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Ist Portugal ein Entwicklungsland ???

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Dominik Pusch

unread,
Feb 16, 2000, 3:00:00 AM2/16/00
to
Hallo, ich weiss nicht, ob ich ier richtig bin, aber ich habe sonst keine NG
gefunden, die etwas mit den Thema Erdkunde zu tun hat... Waere schon, wenn
mir einer eine NG nennen koennte!

Also meine Lehrerin behauptet tatsaechlich, dass Portugal ein
Entwicklungsland ist! Kann mir dies jemand bestaetigen oder widerlegen (am
besten mit Begruendung!) ?


Dominik

Skander Morgenthaler

unread,
Feb 16, 2000, 3:00:00 AM2/16/00
to
Tach *@MAUS.WISSENSCHAFT.GEOGRAPHIE,

am 16.02.00 schrieb domini...@gmx.net (Dominik Pusch)
zum Thema Ist Portugal ein Entwicklungsland ??? etwas,
was mich zu dieser Antwort verleitete.

DP> Hallo, ich weiss nicht, ob ich ier richtig bin, aber ich habe sonst
DP> keine NG gefunden, die etwas mit den Thema Erdkunde zu tun hat...
DP> Waere schon, wenn mir einer eine NG nennen koennte!

Das ist hier schon ganz richtig aufgehoben, Geographie und Erdkunde
unterscheiden sich eigentlich nur durch den Namen.

DP> Also meine Lehrerin behauptet tatsaechlich, dass Portugal ein
DP> Entwicklungsland ist! Kann mir dies jemand bestaetigen oder
DP> widerlegen (am besten mit Begruendung!) ?

Portugal ist kein Entwicklungsland mehr. Es gibt keine einheitliche
Definition für ein Entwicklungsland, allerdings erscheint Portugal bei
keiner der wichtigsten Organisationen als Entwicklungsland.

1. Weltbank: Alle Länder, die ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen (BIP /
Bevölkerung) als 9656 US$ haben, sind Entwicklungsland. Portugal liegt
darüber. Siehe auch:
http://www.worldbank.org/html/schools/glossary.htm

2. DAC (Developmentment Assistance Commitee) führt seit 1991 Portugal
ebenfalls nicht mehr als Entwicklungsland, davor wurde es als
Entwicklungsland eingestuft (Portugal steht nicht auf der Empfängerliste
der Hilfeleistungen). Siehe auch:
http://www.oecd.org/dac/htm/notes.htm

3. Laut UNDP (United Nations Development Programme) war Portugal das am
33besten entwickelte Land der Welt (33. Rang auf dem Human Development
Index von 1998). Siehe auch:
http://www.undp.org/hdro/98hdi.htm

Gruß,
Skander

--
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Skanders Signatur-Lotterie: Wieder Nix :-(
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Götz Hoffart

unread,
Feb 18, 2000, 3:00:00 AM2/18/00
to
DP>Also meine Lehrerin behauptet tatsaechlich, dass Portugal ein
DP>Entwicklungsland ist!

Das kommt auf ihre Definition von "Entwicklungsland" an. Eine gängige
Definition kann das aber nicht sein, denn nach denen ist Portugal definitiv
kein Entwicklungsland.

Übliche Merkmale von Entwicklungsländern sind:
- hohe Säuglingssterblichkeit
- hohe Analphabetenquote
- niedriges Prokopfeinkommen (statistisch bereinigt von den wenigen
Wohlhabenden)
- niedrige Lebenserwartung

Grüße
Götz


Olli Wesp

unread,
Feb 19, 2000, 3:00:00 AM2/19/00
to

Dominik Pusch schrieb
> Ja, aber wieso ist das in so einer komischen NG wie maus.* ? und nicht
unter
> sowas wie etwa "de.sci.geographie"? Ich meine, warum ist hier so wenig
los?
> Ich meine mein Newsserver hat eine Luecke vom 24.1 bis zum 11.2.! Ich kann
> kaum glauben, dass da niemand gepostet hat!

Die maus.*-Gruppen kommen aus dem alten Maus-Netz und sind irgendwann in die
Usenet-Hierachie übernommen worden. Genauso wie die fido-Gruppen. Aber
darüber sollte besser ein Altvorderer der Datenfernübertragung berichten,
dass war nämlich zu Zeiten als man noch mit 300baud-Akustikkopplern Daten
durch die Leitung jagte. Und ich glaube nicht dass hier mehr los wäre wenn
die Gruppe de.sci.geographie hieße. Auch wenn ich mir mehr Traffic wünschen
würde. In dem genannten Zeitraum hat meines Wissens tatsächlich keiner
gepostet. Aber im Moment ist ja ganz gut was los und vielleicht bleibt es ja
so....

bis byte
Olli


Götz Hoffart

unread,
Feb 20, 2000, 3:00:00 AM2/20/00
to
OW>Die maus.*-Gruppen kommen aus dem alten Maus-Netz und sind irgendwann
OW>in die Usenet-Hierachie übernommen worden.

Genauer: Die MAUS-Gruppen werden ins Usenet exportiert. Das MausNet (sic!)
existiert noch als separates Netz.

OW>In dem genannten Zeitraum hat meines Wissens tatsächlich keiner
OW>gepostet. Aber im Moment ist ja ganz gut was los und vielleicht bleibt
OW>es ja so....

Ja, hauptsächlich durch Crossposter, die de.newusers.info nicht gelesen haben.
:-/ Die andere Hälfte des Traffics stammt von Leuten, die "ihre Hausaufgaben
mal schnell im Internet machen".

Grüße
Götz

Knut Hoppe

unread,
Feb 24, 2000, 3:00:00 AM2/24/00
to

Dominik Pusch wrote:
>
> > DP> Hallo, ich weiss nicht, ob ich ier richtig bin, aber ich habe sonst
> > DP> keine NG gefunden, die etwas mit den Thema Erdkunde zu tun hat...
> > DP> Waere schon, wenn mir einer eine NG nennen koennte!
> >
> > Das ist hier schon ganz richtig aufgehoben, Geographie und Erdkunde
> > unterscheiden sich eigentlich nur durch den Namen.
>

> Ja, aber wieso ist das in so einer komischen NG wie maus.* ? und nicht unter
> sowas wie etwa "de.sci.geographie"? Ich meine, warum ist hier so wenig los?
> Ich meine mein Newsserver hat eine Luecke vom 24.1 bis zum 11.2.! Ich kann
> kaum glauben, dass da niemand gepostet hat!
>

> > 1. Weltbank: Alle Länder, die ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen (BIP /
> > Bevölkerung) als 9656 US$ haben, sind Entwicklungsland. Portugal liegt
> > darüber. Siehe auch:
> > http://www.worldbank.org/html/schools/glossary.htm
>

