Am 15 Sep 2013 02:17:02 GMT schrieb Kai Bojens:
> "Andreas Schwarz" <
Andreas...@usenet2.schwarzes.net> wrote:
>
>> Wollen wir hier eine Neid Debatte anzetteln?
>
> Mir geht es hier weniger um den Neid als um die Folgen für den Hafen und
> den Standort Lübeck.
Okay, das wollen wir Dir mal glauben, auch wenn einige Deiner Äußerungen
ein wenig nach Neiddebatte klangen -- in meinen Ohren jedenfalls.
> Die Schiffe der Stena Line sind bereits nach Kiel abgewandert und haben
> entsprechend Umschlag mitgenommen -- andere wollen folgen.
Sehen wir die Sache etwas global-galaktischer:
Sicherlich ist es ärgerlich, wenn hier Arbeitsplätze abgebaut werden und
woanders dann weniger Arbeitsplätze aufgebaut werden. So kommt es nicht nur
zu einer reinen Verlagerung von Arbeitsplätzen von HL -> KI sondern bei
solchen Gelegenheiten wird auch mal durchleuchtet, ob die Dinge in Zukunft
so gehanthabt werden müssen, wie sie bisher gehandhabt wurden. Und wenn man
schon Strukturen verändert, dann kann man sie auch auch gleich optimieren
und braucht weniger Personal.
Von den Gesamtkosten eines Schiffsbetriebes machen die Hafenkosten nur
einen Bruchteil aus, die Personalkosten wiederum nur einen Bruchteil.
Ohne mir jetzt die Mühe gemacht zu haben, die Hafengebühren von Lübeck und
Kiel zu vergleichen, kann ich mir gut vorstellen, daß es noch andere Gründe
für die Stena Line gegeben haben. Die Strecke Kiel-Göteborg ist kürzer als
Lübeck-Göteborg. Dadurch lassen sich Zeit und Treibstoff sparen. Geringere
Hafengebühren sind da dann vielleicht der Tropfen, der das Faß zum
überlaufen brachte.
> Und davon hängt nicht nur direkt der Hafen ab, sondern auch viele
> Firmen, die hiervon abhängig sind.
Was einen Arbeitsplatzverlust in Lübeck noch ärgerlicher machte.
> Die LHG hat hier faktisch ein Monopol und die Gewerkschaft macht mit ihren
> abstrusen Forderungen den Hafen kaputt.
Diese Erklärung ist mir zu monokausal.
> Und, bitte nicht vergessen: der Hafen ist in öffentlicher Hand. Die völlig
> überversorgten Hafenarbeiter müssen sich also nicht einmal dem Wettbewerb
> stellen.
Ebenso wie andere Beschäftigte mit kommunalem Arbeitgeber.
Wollen wir nun eine Diskussion aufmachen, ob Wasserwerke und Stromanbieter
in öffentliche Hand gehören oder ob Private es besser und billiger können?
> Im übrigen halte ich es für aberwitzig, wenn für solche völlig
> unqualifizierten Berufe diese Bedingungen geboten werden.
Also doch die Neiddebatte?
Wenn man sich in der Schule und danach in der (Fach-)Hochschule den Hintern
plattgesessen hat, sich durch viele 'harte Bretter' bohren mußte, sich
(auch in der eigenen Freizeit) weiterbildet, und dann feststellt, daß ein
Hauptschüler mit einer (kurzen) Lehre mehr verdient, dann gibt einam das
schon zu denken.
Allerdings sollte man sich dann auch ehrlicherweise die Frage stellen, ob
man sich irgendwann man im Leben falsch entschieden hat. Wir alle hätten
nach Haupt- oder Realschulabschluß im öffentlichen Dienst oder im Hafen
anfangen können. Haben wir aber nicht. Weil wir es nicht wollten. Wir
wollten andere Dinge. Und machen heute auch andere Dinge.
Ich habe vier Sommer lang im Hafen gearbeitet, in einem Teil des Hafens,
der ehemals der LHG gehörte. Und, ja, die Verdienste waren durchaus sehr
großzügig. Allerdings wurde da zumindest in der Saison auch viel und hart
und oft auch im Dreck gearbeitet.
Und wenn ich mir vorstelle, ich müßte im Sommer wie im Winter auch mal
draußen arbeiten, hätte Schichtdienst, würde mich bei der Arbeit auch mal
einsauen, dann bin ich ganz froh, daß ich so arbeite, wie ich arbeite.
> So etwas ist auch nur im geschützten öffentlichen Dienst möglich, den wir
> als Steuerzahler subventionieren.
Hast Du Dir mal angesehen, was ein Sekundärrohstofftransportfacharbeiter --
klingt doch gleich viel vornehmer als "Müllmann" verdient? Und? Möchtest Du
Deinen Bürojob schmeißen, die 'ne orangene Hose anziehen und tagein, tagaus
Mülltonnen leeren?
Ich kann verstehen, daß Du doch lieber im Büro arbeitest.
> Es ist Zeit, dass der Lübecker Hafen vollständig privatisiert wird.
Und der neue Betreiber müßte -- Stichwort Bestandsschutz -- die alten
Hafenarbeiter dann übernehmen. Okay, er wird versuchen, die alten, teuren
Arbeiter rauszuekeln oder sonstwie loszuwerden und dann Menschen zu ...
sagen wir mal ... deutlich schlechteren Bedingungen einzustellen, um den
Begriff Dumpinglöhne mal zu vermeiden.
Dann hätten wir den Alt-Kollegen, der für die gleiche Arbeit wie der
Neu-Kollege viel mehr Geld bekommt. Auch nicht gerade ein Musterbeispiel
für soziale Gerechtigkeit.
Nik