Erinnerung, Vergebung und Hoffnung
Liebe Gemeinde,
das Abendmahl war am ersten Gründonnerstag in Jerusalem ein Passahmahl, oder wie es heute genannt wird, ein Sedermahl. Vorne auf dem Altar steht ein sogenannter Sederteller. Auf dem Sederteller werden 6 symbolische Speisen genannt und ein kleine Portion dort auch platziert. Drei davon will ich heute erklären und zeigen, was sie im Zusammenhang mit dem Abendmahl bedeuten.
Hören wir auf den heutigen Text, es sind die Einsetzungsworte zum Abendmahl, wie sie uns Paulus im 1. Korintherbrief überliefert:
Die Bibel - 1. Korinther 11, 23-26 - Gründonnerstag
23Ich selbst habe vom Herrn eine Überlieferung empfangen. Und die habe ich an euch weitergegeben: In der Nacht, in der er verraten wurde, nahm der Herr Jesus das Brot. 24Er dankte Gott, brach das Brot in Stücke und sagte: »Das ist mein Leib für euch. Tut das zur Erinnerung an mich!« 25Ebenso nahm Jesus nach dem Essen den Becher und sagte: »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott durch mein Blut mit den Menschen schließt. Tut das zur Erinnerung an mich, sooft ihr aus diesem Becher trinkt.« 26Denn sooft ihr dieses Brot esst und aus diesem Becher trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn. Dies gilt so lange, bis er wiederkommt!
Von diesen drei Speisen des Sedermahl her und vom Beginn der Abendmahlsworte „In der Nacht, in der Jesus verraten wurde“ will ich diese besondere Nacht in dreifacher Weise betrachten, als
Die Nacht der Erinnerung
Auf dem Sederteller gehört Charosset, eine zerkleinerte Mischung aus Äpfeln, Nüssen, Zimt und Wein. Sie erinnert an den Lehm, mit dem die Israeliten die Städte des Pharaos bauen und Sklavenarbeit verrichten mussten. Damit ist es auch die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und den Rettungstag Gottes.
Beim Abendmahl finden wir diesen Aspekt wieder: „tut das zur Erinnerung an mich!“, sagt Jesus.
Damit wird deutlich: Etwas Besseres als das Abendmahl kann uns überhaupt nicht passieren: es macht unseren Glauben sichtbar, erfahrbar und spürbar.
Denn das brauchen wir vergesslichen Menschen, dass wir immer wieder daran erinnert werden, wie Gott in unserem Leben geholfen hat.
Überlegen wir uns kurz eine Sache, in der uns Gott in den letzten Wochen geholfen hat und sagen wir ihm in einer kurzen Stille dafür danke.
Danke Gott.
Damit Israel die Hilfe Gottes nicht vergisst, hat Gott ihm das jährliche Passahmahl bzw. Sedermahl gegeben und damit wir uns immer wieder an die Hilfe Gottes erinnern, hat er uns das Abendmahl geschenkt.
Das tut gut, gerade auch in den schmerzlichen und schwierigen Erfahrungen in unserem Leben, denn die Nacht des Abendmahls ist auch
Die Nacht der Vergebung
Zwei aus der damals versammelten Schar gingen wissend in diese Nacht: Judas und Jesus. Bei Judas ging alles, wie es zwangsläufig kommen musste, nachdem er dem Bösen Raum in seinem Herzen gegeben hatte. Er wollte Jesus zum Handeln zwingen, dass er sich als der herrliche, prächtige Messias zeigt, die die Römer ins Meer treibt. Und wir sind da oft auch nicht anders, wenn wir unsere eigene Vorstellung von Leben, Gemeinde oder Kirche durchsetzen wollen und nicht auf Gott hören.
Nur Jesus verhielt sich ganz anders, als nach allem, was er wusste, zu erwarten war. Er lud seine Jünger ein an seinen Tisch, obwohl er ihr ganzes Versagen voraussah. Was das heißt, begreifen wir nur, wenn wir uns klar machen, was Tischgemeinschaft damals bedeutete. Wir können heute mit vielen Leuten gemeinsam essen, ohne dass daraus unbedingt mehr als eine oberflächliche Beziehung abgeleitet werden könnte. Zurzeit von Jesus waren Tischgemeinschaft und Gastfreundschaft heilig. Wer jemand in sein Haus und an seinen Tisch bat, brachte damit zum Ausdruck: Dieser Mensch bedeutet mir etwas. Mein Gast und ich gehören zusammen. Ich fühle mich ihm tief verbunden. Alles, was zwischen uns steht, soll nicht mehr zählen. Ich stehe mit allem, was ich bin für ihn ein. Und dass, obwohl Jesus wusste, dass die Jünger versagen würden. Das war damals so und ist bis heute so. Und das wird auch, sowohl beim Sedermahl als auch beim Abendmahl zeichenhaft deutlich.
