Lebendiges, mündiges Christsein einüben - Matthäus 26, 36-46

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Ralf Krust

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Feb 24, 2018, 11:03:29 AM2/24/18
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Lebendiges, mündiges Christsein einüben
Liebe Gemeinde,
heute wird es darum gehen, wie wir lebendiges, mündiges Christsein
einüben können. Ich wurde gefragt, was ich eigentlich mit dem Begriff
mündig ganz genau meine? Sprachlich gesehen ist mündig zuerst einmal ein
rechtlicher Begriff. Mündig und damit erwachsen und rechtlich
handlungsfähig wird man hier bei uns in Deutschland mit 18 Jahren.
Mündig ist dann ein Begriff, den Immanuel Kant als Kampfwort in der
Aufklärung gebraucht hat: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus
seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“
Dies meine ich mit mündig nicht, sondern es geht um den ersteren Sinn,
dass unser Glauben erwachsen wird.
Menschen sollen also nicht nur zum Glauben kommen, sondern im Glauben
wachsen und ihre Gaben einsetzen. Das heißt auch, dass wir erkennen
lernen, was ist Gottes Wille und was sind meine Vorstellungen. Um diese
Unterscheidung geht es im heutigen Text:

Die Bibel - Matthäus 26,36-46 (Basisbibel)
36 Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Garten, der Getsemani
hieß. Dort sagte er zu seinen Jüngern: »Bleibt hier sitzen. Ich gehe
dort hinüber und bete.«
37 Er nahm Petrus  und die beiden Söhne des Zebedäus mit. Plötzlich
wurde er sehr traurig und Schrecken überfiel ihn.
38 Da sagte er zu ihnen: »Ich bin ganz verzweifelt. Am liebsten wäre ich
tot. Wartet hier und wacht mit mir.«
39 Jesus selbst ging noch ein paar Schritte weiter. Dort warf er sich zu
Boden und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir,
diesen Becher auszutrinken! Aber nicht wie ich will, soll es geschehen,
sondern wie du willst!«
40 Jesus kam zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen
waren. Da sagte er zu Petrus: »Könnt ihr nicht diese eine Stunde mit mir
wach bleiben?
41 Bleibt wach und betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht! Der
Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist zu schwach.«
42 Dann ging er ein zweites Mal einige Schritte weg und betete: »Mein
Vater, Wenn es nicht anders möglich ist, trinke ich diesen Becher. Es
soll geschehen, was du willst.«
43 Als er zurückkam, sah er, dass seine Jünger wieder eingeschlafen
waren, die Augen waren ihnen zugefallen.
44 Jesus ließ sie schlafen. Wieder ging er weg und betete ein drittes
Mal mit den gleichen Worten wie vorher.
45 Dann ging er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: »Schlaft ihr
immer noch und ruht euch aus? Seht doch: Die Stunde ist da! Jetzt wird
der Menschensohn ausgeliefert an Menschen, die voller Schuld sind.
46 Steht auf, wir wollen gehen. Seht doch, der mich verrät, ist schon da!«

Hier im Garten Gethsemane dreht sich alles um Jesus, er ist im
Mittelpunkt des Geschehens.
    Wer ist eigentlich  Jesus?
Um das heraus zu finden,  hilft uns der erste Teil der Bibel, denn dort
wird ganz deutlich gesagt: wir können Gott nicht sehen. Wenn wir die
Herrlichkeit Gottes sehen würden, dann wäre das noch viel schmerzhafter,
als wenn wir mit bloßem Auge in die Sonne blicken würden. Und damit
verstehen wir, wer Jesus ist: Wenn wir auf Jesus schauen, dann schauen
wir, ohne geblendet zu werden, Gott ins Herz. In Jesus ist der
unsichtbare Gott für uns sichtbar, greifbar geworden. Gott bleibt keine
unfassbare, nebulöse Konstruktion, sondern wird in Jesus real und sichtbar.
    Wozu kam Jesus?
Die Menschen in der Bibel zeichnet ein tiefer Respekt vor Gott aus. Sie
kommen nicht auf die Idee, dass es harmlos ist, wenn man es mit Gott zu
tun hat. Wir sind dafür geschaffen, uns an Gott zu freuen und in seiner
Gegenwart zu leben. Und das Elend unseres Lebens ist, das die Erfüllung
dieser Sehnsucht menschlich gesehen unmöglich ist. Und genau hier kommt
Jesus aus der himmlischen Herrlichkeit herunter. Er ringt im Garten
darum, für uns die Begegnung mit Gott frei zu machen. Das Kreuz, tief im
Dreck der Erde, öffnet den Zugang zur himmlischen Herrlichkeit. Darum
dürfen wir im Blick auf Jesus lebendiges, mündiges Christsein einüben:
alles dreht sich um Jesus.

