AUGUST 2012 - PROGRAMM DES KINO IM SPRENGEL
Liebe Kinofreundinnen und -freunde,
vor 25 Jahren wurde das leerstehende Fabrikations- und Verwaltungsgebäude
der ehemaligen Schokoladenfabrik Sprengel besetzt, in dem seit 20 Jahren
das Kino im Sprengel sein Domizil hat. Ein guter Grund zum Feiern, mit
Open-Air-Kino, Lesung und Kurzfilmen. Außerdem ein Rückblick auf das
rassistische Pogrom in Rostock 1992, die Geschichte des Fehmarn-Festivals
mit dem letzten Auftritt von Jimi Hendrix, und zum "Blue Moon" gibt es
spacige Vollmondkurzfilme: Invasion of the Planet Earth.
Enjoy the film!
Das Kinoteam
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MI 15.8. 20.30 h [20 Jahre nach dem Pogrom]
- THE TRUTH LIES IN ROSTOCK
von Mark Saunders & Siobhan Cleary, D 1993, 78 min.
Im August 1992 griff ein Mob aus Anwohnern und Nazis vier Tage lang die
Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im Rostocker Stadtteil
Lichtenhagen an. Begeisterte und applaudierende Deutsche machten aus dem
Pogrom ein rassistisches Volksfest, auf dem sie weitgehend ungestört von
der Polizei den Wahn eines "Deutschlands nur für Deutsche" realisieren
konnten. Es grenzt an ein Wunder, dass bei den Ausschreitungen niemand zu
Tode gekommen ist.
Die Videoproduktion entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von
Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim
befanden. Deshalb zeichnet sich die Produktion nicht nur durch einen
authentischen Charakter aus, sondern versteht sich auch Jahre danach als
schonungslose Kritik an einer Grundstimmung in der bundesrepublikanischen
Gesellschaft, die Pogrome gegen Migranten oder einfach nur "anders
Aussehende" überhaupt erst möglich macht.
Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern
heraus, Interviews mit Anti-FaschistInnen, den vietnamesischen
VertragsarbeiterInnen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und
Anwohnern. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der
Politik und über die verbreitete Angst.
In Zusammenarbeit mit Fast Forward Hannover und
spectacle.co.uk
Eintritt frei – Spenden erwünscht
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DO 16.8. 21.00 h [25 Jahre Sprengel]
Open Air Kino vor dem Sprengel
- SPRENGEL – EIN STÜCK SCHLARAFFENLAND
von Ralf-Peter Post, D 2011, 80 min.
Ältere erinnern sich noch an die gleichnamige Schokolade. Oder an
Hausbesetzung, Chaos-Tage, Barrikaden. Denn 1987 wurde aus den
leerstehenden Verwaltungs- und Fabrikgebäuden der Schokoladenfabrik in
Hannovers Nordstadt das besetzte Sprengelgelände. So konnte ein Projekt
durchgesetzt werden, das bis heute etwa 50 Menschen einen alternativen
Wohn- und Lebensraum bietet.
Filmemacher Ralf-Peter Post lebt hier seit 1988. Er hat ein sehr privates
filmisches Portrait des Hauses und seiner Mitbewohner_innen geschaffen,
das einen Einblick verschafft in die Lebenssituation derer, die sich für
selbstbestimmten Wohnraum und gegen die Einzimmerwohnung entschieden
haben. Was ist übrig geblieben von den politischen Ansprüchen der ersten
Jahre? Kann es überhaupt einen sozialen Raum außerhalb der
gesellschaftlichen Zwänge geben? Die Sprengelbewohner_innen geben
ernüchternde Antworten - und lieben ihr kleines Gelände und das selbst
organisierte Leben in der Nordstadt trotzdem. Selbstironisch, lustig und
liebevoll ist dieser kleine Einblick in des Filmemachers Zuhause. Nur, wen
soll dieser Blick ins Familienalbum interessieren? Außer der Polizei? Die
Antwort ist klar: Nachbar_innen, Kioskbesitzer, die Kids aus dem Block,
alte und neue Hausbesetzer_innen, Neugierige und Lästermäuler. Und alle,
die ein anderes Leben wollen.
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SA 18.8. 16.00 h [25 Jahre Sprengel]
- Ute Wieners liest Sprengel-Geschichten
Im Juli las Ute Wieners hier im Kino aus ihrem Buch "Zum Glück gab es
Punk", das der Verlag AK Regionalgeschichte gerade neu herausgebracht
hatte. In ihren autobiografischen Erzählungen schilderte sie ihre
trostlose Kindheit und Jugend und wie sie als Punk zu einer neuen
Identität fand. Wer bei der Lesung dabei war oder ihr Buch schon gelesen
hat, ist sicher auf die Fortsetzung gespannt. Und hier sind sie nun, die
ersten Sprengel-Geschichten. Wie Sprengel besetzt wurde und welche
politischen und menschlichen Abgründe sich in der Folge auftun sollten,
erzählt Ute Wieners lakonisch und lebensnah, mit leicht ironischer Distanz
und trockenem Humor.
