Nikolaus Bernhardt schrieb:
> Ja, wie denn nun? Viele Kameras sind so schlecht, daß sie bei Tageslicht
> ihren Zweck nicht erfüllen, aber andererseits dienen sie (angeblich) der
> Tataufklärung?
Genau.
> Ich sehe da einen gewissen Widerspruch...
Anspruch und Wirklichkeit klaffen eben nicht selten auseinander, vor
allem, wenn man Systeme einrichtet, ohne sie - regelmäßig - zu testen
(und zudem noch Geld sparen will). Das gilt nicht nur für Backup und
Restore, sondern auch anderweitig.
Ganz oben auf meiner Top-Liste steht ein Geldtransport- und
Cash-Management-Unternehmen, in dessen Niederlassungen ganz erhebliche
Summen eingehen und dort gezählt werden. Der Zählraum ist vielfach
abgesichert, es finden stichprobenartige Durchsuchungen der
Mitarbeiter statt, und der Raum ist aus allen Perspektiven
kameraüberwacht, mit zusätzlichen Kameras, die die jeweiligen
Arbeitsplätze von oben direkt überwachen. All das soll natürlich
verhindern, dass die Zählkräfte mal eben ein paar tausend Euro in die
eigene Tasche - oder Unterhose oder wohin auch immer - schieben.
Die Qualität der Kameras ist zwar nicht berauschend, aber auch nicht
wirklich schlecht - großartig ist aber die Aufzeichnungsmethode. Die
erfolgt nämlich analog auf VHS-Cassetten, und zwar so, daß die Bilder
jeweils eines Blocks Kameras verkleinert nebeneinander gestellt und so
aufgezeichnet werden, wie man das eben vom Übersichtsbildschirm
solcher Überwachungsanlagen kennt. Und natürlich werden nich 24 Bilder
pro Sekunde oder so aufgezeichnet, sondern nur Standbilder alle (paar)
Sekunde(n). Auch das macht die Aufzeichnungen noch nicht unverwertbar
... allerdings spart man Geld und nudelt die Bänder daher immer wieder
durch, was dazu führt, dass sich die von alten Cassetten bekannten
Streifen mit Rauschen am oberen und unteren Bildrand bilden. Und die
nunwiederum überdecken die Bilder der Kameras, die im Übersichtsbild
oben und unten am Rand gespeichert werden, nahezu vollständig, so dass
man auch nach Vergrößerung nichts mehr darauf erkennt.
Eine großartige und kostengünstige Lösung des Überwachungsproblems,
die so lange prima funktioniert hat, bis mal wirklich ein paar
tausende Euro fehlten und man die Bilder wirklich gebraucht hätte [1]
- vielleicht noch weniger für die Tataufklärung als für die Klärung
der Haftungsfrage [2].
Wenn selbst dort, wo man einen beträchtlichen Aufwand treibt und
täglich siebenstellige Beträge durchlaufen "durchlaufen", so
gearbeitet wird, darf man sich über die in Läden, Tankstellen, Banken
etc. pp. eingesetzte Technik nicht wirklich wundern. (Obwohl die
Qualität nicht selten überraschend gut ist.)
Grüße,
-thh
[1] Mittlerweile hat man auf digitale Technik umgestellt ...
[2] Das Geldtransportunternehmen war der Auffassung, das Geld habe von
Anfang an gefehlt und sei vom Mitarbeiter des Kunden bereits
unterschlagen worden, also nie im Safe-Beutel gelandet; der Kunde
war der Auffassung, das Geld sei beim Transportunternehmen
entwendet worden.