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Ironman gibt sich behindertenfeindlich

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Werner Schuren

unread,
Jan 3, 2005, 2:55:39 PM1/3/05
to
In einem Interview mit der FAZ äußerte sich der Ironman-Sieger
2004 Normann Stadler "Ein echtes Problem habe ich damit, dass mit
Wojtek Czyz ein Behinderter vor mir steht. Ich habe mir 17 Jahre
den Hintern aufgerieben, und dann kommt wegen irgendeiner Story
ein behinderter Sportler, der das seit zwei Jahren macht, da
vorne rein, weil er in Athen den Bundeskanzler umarmt hat."
Stadler sprach dabei über die Wahl zu Deutschlands Sportler des
Jahres, bei der er am 19. Dezember nur den neunten Rang belegte,
während Czyz - dreifacher Goldmedaillengewinner bei den
Paralympics - Fünfter wurde. Der Bein amputierte Leichtathlet
hatte in Athen über 100 und 200 Meter sowie im Weitsprung
gewonnen.


OFFENER BRIEF AN NORMANN STADLER

Sehr geehrter Herr Stadler,

über Ihre behindertenfeindlichen Äußerungen in der FAZ, mit
denen Sie sich negativ über Behindertensportler und den
Behindertensport äußern, haben mich sehr betroffen gemacht!

Seien Sie froh, dass Sie gesund und sportlich sind, derartige
Höchstleistungen im Sport zu erbringen. Viele Behinderte würden
Ihnen gerne nacheifern, wenn sie es denn könnten. Aber das
persönliche Schicksal hat es mit diesen Menschen leider anders
gemeint!

Seien Sie Herr Stadler aber nicht zu hochmütig! Denn Hochmut
kommt vor dem Fall sagt ein deutsches Sprichwort! Auch Sie
könnten plötzlich z.B. durch einen Unglücksfall im Rollstuhl
landen! Und dann?

Wie schnell so etwas geht, habe ich am eigenen Leibe erlebt. Seit
einem Badeurlaub mit meiner Familie in den Weihnachtsferien vor
sieben Jahren sitze ich jetzt im Rollstuhl. Über Ihre
behindertenfeindlichen Äußerungen bin ich sehr empört! Und ich
habe keinerlei Respekt mehr vor Ihnen. Denn Sport hat etwas mit
Fairplay und Menschlichkeit zu tun - gegen diese Grundprinzipien
haben Sie verstoßen! Ich hoffe, dass Ihre Sponsoren das auch so
sehen!

Werner Schuren
Projekt Soziallotse
Winser Baum 69
D-21423 Winsen/Luhe
Tel +49(.0)4171.880016
Mobil +49.(0)175.5131731


Uli Fehr

unread,
Jan 3, 2005, 4:07:00 PM1/3/05
to
"Werner Schuren" schrieb

> mehr oder weniger veraltertes

und dann auch noch ohne F'up über drei NG ...
http://www.normann-stadler.info/Newsarchiv/2005/


Grüße - Uli -


Patrick Kuban

unread,
Jan 4, 2005, 7:55:52 AM1/4/05
to
Hallo Werner,

> 2004 Normann Stadler "Ein echtes Problem habe ich damit, [..]

Isser wenigstens ehrlich.

> Ich habe mir 17 Jahre den Hintern aufgerieben,

Na und? Auf diese Zeit komm' ich als Orthopädist für Schwer- bis
Schwerstbehinderte auch. Nur mit dem Geldverdienen hapert's inzwischen
trotz meiner "goldenen Ecke" spürbar.

> ein behinderter Sportler, der das seit zwei Jahren macht, da
> vorne rein, weil er in Athen den Bundeskanzler umarmt hat."

Ich hab' den Stehkragenprolet ebenfalls nicht umarmt, also komm' ich
auch nicht in die Zeitung. Ebensowenig in die Ein-Euro-Jobs des Herrn
Hartz, ich muß mich mit meiner Selbständigkeit selbst und ständig um
mein Geld kümmern, dabei die Verwaltung der Ein-Euro-Jobs mitfinanzieren ...

> während Czyz - dreifacher Goldmedaillengewinner bei den
> Paralympics - Fünfter wurde.

Ich bin inzwischen oftmals erster Orthopädiemech im Spastlzentrum bei
mir, wenn's richtig problematische Versorgungen gibt.

> Der Bein amputierte Leichtathlet
> hatte in Athen über 100 und 200 Meter sowie im Weitsprung
> gewonnen.