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SA 18.8. 20.30 h [25 Jahre Sprengel]
Tod durch Mord! - Die Sprengel-Kurzfilme
- TOD DURCH MORD, KofferFabrikFilmStudios, D 1996, 17 min.
Mord auf dem Sprengelgelände. Die Privatdetektive Pöbel und Schmirnoff
jagen den berüchtigten Penny-Markt-Tüten-Mörder. Was sagt der
Filialleiter? Was ist auf den Videobändern des korrupten CDU-Politikers?
Erpressung oder blutige Rache? Ein Sprung vom Dach bringt die Entscheidung.
- NOCH MEHR TOD DURCH MORD, KofferFabrikFilmStudios, D 1998, 42 min.
Tote Messegäste vor der Haustür! Eigentlich wollten Pöbel und Schmirnof
keinen Auftrag vom Sprengelgelände mehr annehmen, aber es gibt Angebote,
die man nicht ausschlagen kann. So führen die Untersuchungen in die
dunkelsten Ecken der Nordstadt, vom Stadtteilpaten El Kiliano zur
organisierten Kriminalität der obersten Chefetagen der EXPO-GmbH. Super
geheime Dokumente, Käsespieße und eine Bombe geben Rätsel auf. Und bis zum
Schluss die spannende Frage: Wer legt hier wen in Schutt und Asche?
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FR/SA 24. 25.8. 20.30 h [Hannoversche Erstaufführung]
- JIMI – DAS FEHMARN FESTIVAL
von Rasmus Gerlach, Wolfgang Neitzel & Paul Kulms, D 2010/11, 82 min.
mit Jimi Hendrix, Sly & the Family Stone, Frumpy, Ton Steine Scherben, Ten
Years After, Colosseum, Randy Hansen, Dani Wilde, Erja Lyttinen und ...
Beate Uhse!
Als Zeitzeugen sind am Freitag die Fotografen Brigitte und Hans-Jürgen
Tast und am Samstag der Filmemacher Karl Joseph zu Gast.
Das erste große deutsche Open Air Festival fand 1970 auf Fehmarn statt. Es
war zugleich der letzte Auftritt von Jimi Hendrix - und der erste von Ton
Steine Scherben. Für die einen war es das Wochenende ihres Lebens, für
andere bedeutete es den Bankrott oder die totale Katastrophe. Nach dem
Festival war die Südwestspitze von Fehmarn verwüstet und so mancher Bauer
vermisste das eine oder andere Schwein. Der Auftritt von Jimi Hendrix war
damals der einzige kurze Sonnenstrahl einer in Sturm, Regen und Chaos
versinkenden Großveranstaltung. Die Inselverwaltung hatte daraufhin
geschworen: Nie wieder! Doch alle, die damals dabei waren, erinnern sich
mit leuchtenden Augen an dieses besondere Wochenende. Ab 1995 fand das
Festival wieder kontinuierlich statt: immer am ersten Septemberwochenende
trafen sich um die 12.000 Festivalgäste auf dem Campingplatz von Flügge.
Die Filmemacher haben sämtliche noch existierenden historischen Aufnahmen
von 1970 zusammengetragen, darunter auch Material, das noch nie öffentlich
zu sehen oder zu hören war. So erfahren wir beispielsweise, dass das
Festival ohne das Sponsoring von Beate Uhse kaum zustandegekommen wäre
oder dass der "verkiffte" Hendrix nur durch Fürsprache von
Bundespräsidentengattin Wilhelmine Lübke aus den Fängen der Polizei am
Hamburger Hauptbahnhof befreit werden konnte.
In Kontrast dazu gibt es aktuelle Aufnahmen vom Festival 2010 und
Interviews mit den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, den Veranstaltern,
den Musikern und den Gästen von damals und von heute. Sie alle bezeugen:
Die Fackel, entzündet von Jimi Hendrix und seiner Ära, wurde definitiv
weitergereicht - das Festival "brennt" auch für die nachfolgenden
Generationen - ohne dass dafür noch einmal die Bühne angezündet werden
musste, wie es 1970 geschah.
Doch seit vergangenem Jahr ist die Fortsetzung des Projekts fraglich. Das
Gelände soll zum Naturschutzgebiet erklärt werden, was das Aus für eine
Fortführung des Festivals an seinem angestammten Ort bedeuten würde. Die
Festivalmacher wollen das nicht akzeptieren und zogen vor Gericht. Um das
Festival zu retten, haben sich die drei Filmemacher zur
"Fehmarn-Festival-Research-Group" zusammengeschlossen und erforschen
überaus unterhaltsam seine ebenso spannende wie poröse Geschichte.
