Der rote Faden des Glaubens
Der rote Faden, der alles ordnet, wie ist diese Redeweise entstanden? König Minos von Kreta ließ den gefährlichen Minotauros in ein großes Labyrinth sperren, weil er halb Mensch und halb Stier war. Der Held Theseus ging in das Labyrinth, um das Ungeheuer zu besiegen. Königstochter Ariadne gab ihm einen roten Faden, damit er nach dem Sieg wieder aus dem Labyrinth herausfinden konnte. Solch einen roten Faden brauchen wir, der unser Leben, der unseren Glauben ordnet und uns zum Ziel der ewigen Herrlichkeit bei Gott bringt. Dies zeigt uns der heutige Text:
Die Bibel - Römer 5, 1-5 – Luther
1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Es ist der rote Faden der Versöhnung durch den Glauben an Jesus Christus, der uns durch unser Leben führt. Gott hat uns dieses Leben geschenkt. Darum ist die versöhnte Beziehung mit ihm die Voraussetzung für alles weitere. Der Glaube an Jesus Christus steht am Anfang eines Lebens mit Gott und ordnet alle Lebensbereiche um sich herum. Das drückt Paulus im Text aus, wenn er schreibt: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“
Christlicher Glaube macht gerecht und spricht von Schuld frei. Wir können die Schuld bewältigen und täglich einen neuen Anfang mit Gott machen. Ohne Glauben und Versöhnung gibt es keinen Neuanfang. Der Glaube an Jesus Christus ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Wenn du Jesus Christus wegnimmst, dann bleibt nichts mehr übrig. Nur er kann durch Versöhnung den Graben der Schuld, der sich zwischen uns und Gott auftut, überbrücken, uns Angst nehmen und eine echte Beziehung mit Gott schaffen.
Der blaue Faden ist der Faden des Friedens. Es ist ein zerbrechlicher Faden. Aber es ist das was unser Leben und unsere Welt braucht: Wir brauchen Frieden in den Familien, wir sehnen uns nach Frieden in der Schule und bei der Arbeit und wir wünschen uns Frieden in den Krisengebieten der Welt.
Und im Text wird sehr schnell deutlich, was der Unterschied zwischen Waffenstillstand und wahrem Frieden ist. Wahren Frieden bekommen wir von Gott, so wie es hier heißt, durch die Versöhnung im Glauben „haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“
Paulus redet vom Frieden mit Gott und vom Frieden unter den Menschen, mit denen wir zusammenleben. Das widerspricht dem Frieden der Völker nicht, aber hier kommt es auf die richtige Reihenfolge an. Schauen wir uns das mit unseren Fäden einmal genauer an:
Der Faden des Friedens legt sich um den Strang der Versöhnung im Glauben an Jesus Christus. Das erste ist: Weil Gott uns unsere Schuld vergibt, haben wir Frieden mit Gott. Aus diesem Frieden heraus kann ich eine versöhnte Beziehung mit Gott finden. Aus diesem Frieden mit Gott, kann ich Frieden mit den Menschen finden, mit denen ich zusammenlebe. Ich kann nur in Frieden leben, wenn ich vergebe, wo andere an mir schuldig geworden sind. So kann ich den Faden des Friedens auch den Faden der Versöhnung nennen. Denn Frieden ohne Versöhnung ist nicht möglich. Damit gehören zum Frieden unter den Menschen meiner nächsten Umgebung zwei Dinge:
Ich vergebe den Menschen, die Böses an mir getan haben, die schuldig an mir geworden sind.
Und ich gehe zu den Menschen hin, an denen ich Böses getan habe, an denen ich schuldig geworden bin, und bitte sie: "Bitte vergib mir. Ich will das Unrecht, das ich getan habe, so weit wie möglich wieder gutmachen."
Ich weiß nicht welches der schwerere Schritt ist, es einzusehen oder auf den anderen zuzugehen. Mir fällt beides schwer und brauche von Gott immer wieder Kraft, diese Schritte auch tun zu können.
Dieser Frieden mündet in den nächsten Faden:
Der grüne Faden stellt die Hoffnung in unserem Leben dar: „wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird“
Gottes Hoffnung will uns ein Leben lang tragen. Sie beginnt gerade im Alltag und findet sich dann im ganzen Leben. Gott ändert unsere Einstellung, wir dürfen und der Hoffnung auf die Herrlichkeit rühmen. Wir Menschen sind eigenartige Wesen. Je besser es uns Menschen geht, um mehr klagen wir. Statt, dass wir auf all das Schöne und Gute sehen, dass wir hier in Deutschland haben und dafür dankbar sind, suchen wir ständig die Maden im Speck. Wenn wir so handeln, werden wir selbst zur Made im Speck. Aber es gibt eine Sache, auf die wir stolz ein können: Wir sind unterwegs zu Gottes Herrlichkeit. Gottes Hoffnung führt zur Dankbarkeit. Dankbarkeit müssen wir wieder neu lernen. Eine kleine Überlegung will ich mit auf den Weg geben: „Überlege eine Sache, für die ich heute Gott danken will." Das hilft mir, dass ich mit Freude an die alltäglichen Dinge heran gehe.
