Zeit, die mir noch bleibt
Liebe Gemeinde,
„wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Dieser Satz aus dem Hebräerbrief steht heute im Mittelpunkt. Er lenkt unseren Blick auf das Entscheidende: Unser Leben hier ist nicht das Ziel – es ist ein Weg. Ein Weg auf etwas Größeres hin, es geht um die Zeit, die mir noch bleibt. Diese soll ich nutzen, um mich auf das, was mich in der Herrlichkeit bei Gott erwartet, vorzubereiten.
Die ersten Leser des Hebräerbriefes hatten die Zerstörung Jerusalems vor Augen. Ihre vertraute Welt war ins Wanken geraten. Und mitten in diese Erfahrung hinein hören sie:
„Wir haben hier keine bleibende Stadt.“
Auch wir kennen solche Erfahrungen. Dinge, die wir für sicher hielten, verändern sich. Lebenspläne gehen nicht auf. Sicherheiten geraten ins Wanken. Und gerade dann stellt sich die Frage:
Was trägt mich eigentlich?
Der christliche Glaube antwortet: Nicht das, was vergeht, sondern das, was kommt.
Nicht das Vorläufige, sondern das Zukünftige.
Und damit sind wir heute an einem besonderen Punkt:
Wir feiern Konfirmationsjubiläum.
Viele von Ihnen haben vor 25, 50 oder noch mehr Jahren Ihr „Ja“ zum Glauben gesprochen. Damals lag das Leben noch weit vor Ihnen. Viel ist seitdem geschehen: Freude und Leid, Gelingen und Scheitern, Aufbrüche und auch Brüche.
Und heute hören wir dieses Wort neu:
„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Das verbindet Anfang und Gegenwart. Damals wie heute geht es darum, auf dem Weg zu bleiben.
1. Bin ich bereit, innerlich weiterzugehen?
Das ist die erste Frage.
Bin ich bereit, mich im Glauben an Jesus Christus innerlich weiterzuentwickeln? Oder halte ich fest an dem, was einmal war?
Manche Menschen leben so stark in der Vergangenheit, dass sie die Gegenwart kaum wahrnehmen können. Alte Verletzungen, Enttäuschungen oder Ungerechtigkeiten prägen den Blick so sehr, dass kaum Raum bleibt für Neues.
Der Hebräerbrief lädt uns ein, den Blick zu heben:
Nicht zurück, sondern nach vorn.
Nicht auf das Vergängliche, sondern auf das, was bleibt.
Ein schönes Bild dafür ist das Autofahren:
Wir schauen viel mehr nach vorne als in den Rückspiegel.
Oder die kleine Geschichte von dem Reisenden im Kloster:
Er wundert sich über die wenigen Möbel der Mönche und fragt danach.
Die Antwort lautet: „Wo haben Sie denn Ihre?“
„Ich bin doch nur auf der Durchreise“, sagt der Reisende.
Und der Mönch antwortet: „Eben – wir auch.“
So ist unser Leben: unterwegs sein.
Gebet:
Gott, mache mich bereit zum Aufbruch.
Hilf mir, loszulassen, was mich festhält.
Schenke mir Vertrauen, dass du mein Leben führst.
2. Welche Schritte sind jetzt dran?
Der Weg entsteht nicht auf einmal.
Es fällt kein fertiger Plan vom Himmel.
Aber wir dürfen im Vertrauen gehen. Schritt für Schritt.
Der Blick auf die zukünftige Stadt Gottes verändert schon heute unser Leben:
Gerade am Konfirmationsjubiläum wird das deutlich:
Der Glaube an Jesus Christus ist kein einmaliges Ereignis.
Er ist ein Weg, der immer wieder neu gegangen werden will.
Gebet:
Gott, zeige mir den nächsten Schritt.
Führe mich auf deinem Weg.
3. Wer geht mit mir?
Wir sind nicht allein unterwegs.
Die Bibel spricht von der Gemeinde als einem wandernden Volk. Menschen auf dem Weg – gemeinsam.
Gerade heute beim Konfirmationsjubiläum wird das sichtbar:
Menschen, die vor vielen Jahren gemeinsam gestartet sind. Wege, die sich gekreuzt haben. Erinnerungen, die verbinden.
Auch heute brauchen wir Weggefährten:
Menschen, die mit uns glauben, beten, fragen, zweifeln.
Das kann ganz praktisch werden: im Gespräch, im Gebet, in der Mitarbeit in der Gemeinde.
Gebet:
Gott, schenke mir Menschen an meiner Seite.
Lass uns gemeinsam auf deinem Weg gehen.
4. Gehe ich gewiss mit Gott?
Am Ende steht die wichtigste Frage:
Bin ich mir gewiss, dass Gott mit mir unterwegs ist?
Der Hebräerbrief richtet unseren Blick auf das Ziel: die zukünftige Stadt Gottes.
Jesus hat von sich gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, dann durch mich.“
Und er hat uns durch sein Leben gezeigt, wie dieser Weg aussieht:
Und Jesus hat uns zugesagt:
Ich bin bei euch.
Darum lohnt es sich, Gott zu loben und zu danken.
Denn Dankbarkeit hält uns auf dem Weg.
Ein alter Satz sagt:
„Loben zieht nach oben.“
Und:
„Danken hilft gegen Wanken.“
Gerade wenn wir zurückschauen – wie heute beim Konfirmationsjubiläum –, entdecken wir Spuren von Gottes Treue.
Gebet:
Gott, lass mich deine Gegenwart spüren.
Schenke mir Vertrauen, dass Jesus mich führt.
Schluss
„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Das ist kein trauriger Satz.
Es ist ein hoffnungsvoller Satz.
Er erinnert uns:
Unser Leben hat ein Ziel.
Und Gott ist mit uns auf dem Weg.
Gerade heute, im Blick auf viele Lebensjahre, gilt:
Was war, darf ich Gott anvertrauen.
Was kommt, darf ich von ihm erwarten.
Gehen wir unseren Weg weiter –
im Vertrauen, im Glauben, im Gebet und in der Hoffnung.
Amen.