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Hutterer verlassen Deutschland - Teil 1

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Bernd Kehren

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Feb 16, 1995, 5:40:10 AM2/16/95
to
* Originally from Area 'CM.NEWS'
* Originally from Werner Cao
* Originally to Bernd Kehren
* Forwarded by Bernd Kehren on 124:1249/301, 16 Feb 95 11:09:42

Hallo Bernd,

im Koelner Stadtanzeiger vom 13.2.95 stand nach folgender Artikel, der von
Frau Barbara A. Cepielik geschrieben wurde:

BIRNBACH - Eine Demonstration, einen Protestmarsch? Das hat es in dem
Westerwald-Dorf Birnbach noch nicht gegeben. Und bis vor zwei Wochen haette
auch niemand im Traum daran gedacht, dass einmal 800, 900 Menschen in einem
langen Tross durch den Ort ziehen wuerden, mit Landrat und Buergermeister an
der Spitze. Aber bis vor zwei Wochen haben sich auch nur wenige darum
gekuemmert, was es mit den nach den Gesetzen der Bergpredigt lebenden
Hutterern auf dem Michaelshof am Rande des Dorfes auf sich hat.
Bis vor zwei Wochen. Da naemlich liess Joerg Barth, Leiter des
Bruderdorfe-Hauses, wissen, er und seine rund 100 Glaubensbrueder und
-schwestern wuerden nach sechs Jahren Birnbach verlassen. Das Mass an
Intoleranz und Anfeindungen, das die Leute vom Michaelshof haetten erleiden
muessen, sei nun nicht laenger ertraeglich. "Sechs Jahre haben wir uns um
die Baugenehmigung fuer ein Kinder- und Gemeinschaftshaus und eine Werkstatt
bemueht. Und wir koennen immer noch nicht beginnen. Wir halten unseren
Gottesdienst seit Jahren in dem Zelt ab, in dem wir auch essen. Wir haben
hier mehrere Millionen investiert, aber wir kommen nicht weiter. Wir wollen
nun nicht mehr. Wir gehen nach England, dort koennen wir in Frieden leben."
Das sind harte Worte fuer einen friedliebenden Menschen, dem es qua
Religion verboten ist zu tratschen oder zu fluchen. Doch die einzige
Hutterer-Gemeinschaft in der Bundesrepublik ist es leid. Sie fuehlen sich
vertrieben aus Deutschland - zum zweiten Mal schon in diesem Jahrhundert:
das erste Mal war es 1937 die Gestapo, die eine Hutterer-Gemeinschaft von
ihrem Hof in der Rhoen verjagte.
Nun, fast 60 Jahre spaeter, ist es ein "Buergerverein" in Birnbach,
dessen einziges Ziel es ist, die Glaubensgemeinschaft mit aller Macht
loszuwerden. Das Vokabular verraet viel: "Wir wollen verhindern, dass der
Ort Binrbach durch einen grossen Zustrom von Personen mit einer voellig
anderen Kultur und Lebensart seinen eigentlichen Charakter verliert."
Und nun ziehen sie, die Demonstranten, vorbei an den Haeusern der
Birnbacher Buergervereinsmitglieder, denen die Polizei "Objektschutz"
gewaehrt. Hinter den Gardinen sieht man Koepfe sich bewegen. Doch die Gegner
der Hutterer treten nicht vor die Tuer. So, wie sie sechs Jahre lang jedes
Gespraech mit der Kommunitaet ablehnten; so, wie sie in den letzten Wochen
nicht ans Telefon gingen, wenn man sie nach ihren Beweggruenden fragen
wollte, so blicken sie auch jetzt niemanden in die Augen. Aber das war von
Anbeginn so: Sie haben die Hutterer mit einem Papierkrieg bekaempft - und
wie es aussieht, haben sie gewonnen.
Joerg Barth und die Leute vom Michelshof sind geruehrt, von der
grossen Zahl von Demonstranten. Sie haben die halbseitige Solidaritaets-
Anzeige mit Unterschriften in der Lokalzeitung ebenso mit Ruehrung gelesen,
und - so sagt Joerg Barth bei der "Kundgebung" in der Daemmerung des
regnerischen Samstagabends - sie haben sich ueber die vielen ermutigenden
Briefe sehr gefreut.

DER ERSTE UND TREUESTE FREUND
Doch ob sie den Bitten des Landrats und anderen Politikern folgen
werden,
steht dahin. Die sieben Bruderhoefe, die es weltweit gibt und die auch
gemeinsam die Finanzen besprechen, haben zwischen Weihnachten und Neujahr
einstimmig beschlossen, Birnbach aufzugeben. Ende einer langen Geschichte?
Vier Jahre hat das Gebaeude aus dem Jahre 1904, das zuletzt als
katholisches Kinderheim genutzt wurde, leergestanden, als die Hutterer es
1988 fuer 1,2 Mio. Mark erwarben. Zuerst, das gibt Buergermeister Manfred
Walterschen zu, sei man skeptisch gewesen: "Wir dachten, das waere eine
obskure Sekte." Doch Walterschen suchte schnell (und als erster und
treuester Freund) Kontakt zum Leiter der Gemeinde.
Er lernte, was auch sonstz im Dorf die wenigsten wussten: Die
Hutterer
gehen auf die Taeuferbewegung des Predigers Jakob Hutter zurueck, der die
ersten Gemeinschaften 1533 in Maehren gruendete. Hutterer verweigern den
Kriegsdienst und lehnen jegliches Privateigentum ebenso ab wie
Ehescheidung
und Waffenbesitz. Und Hutterer missionieren nicht: Wenn jemand sich zu ihnen
gesellt, dann weil er "gesehen hat, wie wir leben, nicht, weil er gehoert
hat, was wir sagen."
Der Tagesablauf der Hutterer ist gepraegt vom gemeinschaftlichem
Tun:
Arbeiten, Essen, aber auch Beten und Musizieren. Ein Fernsehgeraet sucht man
auf dem Michaelshof vergeblich, Computer dagegen findet man: Die
Bruderhoefe
ueberall auf der Welt sind miteinander vernetzt - zum
Informationsaustausch
nutzen sie die Technik des 20. Jahrhunderts, ebenso in den Werkstaetten, die
sie betreiben. In vielem anderen aber - so in ihrer Kleidung - leben si wie
ihre Vorfahren im 16. Jahrhundert: Die Frauen tragen lange dunkle Roecke und
dunkle Kopftuecher, die Maenner Arbeitshosen und dicke Hemden.
! Origin: Christus - die Antwort des Glaubens (124:1249/300.22)

Christian Hofius

unread,
Feb 16, 1995, 8:41:42 PM2/16/95
to
* Forward aus: CM.NEWS Mittwoch, 15 Februar 1995 18:27
* Von: Werner Cao, 124:1249/300.22 An: Bernd Kehren
* Thema: Hutterer verlassen Deutschland - Teil 1
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Hallo Bernd,

+ Origin: Christus - die Antwort des Glaubens (124:1249/300.22)
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Hallo All!


Viele herzliche Gruesse
Christian

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