Gottes unsichtbares Wirken
Liebe Gemeinde,
Das Estherbuch spielt im Perserreich zur Zeit des Königs Ahasveros, der auch Xerxes I. genannt wird. Nachdem Königin Waschti wegen Ungehorsams abgesetzt wird, wird die jüdische Waise Esther zur neuen Königin erwählt. Esther verschweigt auf Anraten ihres Vetters Mordechai zunächst ihre jüdische Herkunft. Mordechai deckt ein Attentat auf den König auf und rettet ihm damit das Leben. Der mächtige Hofbeamte Haman wird Mordechais Feind, weil dieser sich weigert, sich vor ihm zu verbeugen. Aus Rache plant Haman seinen Tod und die Vernichtung aller Juden im Reich und lässt ein entsprechendes Edikt erlassen. Mordechai fordert Esther auf, beim König für ihr Volk einzutreten, auch wenn dies ihr Leben gefährdet. Niemand, auch die Königin nicht, darf, bei Androhung der Todesstrafe, uneingeladen vor dem König erscheinen. Darum fastet und betet sie drei Tage lang:
Esther 5, 1-4 1Drei Tage später legte Ester königliche Gewänder an. So betrat sie den inneren Hof des Palasts, dem königlichen Saal gegenüber. Der König saß auf dem Thron seines Königreichs, der im Saal stand, dem Palasteingang gegenüber. 2Als der König die Königin Ester auf dem Hof stehen sah, fand sie Gnade bei ihm. Da hielt er ihr seinen goldenen Herrscherstab entgegen. Ester kam näher und berührte die Spitze des Stabs. 3Der König fragte sie: »Was hast du, Königin Ester? Was wünschst du? Du sollst es bekommen, auch wenn es die Hälfte des Königreichs ist!« 4Ester antwortete: »Wenn es dem König gefällt, dann soll er heute mit Haman zu einem Fest kommen. Ich habe es für ihn vorbereitet.«
Esther ist eine mutige und kluge Frau. Das zeigt sich in ihrer Geduld und dem Warten auf den richtigen Moment, statt in Eile überstürzt zu handeln. Das sollte uns ein Vorbild sein, wenn es darum geht, in schwierigen Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Da hilft es nicht, weder wenn wir ängstlich die Hände in den Schoss legen, noch wenn wir vorschnell und getrieben reagieren. Viel besser ist es zuerst einmal tief durchzuatmen, ein Gebet zu Gott zu schicken und ihn zu bitten: zeige mir den richtigen Zeitpunkt und die angemessene Reaktion. Und dann dürfen wir darauf vertrauen, das Gott wirkt, auch wenn dies oft unsichtbar geschieht, wie hier im Estherbuch.
Gott ist der Herr des Lebens und auch die Großen müssen letztendlich seinem Plan dienen. Das tröstet mich angesichts der weltpolitischen Lage, in der es viele Dinge gibt, die nicht verstehe. Auch hier sollten wir immer wieder für die Politiker und die unverständlichen Dinge ein Gebet zu Gott schicken und darauf vertrauen, das Gott wirkt, auch wenn dies oft unsichtbar geschieht, wie hier im Estherbuch.
Die erste Frage, die sich Esther stellen muss, war: Ist das ganze meine Aufgabe? Die Antwort bekam sie nicht sofort, sondern erst im Verlauf im Vertrauen auf Gottes Wirken. Und wir werden ermutigt, bei den Dingen in unserem Leben, sei es Familie, Arbeit, Schule oder Freizeit auch zu fragen: ist das meine Aufgabe? Und wenn wir diese Frage an Gott stellen, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns unsichtbar leitet und wir in unserem Tun die Antwort bekommen. Denn wenn es nicht unsere Aufgabe ist, dann kann uns Gott dies auch klarmachen. Und wenn es, wie in vielen Fällen, tatsächlich unsere Aufgabe ist, dann wird sie uns gelingen.
Esther 7, 2-7.9b.10 2Als der König Wein getrunken hatte, fragte er Ester auch an diesem zweiten Tag: »Was ist deine Bitte? Sie soll dir erfüllt werden. Was wünschst du? Es soll geschehen. Du bekommst es, Königin Ester, auch wenn es die Hälfte des Königreichs ist!« 3Da antwortete Königin Ester: »Habe ich Gnade gefunden bei dir, König? Und gefällt es dem König? Dann lass mich am Leben – das ist meine Bitte. Und lass mir mein Volk – das ist mein Wunsch. 4Denn man hat uns verkauft, mich und mein Volk. Man will uns ausrotten, töten, vernichten. Wenn wir als Sklaven und Sklavinnen verkauft würden, dann würde ich schweigen. Dann wäre die Not nicht so groß, dass es recht wäre, den König damit zu belästigen.« 5Da sagte König Xerxes zu Königin Ester: »Aber wer hat vor, so etwas zu tun? Wer ist das und wo ist er?« 6Ester antwortete: »Der Gegner und Feind ist Haman, dieser Verbrecher!« Haman bekam Angst vor dem König und der Königin. 7Voll Zorn stand der König auf. Er verließ das Festessen und ging in den Garten des Palastes. Haman blieb und flehte Königin Ester um sein Leben an. Denn er musste erkennen, dass der König seinen Tod beschlossen hatte. … »Der Galgen wartet schon. Den hat Haman selbst bauen lassen – für Mordechai, der doch für den König eingetreten ist. Er steht bei Hamans Haus und ist 25 Meter hoch!« Der König befahl: »Hängt Haman daran auf!« 10Da hängten sie Haman an den Galgen, den er für Mordechai aufgestellt hatte. Der Zorn des Königs legte sich.
