Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 23. Dezember 2011
Top-MeldungenVerehrte Leserinnen und Leser,
wir wünschen Ihnen frohe und erholsame Weihnachtstage und ein gutes neues Jahr 2012.
Für Ihr Interesse in diesem Jahr danken wir Ihnen und freuen uns darauf, im nächsten Jahr wieder über aktuelle Meldungen für Sie zu berichten. Unsere Redaktion legt jetzt eine Pause ein. Ab dem 02.01.2012 sind wir dann wie gewohnt mit neuen Nachrichten für Sie da.
Ihre beck-aktuell-Redaktion
BGH: Verbrauchskennzeichnungspflicht kann auch beim Verkauf von Vorführwagen gelten
Die Verpflichtung aus der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung, in Verkaufsangeboten für Neuwagen Angaben zum Kraftstoffverbrauch des angebotenen Fahrzeugs zu machen, kann auch für Vorführwagen gelten. Dies hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 21.12.2011 entschieden. Maßgeblich sei, ob der Händler das Fahrzeug bei objektiver Betrachtung zum Weiterverkauf erworben habe. Dies sei anzunehmen, wenn das Fahrzeug eine geringe Kilometerleistung von bis zu 1000 Kilometer aufweise (Az.: I ZR 190/10).
EGMR: Kirchen dürfen Beschäftigungsverhältnisse ohne staatliche Eingriffe regeln
Kirchen haben das Recht, Beschäftigungsverhältnisse ohne staatliche Eingriffe zu regeln. Dies hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit mehreren Entscheidungen vom 20.12.2011 entschieden und Beschwerden von zwei Pfarrern und zwei Offizieren der Heilsarmee für unzulässig erklärt. Der EGMR erkennt an, dass dies Ausdruck des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts nach Art. 137 Abs. 3 der Weimarer Reichsverfassung ist. Die Entscheidungen sind rechtskräftig (Az.: 38254/04, 39775/04, 12986/04).
LSG Berlin-Brandenburg kippt höhere Mindestmenge für Versorgung von Frühgeborenen
Auch kleinere Krankenhäuser können weiterhin Frügeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1.250 Gramm versorgen. Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg hat die Erhöhung der Mindestmenge von 14 auf 30 Fälle pro Jahr durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) in mehreren Urteilen vom 21.12.2011 für rechtswidrig und nichtig erachtet. Es bestätigte damit eine Eilentscheidung von Anfang 2011. Das LSG hat die Revision zum Bundessozialgericht zugelassen (Az.: L 7 KA 64/10 KL und andere).
Weitere NachrichtenVerfGH Bayern: Ladenöffnung an vier Sonn- und Feiertagen pro Jahr zulässig
Die Gemeinde Vaterstetten darf per Rechtsverordnung die Ladenöffnung an vier Sonn- und Feiertagen pro Jahr erlauben. Dies hat der Bayerische Verfassungsgerichtshof am 21.12.2011 entschieden und eine Popularklage abgewiesen. Die Rechtsverordnung halte sich im Rahmen der Ermächtigung des Ladenschlussgesetzes und sei mit der Bayerischen Verfassung vereinbar (Az.: Vf. 3-VII-11)
EU-Kommission veröffentlicht Leitlinien für geschlechtsneutrale Versicherungsprämien
Um zu gewährleisten, dass Männer und Frauen künftig keine unterschiedlichen Versicherungsbeiträge aufgrund des Geschlechts mehr zahlen, hat die Europäische Kommission am 22.12.2011 Leitlinien veröffentlicht. Wie sie mitteilt, sollen Versicherer damit ein entprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes (BeckRS 2011, 80165) leichter umsetzen können.
LAG Rheinland-Pfalz: Arbeitgeber muss Arbeitnehmer Steuerschaden nach Lohnnachzahlung nicht ersetzen
Ein Arbeitgeber muss einem Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Schadensersatz leisten, wenn dieser wegen einer Nachzahlung zu Recht einbehaltenen Lohns höhere Steuern zahlen muss. Dies hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in einem am 22.12.2011 bekanntgewordenen Urteil entschieden. Nur wenn der Arbeitgeber den Steuerschaden verschuldet habe, sei er schadensersatzpflichtig (Az.: 9 Sa 155/11, BeckRS 2011, 78099).
