24.09.2010 Kommentieren Versenden Drucken BILDUNG: Basteln statt Bio

1 view
Skip to first unread message

kinder-ohne-lehrer

unread,
Sep 24, 2010, 10:56:02 AM9/24/10
to kinder-ohne-lehrer
BILDUNG: Basteln statt Bio
Unterrichtsausfall sorgt bei Eltern und Schülern für Unmut / Schulen
nutzen Personalkostenbudget bisher kaum

Protestliste...
POTSDAM - Fünf Wochen ist das neue Schuljahr inzwischen alt und die
Sechstklässler der Potsdamer Priesterweg-Grundschule hatten bisher
erst eine einzige Biostunde. Auch die Suche nach einem geeigneten
Klassenlehrer für die vierte Klasse gestaltete sich schwierig. Der
Fall in Potsdam mag ein besonderer sein, die absolute Ausnahme ist er
nicht. Vor allem in den berlinnahen Regionen mit hohen Schülerzahlen
gibt es seit Jahren Unmut über Unterrichtsausfall und Lehrermangel.
„Die Situation ist je nach Schule und Region unterschiedlich“, sagt
Christine Schaade, Sprecherin des Landeselternrates, „aber an der
grundsätzlichen Problematik des Unterrichtsausfalls scheint sich nicht
viel geändert zu haben.“

„Ausfall wird sich nie komplett vermeiden lassen“, sagt Stephan
Breiding, Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums. Im
Bundesschnitt stehe Brandenburg gut da. Im zweiten Halbjahr des
vergangenen Schuljahres fielen laut Ministerium nur 1,8 Prozent der
Stunden ersatzlos aus. Wolfgang Kremer, Sprecher der Kleinmachnower
Elterninitiative „Kinder ohne Lehrer“, macht eine andere Rechnung auf:
„Zählt man zu der offiziellen Darstellung die Zusammenlegung von
Klassen oder Stillbeschäftigung dazu, errechnet sich ein tatsächlicher
Ausfall in Höhe von mindestens acht Prozent.“

Zum neuen Schuljahr hat sich das Bildungsministerium nun ein
„kreatives Vertretungskonzept“ überlegt: Schulen können auf Wunsch ein
Prozent der Vertretungsreserve in ein Personalbudget umwandeln und
damit selbst Vertretungslehrer, in der Regel Pensionäre, einkaufen.
Bislang nehmen die Schulen diese Möglichkeit laut Ministerium kaum in
Anspruch.

„Die Idee an sich ist gut“, sagt Elvira Eichelbaum, Rektorin der
Potsdamer Priesterweg-Grundschule. Nur nutze sie in ihrem Fall nicht
viel. „Es ist nicht so leicht, kurzfristig geeignete Honorarkräfte zu
finden“, sagt sie. Sie habe bei ehemaligen Lehrern angefragt, aber
keinen gefunden, der kurzfristig einspringen wolle. Außerdem habe ein
einzelner Schulleiter keinen Überblick, ob etwa an einer anderen
Schule ein Biologielehrer noch Kapazitäten frei habe. Dabei vergehe
fast kein Tag, an dem die Schule nicht ohnehin kreativ werden und
Vertretungen organisieren muss, weil Lehrer kurzfristig krank werden.

Für Günther Fuchs, Landesvorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW,
ist das Personalbudget „Unfug hoch fünf“. Solch eine Maßnahme mache
nur Sinn, wenn den Schulen das Geld zusätzlich zur Verfügung gestellt
würde. „Hier wird das Geld nur von einer Tasche in die andere, also
von den Schulämtern zu den Schulen geschoben.“ An den realen Problemen
– zu wenig Lehrer und eine insgesamt zu niedrige Vertretungsreserve –
ändere da nichts.

Zumindest die Schüler, sollte man meinen, dürfte die ein oder andere
Freistunde freuen. Weit gefehlt. Im Havelland formiert sich ein
Schülerprotest gegen Unterrichtsausfall. „Allein in dieser Woche sind
in unserer Klasse bereits sechs Stunden ausgefallen“, erzählt Marco
Eggers, Schülersprecher der Kant-Gesamtschule in Falkensee
(Havelland). Der Grund seien dauerkranke Lehrer. „Weil es zu wenig
Lehrer gibt, können die Stunden nicht vertreten werden“, erklärt der
Zehntklässler. Schüler aus anderen Schulen der Region hätten ähnliche
Probleme. Gemeinsam wollen die Havelländer nun notfalls auch vor dem
Bildungsministerium in Potsdam protestieren. Die Botschaft für die
Plakate steht schon fest: „Wir wollen keinen Stundenausfall, wir
wollen lernen!“ (Von Marion Kaufmann)
Reply all
Reply to author
Forward
0 new messages