Dem diesjaehrigen Sommerhit "Men in Black" ist weiß Gott nicht viel
vorzuwerfen. Das vielleicht groesste Manko ist der geringe Nutzen, den
er aus der Anwesenheit der leibhaftigen Linda Fiorentino zu ziehen
versteht. Doch da geht es dem Film nicht anders als dem ganzen
Hollywood.
1994 war sie die Frau, von der man sprach. In dem Thriller "The Last
Seduction" (dt.: "Die letzte Verfuehrung") spielte Fiorentino eine der
unvergesslichsten Heldinnen der Filmgeschichte. "Bridget Gregory" ist
seither gleichermassen der Alptraum von Weicheiern und Machos. So
ueberlegen ist sie dem "starken Geschlecht", dass sie dessen
Herausforderungen allenfalls amuesiert zur Kenntnis nimmt. Als Bridget
reisst Fiorentino einen Biertresenhengst auf, macht ihn sich hoerig und
benutzt ihn schliesslich, um ihren laestigen Gatten loszuwerden. Eher
nebenbei bringt sie einen hartgesottenen Schnueffler zur Strecke. Das
"Boese" siegt in diesem Film. Und dabei sympathisiert der Zuschauer
keinen Augenblick mit den Opfern, denn die bekommen nur, was sie
verdienen. Haetten sie Bridget doch einfach in Ruhe gelassen und nicht
mehr verlangt, als sie zu geben bereit war ...
Es war die Rolle ihres Lebens, und leider ist nicht zu erwarten, dass
eine Frau wie Linda Fiorentino in Hollywood noch oft solche
Gelegenheiten bekommt. Zu aehnlich wirkt sie ihrer Leinwandschoepfung.
Eine Traumfrau, zynisch und brillant, nicht geneigt, in Interviews und
Talkshows das aufgekratzte, harmlose Plappermaeulchen zu spielen und
sich fuegsam in die Maennerphantasien einzupassen.
Nach "The Last Seduction" war ihre grosse Chance der Erotikthriller
"Jade" (1995) von William Friedkin ("The French Connection", "The
Exorcist"). Doch dessen Saefte sind laengst versiegt, und mit "Jade"
setzte er gleich 50 Millionen Dollar in den Sand. Lediglich der Autor
des Films erfuhr Anerkennung - als Nominierter des Razzie Award fuer
das erbaermlichste Drehbuch des Jahres. Fiorentino wurde gleichzeitig
für "Last Seduction" als heisseste Oscar - Kandidatin gehandelt. Der
Film entsprach als Produktion des Kabelfernsehens jedoch nicht den
Richtlinien der Academy. "Es ist mir gelungen, im gleichen Jahr je einen
Film unter den zehn besten und den zehn miserabelsten zu haben," meint
Linda fatalistisch. "Nun, wenn man schon flopt, dann gleich richtig."
Geboren wurde sie 1960 in Philadelphia als Clorinda Fiorentino. Sie
wuchs mit zwei Bruedern und fuenf Schwestern in einem strikt
katholischen Elternhaus auf. "Ich bin ueberzeugt, dass meine Mutter in
ihrem Leben nur acht mal Sex hatte. Ein Witz, dass ausgerechnet eine
Frau meiner Herkunft einmal im Kino zum Sex - Kaetzchen werden sollte."
Mit den freizuegigen Szenen in ihren Filmen hatte sie immerhin keine
Probleme. Als ihr Partner Peter Berg in "Last Seduction" sich genierte,
uebernahm Linda kurzerhand die Initiative. Regisseur John Dahl: "Peter
hatte Bedenken wegen der Szene vor der Kneipe. Das Licht wurde
schlechter, und ich sagte Lin, sie solle sich etwas einfallen lassen.
Sie drueckte ihn einfach an den Zaun." Der Rest ist Filmgeschichte.
Linda Fiorentino gibt luesternen Spekulationen ueber den Spass, den ihr
solche Szenen womoeglich bereiten, keine Nahrung: "Ich bin einfach ein
Profi, komme puenktlich auf das Set, frage nach, was zu tun ist und wann
es Mittagessen gibt." Der Weg zum Filmruhm war dennoch zunaechst steinig
und brotlos. Ihr Geld verdiente sich Fiorentino anderem in New York als
Barmixerin. Immerhin arbeitete sie dort eine Zeit lang mit einem
Kollegen namens Bruce Willis zusammen. Eine kleine Rolle in Martin
Scorseses Film "After Hours" brachte 1984 den Durchbruch. Seither
spielte sie in einigen achtbaren und vielen hundsmiserablen Streifen,
doch selbst, wenn "The Last Seduction" der Hoehepunkt bleiben sollte,
waere Fiorentino ein prominenter Platz in der Filmgeschichte sicher.
Man erzaehlt sich, sie habe die Rolle der Gerichtsmedizinerin in MiB von
Regisseur Sonnenfeld beim Pokern gewonnen - und 1200 Dollar dazu.
Vielleicht ein gutes Omen fuer ihre Karriere, die noch einmal in Schwung
kommen koennte. "Ich mag das Ende des Films," sagt Linda schmunzelnd.
