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Haldeman, Joe
"The Forever War" (Dt. "Der ewige Krieg")
Hugo: 1976 Nebula: 1975
(c) 1975
Avon Books, TB, 253 Seiten
ISBN 0-380-70821-3
US$ 5,99
erschienen 1997
*** 7 von 10 Punkten ***
Ähnlich Heinleins "Sternenkrieger" hat man hier einen der Klassiker
des militärischen Subgenres vor sich, und zwar in der überarbeiteten
ursprünglichen Fassung (abweichend von den vor 1991 erschienenen
Ausgaben). In jüngster Zeit erschien übrigens auch die - zumindest
thematische - Fortsetzung mit "The Forever Peace".
Als gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit entdeckt wird,
den Weg durch Kollapsare quasi als Abkürzung zu Lichtjahre entfernten
Sternen zu benutzen, scheint der Expansion der Menschheit nichts mehr
im Wege zu stehen. Dann kommt es jedoch wie es kommen muß, als eines
der Schiffe verschwindet und man Hinweise auf die Existenz einer
weiteren Spezies erhält. Die "Tauraner" werden von den militärischen
Führern schnell als Feind klassifiziert und endlich hat man wieder
einen Grund, die Kriegsmaschinerie hochzufahren. Und damit
gewährleistet ist, daß neben Muskeln auch noch Köpfchen bei den
Soldaten vorhanden ist, wird ein Gesetz verabschiedet, daß die
geistige und körperliche Elite des Landes für zwei Jahre
zwangsrekrutiert. Dabei bezieht man sich jedoch auf die subjektive
Zeit des Einzelnen - die bei Flügen mit relativistischen
Geschwindkeiten natürlich deutlich von der "normalen" Zeit abweichen
kann.
William Mandella, ein Physikstudent kurz vor dem Abschluß, ist unter
den ersten so Rekrutierten und wird gleich einer knallharten
Ausbildung unterzogen. Da man so gut wie nichts über die Tauraner
weiß, werden sie auf die härtesten Umweltbedingungen und extremsten
Situationen hin geschult - als Abschlußprüfung müssen sie in ihren
Kampfanzügen sogar gefährliche Aufträge bei Temperaturen knapp über
dem absoluten Nullpunkt erfüllen ... der Tod ist ein permanenter
Begleiter, sogar in der Ausbildungskompanie.
Ihr erster richtiger Auftrag bildet zugleich auch den ersten direkten
Kontakt zwischen Tauranern und Menschen: Eine tauranische Basis auf
einem sonst unbesiedelten Planeten, von der man außer ihrer Existenz
nichts weiß, soll "gesäubert" und - wenn möglich - Gefangene gemacht
werden. Doch die Aktion artet in eine riesige Schlachterei aus, da den
Tauranern anscheinend das Konzept "Bodenkampf" vollkommen fremd ist.
Unbewaffnet sind sie ein leichtes Opfer für die perfektionierten
Waffen der Menschheit.
Doch schon Mandellas zweiter Einsatz, mittlerweile zum Seargant
ernannt und Gruppenführer, scheitert jedoch und sein Schiff kann nur
mit knapper Not nach Hause entkommen. Da seine Zwangs-Wehrdienst
vorüber sind, zögert William keine Sekunde die Entlassung zu
beantragen und auf die Erde zurückzukehren. Doch die zwei Jahre bei
größtenteils relativistischen Geschwindigkeiten entsprachen mehr als
dem Zehnfachen für die Bevölkerung der Erde, seiner Familie und
Freunde. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß ihm die "neue" Erde
vollkommen fremd ist: Gewalt greift überall um sich, aufgrund der
Lebensmittelknappheit gelten "Kalorien" als Weltwährung und die
Homosexualität wird von den meisten Staaten als Mittel gegen die
Bevölkerungsexplosion empfohlen. Schnell wird ihm klar, daß dies nicht
mehr seine Welt ist, und so beschließt er sich erneut zu verpflichten.
Diesmal für immer ...
Urteil: Haldemans Haltung zu der Thematik kommt ungleich deutlicher an
die Oberfläche als bei Heinlein, so daß ihn wohl niemand guten
Gewissens mit Attributen wie "Kriegsverherrlichung" oder dergleichen
belegen kann. Auch das überraschende Happy End (zumindest für
Mandella) macht noch einmal klar, wie unsinnig derartige Kriege sind.
Dem Autor gelingt es meiner Meinung nach sehr gut Realismus mit
Fiktion zu verbinden, und die Zustände seiner Zeit in eine ferne
Zukunft zu projezieren. Im Nachhinein durchaus eine Empfehlung wert:
Das Buch gehört zu den herausragenden Werken der militärischen SF,
ohne jedoch die nicht-militärischen Aspekte zu vernachlässigen ...
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Bis zum nächsten Buch
Oliver
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