Das Zeichen beim Sedermahl und auf dem Sederteller ist hierzu der Schenkelknochen eines Lammes. Er weist auf das Opferlamm, das damals wirklich geschlachtet wurde. Dies wird heute übertragen auf Jesus Christus, der unsere Schuld und unsere Fehler trägt. Zur Verdeutlichung dessen kommt bei den Einsetzungsworten eine Verdeutlichung mit dazu: „zur Vergebung der Sünden“. Und das ermöglicht die Gastfreundschaft trotz dem Versagen und der Schuld.
Gastfreundschaft, wir dürfen gewiss sein, dass Jesus wusste, was er tat, als er seine Jünger freiwillig an seinen Tisch bat. Er gewährte ihnen damit nichts anderes als volle Vergebung. Obwohl er wusste, wer sie waren, stieß er sie nicht von sich, sondern zog sie durch ein sichtbares und spürbares Zeichen zu sich. Sie sollten, wenn sie wieder zu sich gekommen waren, wissen: Er liebt mich trotzdem. Er liebt mich, obwohl ich versage. Machen wir uns das gewiss, indem wir in einer kurzen Stille innehalten und Gott danke sagen, dass er uns liebhat.
Danke Gott
Diese Nacht war wirklich nicht nur eine Nacht der Erinnerung, sie war noch viel mehr eine Nacht der Vergebung. Die vergebende Macht dieser Nacht kommt auch uns zugut, wenn wir unsere Schuld bekennen und uns einladen lassen an seinen Tisch.
Was Sie auch bedrücken mag, lassen wir uns durch die Liebe von Jesus Gottes Vergebung zusprechen, so wie wir gesungen haben:
„Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt –
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“
Diese Liebe lehnen Menschen damals wie heute ab, wälzen vor ihr eigenes inneres Grab einen großen Stein. Wer dagegen Gottes Vergebung für sich annimmt, der erfährt, was wir in der dritten Strophe gesungen haben:
„Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“
Wahrlich, eine selige, lebensspendende und rettende Nacht der Vergebung!
Kommen wir nach der Nacht der der Erinnerung und der Nacht der Vergebung zur
Die Nacht der Hoffnung
Für die Hoffnung liegt auf dem Sederteller ein gekochtes Ei. Es steht für die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens und für die Trauer um den zerstörten Jerusalemer Tempel. Die Hoffnung besteht darin, dass trotz der Zerstörung des Tempels und Tiefpunkten des Lebens die Hoffnung durch den Glauben an den lebendigen Gott unser Leben hält und trägt.
Das Sedermahl schließt immer mit dem hoffnungsvollen Ruf: Nächstes Jahr in Jerusalem.
Und durch das Osterei wird dieses gekochte Ei vollends zum Symbol der Hoffnung – so wie aus der harten Schale des Eies neues Leben kommen kann, so ist Jesus aus dem kalten Stein des Grabes auferstanden zu neuem Leben.
Wie das Sedermahl lenkt auch das Abendmahl unseren Blick in die Zukunft. Wo Vergebung ist, ist auch Leben, Erlösung und Seligkeit. Das Abendmahl soll uns ein sichtbares Zeichen sein, dass die Heilsgeschichte noch nicht abgeschlossen ist. Mit jedem Abendmahl verkünden wir den totalen und umfassenden Sieg Jesu, wenn er kommt am Ende der Zeit. Wir verkünden damit die Zeit, an der er alle Tränen von unseren Augen abwischen wird. Wir verkünden die Zeit, in der es kein Leid und kein Geschrei mehr geben wird, die Zeit, an der es heißen wird: „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“ Wir verkünden, dass eine geschundene und geplagte Welt, dass arme und verlorene Sünder, Frieden und Rettung finden können in Jesu Blut.
Deshalb dürfen wir kommen, die Einladung Jesu annehmen. Immer wieder. Wir dürfen alles mitbringen, was uns belastet. Er will uns unsere Lasten abnehmen. Wir brauchen sie ihm nur sagen. Wir müssen sie nur loslassen und hergeben. Jesus wartet auf uns mit seiner ganzen Rettung.
Danke Gott
Das wollen wir nachher ganz konkret tun, wenn zum Abendmahl gehen, was uns belastet, beim Abendmahl in der Stille und in unserem Herzen Jesus sagen. Dann merken wir, wie befreiend die Nacht der Erinnerung, der Vergebung und der Hoffnung wirklich und wahrhaftig ist.
Amen.