> Wir haben das in LIC, MIC und HIC aufgeteilt, wobei Portugal, wie erwaehnt,
> in HIC gehoert! Ist denn ein MIC schon ein Entwicklungsland?
> Und ueberhaupt: Wie sind die Bedingungen verknuepft: Muessen alle Kriterien
> schlecht sein, also Weltbankeinteilung UND Alphabetisierungsrate UND Anteil
> der Industriegueter am Export UND...
>
> Also ist "MIC" bei der Weltbankeinteilung notwendige oder schon hinreichende
> Bedingung fuer ein Entwicklungsland? Mich regt es echt auf, dass es da keine
> genauen Definitionen gibt! Mein Erdkundebuch erklaert mir auch nicht, ob die
> Bedingungen mit UND oder ODER verknuepft sind, sondern listet sie ohne
> Verknuepfung auf!
> Mir faellt mein Erdkunde LK 10x schwerer als mein Mathe LK!
>
> Vielen Dank,
> Dominik

Hoffentlich nicht zu spät, diese Antwort:
Kommt ganz darauf an! ;-)

Da es in der Mathematik klare Mengenbegrenzungen gibt ( z.B.: Lösung =
Element aus der Menge der natürlichen Zahlen) mußt Du auch bei der
Entwicklungshilfeproblematik vorher bestimmen, in welchem
Untersuchungsbereich Du Dich bewegst. Also ist z.B. Portugal nach den
geposteten Angaben kein Entwicklungsland in der Menge der
"Geldverdienenden Länder" nach IWF-Kriterien.
Deutschland IST ein Entwicklungsland im Bereich CO2-Verminderung :-)

Das Geographieschulbuch gibt also nur Beispiele an, wie unterschiedlich
Du Staaten bewerten kannst. DIE Bewertung hat es nie gegeben. Frag bei
der GEPA nach und dann beim BMZ, schon gibt es unterschiedliche
Bewertungen ein und desselben Sachverhalts.
Um noch ein bißchen mehr zu belehren (ätzend, aber ich bin doch so schön
drin ;-) ):
Wenn Du über ein geographisches Thema schreibst, fang immer erst mit
Hinweisen an, wie oder nach wem Du definierst. Ich habe dasselbe Problem
eben bei meiner Diplomarbeit über Tourismus: Ca. 20 Definitionen habe
ich schon gefunden, jede mit einer eigenen Philosophie dahinter!

Grüße
Knut
-Stud. d. Dipl.-Geographie trotz Definitionsproblemen, wenn ich gefragt
werde, was ich da eigentlich studiere :o) -

Dominik Pusch

unread,
Feb 24, 2000, 3:00:00 AM2/24/00
to

> > Wir haben das in LIC, MIC und HIC aufgeteilt, wobei Portugal, wie
erwaehnt,
> > in HIC gehoert! Ist denn ein MIC schon ein Entwicklungsland?
> > Und ueberhaupt: Wie sind die Bedingungen verknuepft: Muessen alle
Kriterien
> > schlecht sein, also Weltbankeinteilung UND Alphabetisierungsrate UND
Anteil
> > der Industriegueter am Export UND...
> >
> > Also ist "MIC" bei der Weltbankeinteilung notwendige oder schon
hinreichende
> > Bedingung fuer ein Entwicklungsland? Mich regt es echt auf, dass es da
keine
> > genauen Definitionen gibt! Mein Erdkundebuch erklaert mir auch nicht, ob
die
> > Bedingungen mit UND oder ODER verknuepft sind, sondern listet sie ohne
> > Verknuepfung auf!
> > Mir faellt mein Erdkunde LK 10x schwerer als mein Mathe LK!

> Hoffentlich nicht zu spät, diese Antwort:


> Kommt ganz darauf an! ;-)

nein, die Klausur verhau' ich erst am naechsten Mittwoch :-)

> Da es in der Mathematik klare Mengenbegrenzungen gibt ( z.B.: Lösung =
> Element aus der Menge der natürlichen Zahlen) mußt Du auch bei der
> Entwicklungshilfeproblematik vorher bestimmen, in welchem
> Untersuchungsbereich Du Dich bewegst. Also ist z.B. Portugal nach den
> geposteten Angaben kein Entwicklungsland in der Menge der
> "Geldverdienenden Länder" nach IWF-Kriterien.
> Deutschland IST ein Entwicklungsland im Bereich CO2-Verminderung :-)

Schlechter Vergleich :-) Denn in der Mathematik sind alle Mengen (die als
Loesungsmengen normalerweise in Frage kommen) voneinander abhaengig. Ich
meine Die Menge der natuerlichen Zahlen ist Teilmenge der Menge aller Ganzen
Zahlen. Die Menge aller ganzen Zahlen ist Teilmenge der Menge der rationalen
Zahlen usw. Aber das schlimmste: In der Mengenlehre gibt es Widersprueche
(russellsche Antinomie)! Und bestimmte Axiome (Auswahlaxiom) sind sehr
umstritten! Ich habe sogar mal gehoert, dass die Mengenlehre demnach nur
eine Theorie waere.

Und ausserdem wird in der Klausur die Frage kommen, ob ein Land ein
Entwicklungsland ist! Und wenn manche Punkte erfuellt sind, z.B. geringes
pro Kopf Einkommen (Wobei die Frage ist, was ist gering? ist MIC schon
gering? Also bei z.B. 7000$/Kopf?), aber andere nicht, z.B. geringes
Analphabetentum (wobei ich gerne wuesste was gering ist???)
So, ich kann sagen der Punkt ist erfuellt, der andere nicht! Aber meine
Lehrerin will sicher eine Abschliessende Antwort (Einordnung in den 5
Welten) und ich habe keine Ahnung, wie ich das abwaegen soll? Z.B. haette
ich Venezuela als Industrieland bezeichnet :-) Die Frage war, ob es ein
Schwellenland sei! Bis auf 3 Punkte, hat alles auf ein industrieland
hingedeutet (geringes Verkehrsnetz, MIC war knapp unter HIC, und nochwas,
was ich vergessen habe). Ich bin nicht in der Lage, dass richtig abzuwaegen!

> Das Geographieschulbuch gibt also nur Beispiele an, wie unterschiedlich
> Du Staaten bewerten kannst. DIE Bewertung hat es nie gegeben. Frag bei
> der GEPA nach und dann beim BMZ, schon gibt es unterschiedliche
> Bewertungen ein und desselben Sachverhalts.
> Um noch ein bißchen mehr zu belehren (ätzend, aber ich bin doch so schön
> drin ;-) ):
> Wenn Du über ein geographisches Thema schreibst, fang immer erst mit
> Hinweisen an, wie oder nach wem Du definierst.

