Am 07.07.18 um 17:56 schrieb Frank Boehm:
> Dr. Joachim Neudert <
neu...@5sl.org> wrote:
>
>> Und ich bin sicher, daß Ingenieure die seit 150 Jahren Bergbaustollen
>> vorantreiben und U-Bahn-Röhren unter die Themse gelegt haben und den
>> Brenner-Basis-Tunnel anlegen, sich auch schon mal mit dieser Frage
>> beschäftigt haben: wie orten wir unsere Tunnel?
>>
>> Da muß es doch bergeweise Fachliteratur aus der Zeit vor Laser und GPS
>> geben. Bei den Geologen die Erdbene orten auch.
>
>> Deswegen wären ja mal paar Profi-Firmen aufgerufen zu helfen. Angeblich
>> ist Deutschland Weltmeister in z.B. Horizontalbohrungen und
>> Kurvenbohrungen. Senkrecht runter in Karstgestein müssten wir als Land
>> der heimlichen Weltmarktführer doch können?
>
>
> Fuer Vermessung wird ein Theodolit verwendet. Das ist im Prinzip ein
> Zielfernrohr auf einem Stativ. Kann um ueber 360° gedreht werden.
> Winkel werden dabei Horizontal und Vertikal gemessen.
> Auch die Entfernung zu einem anzuvisierenden Prisma im Fadenkreuz wird
> festgehalten. Wie beim Laserentfernungsmesser aus dem Baumarkt.
>
> Das ist dann ein Punkte ueber den der Theodolit fuer die naechste
> Messung aufgestellt wird. An jeder Biegung die eine freie Sicht
> einschraenkt bis zum Ziel, gibt es dann jeweils einen neuen weiteren
> Punkt tiefer im Labyrinth.
>
> Je seltener ein Theodolit auf dem Weg zum Ziel seine Position
> verstellen muss, weil es keine freie Sichtachse gibt, desto genauer.
> Eigentlich einleuchtend.
>
> Da haben wir aber schon das erste grosse Problem. Beim Tunnelbau in D
> haben wir idealere Bedingungen in Form von freien Luftgefuellten
> Raeumen bis zum jeweils naechsten Punkt.
>
> Fuer genaue Messungen darf dann natuerlich nicht 24/7 weitergearbeitet
> werden, sondern es gibt 2-3 Tage absolute Ruhe, damit sich die Luftmassen
> nicht mehr bewegen und es keine Temeperaturunterschiede durch heisse
> Maschinen gibt.
>
> Haetten die das, koennten sie die Kinder auch einfach rausspazieren
> lassen. Nur unter Wasser zu erreichende Stellen sind suboptimal fuer so
> eine Vermessungsmethode.
>
>
> Wo wir schon bei Messmethoden sind. Bei einem Grubenunglueck in einem
> Bergwerk in D weiss man wo die Stollen verlaufen und ziemlich genau
> welche wo Gesteinsschichten vorliegen. Mit den Laufzeitunterschieden
> unter der Erde laesst sich allein nur schwer genau genug Messen. Mit
> den anderen vorhandenen Daten zusammen sieht das besser aus.
>
> Ich bezweifel aber dass ausreichend genaue Daten aus der betroffenen
> Region vorliegen.
>
> Schon bei unterschiedlich warmen Wasserschichten hat ein Echolot
> Probleme genau genug zu messen. Aber um ein Uboot zu finden, kann man
> ein tiefenvariables Schleppsonar durch unterschiedlichen Wasserschichten
> schleppen. Um dort ein genaues Gelaendeprofil zu erstellen braucht es
> viele tiefe Kernbohrungen in einem ausreichend dichten Netz.
> Hinzu kommt der sich staendig veraendernde Grundwasserspiegel, der
> schon allein fuer unterschiedliche Ergebnisse sorgt.
>
> Bohren sie in festem Gestein 10m an der Stelle vorbei an der die Kinder
> sind, kommen sie trotzdem noch nicht raus. Wirklich gefaehrlich kann es
> aber werden, wenn eine darueberliegende Wasserfuehrende Schicht
> durchbohrt wird und es einen weitern Zugang fuer Wasser in die Hoehle
> gibt.
>
> Alle Messmethoden brauchen Zeit. Das ist IMHO ein groesseres Problem.
>
> 3-4 Monaten abwarten halte ich fuer nicht moeglich, weil ich befuerchte,
> dass dort alle von den Kindern erreichbaren mit Luft gefuellten Stellen
> mit Wasser vollaufen.
>
> Die mussten schon tiefer in die Hoehlen fluechten, weil der Pegel schneller
> stieg als sie umdrehen konnten. Das waren nur ein paar /Schauer/ vor
> der eigentlichen Regenzeit. Mit den statistisch zu erwartenden
> Regenmengen in dieser Jahreszeit wird so viel Wasser vorhanden sein,
> dass das betroffene Hoehlensystem fuer mind. einen Monat komplett gefuellt
> sein kann.
>
> Eine interessante Frage ist, koennen die nicht /raustauchen/?
>
> In der Frankfurter Allgemeine am Donnerstag gab es einen interessanten
> Artikel von der Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher über die Chancen,
> die Jugendlichen aus der Höhle in Thailand zu retten.
