Oster-Freude
Liebe Gemeinde,
ein Schüler schreibt über die Ereignisse von Karfreitag und Ostern:
„Jesus wurde zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt. Als er auferstand, erschien er zuerst einigen Frauen, damit die Sache schneller bekannt würde. Er war von Judas für dreißigtausend Euro einfach ans Fernsehen verkauft worden...“
Sie dürfen darüber ruhig schmunzeln. Das tut gut. Und tatsächlich: Das Osterlachen ist keine Erfindung unserer Spaßgesellschaft. Es hat eine lange christliche Tradition. Aber es geht nicht um oberflächlichen Spaß oder darum, den Tod zu verdrängen.
Das Osterlachen ist etwas Tieferes:
Es ist das Staunen über das Unglaubliche.
Es ist die Freude darüber, dass Gott etwas völlig Neues getan hat.
Angesichts von Tod und Auferstehung bleibt uns manchmal nichts anderes übrig, als mit offenem Mund zu staunen – oder eben zu lachen.
Denn: Christus hat den Tod besiegt.
Gott hat dem Tod das letzte Wort genommen.
Hören wir auf den Predigttext: Die Bibel – 1. Korinther 15,19–28 (Basisbibel)
„Wenn wir nur für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen.
Jetzt aber ist Christus von den Toten auferweckt worden – und zwar als Erster von den Verstorbenen.
Denn durch einen Menschen kam der Tod. So kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
Weil wir zu Adam gehören, müssen wir alle sterben. Genauso werden wir alle lebendig gemacht, weil wir zu Christus gehören.
Das geschieht aber für jeden in der bestimmten Reihenfolge: Als Erster Christus. Danach, wenn Christus wiederkommt, alle, die zu ihm gehören.
Dann kommt das Ende: Christus übergibt die Herrschaft Gott, dem Vater. Zuvor wird er jede andere Herrschaft, Macht und Gewalt vernichten.
Denn Christus muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unterworfen hat.
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
Denn: »Alles hat Gott ihm unterworfen.« Wenn es heißt, dass alles unterworfen ist, dann ist natürlich der ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat – also Gott selbst.
Wenn dann alles Christus unterworfen ist, wird auch der Sohn sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat. Dann wird Gott alles in allem sein.“
Liebe Gemeinde,
an der Frage nach der Auferstehung scheiden sich bis heute die Geister. Passt das überhaupt noch in unsere Zeit? Können wir das glauben?
Historisch gesehen ist die Situation klar:
Am Karfreitag wird Jesus ins Grab gelegt.
Am Ostermorgen ist das Grab leer.
Was dazwischen geschieht, entzieht sich der rein wissenschaftlichen Erklärung. Es bleibt eine Entscheidung:
– Entweder: Der Leichnam wurde gestohlen.
– Oder: Jesus ist wirklich auferstanden.
Für mich ist klar: Er ist auferstanden.
Nicht als Idee. Nicht als Symbol. Sondern real.
Denn bis heute kann ich mit ihm reden. Im Gebet.
Und Paulus sagt es deutlich:
„Jetzt aber ist Christus von den Toten auferweckt worden.“
Damit wird etwas Grundlegendes deutlich:
Jesus ist der Erste.
Der Erste, der den Tod hinter sich gelassen hat.
Und er zeigt uns, was uns erwartet.
„Danach, wenn Christus wiederkommt, alle, die zu ihm gehören.“
Das heißt: Die Auferstehung Jesu ist kein Einzelfall.
Sie ist der Anfang.
Viele Menschen machen sich Gedanken darüber, wie sie einmal bestattet werden: Erdgrab, Urne, Ruhehain, anonym – die Formen sind vielfältig geworden.
Aber die entscheidende Frage ist nicht: Wie werde ich bestattet?
Sondern: Zu wem gehöre ich?
Paulus macht klar:
Wer zu Christus gehört, wird auferstehen.
Ganz gleich, was mit dem Körper geschieht.
Ganz gleich, wo jemand begraben ist.
Gott kennt seine Menschen.
Und er ruft sie ins Leben.
Das führt uns noch einen Schritt weiter:
Die Toten sind in Gottes Hand.
Und Gottes Wirklichkeit sprengt unsere Vorstellung von Zeit.
Für uns gibt es Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Für Gott ist alles gegenwärtig.
Das heißt:
Was für uns lange Zeiträume sind, ist bei Gott aufgehoben.
Die Verstorbenen sind bei ihm geborgen.
Und die Auferstehung ist gewiss.
Was bedeutet das für unser Leben heute?
Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber hat es so formuliert:
„Ostern heißt, aus der Zukunft Kraft für die Gegenwart zu schöpfen.“
Das ist ein entscheidender Gedanke.
Ostern ist nicht nur Erinnerung.
Ostern ist Kraftquelle.
Ostern wird konkret im Alltag:
Ostern wird es,
wenn wir den Mut haben, unseren Glauben zu leben – auch wenn es unbequem ist.
Ostern wird es,
wenn wir unser Leben an Gottes guten Geboten ausrichten – gegen den Druck, alles nur nach Erfolg, Macht oder Geld zu beurteilen.
Ostern wird es,
wenn wir uns um andere kümmern – um die Schwachen, die Einsamen, die Übersehenen.
Ostern wird es,
wenn wir Worte der Hoffnung weitersagen – nicht laut und aufdringlich, sondern ehrlich und glaubwürdig.
Und noch etwas:
Ostern wird es auch dort,
wo ein Mensch neu anfängt.
Wo Schuld vergeben wird.
Wo Hoffnung zurückkehrt.
Das ist eine kleine Auferstehung mitten im Leben.
Liebe Gemeinde,
Ostern heißt:
Der Tod hat nicht das letzte Wort.
Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort.
Die Hoffnungslosigkeit hat nicht das letzte Wort.
Gott hat das letzte Wort.
Und dieses Wort heißt: Leben.
Darum dürfen wir bekennen:
Der Herr ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Amen.
P.S. heute als Nachschlag zur Predigt
Jesus Christus lebt. Der Kern unseres Glaubens steht seit fast 2000 Jahren fest: „Jetzt aber ist Christus von den Toten auferweckt worden.“ Es gibt keine stärkere Antwort auf die Frage nach dem Tod. Und weil er lebt, können wir heute mit ihm reden. Einfach
anfangen. Er hört unser Gebet.