nach allem, was man im RRAAH! #41 (Dezember 1997) über Eckart Schott und seinen
Verlag Salleck Publications lesen konnte, insbesondere über sein Engagement,
gute Comics jenseits des Mainstreams in deutsch herauszubringen, von denen die
großen Verlage wegen der zu riskanten Finanzierung die Finger lassen, wird man
neugierig auf eine umfassende Schau durch das Verlagsprogramm des
Wattenheimers.
_"Das blaue Tagebuch" und "Nach dem Regen" von Andr‚ Juillard_
So richtig bekannt wurde bei uns Salleck Publications durch die Herausgabe von
"Das blaue Tagebuch", mit welchem der Verlag sowohl den /Speedy des Jahres
1996/ der Zeitschrift Speedline als auch einen ersten Preis beim Comic-Festival
1997 in Hamburg errang. Seit einiger Zeit ist eine zweite Auflage des Bandes
(in 1.000 Exemplaren) in den Läden, da die Erstauflage recht bald vergriffen
war.
Gerade in den Druck gegangen ist die 'Fortsetzung' der Story, die mit "Nach dem
Regen" betitelt wurde. Da sitzen dann Louise und Victor Sanchez mit Freunden
zusammen an einem Tisch, um Victors erste erfolgreiche Foto-Ausstellung zu
feiern, als ein blonder Fremder das Lokal betritt, nach Victor fragt und von
diesem wissen möchte, ob er weitere Auskünfte zu einigen Personen auf einem der
ausgestellten Fotos geben könne. Eine rätselhafte Geschichte beginnt, die nach
und nach an Tempo und Spannung gewinnt ... :)
- "Das blaue Tagebuch" von Andr‚ Juillard (72 S.; SC; 22 x 29,5; 29,80)
- "Nach dem Regen" von Andr‚ Juillard (10/98; 56 S.; SC; 22 x 29,5; 29,80)
Der Band "Nach dem Regen" soll dem Prospekt von Eckart Schott zufolge auch in
einer auf 250 Exemplare begrenzten Luxusausgabe für DM 89,- erhältlich sein.
Eine ausführlichere Besprechung von "Das blaue Tagebuch" mit einigen
Abbildungen findet man unter:
http://home.t-online.de/home/Dierks-ComicBesprechungen/_blautg.htm
*****
_"Der Aufschub" von Jean-Pierre Gibrat_
Auf den großen Comic-Festivals in Angoulˆme, Frankreich, und in Sierre,
Schweiz, wurde "Der Aufschub 1" von Gibrat mit ersten Preisen ausgezeichnet,
was denjenigen nicht verwundert, der einmal seine Nase in dieses Album steckt.
Daß Gibrat schön zeichnen kann (insbesondere Menschen), weiß man spätestens
seit "Verwandlungen" (bei Carlsen erschienen), doch im "Aufschub" hat er nun
auch das interessante Szenario (angeregt durch wirkliche Begebenheiten) selbst
verfaßt und dabei die Erzählung in einem Dorf im von Deutschland besetzten
Frankreich des Jahres 1943 angesiedelt.
Der junge Franzose Julien Sarlat versteckt sich im Dorf seiner Tante, weil er
nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt werden will. Von seinem
Versteck aus beobachtet er die Vorgänge im Ort und sieht mit an, wie sich ein
anderer Mann an C‚cile Cadrieux, seine große Liebe, heranmacht, ohne daß er
sich einzugreifen traut. Eine durch die Kriegszeit geprägte (tragische?)
Liebesgeschichte beginnt ihren Lauf zu nehmen.
Der erste Band endet in der Neujahrsnacht des Jahres 1944, Julien muß sich also
noch auf eine lange Zeit des Versteckens und Leidens einrichten, ohne daß er
das auch nur entfernt ahnt. Auch der Leser wird sich noch auf eine gewisse Zeit
des Wartens einstellen müssen, bevor er die Fortsetzung im zweiten Band der
Erzählung erhält; AFAIK liegt dieses Album selbst in der Originalausgabe (in
der Reihe "Aire Libre" des Verlags DUPUIS) noch nicht vor.
- "Der Aufschub" von Jean-Pierre Gibrat: #1 (64 S.; HC; lim. 250; 22,5x30,2;
89,-)
Das Werk gibt es auch in höherer Auflage von 2.000 Exemplaren in einer
preiswerten Softcover-Ausgabe für DM 24,80.