Und ich widersetze mich dem Medizinproduktegesetz, weil es die
Ausführungsqualität meiner Arbeiten zwangsläufig herunterzöge.
Goldmedaille gips dafür nicht, nur meine ganz persönliche Befriedigung,
eine recht gute Versorgung gebaut zu haben. Nicht die bestmögliche, denn
von den KKs wird ja inzwischen sehr oft der ausgehandelte und
vertraglich festgehaltende Kohlefaserzuschlag einseitig und ohne
Begründung gekürzt. Warum sollte ich mich da noch steigern, auch wenn
ich durchaus wüßte, wie?

In meinem Zweitberuf, mit dem ich hoffe, die OT querfinanzieren zu
können, /da/ kann ich das einsetzen.

> OFFENER BRIEF AN NORMANN STADLER

Kriegt Ulla jetzt auch so einen Brief von meinen Fans? ;->

> Denn Hochmut kommt vor dem Fall sagt ein deutsches Sprichwort!

Gilt auch in Amerika. Ich fühle mich Christopher Reeve inzwischen
persönlich verbunden, vorher habe ich nur seine Leistungsfähigkeit
bewundert, wie er mit dem hohen Querschnitt (C2) es durch intensives
Training geschafft hat, von seinem Atemgerät großteils loszukommen.
Vorher heißt: ich hatte vor gut einem Jahr einen schweren Unfall mit
u.a. einem fünfteilig zerknackten C2-Wirbel. Meine Querschnittsausfälle
sind überaus gering, ich wäre inzwischen voll arbeitsfähig, wenn denn
was zum Arbeiten da wäre ... Akut knabbere ich noch an meinem SHT herum,
aber auch das beinträchtigt meine Arbeitsfähigkeit nicht.

> Auch Sie
> könnten plötzlich z.B. durch einen Unglücksfall im Rollstuhl
> landen! Und dann?

... kommt er zu mir, ich baue seit o.e. Jahren Sitzschalen für genau
solche Hindis. Darf ich übrigens seit ein paar jahren nicht mehr, weil
ich mir den Beitritt zum Rehavertrag finanziell nicht mehr geleistet
hatte, ich muß sowas über einen Kollegen abrechnen. Und ich weiß auch,
zu wem meine Frau (jahrzehntelange Therapeutin für diese Klientel, hat
mit einem früheren Kollegen zusammen das Sitzschalenkonzept
ausgearbeitet, nach dem ich heute arbeite. AKA sie hat's mir
beigebracht, das handwerkliche ist dabei das geringste. Der abrechnende
Kollege war mal mein Schäff und hat das Sitzschalenbauen von uns
gelernt, nimmt uns heute dafür auch noch gern in Anspruch.) mich
geschleift hätte, wenn ich's selbst gebraucht hätte. Ihr wißt das jetzt
auch :-/

> Wie schnell so etwas geht, habe ich am eigenen Leibe erlebt.

Ich hab's nicht erlebt (SHT, fünf Wochen Koma, wochenlanges Delirium).
Ich habe aber erlebt, daß geeignete Psychotherapie für meine Frau (sie
war dabei) kaum zu bekommen war, sich aber durch meine ungewöhnlich gute
Erholung einklich und erfreulicherweise fast überlebt hat. Auch sie
knabbert heute immer noch dran 'rum, vermutlich den Rest ihres Lebens.

> einem Badeurlaub mit meiner Familie in den Weihnachtsferien vor
> sieben Jahren sitze ich jetzt im Rollstuhl. Über Ihre

Sieben Jahre ist die Zahl, die mir ein Freund und Patient und ehemaliger
Mieter als Zeitraum genannt hat, den sein Unfall her ist. Sein SHT war
nicht ganz so gravierend, aber er stellt heute immer noch diesbezügliche
Änderungen fest.

> behindertenfeindlichen Äußerungen bin ich sehr empört! Und ich
> habe keinerlei Respekt mehr vor Ihnen.

Mei, nimm ihn doch nicht so wichtig. Ich habe seinen Namen jetzt durch
Dein Posting erstmalig vernommen.

> Denn Sport hat etwas mit
> Fairplay und Menschlichkeit zu tun - gegen diese Grundprinzipien
> haben Sie verstoßen!

Sport hat in der Realität was mit scheppernder Luft und enormen
Geldflüssen zu tun, die Tugenden griechischer Gymnasions sind da
inzwischen etwas hinten runtergefallen.

> Ich hoffe, dass Ihre Sponsoren das auch so
> sehen!

Insofern erlaube ich mir, Deine scheppernde Luft auch über die drei NGs
stehen zu lassen ;-)

servus,
Patrick

www.Kuban-OT.de

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