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Weisgerbers Muelltonne (aus BUCHKRITIK: "Der Metrognom"...)

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Bernd Storck

unread,
Oct 22, 1998, 3:00:00 AM10/22/98
to
>Ich meine, nichts gegen Übersetzungen, aber man muß sich halt bewußt
>sein, daß man aus der Mülltonne ißt.
> Christian "naddy" Weisgerber in de.rec.sf.misc

Man muss sich nur klar machen, dass eine UEbersetzung auch besser
sein kann als das Original.


Elek alias Elek

hubert.katzmarz

unread,
Oct 22, 1998, 3:00:00 AM10/22/98
to

Bernd Storck schrieb in Nachricht <73MO2...@elek.tmb.in-berlin.de>...

Dies aber in den meisten Fällen nicht (!) ist; und auf jeden Fall ist sie
etwas anderes als das Original! - Hubert

Joerg Plate

unread,
Oct 22, 1998, 3:00:00 AM10/22/98
to
> Man muss sich nur klar machen, dass eine UEbersetzung auch besser
> sein kann als das Original.
Beispiele?

Falls die "Übersetzung" wirklich besser sein sollte, dann ist es
vermutlich keine mehr, sondern eine Neubearbeitung und zählt dann
nicht mehr :-) Wenn ich das Original und eine Übersetzung kenne, dann
ist die Übersetzung schlechter. Immer.

--
"i'm working on it"

Torsten Dewi

unread,
Nov 11, 1998, 3:00:00 AM11/11/98
to
In meinen Augen kann es nicht Aufgabe einer Übersetzung sein, "besser" zu
sein als das Original (was immer das heißen mag). Denn egal ob das Buch
dadurch lustiger, spannender, oder nur flüssiger zu lesen ist, es
entspricht nicht der originalen Intention des Autors. Das Ziel einer
Übersetzung muß sein, das Original möglichst exakt (zuerst inhaltlich, dann
auch im sprachlichen Rhytmus) wiederzugeben. Wenn das gelingt, sehe ich
keinen Grund, warum eine Übersetzung zwangsweise schlechter sein muß als
das Original.

Um der Sache etwas Humor zu geben - meine Favoriten für die schlechteste
Übersetzung sind:
-"Der Milliarden Jahre Traum" (Bastei Lübbe), offensichtlich von mehreren
Redakteuren bearbeitet, die den gleichen Begriff in verschiedenen Kapiteln
unterschiedlich übersetzen
- "Der klassische amerikanische Zeichentrickfilm" (Heyne), weist nicht nur
unendlich viele Rechtschreibfehler auf, sondern übersetzt den Begriff
"punchline" (am ehesten: Pointe) mit "Schlaglinie"!

Torsten

hubert.katzmarz <hubert....@primus-online.de> schrieb im Beitrag
<70n8tu$9id$1...@news.metronet.de>...


>
> Bernd Storck schrieb in Nachricht <73MO2...@elek.tmb.in-berlin.de>...
> >>Ich meine, nichts gegen Übersetzungen, aber man muß sich halt bewußt
> >>sein, daß man aus der Mülltonne ißt.
> >> Christian "naddy" Weisgerber in de.rec.sf.misc
> >

> >Man muss sich nur klar machen, dass eine UEbersetzung auch besser
> >sein kann als das Original.
> >
> >

Florian Breitsameter

unread,
Nov 13, 1998, 3:00:00 AM11/13/98
to
Torsten Dewi schrieb in Nachricht
<01be0d92$3ac7ee00$cb2061c2@c002745>...

>In meinen Augen kann es nicht Aufgabe einer Übersetzung sein, "besser"
zu
>sein als das Original (was immer das heißen mag).

Leider ist das aber oft genug Ziel der Redaktion. Asimov und Marion
Zimmer Bradley sind im Original oft längst nicht so gute Autoren, wie in
mancher Uebersetzung...

>Denn egal ob das Buch
>dadurch lustiger, spannender, oder nur flüssiger zu lesen ist, es
>entspricht nicht der originalen Intention des Autors.

Sehe ich auch so.

>Das Ziel einer
>Übersetzung muß sein, das Original möglichst exakt (zuerst inhaltlich,
dann
>auch im sprachlichen Rhytmus) wiederzugeben. Wenn das gelingt, sehe ich
>keinen Grund, warum eine Übersetzung zwangsweise schlechter sein muß
als
>das Original.


Ich meckere gerne und oft ueber Uebersetzungen. Das liegt aber daran,
dass ich zwar einerseits die Leistung, die zwangsläufig dahintersteckt,
sehr bewundere, mich aber dafuer ueber die schlechten Beispiele umso
mehr aergere. Eine gute Uebersetzung faellt mir nicht auf, sie tritt
vollkommen in den Hintergrund (und ich wuerde behaupten, viele
Übersetzungen sind gelungen).

Eine schlechte Uebersetzung (oder das Fehlen eines anschliessenden
Lektorats!) machen sich sofort bemerkbar: wenn z.B. Dan Simmons
"Hyperion" sich im Deutschen im Stil genauso liest wie ein x-beliebiger
Roman von Stephen King (nur weil beide von Joachim Körber uebersetzt
werden), oder wenn amerikanische Sprachkonstruktionen 1:1 übernommen
werden ("Das macht mich wirklich lachen"). Oder wenn der Übersetzer
unbedingt alles eindeutschen will, und ploetzlich in einem Roman von
Philip K. Dick "Dieter Hallervorden" erwähnt wird...
Ich lese deshalb mittlerweile das meiste lieber im englischsprachigen
Original - oder gleich deutsche SF.

>Um der Sache etwas Humor zu geben - meine Favoriten für die
schlechteste
>Übersetzung sind:
>-"Der Milliarden Jahre Traum" (Bastei Lübbe), offensichtlich von
mehreren
>Redakteuren bearbeitet, die den gleichen Begriff in verschiedenen
Kapiteln
>unterschiedlich übersetzen
>- "Der klassische amerikanische Zeichentrickfilm" (Heyne), weist nicht
nur
>unendlich viele Rechtschreibfehler auf, sondern übersetzt den Begriff
>"punchline" (am ehesten: Pointe) mit "Schlaglinie"!


Ich bin dabei fuer fawBuch (http://come.to/fawbuch/ - unter "Artikel"
suchen) eine Sammlung der schönsten Stilblüten zu erstellen. Es zeugt
zwar z.B. vom Fleiss einer Uebersetzerin, wenn sie nachforscht, was das
Akronym GIF bedeutet (Graphic Interchange Format), leider aber hat sie
das nicht davon abgehalten, es im Deutschen als "Graphisches
Austauschformat" zu uebersetzen. Man stelle sich nur mal vor, im
Original waere kein GIF, sondern ein Bild im JPG-Format erwähnt
worden...
Oder wie zuletzt bei The Simpsons: eine Arschkopf-Gedächtnishalle macht
im Deutschen wenig Sinn, aber bei einer Butthead-Gedächtnishalle haette
man gelacht...

--
Florian Breitsameter
http://yi.com/home/faw/ + http://come.to/fawbuch/
"Es genuegt nicht, keine eigenen Gedanken zu haben. Man muss auch
unfaehig sein, sie auszudruecken." Karl Kraus


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