*****
_"Dan Dare" von Frank Hampson_
Mit diesem Science-Fiction-Comic von 1950 hat Eckart Schott eine Perle
ausgegraben und in deutsch veröffentlicht, die heute noch glänzt. Der
aufwendige Faksimile-Nachdruck der fast 50 Jahre alten Seiten des britischen
"Eagle" dürfte nicht ganz einfach zu produzieren gewesen sein. Das Ergebnis ist
jedenfalls überzeugend und läßt gut erkennen, welche feine Kolorierung der
Zeichner Frank Hampson (1918-1985) seinen herausragend gezeichneten Planches
gab, recht ungewöhnlich für den Comic dieser Zeit.
"Dan Dare" erinnert einerseits etwas an Alex Raymonds "Flash Gordon" - und
tatsächlich nannte Frank Hampson diesen auch als einen seiner Vorbilder;
andererseits denkt man bei Ansicht der Zeichnungen womöglich an "Trigan" von
Don Lawrence, der im vorliegenden Band auch das Vorwort schrieb und sich bei
Frank Hampson für die Inspiration seiner eigenen Arbeit bedankt. Aber die
Ähnlichkeit endet im Erzählerischen. Während man sich in "Trigan" so manches
Mal über das seltsame Gemenge von Ben Hur-Komparserie und Enterprise-Technik
verwundert die Augen reibt, so schafft Frank Hampson ein (fast) stimmiges und
nachvollziehbares Umfeld für seinen Raumschiffpiloten.
Die 154 Seiten lange Venus-Story in "Dan Dare" #1 fasziniert auch deshalb noch
immer, da die Zutaten stimmen: verschieden ausgestaltete Charaktere, Phantasie
und Witz, Detailliebe, Mitschwimmbarkeit, wiederholt geduldiger Aufbau von
Spannung, passende zeichnerische Umsetzung im Zusammenspiel mit dem richtigen
Maß von Umfang und Inhalt der Sprechblasentexte.
Die 49,80, die Eckart Schott für das dicke "Dan Dare"-Buch im Überformat (!)
haben will, sind angesichts seines Inhalts ein Witz. Hut ab vor seinem
organisatorischen Kraftakt und seiner unternehmerischen Risikobereitschaft, die
diesen niedrigen Preis möglich machten.
- "Dan Dare Raumschiffpilot" von Frank Hampson: #1 (160 S.; HC; 27 x 35,1;
49,80)
Dieser Band erschien auch in einer auf 250 Ex. limitierten Luxusausgabe mit
signiertem Druck für 89,-.
Ein ausführlicher Artikel zu Leben und Werk von Frank Hampson findet sich im
RRAAH! magazin #41, S.8ff.
*****
_"Pin-up" von Berthet und Yann_
Der in Frankobelgien so erfolgreichen dreibändigen Erzählung um die
dramatischen Erlebnisse des Pin-Up-Girls Dottie und des Schicksals der mit ihr
verbundenen amerikanischen Soldaten während des 2. Weltkriegs (gegen Japan)
wurde Anfang des Jahres ein vierter Band angefügt, der einen neuen Erzählzyklus
einleitet.
Salleck Publications möchte dieses 4. Album Ende des Jahres in deutsch
veröffentlichen, wodurch die Fans der grünäugigen Hauptfigur in die Zeit des
Kalten Krieges versetzt werden, als die USA Aufklärungsflugzeuge in großen
Höhen (U2) über der Sowjetunion einsetzte. Just so eines stürzt mit Dotties
Mann als Piloten über Rußland ab, wodurch Miltons Modell für 'Poison Ivy' mit
Howard Hughes aneinandergerät. 8)
- "Pin-up" von Berthet/Yann: #1 (48 S.; SC; 29,80), #2 (48 S.; SC; 29,80), #3
(48 S.; SC; 29,80), #4 (10/98; 48 S.; SC; 24,80)
Der Preis des vierten Albums liegt appetitanregend um 5 DM niedriger als der
Preis seiner Vorgänger.
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_"Nico" von Lepage und Dieter_
Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Nicos Vater Stan schert sich weder
darum, noch um den Alptraum seines Sohnes, daß er abstürze, wenn er den
Aconcagua in Argentinien mit Marlene und Sophie, Nicos Tanten, von der Südseite
her bezwingen wolle. Mit eisernem Willen treibt Stan zu einer höllischen
Kletterei an, die in knapp 7.000 m Höhe führen soll.