    Was bedeutet das für mich?
Wenn Jesus so wichtig ist, dann ist es für mich gut, auf ihn zu hören.
•    Auf Jesus hören heißt: Fordere ihn auf, dass er zu dir reden soll,
denn er ist der Stern, um den wir als Planeten kreisen. Das war auch der
Startpunkt meines Glauben, der erste Schritt, als ich zu ihm gesagt
habe: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann zeige dich mir.“
•    Auf Jesus hören heißt, dass wir Gottes vielfältiges Reden hören. Am
liebsten spricht Gott durch Jesus zu unserem Herzen. Aber da habe ich
gemerkt, dass ich ihn oft nicht höre, weil es so laut in mir und mich
herum ist. Deswegen brauche ich als Hörhilfe die Bibel.  Und weiter
redet er durch meine Mitmenschen zu mir, deswegen brauche ich die andern
Christen. Oder er redet durch die Lebensumstände, wenn etwas schief geht
und er mir deutlich Stop! sagt. Oder er redet durch die Größe und
Schönheit der Schöpfung. Kaum zu glauben aber wahr; manchmal redet Gott
auch durch eine Predigt zu uns. Und das alles fängt damit an, dass ich
zu Gott sage; „Rede, Herr, ich höre.“ Und am Klarsten und am Liebsten
redet Gott durch Jesus.
•    Auf Jesus hören heißt: Bleib geduldig und verlässlich, auch wenn es
so schwer fällt wie den Jüngern im Garten Gethsemane. Hier stellt sich
die Frage: wollen wir auf Gott hören? Und selbst wenn wir diese Frage
mit „Ja“ beantworten geht es weiter mit der Frage „Haben wir die Kraft,
auf Jesus zu hören?“ Und wie schwer das fällt, zeigt das Ergehen der
Jünger in Gethsemane. Wir müssen dem Reden Gottes Raum verschaffen und
damit kommen wir zu etwas, was viele schon oft gehört haben, aber mir
trotzdem immer wieder schwer fällt, es treu und regelmäßig zu tun.
•    Auf Jesus hören heißt die Bibel in die Hand nehmen und lesen. Und
für mich habe ich festgestellt, das mir das am leichtesten fällt, wenn
ich das gleich morgens kurz nach dem Aufstehen mache und mich in den
Stuhl setze, meine Bibel in die Hand nehme und dann erst einmal 15
Minuten Zeit für und mit Gott habe.
Wir dürfen lebendiges, mündiges Christsein einüben, indem wir auf Jesus
hören lernen.