Tja, wenn ich keine Definition habe, kann ich auch nicht sagen nach wem! in
meinem Buch steht keine Definition, ab wann genau ein Lande Entwicklungsland
ist, sondern eben nur die Kriterien, nachdem man untersuchen soll!


MfG Dominik

khoppe

unread,
Feb 25, 2000, 3:00:00 AM2/25/00
to

Dominik Pusch wrote:

Guter Vergleich! Denn die Menge der Entwicklungsländer aus allen (von Dir und
anderen) genannten Kriterien ist dabei der gesamte Zahlenstrahl, je weniger der
Kriterien zutreffen, desto weniger ist das Land ein Entwicklungsland. Also wäre
die korrekte Antwort auf die von Dir unten befürchtete Klausurfrage sowieso kein
"Ja" bzw. "Nein", sondern immer ein klares "Jein, weil...". Dein einziges
Problem dabei sind die drei Pünktchen ;-)


>
> Und ausserdem wird in der Klausur die Frage kommen, ob ein Land ein
> Entwicklungsland ist! Und wenn manche Punkte erfuellt sind, z.B. geringes
> pro Kopf Einkommen (Wobei die Frage ist, was ist gering? ist MIC schon
> gering? Also bei z.B. 7000$/Kopf?), aber andere nicht, z.B. geringes
> Analphabetentum (wobei ich gerne wuesste was gering ist???)
> So, ich kann sagen der Punkt ist erfuellt, der andere nicht! Aber meine
> Lehrerin will sicher eine Abschliessende Antwort (Einordnung in den 5
> Welten) und ich habe keine Ahnung, wie ich das abwaegen soll? Z.B. haette
> ich Venezuela als Industrieland bezeichnet :-) Die Frage war, ob es ein
> Schwellenland sei! Bis auf 3 Punkte, hat alles auf ein industrieland
> hingedeutet (geringes Verkehrsnetz, MIC war knapp unter HIC, und nochwas,
> was ich vergessen habe). Ich bin nicht in der Lage, dass richtig abzuwaegen!

Hu, dann ist es natürlich schwer. Ich dagegen bin Sternbild Waage :-)
Mal wieder im Ernst: Eigentlich sollte es bei einer Klausur immer um die
richtige Begründung gehen. Auch wenn einige Lehrer das immer wieder vergessen,
ist der Weg das Ziel. Also mußt du nur gut begründen und deine Philosophie der
Entwicklungsländer kurz erklären. Z.B. "Mir ist die Schulbildung ein wichtiger
Punkt, und so ist Lummerland* trotz prosperierender Infrastruktur (Eisenbahn,
Telekommunikation, etc.) für mich ein Entwicklungsland, da Schulen dort nicht
existieren. Allerdings kein Last Developed Country, sondern eher [blablabla]".
Außerdem hast Du vielleicht schon rausbekommen, was Dein Leer-UUPS-Lehrkörper
für wichtig hält.

*)(ENDE, M.: Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer; Stuttgart 1983)

>
> > Das Geographieschulbuch gibt also nur Beispiele an, wie unterschiedlich
> > Du Staaten bewerten kannst. DIE Bewertung hat es nie gegeben. Frag bei
> > der GEPA nach und dann beim BMZ, schon gibt es unterschiedliche
> > Bewertungen ein und desselben Sachverhalts.
> > Um noch ein bißchen mehr zu belehren (ätzend, aber ich bin doch so schön
> > drin ;-) ):
> > Wenn Du über ein geographisches Thema schreibst, fang immer erst mit
> > Hinweisen an, wie oder nach wem Du definierst.
>
> Tja, wenn ich keine Definition habe, kann ich auch nicht sagen nach wem!

> in
> meinem Buch steht keine Definition, ab wann genau ein Lande Entwicklungsland
> ist, sondern eben nur die Kriterien, nachdem man untersuchen soll!
>
> MfG Dominik

Die Definitionen wurden ja schon von anderen in der Diskussion genannt, z.B.
Weltbank- (oder IWF?)Seiten. Übrigens: wenn´s um Portugal geht, kannst Du´s auch
mal über die Europäische Union versuchen, die ja auch Hilfen an Mitgliedsstaaten
von bestimmten Kriterien abhängig macht.
Noch ein ganz unwichtiger und sinnloser Tip: Unter http://www.BMZ.de klickst Du
"Statistiken" an und findest dort an erster Stelle die "Liste der
Entwicklungsländer und -gebiete sowie Übergangsländer und -gebiete" als
pdf.-file.
wenn Du noch Zeit hast, versuchs auch mal unter UN.org .
Ansonsten: `Definier It Yourself´ bzw. `Die And Error´ (harhar)
Noch Fragen :o?

Grüße Knut


Skander Morgenthaler

unread,
Feb 27, 2000, 3:00:00 AM2/27/00
to
Tach *@MAUS.WISSENSCHAFT.GEOGRAPHIE,

am 19.02.00 schrieb domini...@gmx.net (Dominik Pusch)
zum Thema Re: Ist Portugal ein Entwicklungsland ??? etwas,


was mich zu dieser Antwort verleitete.

>> 1. Weltbank: Alle Länder, die ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen


>> (BIP / Bevölkerung) als 9656 US$ haben, sind Entwicklungsland.
>> Portugal liegt darüber. Siehe auch:
>> http://www.worldbank.org/html/schools/glossary.htm
>

> Wir haben das in LIC, MIC und HIC aufgeteilt, wobei Portugal, wie
> erwaehnt, in HIC gehoert! Ist denn ein MIC schon ein
> Entwicklungsland?

Laut der Weltbank sind alle MIC und LIC Entwicklungsländer, die Grenze
zwischen MIC (bzw. UMIC, Upper MIC) und HIC ist die oben genannte.

> Und ueberhaupt: Wie sind die Bedingungen
> verknuepft: Muessen alle Kriterien schlecht sein, also
> Weltbankeinteilung UND Alphabetisierungsrate UND Anteil der
> Industriegueter am Export UND...
>
> Also ist "MIC" bei der Weltbankeinteilung notwendige oder schon
> hinreichende Bedingung fuer ein Entwicklungsland? Mich regt es echt
> auf, dass es da keine genauen Definitionen gibt! Mein Erdkundebuch
> erklaert mir auch nicht, ob die Bedingungen mit UND oder ODER
> verknuepft sind, sondern listet sie ohne Verknuepfung auf!
> Mir faellt mein Erdkunde LK 10x schwerer als mein Mathe LK!