"Es koennte einen weiteren Job bedeuten." Mit Will Smith, der bereits
fuer das Sequel unterschrieben hat, verstand sie sich jedenfalls
blendend. "Ein komoediantisches Genie!" Und die Szene, in der sie am
Seziertisch dem schmucken, dunkelhaeutigen Alien - Jaeger ein
eindeutiges Angebot macht, ist immerhin ein echter "Fiorentino". Trotz
aller Trickeffekte und Masken ist es fuer die von Rassenproblemen
geplagten USA auch eine der ungewoehnlichsten Szenen des Films.
13 Sep 97 03:42, Harald Spyra wrote to All:
HS> Nach "The Last Seduction" war ihre grosse Chance der Erotikthriller
HS> "Jade" (1995) von William Friedkin ("The French Connection", "The
HS> Exorcist"). Doch dessen Saefte sind laengst versiegt, und mit "Jade"
HS> setzte er gleich 50 Millionen Dollar in den Sand. Lediglich der Autor
HS> des Films erfuhr Anerkennung - als Nominierter des Razzie Award fuer
HS> das erbaermlichste Drehbuch des Jahres. Fiorentino wurde gleichzeitig
Ich persoenlich fand "Jade" einen guten und spannenden Film. Natuerlich waren
einige Szenen ein bisschen aufgesetzt, aber nichts desto trotz war der Film
spannend und unterhaltsam. Vor allem Caruso, Palminterri und Fiorentino sind
wirklich klasse. Aber eben Geschmackssache.
HS> schmunzelnd. "Es koennte einen weiteren Job bedeuten." Mit Will Smith,
HS> der bereits fuer das Sequel unterschrieben hat, verstand sie sich
HS> jedenfalls blendend. "Ein komoediantisches Genie!" Und die Szene, in
Die wollen doch nicht noch eine Fortsetzung drehen, oder ??? :(((
Das war wirklich das Problem am Film, dass Fiorentino nicht mehr zu sehen war.
Bis irgendwann dann,
Don Patrik !
HS>1994 war sie die Frau, von der man sprach. In dem Thriller "The Last
HS>Seduction" (dt.: "Die letzte Verfuehrung") spielte Fiorentino eine der
HS>unvergesslichsten Heldinnen der Filmgeschichte.
Im Original kommt der natuerlich am besten, nicht zuletzt wegen ihrer
rauchigen Stimme. Die Szene, in der sie beilaeufig ihre Zigarette in den
Kuchen ausdrueckt, den seine Mami ihm gebacken hat, gehoert zu meinen
Lieblingen.
U.a. spielte sie eine der Hauptrollen in dem US-TV-Western "The desperate
trail". Der ist ziemlich amuesant und kann mit guten Slow-Mo-Shootouts
protzen. Kam mal auf Pro7.
MfG
Bastian
Die ist sogar schon in der IMDB fuer 1999 angekuendigt!
Die Signifikanz dessen muss aber jetzt nicht diskutiert werden...
--
Bengt Bischof, cand. phys.
Bumerangbaumeister, Nichtlinearer Jungdynamiker
> U.a. spielte sie eine der Hauptrollen in dem US-TV-Western "The desperate
> trail". Der ist ziemlich amuesant und kann mit guten Slow-Mo-Shootouts
> protzen. Kam mal auf Pro7.
Stimmt! Einer der besseren Western der letzten 15 Jahre. Sogar verdammt
gut. Auf deutsch musste der natuerlich wieder einen reisserischen Titel
bekommen: "Erbarmungslos gehetzt". Leider ist er in der deutschen
Fassung auch noch um acht Minuten gekuerzt. Uebrigens kein TV-Film,
sondern "directly released" auf Video. Denn in den Kinos ist angesichts
der Mega-Blockbuster natuerlich fuer etwas bescheidenere und oft bessere
Filme kein Platz. :-(
Harald
[the desperate trail]
HS>Stimmt! Einer der besseren Western der letzten 15 Jahre.
Sooo viele gute Western gab es ja auch in den letzten 15 Jahren nicht.
HS>Sogar verdammt gut.
Die Slo-Mo war von Peckinpah und die Musik von Morricone abgekupfert (bzw:
inspiriert) :)
HS>Auf deutsch musste der natuerlich wieder einen reisserischen Titel
HS>bekommen: "Erbarmungslos gehetzt".
Daran habe ich mich schon gewoehnt. Aber sonderlich dramatisch ist der
Film wirklich nicht, eher locker -vor allem der zeitgemaesse (Wort)Kampf
der Geschlechter, in der ER oefters mal den kuerzeren zieht: IHR passen
die Westernklamotten besser als ihm :)
HS>Leider ist er in der deutschen
HS>Fassung auch noch um acht Minuten gekuerzt.
Hat du die vollstaendige Fassung gesehen ? Lohnt sie sich ? Ich ueberlege
gerade, ob ich mir das Original bestelle. Aber wo ?
HS>Uebrigens kein TV-Film,
HS>sondern "directly released" auf Video.
Naja, hat die TVS wieder Mist geschrieben.
BTW: Ich bin gespannt auf "Man and woman in black" :)
MfG
Bastian