>
> Ich habe selber als Kind bzw. Jugendlicher meinen Tauchsportschein
> gemacht. Nicht in einem Schnellkurs im Urlaub sondern richtig im
> Verein. Sportlich genug sind die Jugendlichen dort. Ein Jahr lang
> jeden Montag abend Training im Schwimmbad, zusaetzlich zu den anderen
> Sportarten unter der Woche (sieht man mir heute nicht mehr an). Danach
> gab es im Heim theoretische Ausbildung.
>
> Geht es um das eigene Leben, wird man motiviert. Gehe ich davon aus,
> dass sie jeden 16h lernen ist der theoretische Teil in ein paar Tagen
> zu schaffen.
>
> Aber ich hatten den grossen Vorteil schon schwimmen zu koennen bevor ich
> laufen konnte (wortwoertlich), vorher schon immer irgendeine Form von
> Wassersport betrieben zu haben und am Anfang Ideale Bedingungen mit
> klarem Wasser.
>
> Wir sind mit normalen Pressluftflaschen getaucht, das scheinen die Thai
> Navy Taucher zu verwenden. Die englischen Hoehlentaucher die die Kinder
> nach 6h fanden verwendeten Kreislaufgeräte.
>
> Kraft und Schwimmfaehigkeit an sich sehe ich gar nichtmal als groesstes
> Problem. Selbstvertrauen und die mentale Staerke nicht in Panik zu
> verfallen, obwohl sie nicht ideal vorbereiten koennen.
> Praktische Erfahrung ist wichtig, Reaktionen die Blind erfolgen muessen.
>
> Ich zitiere mal aus dem Ende der Fragestunde mit Anna:
>
> | Das kann sein. Aber in der Höhle in Thailand kann man sich die
> | Jugendlichen nicht einfach unter den Arm klemmen und mit ihnen
> | rausschwimmen. Es ist wohl sogar zu eng, um sie nur an die Hand zu
> | nehmen. Es gibt Kurven, da müssen sich die Taucher durchquetschen, und
> | das ohne Sicht und vielleicht noch mit Gegenströmung. Da keine Panik
> | zu bekommen ist selbst für einen trainierten Höhlentaucher kaum zu
> | schaffen. Wer durchdreht, überlebt das nicht. Sollten die Jugendlichen
> | Panik bekommen, wird das auch für die Retter lebensgefährlich. Die Panik
> | eines Tauchers betrifft in einer kleinen Gruppe immer alle. Ein Kind
> | lässt man nicht zurück. Ob man das riskiert, überlegt man sich ganz
> | genau. Derzeit sind die Jugendlichen in Sicherheit. Im Zweifelsfall
> | müssen sie da bleiben und warten, bis es trocken ist. Tauchen sollte
> | der allerletzte Ausweg sein.
> |
> | Wie orientieren sich die Taucher in der Höhle?
> |
> | Da verlegt man von Anfang an Seile, das ist die einzige Chance. Das ist
> | ja ein Labyrinth, wenn du da irgendwo falsch abbiegst, findest du nicht
> | mehr zurück: Du tauchst durch eine Öffnung, nach zwei Metern drehst du
> | dich um und findest sie nicht mehr. Dann kannst du zwei Meter entfernt
> | von der Öffnung sterben. Die Leine darf nie losgelassen werden. Es ist
> | unfassbar, dass die Briten die Jugendlichen überhaupt gefunden haben.
> |
> | Sie trainieren Kampfschwimmer bei der Bundeswehr. Auch für solche
> | Einsätze?
> |
> | Nein, solche Fähigkeiten braucht keine Polizei und keine Marine der Welt,
> | warum auch? Dieses unglaublich hohe Level der Spezialisierung zu erreichen
> | ist für Soldaten völlig sinnlos.
> |
> | Hat Sie das Höhlentauchen je gereizt?
> |
> | Ich hatte mir das mal überlegt. Aber man muss so viel Zeit investieren,
> | um das so zu lernen, dass man dabei sicher ist. Da muss jeder Handgriff
> | sitzen, alles muss automatisch gehen. Deswegen habe ich mich ganz bewusst
> | dagegen entschieden.
>
> Im Prinzip stimme ich ihr zu.
>
> Ich wuerde es auch fuer ein Wunder halten, wenn die unter den aktuellen
> Bedinungen alle Kinder ohne zuviele Verluste beim Tauchen rausholen.
> Wobei jedes Opfer zuviel ist.
>
> Aber haben sie eine Wahl, wenn der Pegel zu sehr steigt? Gleichzeitig
> steigt damit ja auch die Stroemung der zu durchquerenden Abschnitte.
>
> In den letzten Berichten schienen sie nur noch 3-4 Tage vor dem Beginn
> der Regenzeit zu stecken. Schon ein Wunder, dass es bis jetzt so trocken
> blieb. Hoffentlich schaffen sie es bis dahin mehr abzupumpen.
>
>
> cu Frank
>
>
Alles mitunterschreib.
Ich hab schon durch 70 cm hohe Riffhöhlen im Dunklen in 14 m Tiefe
Scuba-Diving gemacht, das Video habe ich hier verlinkt, unter optimalen
Bedingungen. Auch das kein reines Vergnügen, sondern ziemliche
Nervensache. (Der Atem geht aber ruhig im Video...)
Aber in so einer Karsthöhle die Kinder die z.T. noch nicht mal schwimmen
können raustauchen zu lassen- no way.
Die aktuelle Idee ist wohl, eine Schlauchleitung mit Sauerstoff durch
die überspülten Gänge vorzubringen. Das könnte Zeit geben und machbar sein.