Bei der Weltbank reicht alleine das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, weitere
Indikatoren fliessen da nicht ein. Sie haben einen neuen, kaum Messbaren
Ansatz entwickelt, wo deutlich mehr Indikatoren einfliessen, ob der
angewendet wird, weiss ich allerdings nicht genau, es scheint aber nicht
der Fall zu sein. Und wie bereits gesagt, definiert jeder Entwicklungsland
anders, bei anderen Organisationen kann dann auch die
Alphabetisierungsrate und der exportierten Industriegüter oder ganz andere
Kriterien eine Rolle spielen, bei der Weltbank ist das (noch) nicht der
Fall. Von daher kann es auch keine genauen Definitionen geben, höchstens
für die einzelnen Organisationen jeweils eigene. Die der Weltbank ist z.B.
sehr klar, wie jedoch das BIP gemessen wird, ist dann schon wieder eine
ganz andere Frage...

Gruß,
Skander

--
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Skanders Signatur-Lotterie: Niete. Vielleicht beim näxten mal...
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Dominik Pusch

unread,
Feb 28, 2000, 3:00:00 AM2/28/00
to
> >> 1. Weltbank: Alle Länder, die ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen
> >> (BIP / Bevölkerung) als 9656 US$ haben, sind Entwicklungsland.
> >> Portugal liegt darüber. Siehe auch:
> >> http://www.worldbank.org/html/schools/glossary.htm
> >
> > Wir haben das in LIC, MIC und HIC aufgeteilt, wobei Portugal, wie
> > erwaehnt, in HIC gehoert! Ist denn ein MIC schon ein
> > Entwicklungsland?
>
> Laut der Weltbank sind alle MIC und LIC Entwicklungsländer, die Grenze
> zwischen MIC (bzw. UMIC, Upper MIC) und HIC ist die oben genannte.

tja, aendern sich die Werte von Jahre zu Jahr? Nach unseren Buch liegen die
Grenzen so:

LIC < 610$
untere MIC 611$-2465$
obere MIC 4566$-7919$
HIC > 7919$

Und das beste: Wir muessen die Zahlen fuer die Klausur auswendig lernen*g*.


Dann haben wir noch sowas von den vereinten Nationen:
LDC: Anteil der Industrie am BIP < 10%, Alphabetisierungsquote < 20%
LLDC: Angeblich wie LDC mit BSP/Kopf , 355$
Die Frage ist nur, was ist, wenn z.B. BSP/Kopf <355%, aber
Alphabetisierungsquote > 20%?

MSAC: hier haben wir keine genauen Werte! Nur geringes Pro-Kopf-Einkommen,
starker Preisanstieg bei wichtigen Importen im Verhaeltnis zu Exporten, hohe
Auslandsverschuldung

LLC: Binnenlaender ohne direkten


Dann haben wird noch den Begriff der Schwellenlaender, aber auch ohne
Zahlen:
Abhaengig von: Hoehe des Pro-Kopf-Einkommens, Anteil der Industrie am BIP,
Anteil von Fertigprodukten am Weltmarkt


> Bei der Weltbank reicht alleine das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, weitere
> Indikatoren fliessen da nicht ein.

Aha! Also kann ich z.B. sagen: laut Weltbankeinteilung ist X-Land ein/kein
Entwicklungsland

> Und wie bereits gesagt, definiert jeder Entwicklungsland
> anders, bei anderen Organisationen kann dann auch die
> Alphabetisierungsrate und der exportierten Industriegüter oder ganz andere
> Kriterien eine Rolle spielen, bei der Weltbank ist das (noch) nicht der
> Fall. Von daher kann es auch keine genauen Definitionen geben, höchstens
> für die einzelnen Organisationen jeweils eigene.

tja, aber die Definitionen sollten wohl genauer sein und mit Zahlenangaben!
Als Kriterien fuer Entwicklungslaender haben wir noch folgendes
aufgeschrieben:

- rasche Zunahme der Bevoelkerung und Verjuengung des Bevoelkerungsaufbaus
- Unter- bzw. Mangelernaehrung bei einem Grossteil der Bevoelkerung
- unzureichende medizinische Versorgung
- niedrige Lebenserwartung
- unterentwickeltes Bildungswesen, hohe Analphabetenquote
- ungesicherte Rechtsstellung der Frau :-)))
- Mangel an qualifizierten Arbeitskraeften, Lehrern, Aerzten,
Fuehrungskraeften
- hohe Arbeitslosenquoten (offene und versteckte Arbeitslosigkeit)
- ungleiche Besitz- und Einkommensverteilung
- geringes Pro-Kopf-Einkommen
- viele Beschaeftigte in der Landwirtschaft, wenig Industriebeschaeftigte,
dagegen ueberbesetzter tertiaerer Sektor
- geringe Arbeitsproduktivitaet
- einseitige Produktionsstrukturen
- hoher Anteil der Landwirtschaft am BSP
- unzureichende Infrastrukturen
- monokulturelle Abhaengigkeit von der Ausfuhr weniger Rohstoffe und der
Einfuhr fast aller wichtigen Investitionsgueter
- hohe Auslandsverschuldung
- starke regionale Disparitaeten (was immer das sein mag???)
- unkontrollierter Verstaedterungsprosess und Slumbildung
- vielfache politische Instabilitaet


Nun, wie ich das sehe, muss ich das alles auswendig lernen und eine
Eroerterung schreiben, wobei ich am Ende meine Meinung dazu auessere.

Desweiteren muss ich noch etwas ueber Entwicklungstheorien wissen und 'Terms
of Trade' oder sowas....

Dann weiss ich schon, was ich die naechsten Tage so mache...
Wieso bereue ich vor jeder Klausur, dass ich den Erdkunde LK genommen habe
(da es keinen Informatik oder Physik LK gab :-(()?
Haette ich ja gleich Deutsch nehmen koennen :-))


Vielen Dank,
Dominik

Skander Morgenthaler

unread,
Feb 29, 2000, 3:00:00 AM2/29/00
to
Tach *@MAUS.WISSENSCHAFT.GEOGRAPHIE,

am 28.02.00 schrieb domini...@gmx.net (Dominik Pusch)


zum Thema Re: Ist Portugal ein Entwicklungsland ??? etwas,
was mich zu dieser Antwort verleitete.

>> Laut der Weltbank sind alle MIC und LIC Entwicklungsländer, die


>> Grenze zwischen MIC (bzw. UMIC, Upper MIC) und HIC ist die oben
>> genannte.
>
> tja, aendern sich die Werte von Jahre zu Jahr? Nach unseren Buch
> liegen die Grenzen so:
>
> LIC < 610$
> untere MIC 611$-2465$
> obere MIC 4566$-7919$
> HIC > 7919$

Ja, die werden angepasst. Ob jährlich, weiss ich allerdings nicht.

