Dr. Joachim Neudert wrote:
> Am 22.10.17 um 11:43 schrieb Dietz Proepper:
>> Dr. Joachim Neudert wrote:
>
>> Klar, für die Mitarbeiter ist sowas zunächst unschön, aber im Spezialfall
>> Schlecker gab es sowas wie "zufriedene MA" wohl selten.
>>
>>> Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen, kann man da nur
>>> sagen.
>>
>> Äh, Joachim, mal wieder Kontextprobleme? Schlecker war ein kleiner, mieser
>> Geschäftlesmacher, der nur deswegen groß wurde, weil er seine Mitarbeiter
>> unmöglich behandelt hat und minderwertige Waren zu eher hohen Preisen
>> veräußerte. Kein Mitleid jedweder Art.
>
> Vollkommen unbestritten.
Hmm. Was meintest Du dann weiter oben mit den ganzen Bildungsbürgern?
> Aber daß er nach Käufer-Boykott durch die guten Menschen dieser Welt
> pleite ging, traf nicht nur ihn selbst hart, sondern eben auch diese
> 15 000 Mitarbeiter.
Er ist nicht wegen der Bildungsbürger eingegangen.
> Collateral damage. Die sahen das nicht so
> unkritisch, da waren viele einfache Seelen dabei, die ihren Obermacker
> Schlecker zwar auch nicht mochten, aber mit dem Geld daß sie im
> örtlichen Schlecker-Laden verdienten ihre Familie halten oder
> unterstützen konnten (damals war noch Massenarbeitslosigkeit).
Nun, worauf willst Du hinaus? Dass wir wieder mehr miese, schlecht bezahlte
Arbeitsplätze schaffen müssen?
> Vom
> Mitleid der gutsituierten Käufer, die halt zu Kaiser und DM
> weitergezogen waren, konnten sie nicht leben.
Verzeih' bitte, aber Schlecker war einfach nur schlecht. $hier müsste es bis
gegen 2009 um die Ecke einen gegeben haben. Ich war dort in sechs Jahren
maximal zweimal.
> Zu einer ähnlich erfolgreichen Rettungs-Strategie meinte ein
> Pentagon-Sprecher 1972 mal: "To save the village, we had to destroy it."
Sorry, aber in welcher Phantasiewelt lebst Du? Seit wann ist der Konsument
gehalten, bei schlechten Läden einzukaufen? Seit wann ist der Konsument
schuld, wenn ein Unternehmer sich verrechnet? Dass es für die Mitarbeiter
bitter ist - keine Frage. Aber hier dem Konsumenten eine Schuld zuweisen zu
wollen ist ein wenig so, als würde man Ärzte als Ursache für die Existenz von
Krankheiten betrachten.
> Und natürlich war die Welt besser, als ich in Herrsching noch zwischen 6
> Computer-Einzelhandelsgeschäften wählen konnte (oder verkläre ich das
> jetzt und ich mußte doch immer erst in die Schillerstrasse nach München
> fahren, wenn ich was brauchte?).
Ist es auch hier die Schuld der Konsumenten, dass die nicht mehr existieren?
Oder hat sich die Welt die letzten 15a weiter gedreht und manche
Geschäftsmodelle taugen nicht mehr?
> Die Idee "Amazon" ist aus der Flasche und kehrt auch nicht mehr wieder
> in die Flasche zurück.
Ja, sicher. Und jetzt? Es ist nicht etwa so, dass ich Amazon den Rücken kehre.
Allerdings bestelle ich inzwischen Medien wieder verstärkt beim Buchladen um
die Ecke (ibs. größere Ladungen, z.B. Weihnachtsgeschenke) und achte ibs. bei
größeren Anschaffungen ein wenig darauf, lokale Läden zu bevorzugen.
> Allenfalls übernimmt sonst Jack Ma bei uns den
> Internet-Versandhandel, und ob der wirklich besser für die Lagerarbeiter
> ist?
Vermutlich nicht. Aber Amazon ist auch nicht komplett dumm, und wenn sich dort
herum spricht, dass die Kunden bestimmte Sachen nicht so sehr schätzen, dann
werden sie sich dem anpassen. Z.B. indem sie ihre Leute anständig bezahlen.