Esther ist eine kluge und mutige Frau. Das zeigt sich auch darin, dass sie das Richtige im richtigen Moment sagt, weder zu viel noch zu wenig. Sie lädt den König zu einem Essen ein, doch ist es noch nicht die richtige Zeit. Sie lädt ihn zu einem zweiten Essen ein und nun hat Gott wieder unsichtbar gewirkt. Nun ist der richtige Zeitpunkt, dem König von der Verschwörung zu berichten und um Hilfe zu bitten.
Die zweite Frage, die sich Esther immer wieder gestellt hat, war: Ist es die richtige Zeit?
Die Antwort ist eine zweifache;
Etwas weiteres wird hier deutlich: Am Ende gewinnt Gottes Gerechtigkeit
Das kann hier auf der Erde passieren, wie hier im Estherbuch. Doch es ist nicht immer so, darum ist es wichtig und tröstlich zu wissen:
Am Ende der Zeit wird Gott das Jüngste Gericht halten, in dem jeder Mensch sich verantworten muss. Und dann wird sich Gottes Gerechtigkeit durchsetzen.
Ester 9, 24-28 24Es begann mit dem Plan von Haman, dem Agagiter. Er war der Sohn von Hammedata und Feind aller Juden. Sein Plan war es, alle Juden zu vernichten. Darum hatte er Lose
geworfen, die »Pur« hießen. So wollte er den Zeitpunkt bestimmen, wann er die Juden bedrängen und vernichten konnte. 25Doch der König erfuhr davon und schrieb einen Erlass: Haman und seine Söhne wurden am Galgen aufgehängt. Das Böse, das Haman gegen die Juden geplant hatte, sollte auf ihn selbst zurückfallen. 26Nach dem Namen »Pur« heißen die Feiertage »Purim«.
Auch sich zu verteidigen hat angemessen zu erfolgen.
Rache hat noch nie zu einem guten und sinnvollen Ergebnis geführt, vor allem nicht für den der sich rächt. Es fällt auf den Rächer selber zurück. Das sehen wir an Hamann, der an seiner eigene Rache zugrunde geht und an den Galgen kommt.
Auf dieser Erde wird Recht gesprochen, das kann auch meilenweit von Gerechtigkeit entfernt sein kann. Denn Recht legt den Buchstaben aus und folgt dem Wortlaut des Gesetzes,
Erst in Gottes jüngstem Gericht, am Ende der Zeit, wird einmal Gerechtigkeit gesprochen, weil Gott alles übersieht, alle Beweggründe und echte Tatsachen. Dann gibt es kein Ansehen der Person mehr, dann kann sich keiner mehr herausreden oder einen teuren Anwalt leisten.
Dann gibt es nur noch einen Anwalt, der hilft; Jesus Christus. Der Glauben an ihn ist umsonst und wird im Jüngsten Gericht die einzige Währung sein, die uns Menschen helfen wird, frei gesprochen zu werden.
Doch kommen wir noch einmal zurück zu der Esthergeschichte. Das Purimfest ist ein Ausdruck der Dankbarkeit für Gottes Rettung.
Wenn wir Gottes Hilfe erfahren haben, sei es sichtbar oder unsichtbar, dann ist es an der Zeit, ihm dafür danke zu sagen. Hier wird es in einem Fest gemacht und dieses ist so wichtig, dass es bis heute gefeiert wird. Was ist das eigentlich das Purimfest:
Purim feiert die überraschende Wendung von Bedrohung zu Leben und Freude. Gelesen wird dabei die Estherrolle, das Buch Esther, begleitet von Freude, Lärm bei der Erwähnung des Namens Hamans und festlicher Gemeinschaft. Heute wird Purim mit fröhlichen Gottesdiensten, oft in Verkleidung, begangen, um die Freude über die Rettung sichtbar zu machen. Menschen schenken einander Speisen und Getränke und geben Gaben an Bedürftige. Ein gemeinsames, ausgelassenes Festmahl bildet den Höhepunkt des Tages.
Von Königin Esther und dem nach ihrem benannten Buch lernen wir, dass es schwere Zeiten gibt, in denen wir uns in Gebet und Klage an Gott wenden sollen. Und es gibt gute Zeiten, in denen wir Gott danken und ausgelassen feiern dürfen. Beides gehört zum Leben dazu. Zum Schluss noch eine Empfehlung; nehmt euch zuhause ein wenig Zeit und die Bibel zur Hand. Schlagt das Estherbuch auf und lest es euch durch. Hier konnte ich nur ein paar Dinge darstellen, ich verspreche, es gibt noch viele spannende Details zu Gottes unsichtbaren Wirken in diesem Buch. Diese können uns helfen, dass wir das Wirken Gottes in unserem Leben entdecken.
Amen