Die zehn Gebote (Originaltitel The Ten Commandments) von Cecil B. DeMille gilt als einer der grten Monumentalfilme aller Zeiten, der das Leben von Moses und insbesondere seine Zeit als gyptischer Prinz erzhlt. Mit Produktionskosten von knapp 13 Millionen US-Dollar war er lange Zeit einer der teuersten Spielfilme von Paramount.
In dem an Originalschaupltzen, gypten und Naher Osten, und in den Paramount-Studios in Hollywood gedrehten Film wirkten rund 14.000 Statisten und 15.000 Tiere mit. Gedreht wurde in dem von Paramount seinerzeit bevorzugten Breitwandverfahren VistaVision. Die Produktionszeit betrug einige Jahre.
Das Volk der Hebrer ist seit 400 Jahren in gypten versklavt. Als dem gyptischen Pharao Ramses I. von seinen Astrologen zugetragen wird, dass den Sklaven ein Erlser geboren werden soll, befiehlt der Herrscher die Ttung aller hebrischen mnnlichen Neugeborenen.
Moses beweist gegenber dem Pharao, gerade, als ein riesiger Obelisk aufgestellt wird, dass er genau den verlangten Auftrag erfllt. Der Pharao gewhrt ihm nun, dass in den Pylonen neben seinem eigenen Namen auch der des Moses stehen soll.
Die traditionsbewusste Sklavin Memnet verrt an Nefretiri, die in Moses bereits den Thronfolger sieht und daher ihre Hochzeit mit ihm vorbereitet, das bisher gehtete Geheimnis, dass er ein hebrischer Sklave ist, den Baket aus dem Nil zog. Sie erwhnt auch, dass ein kleines Mdchen sie damals zu Jochebet brachte und Moses so von seiner eigenen Mutter gestillt wurde. Nefretiri ttet sie daraufhin. Als Moses bei der Prinzessin das von Nefretiri fallen gelassene levitische Tuch, mit dem er als Sugling gewickelt war, findet, gesteht Nefretiri die Zusammenhnge. Baket bestreitet zunchst seine unadelige Herkunft. Als sie jedoch seine hebrische Familie freilassen mchte, erkennt Prinz Moses, dass er in Wirklichkeit Hebrer ist. Er beginnt nun ebenfalls, als Sklave zu arbeiten und ihre Knechtschaft aus eigener Erfahrung kennenzulernen.
Der Baumeister Baka nimmt sich das Wassermdchen Lilia als Haussklavin. Ihr Liebhaber Josua befreit sie, wird aber selbst gefangen genommen. Als Baka ihn auspeitscht, kommt Moses hinzu und ttet den gypter.
Nach der Wanderung durch die Wste, bei der Moses beinahe vor Hunger und Durst umkommt, wird er vom Stamme des Beduinenscheichs Jethro, eines Nachkommen von Ismael, aufgenommen und heiratet dessen lteste Tochter Sephora. In gypten stirbt unterdessen Pharao Sethos.
Unter Fhrung von Moses und Josua kommt es zum Exodus der Hebrer. Nachdem sein eigener Sohn gestorben ist, zieht Pharao Ramses, aufgestachelt von Nefretiri, dann doch mit einer Armee hinter den Ausziehenden her. Durch gttliche Fgung wird seiner Streitmacht fr einige Zeit der Weg durch eine riesige Feuersule versperrt. Moses teilt das Rote Meer, so dass dem Volk Gottes ein Fluchtweg zur Verfgung steht. Die Armee von Ramses nimmt die Verfolgung auf, wird aber in den zusammenstrzenden Fluten vernichtet. Ramses ist gebrochen und erkennt schlielich die Gre des hebrischen Gottes an.
