Gewinner in allen Lebenslagen
Liebe Gemeinde,
als ich in einer Grundschulklasse einmal über Ärger und Konflikte unter Geschwistern gesprochen habe, da kamen einige spontane Äußerungen: „Wenn mein Bruder mich ärgert, dann hau ich ihm eine rein.“ „Wenn ich meiner Schwester nicht klarkomme, werfe ich sie aus meinem Zimmer.“ Kinder in diesem Alter sprechen das noch offen und unverblümt aus, was Erwachsene nur denken: Rache ist süß.
Auch der Prophet Jeremia wollte zurückschlagen und ich kann es ihm nicht verdenken: verprügelt, unschuldig ins Gefängnis gesteckt, von den Menschen geärgert und verlacht. Da können schon Gedanken der Rache kommen, hören wir, wie Jeremia mit solchen Dingen umgeht:
Die Bibel - Jeremia 20,7–11a – 23.03.2025
7Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist für mich zu stark geworden und hast gewonnen. So bin ich jeden Tag zum Gespött geworden, alle lachen mich aus. 8Immer wenn ich reden will, schreie ich es heraus. »Gewalt und Zerstörung!« muss ich rufen. Das Wort des Herrn ist mir eine Last geworden. Den ganzen Tag bringt es mir nur Hohn und Spott. 9Ich fasste für mich den Entschluss: Ich denke einfach nicht mehr an ihn. Nie wieder werde ich in seinem Namen reden. Doch da brannte es in meinem Herzen wie Feuer, eingeschlossen in meinem Inneren. Ich versuchte es auszuhalten, schaffte es aber nicht. 10Ich hörte das ganze üble Gerede: »Er verbreitet um sich herum nur Schrecken! Zeigt ihn an!« – »Ja, lasst ihn uns anzeigen!« Selbst alle, die mir nahestehen, warten nur, dass ich stürze: »Vielleicht schaffen wir es, ihn vorzuführen. Dann können wir ihn packen und uns rächen.« 11aDoch der Herr ist bei mir. Er beschützt mich wie ein starker Held. Deshalb werden meine Verfolger zu Fall kommen und keinen Erfolg haben.
Jeremia schüttet Gott sein Herz aus und legt ihm seine innersten Gefühle offen. Er hat das Gefühl, dass Gott ihn überredet und ihn bei den Leuten zum Spott gemacht hat. Und das wegen der Botschaft, die er von her Gott ausrichten soll. In aller Treue hat Jeremia die Menschen vor Krieg und Gewalt gewarnt, die als Folge ihres Handelns und Strafe Gottes kommen werden, wenn die Menschen nicht von ihren falschen Wegen umkehren. Doch sein Lohn besteht nur in Hohn und Spott. Mutlos geworden denkt Jeremia daran, Gottes Worte nicht weiterzugeben, einfach zu schweigen, um so dem zu entgehen. Aber als er nichts sagt, brennt Gottes Wort in seinem Herzen wie ein Feuer, so dass er es gar nicht für sich behalten kann.
Jeremia will seinen Dienst niederlegen, weil die Menschen sich gegen ihn verschworen haben. Die Botschaft, dass etwas Schreckliches kommt, die er selbst ständig verkündigt, fällt nun auf ihn zurück. Selbst seine Freunde laueren darauf, ob er fällt, indem er etwa eine falsche Vorhersage macht, so dass sie sich an ihm rächen können als an einem falschen Propheten.
Jeremia fährt in seinem Gebet fort, indem er sein Vertrauen auf Gott zum Ausdruck bringt. Er fordert Gott auf, ihn zu rächen. Auch wenn er sich von Gott betrogen fühlt, erkennt er doch, dass Gott bei ihm ist wie ein mächtiger Held. Da Gott, der Herr auf der Seite Jeremias kämpft, ist er sicher, dass die, die ihn jetzt noch verfolgen und verspotten, fallen und letzten Endes zuschanden werden.
Jeremia tritt für die Wahrheit Gottes und warnt vor Krieg und Gewalt als Folge, weil sich die Leute von Gott abgewandt haben und erfährt gerade deswegen Gewalt von Menschen gegen ihn. So kann es bis heute Menschen gehen, die an Gott und Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen.
