Am Thu, 22 Mar 2012 00:46:35 +0100 schrieb Mike Grantz:
>> Der Verfassungsschutz könnte beobachten:
>>
>> - wer die Demo anmeldet,
>> - ob sie stattfinden darf (und falls nicht, aus welchen Gründen und wer
>> dagegen wie vorgegangen wird),
>> - welche Personen demonstrieren
>> - wie sie sich vor/während/nach der Demo verhalten
>>
>> - ob es eine Gegen-Demo gibt
>> - wer sie anmeldet
>> - ob es aus der Gegen-Demo heraus zu Straftaten (Steinewerfen) kommt
>
> Und das beisst sich jetzt wie genau mit deinem:
>
> "Eine Demo wird zeigen, welche Kräfte und in welcher Stärke
> die Rechten mobilmachen können. Daraus sollten sich gesellschaftlich
> relevante Informationen ableiten lassen."
Äh, wieso? Nur wenn eine Demo stattfindet, kann man sie auswerten. Deswegen
halte ich ein Verbot per se für fragwürdig.
"Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge,
um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge." [1]
Oder seh ich grad den Wald vor lauter Bäumen nicht?
> und meinem Link zu eben jenem Bericht, der sich unter anderem mit genau
> dieser Frage befasst?
Dein Link war etwas unspezifisch. Der ganze Verfassungsschutzbericht umfaßt
knapp 500 Seiten, der Abschnitt über Rechtsextremismus immerhin noch 70
Seiten. Ich mir den Bericht war gesichert, aber noch nicht durch intensiv
durchgelesen.
> Um nochmal auf dein "mobil machen _können_" zurückzukommen...
>
> In HL gibt es leider verdammt viele Rechte, die aber kleine Grüppchen
> bilden und eher recht als schlecht vernetzt sind. Die meisten sind, wenn
> überhaupt, durch facebook und Co. verdrahtet, und meiden die
> Öffentlichkeit, in der sie dann recht unauffällig in Erscheinung treten.
Wie weit sind diese Gruppen dann relevant? Und wie weit ließen sich Gruppen
mit rechter Gesinnung der NPD zuordnen? Und was passierte bei einem Verbot
der NPD?
> So sehr ich facebook ablehne, konnte ich es mir nicht nehmen, einen
> Fakeaccount zu erstellen, um bekannte Namen zu suchen. Ein Name reicht,
> und man erkennt, wie viele sich von dieser Sorte in unserer Stadt und
> Umgebung tummeln.
>
> Viele sind sehr freizügig, was ihre Privatsphäre angeht. Ob es Teil
> ihres Planes ist oder Dummheit, wer weiss das schon?
Gute Frage.
Manche Menschen sind wirklich etwas blöd/leichtfertig/unbedarft, was den
Umgang mit eigenen Daten umgeht. Jemand war krankgeschrieben, was sie nicht
davon abhielt, am Wochenende Party zu machen und mit entsprechenden
Party-Bildern in Facebook zu dokumentieren. Daß die Kollegen, die ihre
Wochenenddienste übernehmen mußten, darüber "not amused" waren, dürfte
einleuchten. Der Chef hatte dann die entsprechenden Ausdrucke auf dem
Tisch. Das Ende vom Lied war die fristlose Kündigung.
Ein befreundeter Personaler freut sich immer, wenn er schon Strand- und
Bikini-Bilder aus Facebook der Bewerberinnen gesehen hat.
Doch zurück zum (durchaus ernsten) Thema: Menschen aus dem rechten Spektrum
versuchen, ihre Ansichten gesellschaftsfähig zu machen. Im europäischen
Ausland (zer)stört es die dortigen Demokratien nicht, daß rechte Parteien
in den Parlamenten sind. Auch hierzulande wird ein NPD-Verbot keine Wunder
bewirken. Was nach so einem Verbot passieren könnte, hatte ich in
Message-ID: <yxkeb7h8o7e2.mig9g9udgvjk$.
d...@40tude.net> mal angerissen.
Wobei das nicht auf meinem Mist gewachsen ist, ich hatte Artikel in einigen
Blogs gelesen und ein paar Gedanken zusammengefaßt.
> Wie bereits erwähnt, die meisten verhalten sich eher unauffällig und
> vielen würde man ihre Gesinnung auch nach dem 2ten Blick nicht ansehen.
Man kann Menschen eben nur _bis_ vor die Stirn sehen und nicht dahinter.
> Ich komme viel herum im hiesigen Nachtleben und dank Partyfotoseiten,
> facebook, etc. kann man schon verdammt viel erfahren, wie wer wo was
> miteinander zusammenhängt, ohne grossartig Sherlock spielen zu müssen.
>
> "Schöne" vernetzte Welt.
Macht den Ermittlern und Nachrichtendienstlern die Arbeit einfacher. Sofern
man denn über gewisse Gruppen Erkenntnisse gewinnen möchte.
> Mehr als einmal war ich erschrocken, dass die Person, mit der ich mich
> gut unterhalten habe, zu dem Gesocks gehört.
Ich hab mich neulich mit jemandem unterhalten, der Kontakte zu einer
gewissen Gruppe von 'Motorradfahrern' unterhält. Man lebt einerseits ganz
normal, baut auf der anderen Seite aber seine eigenen Strukturen auf.
> Es gibt Abende, da könnt ich die Hälfte der Anwesenden mit Vor- und
> Nachnamen ansprechen, obwohl wir uns noch nie direkt begegnet sind.
Du gäbest einen guten Nachrichtendienstler ab :-)
Nik
1.) Kurt Marti, schweizer Schriftsteller, zitiert nach
http://de.wikiquote.org/wiki/Kurt_Marti