Eintritt: 5 Euro - HannoverAktivPass 2 Euro
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FR 31.8. 20.30 h
Vollmondkurzfilme: Invasion of the Planet Earth
Vom Mond ist es gar nicht mehr so weit zum Weltall. Schon gar nicht, wenn
sich wie heute der zweite Vollmond innerhalb eines Monats darbietet: "Blue
Moon". Wir zelebrieren dazu ein äußerst spaciges Kurzfilmprogramm. Anhand
von neun unterhaltsamen Beiträgen gehen wir der Frage nach, ob der Planet
Erde in seiner intergalaktischen Bedeutung nicht etwas überbewertet wird.
Wir laden dazu ein, einfach mal den kosmischen Standpunkt einzunehmen. Und
so arbeiten wir uns auch danach noch in die Nacht, denn im Anschluss gibt
es als Zugabe Weltraummusik zu lehrreichen Lehrfilmen aus einer
vergangenen Ära.
- YURI LENNON'S LANDING ON ALPHA46 von Anthony Vourardoux, D 2010, 14 min.
Nach der Landung auf einem Jupitermond sieht sich Yuri Lennon, ein
Kosmonaut mit der Mission, dort die Quelle von auf der Erde empfangenen
Signalen ausfindig zu machen, mit einem außergewöhnlichen Paradoxon
konfrontiert.
- IRRTÜMER – FREMDE ZIVILISATIONEN von Franz Winzentsen, D 1999, 3 min.
Bisher unbekannte Ansichten über das Verhältnis von Außerirdischen zu
Erdbewohnern.
- FUNNY LITTLE GUY von Chris Graves, Neuseeland 1994, 14 min.
Tallulah lebt alleine in einem Wohnwagen in der Einöde. Endloser Horizont,
kein Lebewesen weit und breit, völlige Stille. Nichts passiert. Doch dann
landet ein grüner Mann im Raumanzug mit seiner Untertasse in ihrer Nähe ...
- DES MAJORETTES DANS L'ESPACE von David Fourier, Frankreich 1996, 5 min.
Dimitri, Kosmonaut von Sojus II, mag Funkenmariechen. Catherine und
Laurent mögen Sex. Johannes Paul II. mag Flughäfen. Vincent mag Männer.
- RECYCLED PLANETS von Mojgan Ghanaatgar und Jeanine Reutemann, CH 2007, 2
min.
Ein Mann geht auf der Suche nach Arbeit von Tür zu Tür, wird jedoch
überall abgewiesen. Als er am Abend erschöpft auf der Straße sitzt,
bekommt er eine unerwartete Einladung ...
- TELEPORTATION von Markus Dietrich, D 2009, 13 min.
9. November 1989: Frederike und Fabian, beide zehn Jahre alt, planen
heimlich ein Experiment. Sie wollen ihren Freund Jonathan wegbeamen. Doch
da läuft so einiges schief: Statt des Jungen sind plötzlich alle Menschen
im Dorf verschwunden.
- X von Raphael Wahl, D 2005, 7 min.
Ein Astronaut verliert seine Einzigartigkeit und muss seine Identität
gegenüber zahlreichen Kopien seiner selbst behaupten. Nach einer
literarischen Vorlage von Stanislaw Lem.
- INVASION OF THE PLANET EARTH von Moritz Langer, D 2004, 12 min.
Ein außerirdischer Soldat landet mit seinem Raumschiff auf einer riesigen
Waldlichtung, sieht sich von Bäumen umzingelt, springt bis an die Zähne
bewaffnet auf die Lichtung und brüllt: "All earthlings surrender!"
- SAT.LAND von Martin Heckmann, D 2006, 10 min.
Ein langsamer Flug über eine montierte Topografie aus hochaufgelösten
Satellitenbildern. Der erhabene Blick über Landschaften und Städte -
Afghanistan, Pakistan, Irak, USA - entwickelt sich zu einer eher
militärischen Perspektive. Über einem Stadtteil von Los Angeles gerät
alles außer Kontrolle...
Gesamtlänge des Programms: 80 Minuten
Eintritt: 5 Euro - HannoverAktivPass 2 Euro
Kino im Sprengel
Kino: Klaus-Müller-Kilian-Weg 1 (zuvor: Schaufelder Straße 33)
Büro: Klaus-Müller-Kilian-Weg 2 (zuvor: Schaufelder Straße 30)
30167 Hannover
Tel.: 49 (0)511 / 703814
Fax: 49 (0)511 / 703841
E-Mail:
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