Wer mich findet, der findet das Leben - Sprüche 8, 22-23-30-36

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Krust, Ralf

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May 9, 2025, 1:41:13 PM5/9/25
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Wer mich findet, der findet das Leben

Liebe Gemeinde, Liebe Konfirmanden,

am Mittwoch habe ich euch im Konfirmandenunterricht gefragt, was zu dem Begriff „Weisheit“ einfällt. Die erste Antwort war „Meister Wu“ aus der „Lego Ninjago“ Serie. Weiter kam dann die Antwort, dass jemand der klug ist, weise sei. Hören wir, was der heutige Text dazu sagt:

 

Die Bibel - Sprüche 8, 22-23-30-36 – Konfirmation

22 Der HERR hat mich [die Weisheit] schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war… 30 da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. 32 So hört nun auf mich, meine Kinder! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

 

Weisheit ist eine Begleiterin Gottes, die ihn schon bei der Schöpfung der Welt unterstützt hat. Durch den Glauben an Gott können auch wir diese Weisheit finden. Was dies bedeutet, begreifen wir am besten, wenn wir uns zuerst das Gegenteil von Weisheit anschauen.

Wer sich selbst überschätzt und meint, dass er für sich alleine alles im Griff hat, der ist nicht weise.

Wer überheblich auf andere blickt und meint, er sei etwas Besseres, der ist nicht weise.

Wer nicht im Blick hat, dass unser Leben endlich ist und meint, es geht immer so weiter, der ist nicht weise.

  • Weise ist, wer anerkennt, dass sein Leben ein Geschenk Gottes ist
  • Weise ist, wer erkannt hat, dass er sein Leben und sein Geschick nie ganz selbst in der Hand haben kann
  • Weise ist, wer weiß, dass er all sein Tun und Lassen, einmal vor Gott verantworten muss.

Unter Weisheit versteht dann das Neue Testament eine besondere Gabe des Heiligen Geistes oder eine Geisteswirkung, die den Menschen über jedes Maß menschlicher Einsicht hinaus erleuchtet zur Erkenntnis von Dingen und Menschen. Sie beflügelt ihn zu vollmächtigem Reden oder Handeln.

Diese Weisheit ist der rein menschlichen Bildung nicht zugänglich, sie wird auch in der Regel den menschlich Hochgebildeten nicht gegeben. Ihnen fehlt dafür die Empfänglichkeit. Vor den Weisen und Klugen hat der Gott, der Vater sie nämlich verborgen

Die göttliche Weisheit ist zwar eine menschlich verborgene Weisheit, aber von gewaltiger Kraft, alles zu durchdringen, und damit auch den Glauben an Jesus Christus zu schenken.

Was in Gottes Augen z.B. weise ist, will ich an der kurzen Geschichte verdeutlichen:

Ein orientalischer Christ auf die Frage, warum er allmorgendlich fünf Fladen­brote kaufe: »Eines esse ich, zwei gebe ich zurück, und zwei leihe ich aus.« »Wem gibst du zurück und wem leihst du?«

»Meinen Eltern gebe ich zurück, was sie mir in meiner Jugend gegeben haben, und meinen Kindern leihe ich, was sie mir in meinem Alter erstatten.«

Kommen wir zu einem Gedanken, den ich persönlich sehr schätze. Die Weisheit sagt von sich: ich spielte vor Gott allezeit. Ein wunderbares Bild: die Weisheit, welche wie fröhliches Kind zu den Füssen Gottes spielt. Eine erhellende Beobachtung, dass die Weisheit hier in unserer Welt unterwegs ist und unser Tun beobachtet. Das soll uns zeigen, dass es in unserem Leben auf wesentlich mehr als auf unseren Verstand und rationale Entscheidungen ankommt.

Wenn also selbst die Weisheit zu den Füßen Gottes spielt, dann heißt das, ein weiser Mensch ist sich nicht zu schade, Dinge spielerisch und kreativ anzugehen. Wir tun das Spielen oft als etwas Kindisches ab. Aber hier wird deutlich, dass zum rechten Spielen und einer zielführenden Kreativität sehr viel Weisheit nötig ist. Und darin steckt dann für uns Erwachsene auch die Hoffnung, dass wir das kreative Spielen mit den Herausforderungen des Lebens lernen können.

Damit gewinnt auch mein Glaube eine ganz neue Tiefe, wenn ich erkenne: In Gottes wunderbarer Schöpfung steckt eine spielerische Komponente: wenn wir die Vielfalt und die Schönheit der Pflanzen und Tiere anschauen, dann steht mir vor Augen, wie Gott bei der Gestaltung der Schöpfung mit Farben und Formen gespielt hat. Es ist nicht wie bei Meister Wu in der Legoserie, nicht quadratisch und praktisch und Klötzchen wie Lego, sondern vielfältig, bunt und schön. Wenn ich die Farben und die explodierende Natur im Mai vor Augen habe, dann spielt Gott hier mit neuem Leben. Und wenn ich mir die Lichtspiele und den Regenbogen am Himmel vor Augen halte, dann wird hier gigantischer Kunst gespielt. Wenn schon Gott am Anfang diese Erde in spielerischer Weise geschaffen hat und bis heute dies in seiner Schöpfung tut, tun wir gut daran, ein Platz für das Spielen und die Kreativität in unserem Leben zu finden.

