Warten mit Jesus - Lukas 21,25–33 (2. Advent)

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Krust, Ralf

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Dec 6, 2025, 2:02:57 AM12/6/25
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Warten mit Jesus

Liebe Gemeinde,

auf einer Halbinsel eines italienischen Sees liegt eine verträumte Villa. Nur der Gärtner lebt dort und führt die Besucher durch den Garten.

„Wie lange sind Sie schon hier?“
„24 Jahre.“
„Und wie oft war die Herrschaft hier in dieser Zeit?“
„Viermal.“
„Wann das letzte Mal?“
„Vor 12 Jahren“, sagte der Gärtner. „Ich bin fast immer allein. Sehr selten kommt ein Besuch.“
„Aber Sie haben den Garten so herrlich gepflegt, dass Ihre Herrschaft morgen kommen könnte.“
Der Gärtner lächelt: „Heute, mein Herr, heute.“

So wie dieser Gärtner auf seine Herrschaft wartet, möchte auch ich auf Jesus warten können. Ich möchte meinen Lebensgarten so in Ordnung bringen, dass Jesus als mein Herr zu mir kommen kann. Da muss manches Unkraut ausgerissen werden: Faulheit beim Bibellesen und Gebet, Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber, Gedankenlosigkeit in der Freizeitgestaltung oder das Unkraut der Angst und Sorge, das Vertrauen und Hoffnung auf Gott blockiert. Da hilft nur eines: raus damit. Kopf hoch und auf Jesus geblickt – und darum geht es in unserem heutigen Text:


Die Bibel – Lukas 21,25–33 (2. Advent)

25 »Zeichen werden zu sehen sein an der Sonne, dem Mond und den Sternen. Auf der Erde werden die Völker zittern. Sie werden weder aus noch ein wissen vor dem tosenden Meer und seinen Wellen.
26 Die Menschen werden vor Angst vergehen. Sie warten auf die Ereignisse, die über die ganze Welt hereinbrechen werden. Denn sogar die Mächte des Himmels werden erschüttert werden.
27 Dann werden alle es sehen: Der Menschensohn kommt auf einer Wolke mit großer Macht und Herrlichkeit.
28 Aber ihr sollt euch aufrichten und euren Kopf heben, wenn das alles beginnt: Eure Erlösung kommt bald!
29 Dann erzählte Jesus den Leuten ein Gleichnis: »Schaut euch doch den Feigenbaum an oder all die anderen Bäume.
30 Wenn ihr seht, dass sie Blätter bekommen, dann wisst ihr: Der Sommer ist bald da.
31 So ist es auch mit euch: Wenn ihr seht, dass das alles geschieht, dann wisst ihr, dass das Reich Gottes nahe ist.
32 Amen, das sage ich euch: Diese Generation wird nicht sterben, bevor dies alles geschieht.
33 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.«


Woran erkennen wir, dass Jesus wirklich kommt?

Ich möchte drei Hinweise geben:

  1. Die Bibel als Kompass
    Wenn ich nach Norden will, nehme ich einen Kompass oder mein Handy. Wenn ich die Frage „Kommt Jesus wirklich?“ beantworten will, nehme ich die Bibel und lebe nach ihr im Alltag. Wer prüft, ob das was wir in der Bibel lesen, stimmt, erkennt die Zeichen.
    Wer den christlichen Glauben anfängt zu leben, erfährt:

Gott hält, was er verspricht. - Gott redet. - Gott handelt.

Viele sagen: „Es gibt keinen Gott“, aber sie haben nie versucht, mit Jesus zu leben.

Es ist wie bei einem Busfahrplan:

Ob der Bus wirklich kommt, merke ich nur, wenn ich zur angegebenen Zeit an der Haltestelle warte.

  1. Die Geschichte des Christentums
    Seit 2000 Jahren gibt es das Christentum. Christen werden oft verfolgt, gerade weil die begründete Hoffnung auf Jesus mächtig ist.
    In vielen Ländern feiern Christen heimlich Weihnachten. Dennoch kommen sie zusammen, singen, beten und teilen das Licht des Glaubens. Das zeigt uns: Hoffnung trägt, auch in schwierigen Situationen, und das Reich Gottes wächst oft genau dort, wo Menschen leiden.
  2. Jesus wirkt durch Menschen
    Wenn Menschen im Namen Jesu handeln und Gutes tun, ist Jesus unsichtbar mitten unter uns.

Wir warten nicht auf jemanden, der abwesend ist.
Durch seinen Geist ist Jesus gegenwärtig:

·       im Gebet,

·       in seinem Wort,

·       im Abendmahl,

·       in der Liebe, die wir einander schenken,

·       in jeder Tat des Trostes, der Barmherzigkeit und der Vergebung.

