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Gear, W. Michael
Spinnen-Zyklus 1/3
"Spinnenkrieger" (Org.: "The Warriors of Spider")
(c) 1988
Heyne, TB, 544 Seiten
ISBN 3-453-06616-2
DM 16,90
erschienen 1996, ins Deutsche übersetzt von Horst Pukallus
*** 8 von 10 Punkten ***
Über den "Spinnen-Zyklus" waren mir bisher nur Aussagen wie "Gemetzel"
und dergleichen zu Ohren gekommen, doch beim Lesen dieses ersten
Bandes mußte ich erkennen, daß Gears Werk weit mehr bietet als nur
eine exzessive Blutorgie. Ich will die Gewaltdarstellungen auf keinen
Fall gutheißen, doch sei dem Autor zugestanden, daß dies ein
vertretbarer Weg ist, um das "Barbarische" - einer der
Hauptunterschiede zwischen den zwei beschriebenen Zivilisationen - zu
verdeutlichen.
Zum einen ist dies die Menschheit, die Planeten und Raumstationen weit
über das Sonnensystem hinaus bewohnt - seit Jahrhunderten vereint und
regiert vom "Direktorat". Auf den ersten Blick ist diese Gesellschaft
in bester Ordnung, Begriffe wie "Krieg" und "Gewalt" sind in
Vergessenheit geraten und das Direktorat sorgt für Stabilität und
gewährleistet den Kontakt zwischen den über Lichtjahre zerstreuten
Völkern. Doch schnell werden die Schattenseiten dieses Systems
deutlich, denn das Direktorat schreckt bei seinem Bemühen um
Stabilität vor jeglichen Risiken zurück und fürchtet alle Arten von
Veränderung. So werden auch die wenigen andersdenkenden, unangepaßten
Individuen entweder einer Art Gehirnwäsche unterzogen oder auf weit
entfernt patroullierende Raumschiffe beordert ... die Gesellschaft
bedeutet alles und der Einzelne nichts.
So ist es nicht erstaunlich, daß die Entdeckung einer bisher
unbekannten menschlichen Kolonie für große Aufregung im Direktorat
sorgt, denn ein ganzer Planet voll unangepaßter Individuen stellt eine
erhebliche Bedrohung für das gesamte Gleichgewicht dar. Daher wird
eine Abteilung Forscher auf dem gewaltigen Schlachtschiff "Projektil"
zu dem Planeten beordert, dessen Bevölkerung - das wird schnell klar -
aus Überlebenden eines vor Jahrhunderten als vermißt gemeldeten
Gefangenentransporters hervorging ... Ureinwohner von indianischer und
mexianischer Herkunft, die gegen die damals an der Macht befindlichen
Sowjets rebellierten und deportiert wurden.
Auf diesem Planeten spielt sich auch der zweite, parallel laufende
Haupthandlungsstrang ab, der die Geschehnisse aus der Sicht der
"Primitiven" erzählt, bei denen nach der Notlandung eine einzigartige
Kultur mit diversen schmanistischen und christlichen Einflüssen
entstand, ganz in der Tradition ihrer Vorfahren auf Pferden und mit
Gewehren bewaffnet. Die Zivilisiation ist jedoch in zwei verfeindete
Gruppen gespalten, zum einen die "Herrjesses" anbetenden Santos und
zum anderen das Spinnenvolk, die eine Art Totem verehren.
Das Aufeinandertreffen dieser beiden so unterschiedlichen Kulturen
wird nun zum Kernthema, denn eine Eingliederung in die Gemeinschaft
der übrigen Menschheit scheint unmöglich ... bereits der Versuch eines
Erstkontakts durch die Anthropologin Leeta sowie einem weiblichen
Leutnant der Raumpatroullie endet in einer Verschleppung und
versuchten Vergewaltigung durch Santos-Krieger. Auch die daraufhin
ergriffenen militärischen Maßnahmen durch den Kommandanten der
"Projektil", ja sogar eine Erprobung der direktoralen Gehirnwäschen
bleiben erfolglos; denn diese "Romananer" (wie sie nach dem
abgestürzten Raumschiff genannt werden) sind aus einem anderen Holz
geschnitzt, als die verweichlichten "Sternenleute", sie haben noch
Ideale für die es - so vermittelt es uns wenigstens die Sichtweise
Gears - zu sterben lohnt ... und ihr Volk istfür sie solch ein Ideal.
Dies müüsen auch Leeta und Leutnant Sarsa feststellen, die nach einem
Fluchtversuch in die Hände von Spinnenkriegern fallen. Schon nach
kurzer Zeit beginnen sie die Motivation der Einheimischen zu verstehen
und fasziniert von deren Wertvorstellungen und Lebensweise. Sarsa
fühlt sich zum ersten Mal wirklich frei, und auch bei Leeta stellt
sich langsam ein Wandel ein, der sie zu einer vollkommen anderen,
selbstbewußten Person werden läßt. Zusammen schmieden sie einen Plan,
wie sie die bevorstehende Bedrohung des Planeten abwenden können, denn
es ist klar, daß das Direktorat diese potentielle Störung der
Gesellschaft auf die eine oder andere Weise beseitigen wird, umso mehr
als bekannt wird, daß in den Reihen der Romananer "Propheten"
existieren, mit der Fähigkeit in die Zukunft zu sehen ...
Urteil: Gear versteht es überaus gut, die verschiedenen Perspektiven
und Handlugsstränge erst zu verzweigen und später wieder
zusammenzuführen. Denn neben dem obigen Hauptplot spielen sich noch
Handlungen auf verschiedenen anderen Ebenen ab, sowohl was die
Geschicke der gesamten Menschheit angeht, als auch beispielsweise
intrigierende Offiziere und persönliche Fehnden. All dies ist elegant
ineinander verwoben und auch die Ausarbeitung seiner Ideen, wie
beispielsweise die Prophetie, erscheinen mir gut durchdacht und
ausgearbeitet.
Wie schon erwähnt spart der Autor nicht gerade mit der
(zugegebenermaßen teilweise recht detaillierten) Darstellung von
Gewalt, und auch die Erotik kommt nicht zu kurz ... wem das nichts
ausmacht, dem kann ich guten Gewissens zu dem Buch raten, kurzweilige
Unterhaltung mit einem Schuß Anspuch bietet es allemal.
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Bis zum nächsten Buch
Oliver
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