Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall des Polizistenmordes von Heilbronn übernommen. Die Tat stehe wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Opfer zwischen 2000 und 2006 in mehreren deutschen Städten. "Es liegen zureichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind", teilte die Behörde mit.
In der Wohnung der mutmaßlichen Täter in Zwickau sei die Pistole gefunden worden, mit der die sogenannten Döner-Morde verübt worden seien, erklärte die Behörde. Dabei handelt es sich um die Ermordung mehrerer Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund. Die Opfer kamen aus Nürnberg, Kassel, Hamburg, Rostock, Dortmund und München.
Außerdem stellte die Bundesanwaltschaft Beweismaterial sicher, das auf eine rechtsextremistische Motivation der Mordtaten hindeutet. Die Nachrichtenagentur dpa meldet unter Berufung auf Ermittlerkreise, dabei handele es sich um Propaganda-Videos, die sich auf eine Gruppierung mit dem Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" beziehen. Das Material enthalte Bezüge zu den Döner-Morden.
Die Bundesanwaltschaft zog sowohl die Ermittlungen im Fall der ermordeten Heilbronner Polizistin als auch im Fall der Döner-Morde an sich.
Die Behörde verdächtigt außerdem die Beschuldigte Beate Z. der Mitgliedschaft in einer rechtsextremen terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung. Beate Z. hatte den Ermittlungen zufolge das Haus in Zwickau in Brand gesteckt, nachdem sich ihre Komplizen Uwe B. und Uwe M. selbst erschossen hatten. In ihrem Wohnmobil waren die Dienstwaffen der 2007 erschossenen Heilbronner Polizistin und ihres Kollegen gefunden worden.
Nach den bisherigen Erkenntnissen verfügten die vergangene Woche in Eisenach verstorbenen Tatverdächtigen wie auch ihre mittlerweile verhaftete Gefährtin bereits Ende der 1990er Jahre über Verbindungen zu rechtsextremistischen Kreisen.
Die beiden Toten und die 36-Jährige waren in der rechtsextremistischen Gruppe "Thüringer Heimatschutz" aktiv. Kopf der Gruppe war ein V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes.
Spekuliert wurde deshalb, ob auch die beiden mutmaßlichen Bankräuber Kontakte zu staatlichen Stellen gehabt haben könnten. Der Thüringer Verfassungsschutz wies dies jedoch zurück.
Im Rahmen der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft untersucht die Polizei mögliche Verbindungen zu ungeklärten Anschlägen in Nordrhein-Westfalen. "Wir prüfen auch, ob in diesem Zusammenhang weitere Straftaten in NRW begangen worden sind", sagte Innenminister Ralf Jäger.
Nach Informationen der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" geht es dabei um einen Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 sowie um einen Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000.
Die Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Strategien gegen Rechtsextremismus, Monika Lazar, zeigte sich im Gespräch mit tagesschau.de über den möglichen Zusammenhang der zehn Morde entsetzt. Sie sprach von einer "Dimension, die wir wohl noch nicht hatten".
Die Frage sei nun, warum die mutmaßlichen Täter jahrelang unentdeckt geblieben seien, sagte Lazar. "Da fragt man sich schon, was machen die Ermittlungsbehörden, und wozu haben wir die V-Leute des Verfassungsschutzes?"
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich ebenfalls schockiert. Wenn die Hinweise aus Eisenach und Zwickau zuträfen, habe "in Deutschland erstmals eine rechtsextremistische Terrorzelle eine entsetzliche Blutspur hinterlassen", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut der Nachrichtenagentur dapd.