Und es ist wie bei jedem Spiel, dass es Spielregeln gibt. Davon haben wir letzten Sonntag gehört, als wir uns mit den zehn Geboten und dem Wichtigsten Gebot beschäftigt haben.

Die göttliche Weisheit als göttliche Botin spielt bis heute hier auf der Erde und beobachtet unser Tun. In unserem Leben will sie mitspielen. Jesus hat gesagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Reich Gottes kommen.“ Er hat hier vom kindlichen Glauben und Vertrauen gesprochen. Dabei hat er sicher auch gemeint, dass die Kinder die Welt spielerisch erfahren und so manches besser begreifen als wir vom Verstand geprägten Erwachsenen. Das erlebe ich gerade bei meinen Enkeln. Sie spielen und entdecken dabei täglich neue Dinge und Fähigkeiten. Sie lassen sich durch Misserfolge nicht aufhalten, sondern sie nehmen spielerisch immer neue Anläufe.

Der Kabarettist Dieter Hildebrand hat einmal einen wahren Satz über uns Deutsche gesagt. „Es muss sich für den Deutschen schon lohnen, wenn er lacht. Einfach nur so lacht niemand in Deutschland.“ Ich will den Satz für das Spielen abwandeln. „Es muss sich für den Deutschen lohnen, wenn er spielt. Einfach nur so spielt niemand in Deutschland.“ Was springt also raus, wenn wir wieder lernen zu spielen: Spielen bringt Freude und Kreativität in mein Leben und mein christlicher Glauben gewinnt dabei an Tiefe.

Darum sagt die Weisheit auch: „Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!“ Was hat der Türposten, hebräisch „Mesusa“, mit Weisheit zu tun?

In einem traditionellen jüdischen Haushalt befindet sich an den Türrahmen eine Mesusa. (Beispiel zeigen) Das Entscheidende ist nicht diese Tradition, sondern zwei Dinge:

  1. der Inhalt: in der Mesusa ist das Glaubensbekenntnis 
  2. die Funktion: die Mesusa soll bei jedem Betreten und Verlassen des Raumes an Gott und den Glauben an ihn erinnern

Wir brauchen diese Erinnerungen an Gott und den Glauben im Alltag immer wieder. Bildlich gesprochen, brauchen wir solche Türposten mit einer Mesusa, die uns daran erinnern. Ich habe mir überlegt, was das für euch sein könnte.

  • Der Türposten der Woche ist der Sonntag. Ihr habt vor allem den abendlichen Mittelpunktgottesdienst am 1. Sonntag im Monat gerne besucht. Macht das weiter.
  • Bisher war der Konfirmandenunterricht für euch ein wöchentlicher Türpfosten. Nun ist die spannende Frage, ob das in Zukunft z.B. der Teenkreis am Donnerstagabend das sein wird.
  • Tägliche Türposten können sein: persönliches Bibellesen und Gebet. Euer Konfirmandenspruch und das Glaskreuz, das ihr bekommt, sollen euch daran erinnern.
  • Ein weiter Türposten kann das Abendmahl sein, das wir heute miteinander feiern. Hier steht Jesus unsichtbar mitten uns mit dabei.

Wichtig bei allen diesen Türposten ist, dass sie nicht nur dastehen, sondern uns zu einem aktiven Glauben an Gott und Jesus Christus führen.

Die Weisheit weist auf den Glauben an Gott und sagt darum von sich: „Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN.“

Entscheidet weise, was euch an der heutigen Konfirmation das Wichtigste ist, das Fest, das Essen, die Geschenke oder der Segen. Auch dazu eine Geschichte, die euch hilft, das Ganze zu bedenken:

Einst hörte der König, dass vor den Toren seiner Stadt ein weiser Christ leben solle, der große Dinge täte. Dem schickte er viel Gold und ließ ihm sagen:

»Es heißt, Gott hätte dich reich bedacht; so wird es dir ein Leichtes sein, meinen Knecht reicher beschenkt zu mir, deinem König, zurückzusenden, als ich ihn zu dir sandte!«

Der Knecht kam zurück und sprach ein Gebet, das der Weise ihn gelehrt hatte.

Zornig schickte der König abermals Knechte hinaus und ließ den Weisen vor sich rufen:

»Habe ich dir nicht meinen größten Schatz gesandt und du speist mich ab mit leerem Geschwätz?«

Der aber sprach:

»Entscheide selbst, was wertvoller ist: Du hast mir etwas geschickt, das ich behüten muss — ich aber sandte dir etwas, das dich behüten wird.«

Um diese Weisheit geht es auch im nächsten Lied, dass unser Singteam für euch Konfirmanden ausgesucht hat und in dem es heißt:

„So viele Wege liegen, Herr, vor mir. So wenig' Wege führen mich zu dir.“

„Herr, an deinem Segen ist mir mehr gelegen als an Gold, auf deinen Wegen will ich geh‘n.“

Diesen Segen wünsche ich euch.

Amen.

 

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