OLG Stuttgart: Dekra haftet BMW-Vertragshändlern nicht für angeblich falsche Gutachten
Die Dekra haftet zwei BMW-Vertragshändlern nicht wegen angeblich von ihr falsch erstellter Bewertungsgutachten im Zusammenhang mit dem Rückkauf gebrauchter Leasingfahrzeuge der BMW-Gruppe. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die Klagen der beiden Vertragshändler am 20.12.2011 abgewiesen. Schadenersatzansprüche ließen sich weder nach den Grundsätzen eines Vertrages mit Schutzwirkung zugunsten Dritter herleiten noch auf § 826 BGB stützen (Az.: 6 U 107/11, 6 U 108/11).
OVG Münster: Schüler hätte aus religiösen Gründen von Kinobesuch befreit werden müssen
Der Schulleiter eines Gymnasiums hätte einen Schüler wegen eines glaubensbedingten Gewissenskonfliktes vom Besuch des Kinofilms «Krabat» befreien müssen, den seine Klasse im Rahmen des Deutschunterrichts als verbindliche Schulveranstaltung durchführt hat. Dies hat das Oberverwaltungsgericht Münster mit Urteil vom 22.12.2011 entschieden (Az.: 19 A 610/10).
Fluggesellschaften müssen ab 2012 am Emissionshandel teilnehmen
Ab 2012 werden auch Fluggesellschaften in den EU-Emissionshandel einbezogen. Wie die Bundesregierung am 23.12.2011 mitteilt, hat die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) damit begonnen, CO2-Zertifikate für das Jahr 2012 zuzuteilen. Adressaten seien alle Fluglinien, die Deutschland anfliegen.
Steuerliche Neuregelungen zum 1. Januar 2012
Die Steuergesetzgebung hat im Jahr 2011 einige Änderungen gebracht, die ab 2012 gelten. Zahlreiche Neuerungen ergeben sich infolge des Steuervereinfachungsgesetzes 2011 sowie des EU-Beitreibungsgesetzes. Vor allem für Eltern gibt es zum Jahreswechsel mehr Vorteile. Sie können Kinderbetreuungskosten einfacher absetzen. Es entfällt zudem die Einkommensüberprüfung bei volljährigen Kindern unter 25 Jahren für Kindergeld und Kinderfreibeträge. Die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages von 920 Euro auf 1.000 Euro mache für eine halbe Million Arbeitnehmer zusätzlich das Sammeln von Belegen und den Einzelnachweis der Aufwendungen entbehrlich, heißt es in einer Mitteilung des Bundesfinanzministeriums.
LSG Hessen: Berufsgenossenschaft haftet nicht bei Dienstunfall eines Pfarrers im Ruhestand
Übt ein Pfarrer sein Amt im Ruhestand aus und erleidet dabei einen Unfall, haftet für die Folgen nicht die Berufsgenossenschaft. Dies hat das Landessozialgericht Hessen mit Urteil vom 29.11.2011 entschieden. Denn bei einem Pfarrer bestehe das Dienstverhältnis im Ruhestand fort, so dass ein Unfall in Ausübung des Dienstverhältnisses einen Dienstunfall darstelle, auf den die beamtenrechtlichen Versorgungsvorschriften anzuwenden seien. Deshalb sei er in der gesetzlichen Unfallversicherung versicherungsfrei (Az.: L 3 U 207/10, BeckRS 2011, 78972).
VG Aachen: Wohnungsverweisung für gewalttätigen Ehemann gilt auch während der Weihnachtstage
Wird ein Ehemann wegen Gewalt gegen seine Ehefrau von der Polizei der Wohnung verwiesen, so ist die polizeigesetzliche Regelfrist auch dann einzuhalten, wenn sich die Ehefrau wegen der bevorstehenden Weihnachtstage für eine frühere Rückkehr ihres Ehemannes einsetzt. Dies hat das Verwaltungsgericht Aachen mit Beschluss vom 22.12.2011 in einem vorläufigen Rechtsschutzverfahren entschieden. Der Schutzauftrag des Staates für Leben und körperliche Unversehrtheit stehe einer vorzeitigen Aufebung der Verfügung entgegen (Az.: 6 L 545/11).