Fr die Rolle des Moses stellte sich DeMille zunchst William Boyd vor, mit dem er schon in der Stummfilmzeit zusammengearbeitet und der auch einen kurzen Auftritt in seinem jngsten Film Die grte Schau der Welt hatte. Boyd baute damals gerade eine Karriere als Hopalong Cassidy im TV auf und befand, dass die Rolle des Moses zu sehr vom Image des Westernhelden abweicht. Wilcoxon machte dem Regisseur Heston, der ebenfalls in DeMilles letzten Film mitgewirkt hatte, schmackhaft, weil die Statue von Moses in Rom eine vage hnlichkeit mit dem Schauspieler hatte. Fr die Rolle des Ramses war u. a. William Holden im Gesprch. Brynner, der damals sein Kopfhaar rasierte, bekam die Rolle, weil er vor allem mit Glatze gut aussah und so den Pharao authentisch darstellen konnte. Fr Nefretiri dachte man an Audrey Hepburn; aber anhand von Kostmzeichnungen erkannte DeMille, dass die Schauspielerin darin nicht gut genug zur Geltung kam. Die Rolle ging an Anne Baxter, die zunchst fr Zephora vorsprach. Fr Dathan war zuerst Jack Palance vorgesehen; sein Agent kam unerlaubterweise an einen Teil des Drehbuchs, und Palance wollte keinen solchen Schurken spielen (DeMille: Just when you've found a fella who can play a great Big Bad Wolf, he wants to play Little Bo Peep[1]). DeMille gab die Rolle an Robinson, dessen Karriere damals ins Stocken geraten war. In seinem Buch All My Yesterdays dokumentierte der Schauspieler, dass DeMille seine Karriere gerettet hat. Fr Josua war zunchst Clint Walker vorgesehen. Nachdem Wilcoxon Debra Paget fr die Rolle der Lilia engagierte, wollte man fr den Steinmetz einen bekannteren Schauspieler gewinnen, so dass diese Rolle an John Derek ging. Nina Foch verdankte ihre Besetzung ebenfalls Wilcoxon, beide spielten zuvor in Scaramouche (1952).
Fr die kleineren Rollen gelang es DeMille, viele ehemalige Weggefhrten zu gewinnen, mit denen er teilweise bereits in der Stummfilmzeit gearbeitet hatte. Julia Faye spielte in seinem Film von 1923 Nefretiri und 1956 Elisheba. Die Rolle eines blinden Grovaters wollte er mit H. B. Warner, der in seinem Film von 1927 Jesus spielte, besetzen. Der gesundheitlich sehr angeschlagene Schauspieler konnte aber nur mehr einen sehr kurzen und wenig anstrengenden Auftritt geben, im Rahmen seiner Rolle wird er von Mered getragen und bergibt an Baket einen Setzling. Der Blinde wurde von John Miljan, ebenfalls Veteran mehrerer DeMille-Filme, gespielt. Ian Keith, der in einigen der frhen Tonfilme des Regisseurs in greren Rollen auftrat, spielte Ramses I. Francis McDonald (Sklave in den Lehmgruben) wirkte seit 1936 in fast allen Filmen DeMilles mit. Olive Deering, die bereits als Daniter-Mdchen in Samson und Delilah (1949) den Rollennamen Miriam hatte, spielte nun die Schwester von Moses.
Jesse L. Lasky jr, mit dessen Vater DeMille praktisch die Paramount grndete, war einer der Drehbuchautoren. Neben der Bibel geht das Drehbuch auf Jdische Altertmer (zweites bis viertes Buch) von Flavius Josephus und Schriften von Philo Iudaeus (Philon von Alexandria) zurck. Henry S. Noerdlinger war seit den Mittvierzigern als historischer Berater fr seine Kostmfilme, insbesondere fr Samson und Delilah (1949), ttig.
Fr die Musik war Victor Young engagiert, er hatte seit 1940 die Partituren zu jedem Film von DeMille geschrieben, aus gesundheitlichen Grnden gab er diese Arbeit an Elmer Bernstein ab. Dessen Filmmusik war die erste, die auf Doppel-LP herausgegeben wurde. Hinter der Kamera wirkte weiters Anne Bauchens mit, die seit 1915 die Filme DeMilles schnitt. DeMilles langjhriger Freund Henry Wilcoxon (er spielte fr DeMille u. a. Mark Anton in Cleopatra (1934) und hatte bei dieser Gelegenheit das Lenken eines Streitwages gelernt) fungierte vor der Kamera als Kommandant und darber hinaus als Produzent. Terrence Moore, der 1923 den Sohn von Ramses II spielte, wirkte im Film von 1956 im Tonstudio mit.[1][2]
Einige Schauspieler in Kleinrollen konnten in den Jahren nach dem Film noch Karriere machen. Woody Strode trat neben dem Knig von thiopien auch als Diener bei Baket auf. Clint Walker spielte wohl nur eine Rolle (Palastdiener mit Schwert und auffllig gehrntem Helm), jedoch whrend der Regierungszeit aller drei Pharaonen. Noch vor der Fertigstellung des Films bekam er die Hauptrolle in der Fernsehserie Cheyenne. Gordon Mitchell (einer der beiden Soldaten, die Moses in Ketten vor Sethi fhren) wurde ab 1961 mit Sandalenfilmen zum Star. Kathy Garver (Hebrerkind, das am Morgen des Exodus nach seiner Puppe fragt) wurde ab 1966 mit der Serie Family Affair (Lieber Onkel Bill) bekannt.