Und wenn ich auf Jesus höre, dann ist doch die natürliche
Schlussfolgerung, dass ich auch mit ihm rede. Gebet ist eine klare aber
freundliche Aufforderung von Jesus: „Bleibt wach und betet, damit ihr
die kommende Prüfung besteht! Der Geist ist willig, aber die menschliche
Natur ist zu schwach.«“
Hier haben wir aber auch gleich das erste Hindernis, das uns davon
abhält zu beten: das wir immer wieder versäumen zu beten, weil wir
geistlich gesehen einschlafen. Dagegen anzugehen, hilft uns zu schauen:
Wie betet Jesus?
Er sagt: Ich weiß was ich will, aber du Gott, du weißt, was gut für mich
ist. So sagt er zu seinem Vater, „Aber nicht wie ich will, soll es
geschehen, sondern wie du willst!“
Hier haben wir das zweite Hindernis beim Beten, das ich meine, mein
Wille sei das Nonplusultra, statt darauf zu vertrauen, dass Gott aus
meinem Gebet das macht, was gut für mich ist. Und wenn ich ehrlich und
realistisch bin, sollte jedes meiner Gebete mit „Gott dein Wille
geschehe“ schließen.
Beten zeigt mir, was die Stunde geschlagen hat und was als nächstes dran
ist. Das ist gemeint, wenn Jesus hier sagt: „Seht doch: Die Stunde ist
da!“ Die Jünger wollen es einfach nicht wahr haben, das der Weg von
Jesus ans Kreuz ist.
Hier haben wir das dritte Hindernis beim Beten: beten ist sehr
gefährlich, denn wenn ich erfahre, was der Wille Gottes ist, dann
erwartet Gott natürlich auch, dass ich ihn tue. Nicht das er uns dazu
zwingt, so ist Gott nicht. Aber er wartet manchmal darauf, dass ich den
ersten Schritt tue, bevor mich den zweiten Schritt tun lässt.
Darum dürfen wir lebendiges, mündiges Christsein einüben: beten lernen,
indem wir anfangen, indem wir auf Gottes Willen hören und ihn dann auch tun.

Die Jünger haben Gethsemane, die Gefangennahme und die Kreuzigung nur
deswegen durchgestanden, weil sie es in Gemeinschaft getragen haben. Ich
höre immer wieder von Menschen, die sagen sie seien Christen, und auf
die Gemeinde und den Gottesdienst verzichten wollen. Halte ich für keine
gute Idee. Ich will das anhand des Zeichners und Filmemachers Loriot
deutlich zum Ausdruck bringen. Loriot bevorzugte als Hunderasse die
Möpse. Von ihm stammt der Satz: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber
sinnlos.“ Das kann man gut auf das Christsein übertragen und sogar
verschärfen: „Ein Christentum ohne Gemeinde ist unmöglich und sinnlos.“
Warum bin ich in dieser Sache so deutlich. Wesentliche Dinge, die zum
Christsein gehören, kann ich nicht alleine. Z.B.
Mit mir alleine das Abendmahl feiern
Mich selber in den Arm nehmen und trösten
Mir selber Vergebung zusprechen
Gemeinde ist real, leiblich, irdisch, an einem Tisch versammelt.
Wirkliche Beziehungen: Augen, die mich ansehen, eine Hand, die mich
berührt. Echte Beziehungen: herausfordernd, anstrengend, kompliziert,
konfliktbehaftet, ein Kraftakt, und doch: Unsere Seele schreit danach.
Gottes Geist schafft darum immer das Leibliche. Das digitale Abendmahl
ist eine ebenso irreale Sache wie eine Taufe im Internet. Als Gott
beschloss, die Welt zu retten, schickte er keine Whatsapp und begründete
keine Gott-Homepage. Er kam. Er wurde Fleisch und Blut. Er saugte an der
Brust von Maria und machte in die Windel. Er starb, blutig am Kreuz, und
er stand auf, leiblich. Er gründete die Kirche, Menschen, die an einem
Tisch Brot und Saft teilen. Wir brauchen das. Da geschehen all die
Dinge, die zum Christsein dazu gehören. Jeder bracht das: einem Menschen
Auge in Auge gegenüberstehen. Getröstet werden. Vergebung erfahren.
Verletzlich sein. Von Jesus berührt werden. Mit ihm das Brot teilen. Das
Wasser der Taufe spüren. Gespräche führen. An schwierigen Beziehungen
wachsen. Gemeinde ist real. Leib. Fleisch und Blut.
Darum dürfen wir lebendiges, mündiges Christsein einüben: in
Gemeinschaft der Gemeinde einander im Glauben tragen und stärken.

Lasst uns nächste Woche diese lebendige, mündige Christsein einüben mit
den heute genannten Hinweisen: alles dreht sich um Jesus, auf Jesus
hören lernen, beten lernen und dies alles in der Gemeinschaft der
Gemeinde auch tun.
Amen.

P.S. In dieser Predigt werden Gedanken aus dem Buch von Michael Herbst,
„Lebendig! Vom Geheimnis mündigen Christseins“ verwendet.


#predigt.rtf
matthaeus26_36-46.pdf
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