> Dann haben wir noch sowas von den vereinten Nationen:
> LDC: Anteil der Industrie am BIP < 10%, Alphabetisierungsquote <
> 20% LLDC: Angeblich wie LDC mit BSP/Kopf , 355$
> Die Frage ist nur, was ist, wenn z.B. BSP/Kopf <355%, aber
> Alphabetisierungsquote > 20%?

Oh, vorsicht mit "LDC", das bekommt die UN auch nicht auf die Reihe. Es
gibt Gruppierungen in der UN, die die LLDC mit LDC abkürzt, aber LLDC
meint :-(

Die oben genannten Kriterien galten bis 1990 für die Einordnung als LLDC,
allerdings war auch LLDC, wer zwei der drei Kriterien erfüllte und das
letzte nur knapp verfehlte (LLDC zu sein, bringt finanzielle Privilegien
mit sich!). Eine Alphabetisierungsquote von unter 20% hatten 1998 nur
Burkina Faso und Niger, das reicht also heute nicht mal, um die LLDCs
abzugrenzen... Seit 1991 gibt es neue Kriterien für die Gruppierung als
LLDC, die aber komplizierter zu berechnen sind, einfach sind noch zu
berechnen: Unter 75 Mio. Einwohner (damit fallen z.B. China und Indien
raus), Pro-Kopf-Einkommen < 600 US$. Zusätzlich wird noch ein
Bildungsindex und ein Wirtschaftsindex berechnet. Ein LLDC muss zwei der
drei letzten Kriterien erfüllen. Wenn ihr also in der Klausur Daten von
nach 1990 bekommt, kannst du diese Werte nicht mehr zur Klassifikation
anwenden wie vor 1990!

> MSAC: hier haben wir keine genauen Werte! Nur geringes
> Pro-Kopf-Einkommen, starker Preisanstieg bei wichtigen Importen im
> Verhaeltnis zu Exporten, hohe Auslandsverschuldung

MSAC gibt es inzwischen nicht mehr (die Gruppenbezeichnung wurde
aufgehoben), es waren AFAIK die Länder, die von dem Ölpreisschock
besonders stark betroffen waren (zu hohem Grade von Ölimporten abhängig,
ELs sollten es aber schon sein).

> LLC: Binnenlaender ohne direkten
Zugang zu den Weltmeeren (LLC = Landlocked Countries), ja.

> Dann haben wird noch den Begriff der Schwellenlaender, aber auch
> ohne Zahlen:
> Abhaengig von: Hoehe des Pro-Kopf-Einkommens, Anteil der Industrie
> am BIP, Anteil von Fertigprodukten am Weltmarkt

Wird wohl auch irgendwie so definiert, ist AFAIK aber keine UN-
Klassifikation.

>> Bei der Weltbank reicht alleine das Bruttoinlandsprodukt pro
>> Kopf, weitere Indikatoren fliessen da nicht ein.
>
> Aha! Also kann ich z.B. sagen: laut Weltbankeinteilung ist X-Land
> ein/kein Entwicklungsland

Genau!

>> Und wie bereits gesagt, definiert jeder Entwicklungsland
>> anders, bei anderen Organisationen kann dann auch die
>> Alphabetisierungsrate und der exportierten Industriegüter oder
>> ganz andere Kriterien eine Rolle spielen, bei der Weltbank ist
>> das (noch) nicht der Fall. Von daher kann es auch keine genauen
>> Definitionen geben, höchstens für die einzelnen Organisationen
>> jeweils eigene.
>
> tja, aber die Definitionen sollten wohl genauer sein und mit
> Zahlenangaben!

Die Werte sind schon irgendwo festgeschrieben, sind allerdings meist so
kompliziert zu berechnen (diverse Werte zusammengerechnet zu einem Index)
und beinhalten Daten, die ihr wahrscheinlich nicht zur Verfügung haben
werdet... Aber die Erhebungsart des Pro-Kopf-Einkommens ist z.B. in den
Ländern nicht einheitlich, von anderen, schwerer fassbaren Werten mal ganz
zu schweigen...

> Als Kriterien fuer Entwicklungslaender haben wir
> noch folgendes aufgeschrieben:
>
> - rasche Zunahme der Bevoelkerung und Verjuengung des
> Bevoelkerungsaufbaus
> - Unter- bzw. Mangelernaehrung bei einem Grossteil der Bevoelkerung
> - unzureichende medizinische Versorgung

ist z.B. schwer zu definieren. Was genau ist unzureichend?

> - niedrige Lebenserwartung

In Costa Rica z.B. hat man eine Lebenserwartung von 76,6 Jahren, in Dtl.
nur von 76,4 Jahren (1995), ist Costa Rica nun Industrieland?

> - unterentwickeltes Bildungswesen, hohe Analphabetenquote

Schnitt 1995: Industrieländer (Dienstleistungsländer ;-) 98,6%
alle LDCs (incl. LLDCs) 70,4%
LLDCs 49,2%

> - ungesicherte Rechtsstellung der Frau :-)))

Wo setzt man da an? Ist auch von der Kultur (z.B. Religion) abhängig.

> - Mangel an qualifizierten Arbeitskraeften, Lehrern, Aerzten,
> Fuehrungskraeften

Haben wir auch! Ok, bei Lehrern vor allem einen Mangel an angestellten und
bei Ärzten haben wir die sogar die sogenannte "Ärzteschwemme"... Nur wird
bei uns wohl unter "qualifiziert" etwas höher angesetzt.

> - hohe Arbeitslosenquoten (offene und versteckte Arbeitslosigkeit)

Ist ein Bauer, der sich selbst versorgt, arbeitslos? Wer ist arbeitslos?
Es gibt auch viele, die nur hin und wieder für Geld arbeiten, ansonsten
aber Subsistenzwirtschaft betreibt. Dieses Kriterium halte ich für absolut
nicht messbar!

> - ungleiche Besitz- und Einkommensverteilung

Haben wir auch - zum Glück aber nicht ganz so extrem.

> - geringes Pro-Kopf-Einkommen

Gilt bei den OPEC-Staaten nicht (Kuweit ist 1995 das fünftreichste Land
gewesen).

> - viele Beschaeftigte in der Landwirtschaft, wenig
> Industriebeschaeftigte, dagegen ueberbesetzter tertiaerer Sektor
> - geringe Arbeitsproduktivitaet
> - einseitige Produktionsstrukturen
> - hoher Anteil der Landwirtschaft am BSP
> - unzureichende Infrastrukturen
> - monokulturelle Abhaengigkeit von der Ausfuhr weniger Rohstoffe
> und der Einfuhr fast aller wichtigen Investitionsgueter
> - hohe Auslandsverschuldung
> - starke regionale Disparitaeten (was immer das sein mag???)

soll heissen, das Dinge sehr ungleich verteilt sind (in der Hauptstadt ist
meist alles, auf dem Land fehlt fast alles).

