Auf der Spur des Glaubens bleiben - Lukas 18,35–43

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Krust, Ralf

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Feb 14, 2026, 11:20:52 AMFeb 14
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Auf der Spur des Glaubens bleiben

Erwarten wir eigentlich noch etwas von Jesus und vom Glauben?
Oder sind wir zufrieden damit, sonntags in den Gottesdienst zu gehen und morgens kurz die biblische Losung zu lesen – wie ein kleines geistliches Häppchen für den Tag?

Lassen wir uns doch immer wieder neu von Jesus überraschen. Lassen wir uns neu auf die Spur eines lebendigen Glaubens führen. Hören wir dazu auf den heutigen Bibeltext:

 

Lukas 18,35–43 (Basisbibel)

35 Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß dort ein Blinder am Straßenrand und bettelte.
36 Er hörte, wie eine große Menschenmenge vorbeiging, und fragte: »Was ist da los?«
37 Sie sagten ihm: »Jesus aus Nazaret kommt hier vorbei.«
38 Da rief er laut: »Jesus, Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!«
39 Die Leute, die vorneweg gingen, fuhren ihn an, er solle still sein. Doch er schrie noch viel lauter: »Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!«
40 Jesus blieb stehen und befahl, den Blinden zu sich zu bringen. Als der Blinde in seine Nähe kam, fragte ihn Jesus:
41 »Was soll ich für dich tun?«
Er sagte: »Herr, ich möchte sehen können!«
42 Jesus sagte zu ihm: »Du sollst sehen können! Dein Glaube hat dich gerettet.«
43 Sofort konnte er sehen. Er folgte Jesus und lobte Gott. Auch das ganze Volk, das dabei war, lobte Gott.


Was heißt es nun, auf der Spur des Glaubens zu bleiben?
Ich entdecke in diesem Text sechs Hinweise.


1. Neugierig bleiben

Der Blinde hört, dass etwas geschieht, und fragt:
»Was ist da los?«

Auf der Spur des Glaubens zu bleiben, beginnt mit Neugier. Mit dem Wunsch: Ich will mehr wissen. Ich will mehr von Jesus. Ich will mehr vom Glauben.

Ich selbst hatte einen guten Konfirmandenunterricht. Aber ehrlich gesagt: Er hat meine Neugier nicht geweckt. Was sie geweckt hat, waren Gleichaltrige, die ihren Glauben sichtbar lebten. Freundschaften. Gespräche in einer christlichen Teestube. Menschen, die sich Zeit nahmen und geduldig meine Fragen anhörten.

Darum: Pflegt Freundschaften – auch mit Menschen außerhalb der Gemeinde. Seid echte Freunde. Nehmt euch Zeit. Geht gemeinsam Lebensfragen nach. Begebt euch in die Nähe von Jesus. So entstehen Spuren des Glaubens.


2. Mut haben, anders zu handeln

Der Blinde erkennt seine Chance. Er ruft laut.
Und als man ihn zum Schweigen bringen will, ruft er noch lauter.

Er durchbricht das gewohnte Muster. Bisher saß er jeden Tag am Straßenrand und bettelte. Er wagt Neues. Jetzt steht er innerlich auf.

Auch wir dürfen gewohnte Muster verlassen.
Heute Morgen feiern wir Spätgottesdienst ohne Singteam, weil gerade so viel los ist.

Oder an Ostern werden wir dieses Jahr die Feier der Ostenacht ausprobieren.

Wir müssen uns nicht von anderen bremsen lassen. Wir dürfen Gott so suchen, wie wir es vor ihm verantworten können. Diese Geschichte ist eine Ermutigung gegen die Angst, Gott könne uns nicht hören.


3. Hören und rufen

Der Blinde konnte nicht sehen – aber er konnte hören.
Er hatte gehört, wer Jesus ist: der Sohn Davids, der verheißene Retter.

Lesen auch wir die Bibel so, dass sie unser Bild von Gott korrigieren darf?
Und rufen wir dann zu diesem Jesus?