Etwa mit der Fertigstellung seines vorherigen Films, Die grte Schau der Welt von 1952, begann DeMille mit den Planungen der Neuverfilmung des biblischen Teils seines Stummfilms Die Zehn Gebote von 1923. Diesmal sollte der Film das gesamte Leben von Moses umfassen. Bei Paramount erhielt er unerwartet Untersttzung von Adolph Zukor, so dass die Finanzierung fr das aufwndige Projekt gesichert war.
Nach der Ankndigung der Verfilmung des Bibelepos wollte Darryl F. Zanuck mit einem Film ber den gyptischen Arzt Sinuhe ebenfalls einen zur Zeit der Pharaonen spielenden Streifen produzieren. The Egyptian (Sinuhe der gypter) wurde von DeMille und Wilcoxon als Konkurrenzprodukt befrchtet, zumal die teilweise hnlichen Handlungsfden dasselbe Publikum ansprechen wrden und der Streifen der Centfox vor der Fertigstellung von DeMilles Film in die Kinos kme. Als Marlon Brando die Hauptrolle in jenem Film nicht bernahm, sicherte Zanuck DeMille zu, diesen Film nicht zu produzieren. Tatschlich wurde der Film dann doch gedreht und kein Kassenerfolg. Zanuck verkaufte einige Kostme und Requisiten an DeMille. Das Schwert, welches Clint Walker in seiner Rolle trgt, die rot-weie Doppelkrone der Pharaonen und der dunkelrote Marmorboden im Palast von Ramses II. sind aus dem vorhergehenden Film. John Carradine und Mimi Gibson (Pharaonenkind in The Egyptian, Enkel des Blinden in DeMilles Streifen) wirkten in beiden Filmen mit.
Aufnahmen wurden im Tal der Knige, am Sinai und am Nil gemacht. Diese Aufnahmen aus gypten sind teilweise auch in Rckprojektionen zu sehen, ebenso mit im Paramount-Studio gedrehtem Material oder Trickaufnahmen geschnitten. Fr die Schauspieler traten in gypten teilweise Krperdoubles auf (z. B. Wassermdchen Lilia, wenn sie im Tal der Knige durch die Baustelle luft). Mit Heston und Brynner wurde auch Material in gypten gedreht. Die ersten dort gedrehten Einstellungen waren jene, in denen Moses, nachdem ihn Prinz Ramses verbannt hat, in die Wste geht. Bei den Aufnahmen des Exodus erlitt DeMille einen Herzinfarkt. Eine der wenigen in den USA gemachten Auenaufnahmen ist die Sequenz, in der Moses den Hebrern das Korn aus den Tempelspeichern rauben lsst. Sie entstand am Gelnde des Paramount-Studios, im Hintergrund sind einige Palmen zu erkennen.
Das ursprngliche Drehbuch ging auch auf die Ehe von Moses mit der thiopischen Prinzessin Tharbis ein. DeMille fand diese Handlung fr die damalige Zeit unpassend und lie diese Szenen nicht drehen. Jedoch ist im Film eine Beziehung vage angedeutet und eine eiferschtige Nefretiri zu sehen. Eine Sequenz, die gedreht, aber verworfen wurde, ist jene, in der die biblische Froschplage gezeigt wird. Die Einstellungen sahen eher komisch als furchterregend aus. Fr den Abschluss der Dreharbeiten hob man sich die Szene zwischen Brynner und Heston auf, in welcher der Pharao die Hebrer frei lsst.[1]
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