So beginnt eine abenteuerliche Erzählung einer Serie, die es mittlerweile bei
Gl‚nat auf fünf Bände (im Original "N‚v‚") gebracht hat und der man die eigenen
Reise- und Kletter-Erfahrungen des Autoren anzumerken glaubt.
- "Nico" von Emmanuel Lepage/Dieter: #1 'Der Alptraum' (48 S.; HC; 24,2x32,1;
89,-)
Die Hardcover-Ausgabe dieses Albums ist auf 250 Exemplare limitiert; deutlich
günstiger ist die Softcover-Ausgabe (2.000 Ex.) für 24,80 zu haben.
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_"Soda" von Gazzotti und Tome_
In den spannungsgeladenen Geschichten um den Polizisten Soda, der seiner Mutter
täglich weismacht, er sei ein Priester, zeigen den Szenaristen Tome, der es
etwas härter mag, als er es anfangs in "Spirou und Fantasio" gezeigt hat oder
zeigen durfte. Seiner Auffassung folgend, man müsse mit der Zeit gehen und auch
im frankobelgischen Comic zeigen, was die Kids täglich im Film sehen, gibt es
auch Blut und Tote in den "Soda"-Panels, ohne daß die Serie dabei ihren
Funny-Stil aufgibt.
Von den bis dato neun Alben der Serie erschienen in deutsch bei Feest die
ersten drei und dann kam etwa fünf Jahre nichts mehr bis Salleck Publications
anfing, bei Dupuis immer eine Ausgabe in deutsch mitdrucken zu lassen, wenn die
Belgier gerade an der Neuauflage eines Bandes saßen. So kommt es, daß jetzt
erst einmal 'nur' #7 und #8 in deutsch erhältlich sind und als nächstes #6
(endlich wieder gelettert von Franz Stummer!) angekündigt ist.
- "Soda" von Gazzotti/Tome: #7 'Steh auf und stirb!' (48 S.; SC; 21,5x29,6;
19,80), #8 'Mordet in Frieden' (48 S.; SC; 21,5x29,6; 19,80)
*****
_"Franco-Belgische Comicklassiker" von div._
Insbesondere für die vielen Fans früher frankobelgischer Comics, die sich gerne
an die guten alten "ZACK"-Tage zurückerinnern, eignet sich IMHO diese Reihe von
Liebhaberstücken. Dabei wird im Falle von #3 'Dan Cooper - Auf zum Mars' auch
eine Lücke in der deutschen Herausgabe des Gesamtwerks von "Dan Cooper"
geschlossen, eine Serie, an deren Veröffentlichung bisher Ehapa, Koralle,
Bastei, Feest und Carlsen beteiligt waren.
'Dan Cooper - Auf zum Mars' kam im Original als 'Cap sur Mars' im Jahr 1960 als
*viertes* Album einer inzwischen über 40-bändigen Serie heraus, jedenfalls,
wenn man dem französischen Sammlerkatalog BDM glauben mag. Martin Surmann
schreibt jedoch im Vorwort zu diesem Band, es sei das fünfte Abenteuer
(vorletzter Absatz). Naja, soll'n sich doch die Historiker um die ganze
Wahrheit kloppen... ;-)
Interessant, wie sich Albert Weinberg im Jahre 1960 ausgemalt hat, wie man zum
Mars fliegen könne. Nachdem zehn Jahre vorher bereits Tim und Struppi von Herg‚
in der vergleichsweise simplen Bienleinschen Rakete zum Mond geschickt wurden,
läßt's Albert jetzt krachen und jagt seine Helden 'dank der kosmischen
Strahlenenergie' mit 100.000 km/s (Lichtgeschwindigkeit) durchs All. Was wohl
der relativ andere Albert dazu gesagt hätte? ;-)
- "Franco-Belgische Comicklassiker" von Fran‡ois Walth‚ry/Raoul Cauvin: #1 'Der
alte Blaue' (HC; lim. 555; 49,80), von Mitt‚‹: #2 'Briefe aus meiner Mühle'
(HC; lim. 444; 49,80), von Albert Weinberg: #3 'Die Abenteuer von Dan Cooper -
Auf zum Mars' (72 S.; HC; lim. 250; 22,5x30,3; 49,80)
Den zweiten Band der Serie gibt es auch in einer Softcover-Ausgabe (1.000 Ex.)
für 16,90.
