Ostern light? - Johannes 20, 11-18

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Krust, Ralf

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Apr 19, 2025, 5:15:45 AM4/19/25
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Ostern light?

Liebe Gemeinde,

das Osterlachen ist eine alte kirchliche Tradition und so beginnt diese Osterpredigt wie gewohnt mit einem Witz:

Stefan kauft alle paar Tage in der Apotheke Schlankheitsmittel. Eines Tages fragt ihn der Apotheker: „Ist das alles für Deine Mutter?“  – “Nein, für meine Kaninchen. Mein Vater hat gesagt, wenn sie fett genug sind, werden sie zu Ostern geschlachtet…“

Kaninchen light, wenn es nicht schwer genug ist, wird es zu Ostern nicht geschlachtet.

Ostern light, das ist Wirklichkeit für 75% Prozent unserer deutschen Mitbürger, denn sie glauben nicht daran, dass Jesus auferstanden ist.

Dass die Mehrheit nicht immer recht hat, zeigt unser heutiger Text.

 

Die Bibel - Johannes 20, 11-18 Ostersonntag Basisbibel

11Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte. Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor und schaute in die Grabkammer hinein. 12Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern dort sitzen, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte. Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende.

13Die Engel fragten Maria: »Frau, warum weinst du?« Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!« 14Nach diesen Worten drehte sie sich um und sah Jesus dastehen. Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15Jesus fragte sie: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Maria dachte: Er ist der Gärtner. Darum sagte sie zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will ihn zurückholen!« 16Jesus sagte zu ihr: »Maria!« Sie wandte sich ihm zu und sagte auf Hebräisch: »Rabbuni!« – Das heißt: »Lehrer«. 17Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater. Aber geh zu meinen Brüdern und Schwestern und richte ihnen von mir aus: ›Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹« 18Maria aus Magdala ging zu den Jüngern. Sie verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte, was er zu ihr gesagt hatte.

 

Was mich so gewiss macht, liegt darin, dass ich dem Auferstandenen Jesus Christus heute noch begegnen kann. Heute Morgen habe ich schon mit ihm gesprochen.

Denn Ostern hat alles verändert. Der Tod ist nicht mehr das Ende, sondern der Durchgang zum Leben. Die Begegnungen im heutigen Text mit dem Auferstandenen unterscheiden sich von denen, die vor seinem Tod und Auferstehung stattfanden.

Meine Begegnung von heute Morgen unterscheidet sich auch von den Begegnungen der Frau am Ostermorgen. Hier, nach der Auferstehung, war er leiblich anwesend und konnte nur an einer Stelle zu gleicher Zeit sein. Danach ist er zu Gott in den Himmel gegangen und kann jetzt unsichtbar bei jedem vom uns gleichzeitig sein. Und er ist heute Morgen da:

  • Jesus kommt mitten in unsere Zweifel hinein
  • Jesus ist da, auch wenn wir ihn nicht gleich sehen, dass er es ist
  • Jesus lebt, doch wir können ihn nicht festhalten

Leiblich auferstanden und kann unsichtbar bei uns sein. Eines ist jedoch gleich geblieben: Jesus ist durch und durch Seelsorger; er zeigt sich als der Auferstandene, denen, die es nötig haben. Maria von Magdala war von dieser Sorte. Jedes Gericht hätte sie als glaubwürdige Zeugin abgelehnt: zweifelhafte Vergangenheit, psychisch und moralisch unzurechnungsfähig. Doch Jesus zeigt sich gerade ihr. Ja noch mehr, durch Maria von Magdala zeigt er uns, was wir für unsere Osterfreude brauchen:

  • Wir brauchen nicht in unserer Trauer und unserem Schmerz stehenbleiben „Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte.“ Wenn sie dort stehen geblieben, oder gar umgekehrt wäre, dann wäre alles beim Alten geblieben. Veränderung kann nur passieren, wenn ich meinen Schmerz und meine Trauer ins Auge sehe und trotzdem weiter gehe, auch wenn es weh tut und wenn das nicht immer beim ersten Schritt zum Ziel führt.
  • Denn wir dürfen nicht immer dem ersten Augenschein trauen, Maria „Da sah sie zwei Engel. Sie trugen leuchtend weiße Gewänder und saßen dort, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte. Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende.“ Sie hätte sagen können: großartig jetzt habe ich Besuch aus dem Himmel. Sie könnte sich zu den Engeln setzen, sich mit ihnen über himmlische Dinge unterhalten können. Das hätte ihr Problem in keiner Weise gelöst. Gottes Geheimnisse liegen tiefer und so gibt sie sich nicht mit vordergründigen geistlichen Erfahrungen ab, sondern sie weiß, dass wenn ihr Jesus fehlt, dann fehlt ihr das Wesentliche. So ist auch die Frage der Engel zu verstehen: „Frau, warum weinst du?“ Diese Frage hilft ihr dem Schmerz und der Trauer ins Auge zu sehen und in all dem Vielen, das wesentliche, Jesus, zu finden.
  • „Sie haben meinen Herrn weggenommen. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!!“ Ehrlich werden, das ist es, was ich an Maria hier so faszinierend finde. Sie hat keine Angst sich zu blamieren, sie hat keine Hemmungen, das Wesentliche auszusprechen und sie macht es so, dass sie das verwendet, was sie schon weiß und mit dem verbindet, was sie noch nicht versteht und was ihr an Information noch fehlt. Wenn ich wie Maria ehrlich werde, das im Glauben lebe, was ich schon weiß und nach dem frage, was mir noch fehlt, dann kann bei mir auch das Wunder passieren, von dem hier berichtet wird:
  • Jesus wird inmitten der tödlichen Wirklichkeit eines Grabes sichtbar und erkannt: „Nach diesen Worten drehte sie sich um und sah Jesus dastehen.“ Im Gespräch mit ihm erkennt sie Jesus und sie wird aus den Denkmustern gerissen, die auf das Diesseitige und den Tod gerichtet sind. An Ostern passiert das, was ich überhaupt nicht erwarte.