> - unkontrollierter Verstaedterungsprosess und Slumbildung
> - vielfache politische Instabilitaet

Oft, oft aber auch wesentlich stabiler als in den Industrieländern. Ist
also völlig ungeeignet. Allerdings ist dies oft eine Ursache für
Unterentwicklung (Kriege, Putsche!)

Gruß,
Skander

--
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Götz Hoffart

unread,
Mar 1, 2000, 3:00:00 AM3/1/00
to
Eine schöne Aufzählung. Wichtig ist IMHO aber, daß der Gesamtzusammenhang
gewahrt bleibt, die Verknüpfung verschiedener Punkte, denn wenn man einzelne
isoliert, so kann es schnell zu Mißverständnissen kommen:

DP>hohe Arbeitslosenquoten (offene und versteckte Arbeitslosigkeit)

War Deutschland 1930 ein Entwicklungsland - neben einigen anderen Punkten der
Liste trifft auch dieses zu.

DP>- ungleiche Besitz- und Einkommensverteilung
DP>- geringes Pro-Kopf-Einkommen

Die gehören immer zusammen!

DP>- geringe Arbeitsproduktivitaet

Wie ist das definiert? Welche Maßstäbe?

DP>- unzureichende Infrastrukturen

Gemessen an was? Der Landesfläche? Dem Bedarf? Ist Rußland ein
Entwicklungsland?, weil durch Sibirien nicht allzuviele Autobahnen führen?

DP>- hohe Auslandsverschuldung

Oh, prima, fast alle westlichen Nationen sind davon betroffen.-)

DP>- starke regionale Disparitaeten (was immer das sein mag???)

Regionale Unterschiede (immer diese unnützen Fremdworte). Beispiele wären
Nord-Süd-Gefälle innerhalb eines Landes.

DP>- unkontrollierter Verstaedterungsprosess und Slumbildung

Istanbul und Madrid.

DP>- vielfache politische Instabilitaet

Italien.

DP>ungesicherte Rechtsstellung der Frau :-)))

Schön normativ-ontologisch, aber von wenig Gebrauchswert. Damit würde man nur
eurozentristische Anschauungen auf andere Kulturkreise übertragen.

Viele der Merkmale taugen meiner Ansicht nach nicht -- hauptsächlich, weil
damit davon ausgegangen wird, daß wir entwickelt sind und die "anderen" nicht.
Ist ein (fiktives) Land wirklich unterentwickelt, wenn alle dort zu essen haben
und glücklich sind, aber keiner lesen kann und alle in der Landwirtschaft
arbeiten?

Ich bin kein Freund von "political correctness", aber gerade auf dem Gebiet der
Entwicklungszusammenarbeit [sic!] muß man schwer aufpassen, mit welchen Punkten
man argumentieren möchte.

DP>muss ich das alles auswendig lernen

Du mußt das auswendig lernen? Tschuldigung, aber a) kann dir keiner an den
Kragen, wenn du von dieser langen Liste zwei Punkte nicht aufführst und b)
kommt man auf die meisten doch durch Nachdenken.

DP>Wir muessen die Zahlen fuer die Klausur auswendig lernen*g*.

Was für ein Lehrer. Mit dem würde ich mich gerne mal über den Sinn der
Wissenschaft "Geographie" unterhalten. Solche Zahlen auswendig zu lernen halte
ich für so sinnvoll wie ein Korrekturzeichen neben meiner Angabe zur
Solarkonstante (ich gab 1365 W/m^2 an - und wurde korrigiert, es seien 1362
W/m^2 - und das bei einer jährlichen Schwankung von mind. 3% -- aaarghl).

Wichtiger als den Dollar-Wert zu lernen, ab wann eine ungenaue Klassifizierung
greift, ist doch zu begreifen, welche Prozesse zu Problemen in solchen Ländern
führen können. Die muß man nämlich verstehen, die Werte kann man nachschlagen.

Grüße
Götz

Dominik Pusch

unread,
Mar 2, 2000, 3:00:00 AM3/2/00
to
> Viele der Merkmale taugen meiner Ansicht nach nicht -- hauptsächlich, weil
> damit davon ausgegangen wird, daß wir entwickelt sind und die "anderen"
nicht.
> Ist ein (fiktives) Land wirklich unterentwickelt, wenn alle dort zu essen
haben
> und glücklich sind, aber keiner lesen kann und alle in der Landwirtschaft
> arbeiten?

Ganz meiner Meinung, ich wusste und weiss ja immer noch nicht, wie ich diese
Kreterien ueberhaupt Verknuepfen musste! Da wird diese Kriterien haben ohne
jegliche genauere Definition, hat die Aufgabe ein Land auf die Merkmale zu
untersuchen und einzuordnen, mehr den Charakter einer Eroerterung fuer den
Deutschunterischt! Ein Land nach diesen Merkmalen abwaegen (soweit die
Informationen dazu ueberhaupt vorhanden sind) und am Ende eine Entscheidung
treffen! Da ich aber nicht wusste/weiss, wie gewichtig die einzelnen Punkte
zu bewerten sein sollen (ihr habt mir ja gezeigt, dass viele total sinnlos
sind), ist das Ergebnis wohl mehr oder weniger meine Meinung! Also kann ein
anderer zu einen anderen Ergebnis kommen! Und das finde ich nicht so schoen,
dass es nicht eindeutig zu bestimmen ist!
Aber dann waere wohl die ganze Klausur zu einfach (oder zu komplex, je
nachdem, welche 'richtige' Definition wir haetten verwenden sollen)! Sie
ging ueberigens ueber Bolivien!
Ich habe es in der 3.Welt eingeordnet, aber ich haette es wohl auch in der
4. setzten koennen (Ein besonderer Punkt war dabei der Zinnpreisverfall auf
dem Weltmarkt)


> Ich bin kein Freund von "political correctness", aber gerade auf dem
Gebiet der
> Entwicklungszusammenarbeit [sic!] muß man schwer aufpassen, mit welchen
Punkten
> man argumentieren möchte.

tja, wir in der Schule sind da wohl nicht so genau ;-)


> DP>muss ich das alles auswendig lernen
>
> Du mußt das auswendig lernen? Tschuldigung, aber a) kann dir keiner an den
> Kragen, wenn du von dieser langen Liste zwei Punkte nicht aufführst und b)
> kommt man auf die meisten doch durch Nachdenken.

Hab' ich natuerlich nicht gemacht! Denn ich kann ja sowieso nur das
beurteilen, ueber dass ich in der Klausur auch Informationen bekomme!
Aber haette ich keine Informationen und die Aufgabe waere gewesen: "Nenne
Kriterien fuer Entwicklungslaender", so haette ich wohl ziemlich Probleme
gehabt. OK, auf die Haelfte waere ich natuerlich auch gekommen. Aber dann
verwende ich auch so Fachbegriffe wie 'Disparitaeten' nicht!


