Und doch wird dieser Tempel gebaut. Warum?

Weil wir Menschen Orte brauchen.
Orte, an denen wir zur Ruhe kommen.
Orte, an denen wir uns sammeln.
Orte, an denen wir gemeinsam glauben.

Und heute, am Sonntag Kantate, sehen wir:
Ein solcher Ort lebt nicht nur von Mauern – sondern auch von der Musik.


Die Musik ist kein Beiwerk.
Sie ist der Weg, auf dem Gott Raum gewinnt.

Die Sänger, die Instrumente, die vereinte Stimme – all das ist mehr als Klang. Es ist ein Ausdruck des Glaubens. Ein Bekenntnis:
„Ja, er ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen.“

Und genau in diesem Moment geschieht es:
Gott erfüllt den Tempel.

Musik öffnet Räume – auch im Herzen.
Vielleicht kennen wir das: Ein Lied berührt uns tiefer als viele Worte. Ein Choral, ein Psalm, ein modernes Lied – und plötzlich wird etwas in uns wach. Vertrauen. Trost. Hoffnung.

Darum ist der Sonntag Kantate so wichtig:
Weil er uns daran erinnert, dass der Glaube nicht nur gedacht, sondern auch gesungen wird.


Und doch bleibt die entscheidende Frage:
Wo wohnt Gott wirklich?

Eine alte jüdische Geschichte erzählt:
Ein Rabbi fragt: „Wo wohnt Gott?“
Die Gelehrten lachen: „Die ganze Welt ist doch voll seiner Herrlichkeit!“
Doch der Rabbi antwortet:
„Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“

Das ist die Antwort.

Nicht der Tempel allein.
Nicht die Kirche allein.
Nicht ein bestimmter Ort.

Gott wohnt dort, wo Menschen ihr Herz öffnen.

Das bedeutet konkret:

Wir können Gott überall begegnen.
Im Gottesdienst – ja.
Aber auch zu Hause, im Alltag, auf dem Weg, in der Stille.

Wir können beten – nicht nur hier, sondern immer.
Wir können singen – nicht nur in der Gemeinschaft, sondern auch im Herzen.

Die Kirche ist ein besonderer Ort.
Aber sie ist nicht der einzige Ort.

Denn Gott ist uns nahe.
Er ist – um es mit einem Bild zu sagen – nur „eine Wolke breit entfernt“.


Und noch mehr:
Der Tempel aus Stein ist nicht das Letzte.

Im ersten Petrusbrief heißt es:
Wir selbst sollen lebendige Steine sein, aus denen Gott seinen Tempel baut (1. Petrus 2,5).

Das heißt:
Wir sind der Ort, an dem Gott wohnen will.

Nicht nur dieses Gebäude.
Nicht nur damals in Jerusalem.

Sondern wir – als Gemeinde.
Als Menschen, die glauben.
Als Gemeinschaft, die singt, betet und lebt.

Wenn wir zusammenkommen, wenn wir glauben, wenn wir lieben – dann baut Gott seinen Tempel mitten unter uns.


Und hier berührt sich das mit Himmelfahrt:

Jesus ist nicht einfach „weg“.
Er ist in die göttliche Wirklichkeit zurückgekehrt.

Das bedeutet:
Er ist nicht mehr an einen Ort gebunden.

Er ist überall gegenwärtig.
Auch hier. Auch jetzt.

Besonders in Jesus Christus kann Gott überall wohnen –
in unserem Leben, in unserem Herzen, in unserer Gemeinschaft.


Was heißt das für uns?

Wir brauchen eine lebendige Frömmigkeit:

  • persönlich – im Gebet, im Hören auf Gottes Wort
  • gemeinschaftlich – im Gottesdienst, im Singen, im Feiern
  • tatkräftig – im Handeln aus dem Glauben heraus

Wenn eines davon fehlt, wird der Glaube schief.

Aber wenn alles zusammenkommt –
Gebet, Gemeinschaft, gelebte Liebe –
dann wird unser Leben zu einem Ort, an dem Gott und Jesus Christus wohnt.


Und vielleicht ist gerade die Musik ein Schlüssel dazu.

Denn Singen verbindet:

  • Kopf und Herz
  • Glauben und Gefühl
  • Himmel und Erde

Wenn wir singen, öffnen wir uns.
Wenn wir Gott loben, lassen wir ihn ein.


Darum gilt:

Gott wohnt, wo man ihn einlässt.

Er wohnt:

  • wo Menschen beten
  • wo Menschen singen
  • wo Menschen lieben
  • wo Menschen glauben

Er wohnt nicht nur in Kirchen.
Er wohnt in lebendigen Herzen, so wie es eine Liedstrophe sagt:

„Gott wohnt, wo man ihn einlässt,
und kehrt das Dunkel aus.
Wer sich auf ihn verlässt,
bei dem ist er zu Haus.“ 

    Amen.

 

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