Der Blinde tut genau das:
»Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«

Glauben bleibt lebendig, wenn wir nicht nur über Gott reden, sondern zu ihm.


4. Menschen zu Jesus bringen

Jesus sagt: »Bringt ihn zu mir.«

Das machen wir bei jeder Taufe ganz wörtlich.

Die Taufe ist sichtbar.
Der Glaube, der daraus wächst, ist eine Sache des Herzens.
Doch aus dem Herzen folgen Taten.

„Bringt ihn zu mir“ – das heißt auch: Erzählt von eurem Glauben. Ladet ein in den Gottesdienst, in die Gemeinde. Betet füreinander – für eure Familie, für unsere Kinder und Enkelkinder, für Eschelbronn und Neidenstein, für unsere Politiker.


5. Ehrlich sagen, was wir brauchen

Jesus fragt:
»Was soll ich für dich tun?«

Die Antwort scheint klar:
»Herr, ich möchte sehen können!«

Aber wenn ich an meine eigene geistliche Blindheit denke, ist die Antwort gar nicht so selbstverständlich. Manchmal habe ich mich an meine eingeschränkte Sicht gewöhnt.

Kann ich ehrlich beten:
Herr, öffne mir die Augen?
Zeig mir, wer du wirklich bist.
Zeig mir, worauf es ankommt.
Lehre mich, dich zu lieben – und meine Gemeinde.

Dazu passt die Geschichte von den blinden Bettlern, die einen Elefanten beschreiben.

Ein König rief zu seiner Unterhaltung etliche Bettler zusammen, die von Geburt an blind waren, und setzte einen Preis aus für denjenigen, der ihm die beste Beschreibung eines Elefanten geben würde. Zufällig geriet der erste Bettler, der den Elefanten untersuchte, an dessen Bein, und er berichtete, dass der Elefant ein Baumstamm sei. Der zweite, der den Schwanz fasste, erklärte, der Elefant sei wie ein Seil. Ein anderer, welcher ein Ohr ergriff, beteuerte, dass der Elefant einem Palmenblatt gleiche, und so fort. Die Bettler begannen, miteinander zu streiten, und der König gab keinem den Preis.

Jeder ertastet nur einen Teil und meint, das Ganze zu kennen. Sie streiten – und keiner bekommt den Preis.

So geht es uns Christen manchmal auch. Der eine betont die Lehre, der andere die Musik, der nächste das Gebet. Jeder hat einen Teil erkannt – aber keiner das Ganze.

Die Frage ist: Haben wir die Größe, dem anderen seinen Schwerpunkt zu lassen?

Darum ist das Herzensgebet so hilfreich, es geht so:

Beim Einatmen:
Jesus, du Sohn Davids!

Beim Ausatmen:
Hab Erbarmen mit mir!

Wir atmen seine Liebe ein und geben unsere Not ab.
Beten ist Atemholen der Seele.


6. Jesus folgen und Gott loben

Am Ende heißt es:
„Er folgte Jesus und lobte Gott.“

Das ist die entscheidende Frage:
Wie folge ich Jesus?

Wo sind meine Kraftquellen?
Gottesdienst, Hauskreis, Gebet, Bibellesen, Stille – jeder braucht seine eigene geistliche Routine.

Und wo bringe ich mich ein?
Nicht nur vorne im Rampenlicht. Auch hinter den Kulissen gibt es viele Aufgaben. Sprecht mich oder die Ältesten an – wir finden einen Platz.

Und vergessen wir den Dank nicht.
Der Geheilte lobte Gott – und das Volk stimmte ein.

Lob verändert uns.
Mit alten Chorälen oder neuen Liedern. Mit Worten oder im stillen Herzen.


Nehmen wir heute mit:

In guten und schweren Tagen, zu Hause und unterwegs, zwischendurch und mittendrin dürfen wir beten:

Beim Einatmen:
Jesus, du Sohn Davids!

Beim Ausatmen:
Hab Erbarmen mit mir!

Wir atmen seine Liebe ein
und legen unsere Not in seine Hände.

So bleiben wir auf der Spur des Glaubens.

Amen.

 

 

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