Wo Christen im Namen Jesu handeln,
ist Christus schon jetzt bei uns – unsichtbar, aber wirklich.


Wie reagieren wir auf die Ankündigung von Jesu Wiederkunft?

Es gibt verschiedene Reaktionen:

  • Berechnend: Manche versuchen abzuwägen, ob sie genug Gutes getan haben, um in den Himmel zu kommen, oder wann Jesus genau erscheint. Das verkennt: Glaube ist ein Geschenk, der Zeitpunkt von Jesu Kommen bleibt verborgen.
    Wir könnten denken: „Ich habe genug getan, jetzt kann ich mich entspannen.“ Falsch – der Glaube lebt im Tun, im Warten und in der Hoffnung.
  • Gleichgültig: „Wenn ich nicht weiß, wann Jesus kommt, ist es egal.“ Auch dies ist nicht sinnvoll.
    Diese Haltung ist herzlos – und sie macht das Herz hart. Sie übersieht, wie kostbar die Welt ist, wie verletzlich Menschen sind, wie sehr Gott uns zur Liebe ruft.
  • Zuversichtlich warten: Jesus selbst sagt: „Wenn sich dies alles ereignet, dann seid zuversichtlich – mit festem Blick und erhobenem Haupt! Denn eure Befreiung steht vor der Tür.“
    • Kinder warten mit leuchtenden Augen auf die Bescherung.
    • Menschen planen und freuen sich auf eine neue Unternehmung oder ein Projekt.
      Ebenso dürfen wir auf Jesus warten, mit Freude, Hoffnung und Vertrauen.

So – nur viel tiefer – wir dürfen auf Jesus warten.


Wie sieht adventliches Warten aus?

Eine Geschichte dazu:

„Bitte warten Sie hier!“ sagte ich zu einem Blinden und ließ ihn an einer verkehrsreichen Ecke des Großstadtbahnhofs stehen, um ihn vor dem Gedränge zu schützen.
Zurückkehrend sah ich ihn still und geduldig stehen, während Menschen an ihm vorbeieilten, Kinder ihn anstarrten und ein Gepäckkarren vorsichtig vorbeiging. Er wartete ruhig, vertrauensvoll und gesammelt. Sein Gesicht strahlte Vorfreude und Vertrauen aus.

So sollte unser adventliches Warten aussehen: freudig, zuversichtlich und geduldig, trotz Hektik, Stress und Einsamkeit um uns herum.


Umsetzung im Advent

Die Adventszeit kann hektisch sein: Dekoration, Einkäufe, Familienbesuche, Termine. Darum sind Oasen der Ruhe besonders wichtig:

  • Gottesdienst: Zeit nehmen, zur Ruhe kommen, auf Gottes Wort hören.
  • Adventsmomente: Mit Familie oder Nachbarn Geschichten hören, Lieder singen, Tee oder Plätzchen teilen.
  • Einsame Menschen einbeziehen: Nachbarn ansprechen, ein Telefonat führen, einen Brief schreiben, einladen.
  • Gemeinsames Tun: Viele Menschen erleben gerade jetzt Einsamkeit.

Manche sehen die Freude der anderen – und spüren den Schmerz des eigenen Alleinseins.

Hier können wir füreinander Licht sein: Reden. Hinsehen. Einladen. Zuhören.

Vielleicht einfach jemanden heute Abend mitnehmen zum Gebet.

Vielleicht einfach sagen: „Ich bin da.“

Denn jeder Mensch braucht Nähe und Hoffnung.

Solche einfachen Schritte machen den Advent heller und bereiten uns auf die Ankunft Jesu vor.


Die Realität der Welt

Not, Elend und Einsamkeit bleiben. Wir dürfen nicht blauäugig sein. Aber die Wirklichkeit kann uns nicht aus der Ruhe bringen. Aus dieser Ruhe heraus können wir handeln – wir warten auf unseren Herrn Jesus Christus. Die Herren dieser Welt gehen, aber unser Herr kommt.


Schluss

Und die Moral von der Geschicht’: - ob du wartest oder nicht –
Jesus kommt und richtet die Welt, - wann und wie es ihm gefällt.
Angst und Sorge gibt’s noch heut, - doch freu dich auf die Ewigkeit.

Darum:
Sei bereit, richte dich auf, und warte auf Jesus –
denn die Zeit ist nahe.

Wie wir gleich miteinander singen: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.“

Amen.

 

Lukas 21,25–33.pdf
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