Wenn wir mit diesen Gedanken das Leben und die Welt um uns so anschauen, können wir zu ganz unterschiedlichen Schlüssen kommen:
1) Das Leben ist ein Spiel, wir setzen den Einsatz und gewinnen oder verlieren
2) das Leben ist ungerecht, der Stärkere setzt sich durch
3) das Leben kann nach menschlichen Maßstäben ungerecht sein, erst Gott wird am Ende jeden zur Verantwortung ziehen
Jeremia ist diesen Weg der Möglichkeiten gegangen. Zuerst hat er mit Gott ein Spiel begonnen, sein Einsatz war: „Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist für mich zu stark geworden und hast gewonnen.“ Und Jeremia hat dieses Spiel verloren. Aber dann merkt er, dass das Leben mehr als dieses einfache Spiel ist.
Dann kam er zu der zweiten Auffassung, dass das Leben ungerecht ist: „»Vielleicht schaffen wir es, ihn vorzuführen. Dann können wir ihn packen und uns rächen.«“ Plötzlich ist Jeremia in der schwächeren Position und die anderen rächen sich an ihm. Und in all der Tiefe merkt, dass dies in Wirklichkeit nicht stimmt, das Gott ihn auch in der Not und den Problemen beisteht und so kommt er zu der dritten Auffassung:
„Doch der Herr ist bei mir. Er beschützt mich wie ein starker Held.“ Unser Leben ist weder sinnlos noch zufällig. Wir stehen in der Verantwortung vor Gott, der unser Leben prüfen und beurteilen wird. Die Probleme bleiben weiter bestehen, die Feinde sind weiterhin boshaft, aber:
Der Unterschied ist, „Er beschützt mich wie ein starker Held.“
Jeremia nimmt den im neuen Testament mehrfach zitierten Satz aus dem 5. Buch Mose ernst: „Die Rache ist mein, ich will vergelten“ Gott ist größer als unsere einige Rache.
Aus dieser Erkenntnis folgt trotz Schwierigkeiten und Problemen das Lob Gottes. Gott handelt, „Deshalb werden meine Verfolger zu Fall kommen und keinen Erfolg haben.“ Und wir dürfen ihn loben.
Rache heißt nicht, sich alles gefallen lassen. Es gibt einen Unterschied zwischen Rache und sich alles gefallen lassen. Z.B. Jesus hat sich nicht alles gefallen lassen:
Als der Hohepriester ihn beim Verhör schlug fragte er: warum schlägst du mich. Wir sollen und dürfen dem Bösen eine Grenze setzen. Ungerechtfertigte Forderungen dürfen wir zurückweisen, ohne dass wir ein schlechtes Gewissen zu haben brauchen. Doch mit der Rache ist es anders, hier hat sich Gott ein Veto-Recht vorbehalten.
Warum sollen wir uns nicht rächen:
1) Kreislauf der Gewalt geht weiter Schon das Alte Testament begrenzt die Rache mit „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ auf ein klar umrissenes Maß, und bei Jesus im neuen Testament wird deutlich, dass dies noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. In einem Dorf lebte ein Christ, mit dem man allerhand Schabernack trieb. Man wollte den „Frommen” ärgern und ihn auf die Probe stellen. Eines Tages trieben es die Dorfjungen besonders arg. Jemand kam auf die Idee: „Decken wir dem Sepp nachts das Dach ab. Mal sehen, wie fröhlich er bleibt, wenn er morgens aufwacht und sein Dach ist fort!” - Gesagt, getan. In aller Vorsicht deckten sie über Nacht das Dach ab, blieben aber doch nicht unbemerkt. Der Sepp überlegte: „Schimpfen, die Polizei rufen, alle verhaften lassen?” Nein, der Christ entschied anders. Als das Unternehmen beendet war und die jungen Leute sich verziehen wollten, stand plötzlich der Sepp in der Tür und sagte zu ihnen: „Ihr habt die ganze Nacht so schwer gearbeitet, jetzt braucht ihr erst mal ein ordentliches Frühstück. Kommt herein, ich habe alles gerichtet!”