> DP>Wir muessen die Zahlen fuer die Klausur auswendig lernen*g*.
>
> Was für ein Lehrer. Mit dem würde ich mich gerne mal über den Sinn der
> Wissenschaft "Geographie" unterhalten. Solche Zahlen auswendig zu lernen
halte
> ich für so sinnvoll wie ein Korrekturzeichen neben meiner Angabe zur
> Solarkonstante (ich gab 1365 W/m^2 an - und wurde korrigiert, es seien
1362
> W/m^2 - und das bei einer jährlichen Schwankung von mind. 3% -- aaarghl).

Ich/wir hielten dies auch nicht fuer sinnvoll, weil man dies nach der
Klausur eh wieder vergessen haben. Aber meine Lehrerin meinte, dass wir
diese 5 Zahlen ruhig mal auswendig lernen koennten!


BTW: Solarkonstante? 1362 W/m^2
Das bringt mich nun zum ueberlegen??? schon klar, das auf einem m^2 eine
Leistung von 1362 W erbracht werden?!? Das waeren ja 1,362 kWh (Energie).
Welchen Wirkungsgrad haben denn Solarzellen?
Aber ich bekomme irgendwie Probleme mit den Einheiten! 1W= 1kg*m^2/s^3
=> 1W/m^2 =1kg/s^3
Und die Einheit sagt mir gar nichts!
Aber Egal


MfG Dominik

Skander Morgenthaler

unread,
Mar 3, 2000, 3:00:00 AM3/3/00
to
Tach *@MAUS.WISSENSCHAFT.GEOGRAPHIE,

am 01.03.00 schrieb Goetz_...@fr.maus.de (Götz Hoffart)
zum Thema Re: Definition von Unterentwicklung - ist das überhaupt möglich?; war: etwas,


was mich zu dieser Antwort verleitete.

DP>> hohe Arbeitslosenquoten (offene und versteckte Arbeitslosigkeit)

GH> War Deutschland 1930 ein Entwicklungsland - neben einigen anderen
GH> Punkten der Liste trifft auch dieses zu.

1930 galten andere Maßstäbe. Du kannst nicht Deutschland 1930 mit anderen
Ländern nach heutigen Kriterien vergleichen!

DP>> - ungleiche Besitz- und Einkommensverteilung
DP>> - geringes Pro-Kopf-Einkommen

GH> Die gehören immer zusammen!

Sicher. Aber sag das mal der Weltbank. Ein etwas neueres Kriterium ist,
die Armut in einem Land zu messen (z.B. den Anteil der Bevölkerung, der
weniger als 1 US$ pro Tag zum leben hat - auch dieser Vergleich hinkt aber
z.B. bei Subsistenswirtschaft...)

DP>> - geringe Arbeitsproduktivitaet

GH> Wie ist das definiert? Welche Maßstäbe?

Wohl nach 'unseren westlichen' Maßstäben.

DP>> - unzureichende Infrastrukturen

GH> Gemessen an was? Der Landesfläche? Dem Bedarf?

Das übliche Problem.

GH> Ist Rußland ein Entwicklungsland?

Laut Weltbank ja (LMIC), laut UN: HDI-Rank 72 (hinter Oman, vor Equador) -
also wohl auch laut UN. Es ist schwierig, da eine genaue Grenze zu setzen,
normalerweise wird Russland als 'Country in Transition' bezeichnet.

GH> weil durch Sibirien nicht allzuviele Autobahnen führen?

Den sibirischen Teil würde ich auf alle Fälle als Entwicklungsland
bezeichnen - ob das negativ sein muss, sei dahingestellt. Das ist im
übrigen ein typische Zeichen von 'Entwicklungsländern' (in Sibirien kann
man wohl momentan kaum von einer positiven Entwicklung sprechen): Ist die
Infrastuktur in den Zentren der Entwicklungsländer etwa schlecht?
Normalerweise doch nur in der Peripherie...

DP>> - starke regionale Disparitaeten (was immer das sein mag???)

GH> Regionale Unterschiede (immer diese unnützen Fremdworte). Beispiele
GH> wären Nord-Süd-Gefälle innerhalb eines Landes.

...oder Stadt - Umland, oder allgemein: Zentrum - Peripherie.

DP>> - unkontrollierter Verstaedterungsprosess und Slumbildung

GH> Istanbul und Madrid.

Und die willst du gegen Bombay oder Mexiko Stadt setzen?

DP>> - vielfache politische Instabilitaet

GH> Italien.

Das Argument zählt eh nicht (merke: 'vielfach'). In Zimbabwe gibt es z.B.
seit 1980 den gleichen Präsidenten...

DP>> ungesicherte Rechtsstellung der Frau :-)))

GH> Schön normativ-ontologisch, aber von wenig Gebrauchswert. Damit
GH> würde man nur eurozentristische Anschauungen auf andere
GH> Kulturkreise übertragen.

Die UN bringt z.B. den GEM (Gender Empowerment Index) heraus, der die
Rolle der Frau beleuchten soll. Dies ist ein aktuelles Foschungsgebiet,
auch der Geographie.

GH> Viele der Merkmale taugen meiner Ansicht nach nicht --

Die meisten in meinen Augen. Alleine schon die Auswahl der Kriterien
verzerrt idR das Bild total.

GH> hauptsächlich, weil damit davon ausgegangen wird, daß wir
GH> entwickelt sind und die "anderen" nicht. Ist ein (fiktives) Land
GH> wirklich unterentwickelt, wenn alle dort zu essen haben und
GH> glücklich sind, aber keiner lesen kann und alle in der
GH> Landwirtschaft arbeiten?

Leider. Das ist eines der Probleme: Was ist Unterentwicklung? Sind wir
nicht ziemlich unterentwicklung, was Nachhaltigkeit angeht? Ist Bildung
wirklich so toll, besonders wenn sie viel zu schnell kommt und
traditionelle Lebensweisen zerstört, bevor andere sich entwickeln? Was
bringt 'medizinischer Fortschritt', wenn die Menschen zwar länger leben,
aber die Familien nicht kleiner werden? (Man könnte unken, besser Medizin
alleine fördert den Hunger...) Wie viel haben wir schon durch
'Entwicklungshilfe' zerstört?

GH> Ich bin kein Freund von "political correctness", aber gerade auf
GH> dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit [sic!] muß man schwer
GH> aufpassen, mit welchen Punkten man argumentieren möchte.

Eigentlich kann man mit so ziemlich jedem Argument in eine Falle laufen,
und mit Einzelkriterein sowieso!