Ostern ist immer dann, wenn die Auferstehungsfreude über unsere menschlichen Denkmuster siegt. So wie bei der Chinesin Lian Mingh Su war, die eigentlich gar kein Interesse an geistlichen Dingen hatte.

Christina, eine der Mitarbeiterinnen von Campus für Christus an der Musikhochschule Freiburg, sprach die junge Chinesin an, ob sie nicht Lust hätte, bei einem Gespräch über verschiedene Bilder mitzumachen. In diesem Programm kommt man anhand fünfzig Bilder miteinander über den Glauben ins Gespräch. Lian Mingh Su lächelte, als sie zur Antwort gab: „Das hast du mich vor einem Jahr auch schon gefragt.“ Christina staunte nicht schlecht, als Lian weitersprach: „Ich hatte absolut kein Interesse an Gott oder irgendwelchen spirituellen Dingen, wollte dir aber auch nicht Nein sagen. Es war wohl die chinesische Höflichkeit, die mich da trieb. Also machte ich mit, bekam eine Bibel in meiner Muttersprache in die Hand, und - was soll ich sagen? - Heute gehe ich in eine kleine chinesische Gemeinde und werde mich taufen lassen. Als ich meine Eltern in China anrief, um ihnen davon zu erzählen, war mir schon etwas mulmig. Aber ich werde mich auf jeden Fall taufen lassen, um meinen Glauben zu bezeugen.“

Ich freue mich sehr über diese junge Frau, die so mutig zu ihrem Glauben steht, denn sie ist dem Auferstandenen begegnet.

Kommen wir noch einmal zu Maria von Magdala zurück:

Das Grab war leer, aber das reichte Maria nicht, ihre erste Reaktion war Zweifel, sie brauchte die Begegnung mit den Auferstandenen. Das leere Grab allein ist noch kein Beweis für die Auferstehung. Den Zweifel kann nur der Auferstandene selbst nehmen.

Das ist bis heute die Frage an uns. Es kommt nicht darauf an, ob wir Zweifel haben, die sind im christlichen Glauben erwünscht und erlaubt, sondern die Frage ist, wie wir mit unseren Zweifeln umgehen, genauer gesagt, die Frage ist, ob wir unsere Zweifel zu Jesus bringen. Werden wir ehrlich und sagen es Gott, dass auch wir Begegnungen mit dem Auferstanden brauchen.

Maria musste zweimal, ja dreimal hinsehen, bevor sie Jesus erkennen konnte. Als sie das erste Mal hinsah, da sah sie nur zwei Engel, als sie das zweite Mal hinschaute, sah sie nur den Gärtner. Erst beim dritten Mal und als Jesus sie direkt ansprach, erkannte sie ihn.

Das zeigt uns heute, dass auch wir nicht lockerlassen. Ostern bedeutet, dass es keine Situation gibt, in der ich verzweifeln muss und wenn ich es einmal, zweimal oder gar dreimal von verschiedenen Seiten her anpacken und versuchen muss. Das habe ich in meinem Leben immer wieder festgestellt, dass Gott gerade dann eingegriffen hat, wo ich es am wenigsten erwartet habe.

Maria musste lernen, dass man Jesus nicht festhalten kann. „Halte mich nicht fest!“ Manche Erfahrungen im Glauben will man gerne festhalten und konservieren, quasi in Einkochgläser festhalten. Das geht nicht. Jesus sagt zu Maria, dass dies nicht möglich ist und dass sie zu den Jüngern, d.h. in die Gemeinde gehen und dort ihren Glauben bezeugen und leben soll.

Für uns und unseren Glauben ergeben sich daraus drei Dinge: 

  1. Wir können Jesus nicht für unsere Wünsche und Vorstellungen instrumentalisieren. Jesus handelt oft anders, als wie ich das erwartet habe.
  2. Persönliche Erfahrungen mit Jesus sind für den Glauben wichtig und begründend, doch sie sollen uns in die Gemeinde und in die Gemeinschaft mit anderen Christen führen.
  3. Wer weiß, dass Jesus lebt, der kann darüber nicht schweigen, darum erzähle das mit Ostern und der Auferstehung heute nach dem Gottesdienst einer Person weiter.

Das hilft in der Sache mit der Auferstehung sicher zu werden. Indem ich meine Erfahrungen mit dem auferstandenen Jesus erzähle und andere ermutige auch solche Begegnungen zu machen. Wir finden den Auferstandenen in der Gemeinde, in der Bibel und plötzlich und unerwartet in unserem Alltag.  Ich kann es bezeugen, dass ich es erfahren habe, dass er heute noch wirkt und handelt und du ihm in deinem Leben begegnen kannst. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Wir können es erfahren und dann kann es bei uns Ostern werden. Amen.

 

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