Selbstverständlich haben die Burschen nach dem ausgiebigen Frühstück die Dachziegel wieder eingedeckt. So war das Dach wieder heil. Die Beziehung war nicht durch Hass oder Rache vergiftet. Und mancher der jungen Leute kam durch das Verhalten des Sepp zum Glauben an Jesus Christus, weil er Gott alles zutraute und auf Rache verzichtete.
2) Denn Rache vergiftet die eigenen Gedanken und verschwendet Ressourcen. Es heißt zwar Rache ist süß, aber sie hat einen bitteren Nachgeschmack. Wenn ich mich räche, dann merke ich, dass Rache das erlittene Unrecht nicht wieder gut machen kann. Und oft muss ich einen hohen Preis für meine Rache zahlen.
Eine Legende aus Asien erzählt von einem seltsamen Vogel mit zwei Köpfen. Jeder einzelne pickte sein Futter, aber gemeinsam vertrieben sie jeden Angreifer. Sie gehörten zusammen, taten alles gemeinsam und waren ein Herz und eine Seele. Da kam eine große Dürre, und das Futter wurde knapp. Der obere Kopf schnappte nun in seiner Not die letzten Würmer für sich weg, und dem anderen Kopf blieb nur verfaulte und dann gar keine Nahrung mehr. In seiner Kränkung durch den Egoismus des anderen fraß der untere Kopf schließlich giftige Pilze, weil der obere das Wenige nicht mehr teilen wollte. Zu spät merkte der obere Kopf, dass das Gift auch ihn krank machen und sterben lassen würde. So starb schließlich der ganze Vogel am Gift der Ichsucht und auch der Rache.
3) Jeremia hat uns das mit seinem Leben vorgelebt. Er, der Gottes Worte an das Volk ausgerichtet und gelebt hat, wurde oft verlacht, verspottet und ungerecht in eine ausgetrocknete Zisterne geworfen. Er hat seine Rache Gott anbefohlen. Und als Jerusalem zerstört wurde, die Stadt und die Menschen, die ihm so viel Unrecht angetan haben, selbst dann verzichtet er auf Rache, er trauerte um Jerusalem.
4) Dass ich auf Rache verzichte, wird von anderen Menschen nicht erwartet. Dieses nicht erwartete Verhalten bringt anderen zum Nachdenken und hoffentlich zum Umdenken. So wie wir es im Beispiel vom Sepp und seinem Dach gesehen haben.
5) Darum fordert uns Gott auf, auf unsere Rache zu verzichten und sie in seine Hände zu befehlen. Hier hilft wieder das Vorbild Jesu, der noch am Kreuz sagt: „Vater vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus neutralisiert durch seinen Tod am Kreuz das Gift der Rache, das dem Vogel in der Geschichte das Leben gekostet hat und ermöglicht uns so den Weg zum Leben.
Wenn wir das Leben und die Welt mit Gottes Augen anschauen, kommen wir zu einem ganz anderen Weg als zu Beginn:
1) Das Leben ist zwar ein Spiel, aber wir setzen auf Jesus Christus, verzichten wie der Sepp auf Rache und gewinnen.
2) Das Leben ist manchmal ungerecht, doch ich mache mit meinem Leben den Unterschied und mache bei der Ungerechtigkeit nicht mit. Denn sonst tötet auch mich das Gift der Rache, wie die Begebenheit mit dem Vogel klar gezeigt hat.
3) Das Leben kann nach menschlichen Maßstäben oft ungerecht sein, aber Gott wird am Ende jeden zur Verantwortung ziehen. Jeremia hat uns das eindrücklich vorgelebt.
4) Das Leben wird spannend und sinnerfüllt, weil ich mit dem Verzicht auf Rache die Menschen mit einem Verhalten überrasche, das sie nicht erwarten.
5) Der Blick auf Jesus Christus gibt uns Kraft und Motivation dazu.
Wenn wir das Wagnis eingehen, wenn wir auf Gott vertrauen und uns nicht selber rächen, dann werden wir es erfahren:
„Doch der Herr ist bei mir. Er beschützt mich wie ein starker Held. Deshalb werden meine Verfolger zu Fall kommen und keinen Erfolg haben.“ Lassen wir uns wie Jeremia von Gott überreden, auf Rache zu verzichten. Denn dann mit Jesus an meiner Seite und bin ich in allen Lebenslagen der Gewinner. Amen.