DP>> muss ich das alles auswendig lernen

GH> Du mußt das auswendig lernen? Tschuldigung, aber a) kann dir keiner
GH> an den Kragen, wenn du von dieser langen Liste zwei Punkte nicht
GH> aufführst und b) kommt man auf die meisten doch durch Nachdenken.

Kommt doch sehr auf den Lehrer an. Wenn ich heute die gleiche Klausur zu
Entwicklungsländern nochmal schreiben müsste, wie damals in der Schule,
ich glaube, ich würde die Aufgabenstellung, die gegebene Statistik (die
natürlich wesentlich neuer war, als die gelernten Kriterien) und die
sogenannten Kriterien in der Luft zerreissen. Aber ob mir das eine gute
Note bringen würde?

GH> Wichtiger als den Dollar-Wert zu lernen, ab wann eine ungenaue
GH> Klassifizierung greift, ist doch zu begreifen, welche Prozesse zu
GH> Problemen in solchen Ländern führen können. Die muß man nämlich
GH> verstehen, die Werte kann man nachschlagen.

Schön wäre es, wenn sowas mal in der Schule dran käme! Erkläre das mal den
Lehrern und den (anderen) Schülern...

Dominik Pusch

unread,
Mar 3, 2000, 3:00:00 AM3/3/00
to
> >Das bringt mich nun zum ueberlegen??? schon klar, das auf einem m^2 eine
> >Leistung von 1362 W erbracht werden?!?
>
> Ja. Die Bezugsfläche ist aber der fiktive obere Rand der
> Erdatmosphäre. Die dort zur Verfügung gestellte Energie bildet die
> Eingangsgröße für das Klimageschehen in der Atmosphäre und wird als
> Solarkonstante bezeichnet.
>

> >Das waeren ja 1,362 kWh (Energie).
>

> Nein. Schönwiese rechnet:
> ca. 1370 W m^-2
> = 33,5 kW h m^-2 d^-1 (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Tag)

Ich meinte natuerlich in einer Stunde eine Energie von 1,362 kWh!
P=W/t <=> W=Pt= 1,362kW * 1h
Ich war auch der Annahme, das es die Strahlung am Boden sei, so dass man
mit dem Wirkungsgrad von Solarzellen, die eigentlich Leistung berechnen
koennte! Im Schnitt also 50% (s.u.). Solarzellen mit 24% Wirkungsgrad:
Ergibt auf einen Quadratmeter:
Solarkonstante * 1m^2 * 50% * 24%= 163,44 W! Das ist mickrig!
Das hiesse man braeucht 1000/163,44 m^2= 6,1 m^2 fuer 1kWh.


> Also Energie pro Flächen- und Zeiteinheit. Diese Dimension bezeichnet
> man als Energieflußdichte.

Aha! Danke!
(Aber das ist nicht die Energie ;-))

> >Welchen Wirkungsgrad haben denn Solarzellen?
>

> | Herkömmliche Solarzellen erreichen einen Wirkungsgrad von rund 24
Prozent.
> | 1997 gelang es einer Forschergruppe des Fraunhofer-Instituts, eine
> | Solarzelle mit einem Wirkungsgrad von 31 Prozent herzustellen. [2]
>
> Jetzt stellt sich die Frage, wieviel der Energie, die mehr oder
> weniger konstant auf die fiktive Obergrenze der Atmosphäre auftrifft,
> denn an einem bestimmten Ort auf dem Boden ankommt. Dies hängt, wenn
> man die Atmosphäre zunächst nicht berücksichtigt, vom
> Einstrahlungswinkel ab. Dieser variiert zeitlich und räumlich aufgrund
> der Erdrotation und der Neigung der Erdachse. Somit beträgt die
> "Insolation [...] bezüglich einer horizontalen Fläche und ohne
> Berücksichtigung der Erdatmosphäre I = Io cos(alpha), wobei alpha die
> Abweichung vom Zenitwinkel ist" [1, S. 32]

Bis hierhin kann man noch genau rechnen.

> Die solare Strahlung wird von der Atmosphäre teilweise absorbiert (==>
> Erwärmung), teilweise gestreut. Der gestreute Anteil gelangt teilweise
> wieder aus der Atmosphäre heraus, teils gelangt er als "diffuse
> Himmelsstrahlung" zusammen mit dem verbleibenden Teil der direkten
> Strahlung auf die Erdoberfläche.

Dieses wird aber nicht exakt berechenbar oder messbar sein!

> Diese "Globalstrahlung" beträgt,
> wieder nach [1] im zeitlichen und räumlichen Mittel etwa 50% der
> Solarkonstanten.

Also geht die im Schnitt die Haelfte der Leistung (und damit auch der
Energie) vom Sonnenlicht in der Atmosphaere verloren!


> Für das Klima relevant (aber wenn ich es recht verstehe nicht für die
> aufzustellenden Solarzellen) ist außerdem die Ausstrahlung jedes
> Körpers, vor allem also auch der Erde. Die ist auf der gesamten
> Erdoberfläche gleich, anders als die Einstrahlung. So ergibt sich ein
> Wäretransport innerhalb der Atmosphäre.

Was soll den ausgestrahlt werden?


> >Aber ich bekomme irgendwie Probleme mit den Einheiten! 1W= 1kg*m^2/s^3
> >=> 1W/m^2 =1kg/s^3
> >Und die Einheit sagt mir gar nichts!
>

> Mir auch nicht. Kann das jemand erklären?

Hast Du doch eben schon ;-)
"Energieflußdichte! Energie pro Flächen- und Zeiteinheit: W /A /t (oder
W/(A*t))"
[W]= 1J = 1 kg*m^2/s^2
[A]= 1m^2
[t]= 1s

=> [W/A/t]= 1 kg*m^2/s^2 /m^2 /s =1 kg/s^3

anstatt W/A/t sagt man wohl besser gleich P/A (Leistung pro Flaeche) ;-)
Also bei der Solarkonstanten handelt es sich um die 'Energieflussdichte' der
elektrom. Strahlung am oberen Rand der Atmosphaere! (Wenn das, was Du gesagt
hast, stimmt.)

Goetz Hoffart

unread,
Mar 6, 2000, 3:00:00 AM3/6/00
to
> Das waeren ja 1,362 kWh (Energie).

Jep. Die Sonne liefert uns jede Menge Energie. Stündlich frei Haus.

> Welchen Wirkungsgrad haben denn Solarzellen?

Einen ziemlich miesen. AFAIK zwischen 10% und 20%. Außerdem ist die
Herstellung der Zellen so energieintensiv, daß man bis zu 10 Jahre
braucht, um diese Energie erst wieder hereinzuspielen.

Grüße
Götz

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