Wenn ich jetzt von der Hoffnung und dem Dank geredet habe, heißt das nicht, dass es Christen und auch mir immer gut geht und sie immer ein fröhliches Gesicht machen. Das stimmt nicht, auch Christen müssen leiden. Davon handelt der nächste Faden.
Der schwarze Faden stellt die Bedrängnisse und das Leiden in unserem Leben dar.
Wenn ich Christ werde, wenn ich Christ bin, heißt das nicht, dass es keine Probleme in meinem Leben mehr gibt. Trotz Hoffnung gibt es auch Bedrängnisse und Leiden im Leben des Christen. Christen werden krank, Christen werden arbeitslos, ja es gibt auch Christen deren Ehen zerbrechen.
Darauf kann ich unterschiedlich reagieren. Ich kann mit Gott hadern. Oder ich kann abstumpfen und gleichgültig werden. Gott möchte beides nicht: weder das Leiden noch das wir mit ihm hadern. Gott will uns die Kraft schenken, um mit dem Leiden und den Schwierigkeiten zu leben. Das ist ein langer und schwerer Weg. Und so schreibt Paulus hier eine Erfahrung, die am Ende eines langen Prozesses steht und zeigt, wie er sehr er um die rechte Einstellung zum Leiden gekämpft hat: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt.“ Wow, da muss ich erst mal die Luft anhalten und das Durchbuchstabieren. Paulus rühmt Gott auch in den Bedrängnissen. Das tut er nicht, weil er selbstquälerische Züge in sich stecken hat. Nein, er weiß vielmehr, dass Leiden ihn im Leben Tiefgang bringt und er dadurch auch im Glauben fester wird. Dieser Satz ist nicht so daher gesagt, sondern erfahren und erlitten. Aber das ist das Wesentliche: auch in schweren Tagen auf das schauen, was Gott uns an Gutem schenkt. Und im Glauben an Jesus Christus führt das noch einmal zum grünen Faden der Hoffnung:
Die Bedrängnisse sollen wieder zum Rühmen der Hoffnung auf die Herrlichkeit führen. Deswegen noch einmal der grüne Faden: „Geduld bringt Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.“ Das kann
unseren Charakter stärken und Tiefgang in unserem Leben bringen. Standhaftigkeit und Hoffnung kommen aus den Bedrängnissen, schreibt Paulus. Doch nicht alles Leid macht standhaft. Leid kann aggressiv und ungeduldig machen. Nur im Glauben an Jesus Christus getragenes Leiden lehrt uns Geduld und schenkt uns Tiefgang.
Menschen können angesichts des Leidens verzweifeln und alle Hoffnung verlieren. Nur im Glauben an Jesus Christus getragenes Leid lehrt uns sichere Hoffnung. Sie formt und schärft unseren Charakter.
Und Hoffnung, die nicht zuschanden wird, führt uns wieder zum nächsten Faden:
Der orange Faden, die Liebe ist der letzte Faden
Das ist nicht irgendeine Liebe, das ist Liebe in Reinform, die Liebe Gottes, deren Spuren in unserem Leben sichtbar wird: indem Gott uns vor Unglück bewahrt hat, indem Gott uns liebe Menschen zur Seite gestellt hat, indem Gott uns jeden Tag das nötige zum Leben gibt.
Wie der Glaube, so ist auch die Liebe Gottes Geschenk, dass er uns durch seinen Heiligen Geist überbringt „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“
So wie der rote Faden des Glaubens dem Ganzen die Ordnung gibt und das Chaos verhindert; so gibt der Faden von Gottes Liebe dem Ganzen Menschlichkeit und Wärme.
Gottes Liebe war so groß, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist. In Jesus wird deutlich, wie Gott sich Menschsein vorstellt. Und so kann ich nur sagen: Mach‘s wie Gott, werde Mensch.
Der rote Faden des Glaubens ist das wichtigste. Machen wir uns das an den Fäden deutlich.
Nehme ich den mittleren Faden weg, dann fehlt die Mitte, die alles ordnet. Es fehlen der Sinn und die Ordnung und zurück bleibt ein wirres Knäuel von Fäden. Ein bisschen Religion und ein bisschen Glauben hat jeder. Darum gibt auch in dem wirren Knäuel den scheinbaren roten Faden. Ihr seht auch hier den roten Faden. Aber er ordnet nicht das Leben, sondern er reiht sich mit den anderen Fäden in ein wirres Knäuel ein und ist nur ein Lebensbereich unter vielen anderen. Darum ist es nur ein scheinbarer roter Faden, denn er ordnet nicht das Chaos, sondern gehört mit dazu.
Wenn Glaube mehr ist als ein Lebensbereich, dann bestimmt er das ganze Leben, dann ist es christlicher Glaube. Dann ist er wie der rote Strang in der Kordel und gibt dem Leben Sinn und Richtung.
Auf jeden Faden kommt es an in der Kordel. Die zwei wichtigsten sind der Glaube und die Liebe. Der rote Strang des Glaubens hält alles zusammen und Gottes Liebe macht unser Leben menschlich.
Amen.