Ein Gremium aus 14 Experten hat Empfehlungen erarbeitet, wie Deutschland aus den Corona-Maßnahmen wieder herauskommen könnte. Die Ethikerin Christiane Woopen erklärte den tagesthemen, was darunter zu verstehen ist.
Die Ethikerin Christiane Woopen hat zusammen mit 13 anderen Experten unter der Leitung von Ifo-Präsident Clemens Fuest Kriterien erarbeitet, wie eine Rückkehr zur Normalität in Deutschland gestaltet werden könnte. Wichtigste Erkenntnis: Dies kann nur schrittweise erfolgen. "Sie muss sich nach unterschiedlichen Bereichen differenzieren, nach unterschiedlichen Personengruppen und vielleicht auch nach unterschiedlichen Regionen in unserem Land."
Insgesamt haben die Wissenschaftler vier Kriterien identifiziert:
Wenn die weitere Ausbreitung der Infektion gestoppt sei, müsse über eine allmähliche Rücknahme der Maßnahmen geredet werden, denn: "Wir müssen auch an die Gruppen denken, die jetzt durch diese massiven Maßnahmen der Freiheitsbeschränkung in besonderer Gefährdung sind." Dies betreffe etwa von Missbrauch bedrohte Kinder, Suchtkranke oder suizidgefährdete Menschen.
Wann der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr zur Normalität gekommen sei, müsse die Politik entscheiden. Die bereitgestellten Kriterien sollten ihr dabei helfen. Aber, so Woopen weiter: "Wir müssen es jetzt aushalten, dass wir keinen genauen Fahrplan für das nächste halbe Jahr definieren können. Deshalb ist es von der Politik richtig zu sagen: Wir können im Moment nicht lockern, und wir können im Moment auch noch nicht sagen, wann was erfolgt." Die Politik könne sich aber vorbereiten, etwa indem sie Daten für zukünftige Entscheidungen sammle.
"Krise" bedeute von der Wortherkunft "Entscheidung". Die Deutschen sollten sich entscheiden, gemeinsam durch diese Krise zu gehen und Solidarität mit den Schwachen zeigen. Und, so ergänzte Woopen, nicht zuletzt könne die Marktwirtschaft in Deutschland zeigen, "dass sie eine soziale Marktwirtschaft ist. Dass sie jetzt klar stellt, dass das Gemeinwohl über dem Gewinn steht - und vielleicht können wir davon sogar etwas in die Zukunft retten."
Christiane Woopen, Vorsitzende Europäischer Ethikrat, zur Lockerung der Schutzmaßnahmen
tagesthemen 23:30 Uhr, 04.04.2020
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