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_"Irish Melody - Die Jugend von Lester Cockney" von Franz_
Bei der diesjährigen Suche nach dem besten Comic des Jahres, die eine Jury des
RRAAH! magazin alljährlich vornimmt, schnitt dieses Album mit einer 4.3 recht
gut ab. "Lester Cockney" erschien bei Carlsen in sechs Alben (leider
unvollständig), aber jetzt kann bei Salleck wenigstens der erste Teil der
Jugenderlebnisse des irischen Abenteurers in deutsch nachgelesen werden. Wann
der zweite Teil von "Irish Melody" herauskommt und ob sogar der abschließende
Band #7 'La D‚chirure' über Eckart Schott zu uns gelangen könnte, das müßte man
ihn einmal fragen (ESc...@aol.com). :-)
- "Irish Melody - Die Jugend von Lester Cockney" von Franz (SC; 24,80)
Dieses Album kam auch in einer limitierten Luxusausgabe (250 Ex.) heraus.
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_"Ein Fest für den Weihnachtsmann" von Frank Le Gall_
Eine Erzählung von Frank Le Gall ("Theodor Pussel") für die Weihnachtszeit, die
in der Normalausgabe bei Carlsen erschien, legt Eckart Schott in einer
Luxusausgabe auf den Gabentisch. Inhaltlich geht es darum, daß der für die
Elektronik zuständige grüne Wichtel streikt, der in der Spielzeugfabrik des
Weihnachtsmanns eine wichtige Rolle spielt. Immerhin springt der vermeintlich
so böse Troll ein, um der fleißigen Schar zu helfen. Ob das reicht? :-)
- "Ein Fest für den Weihnachtsmann" von Frank Le Gall (Luxusausgabe; lim. 250;
79,-)
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_"Sven Janssen" von douard Aidans_
Für Ende des Jahres hat Eckart Schott einen Band "Sven Janssen" #1 angekündigt,
der gerade gelettert wird. Die Serie stammt aus den 60er Jahren (im Original
"Les Franval") und schickt die Hauptfigur Marc Franval durch ein Dutzend
Buschabenteuer. In der "ZACK Comic Box" #14 findet man aus dieser Serie die
(zweite) Episode 'Sven Janssen - Jagd durch drei Kontinente'. In der
"Mickyvision" soll es dem Verlag zufolge ebenfalls Veröffentlichungen unter der
Überschrift 'Die Familie Franval' gegeben haben.
Der Zeichner douard Aidans wurde 1930 in Belgien geboren und arbeitet seit
1992 zusammen mit Greg an "Bernard Prince" (in deutsch "Andy Morgan"), eine
Serie, mit der einst Hermann groß wurde. Lassen wir uns überraschen, was uns
Salleck da diesmal ausgegraben hat... :-)
*****
Insgesamt fragt man sich bei diesem Rundumblick durch das Verlagsprogramm, wie
sich Salleck Publications trotz einer Titelauswahl, die nur Kleinauflagen um im
Schnitt 2.000 Exemplare erlaubt, über Wasser halten kann, vor allem, da Eckart
Schott seinen Job an den Nagel gehängt hat, um sich nur noch der
Comic-Verlegerei zu widmen, wie das RRAAH! schreibt. Beruhigende Stütze ist ihm
dabei ein Kreis von Stammkunden, dessen Geschmack er offenbar immer wieder zu
treffen weiß (oder die sowieso alle Comics kaufen, wenn sie nur selten genug
sind :)) und die ihm regelmäßig insbesondere die 250 Luxusausgaben abnehmen,
wodurch ja schon einmal gut 20.000 Mark über den Ladentisch wandern.
Aber zur Deckung der Kosten muß sich selbstredend auch die Normalausgabe gut
genug verkaufen und es müssen die Herstellungskosten durch eine europaweite
Suche nach Produktions-Partnern niedrig gehalten werden. "Pin-Up" #4 wollten
beispielsweise ein finnischer, ein englischer und ein spanischer Verlag
mitdrucken, was zwar letztlich so nicht klappte, aber deutlich macht, daß für
die Arbeit von Salleck gute Sprachkenntnisse vonnöten sind. Eckart Schott hat
als gelernter Fremdsprachenkorrespondent und mit seinem organisatorischen
Geschick die richtigen Voraussetzungen zu einem erfolgreich verlegerisch
aktiven Comic-Liebhaber, dessen Schatzsucher-Tätigkeit der ganzen Szene nützt.
Hoffentlich hat auch er selbst noch viel Freude dabei!
Gruß, ADiOS.
--
(o) Andreas...@os2.maus.de, 1998