BGH: Verurteilung des Nürnberger U-Bahn-Schlägers rechtskräftig
Die Verurteilung eines Mannes wegen eines Angriffs in der Nürnberger U-Bahn ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof bestätigte mit Beschluss vom 21.12.2011 ein Urteil des Landgerichts Nürnberg. Danach muss der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung fünf Jahre und sechs Monaten ins Gefängnis. Dem Nebenkläger wurde dem Grunde nach Schadenersatz zugesprochen. Aufgrund unterschiedlicher politischer Ansichten war es in der U-Bahn zum Streit gekommen. Der Angeklagte trat dem Geschädigten gegen den Solarplexus und ins Gesicht. Der Geschädigte wollte eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Totschlags erreichen (Az.: 1 StR 400/11).
BGH: Verurteilung wegen Nichtverhinderung des Todes einer Studentin nach Lösungsmittel-Konsum ist rechtskräftig
Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 21.12.2011 eine Entscheidung des Landgerichts Trier im Zusammenhang mit dem Tod einer Trierer Studentin bestätigt. Das LG hatte den Angeklagten wegen Totschlags durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Nachdem der Angeklagte die Beziehung mit der 20-Jährigen beendet hatte, konsumierte diese das Lösungsmittel Gamma-Butyrolacton (GBL). Der Angeklagte veranlasste die Geschädigte zwar, sich zu erbrechen, unterließ aber weitere Rettungsmaßnahmen (Az.: 2 StR 295/11).
Ab 2012 ist neues Energielabel für Elektrogeräte Pflicht
Seit dem 30.11.2011 müssen nun auch TV-Geräte mit einem Label zum Energieverbrauch versehen werden. Dies teilt die Verbraucherzentrale Sachsen mit. Das für den Hersteller verpflichtende Label gibt Aufschluss über Stromverbrauch und andere Produkteigenschaften wie etwa die Ausrüstung mit einem Schalter, der das Gerät nicht nur in den Standby-Betrieb versetzt, sondern vollständig vom Netz trennt. Kühl-, Klima- und Gefriergeräte, Elektrobacköfen, Geschirrspül- und Waschmaschinen, aber auch Wäschetrockner und Haushaltslampen sind schon seit längerer Zeit mit einem Label zum Energieverbrauch gekennzeichnet.
Chronologie der Innenpolitik 2011
Atomausstieg, Bundeswehrreform, Rechtssterror und Eurokrise – Themen, die im Jahr 2011 die deutsche Innenpolitik prägten. Das Bundesverfassungsgericht entschied unter anderem zum Unterhaltsrecht Geschiedener, zur Sicherungsverwahrung und zur Fünf Prozent-Klausel bei Europawahlen. Nach der Plagiatsaffäre um den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stolperte auch FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin über ihre Doktorarbeit. Die Piratenpartei zieht erstmals in einen Landtag ein und zum Jahresende 2011 werden außerdem Steuererleichterungen von sechs Milliarden Euro beschlossen.
Chronologie der internationalen Politik 2011
Das Jahr 2011 beginnt mit einer Revolution in der arabischen Welt: Menschen in Tunesien, Ägypten und Lybien erheben sich, Protestierende in anderen arabischen Ländern schließen sich an. Im Mai wird in New York Dominique Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds, wegen angeblicher Belästigung eines Zimmermädchens festgenommen. Im Oktober 2011 verurteilt ein Gericht die frühere ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko wegen eines Gasgeschäfts mit Russland zu sieben Jahren Haft. Zum Jahresende einigt sich der EU-Gipfel zur Euro-Krise in Brüssel auf einen zwischenstaatlichen Vertrag zur Gründung einer Fiskalunion. Nur Großbritannien verweigert sich.
Ausgewählte UrteilsanalysenBGH: Risikolebensversicherung: Überschreitung der Ermittlungsermächtigung und Schweigepflichtentbindung
VVG a.F. § 22
Allein der Umstand, dass der Versicherungsnehmer seine vorvertragliche Anzeigeobliegenheit arglistig verletzt hat, hebt nach Ansicht des Bundesgerichtshofes sein Schutzbedürfnis an der Geheimhaltung seiner Gesundheitsdaten nicht auf. Die arglistige Täuschung fließe jedoch in eine umfassende Abwägung der Parteiinteressen ein, hier einerseits das Interesse der Klägerin, die Beklagte an der Verwendung rechtswidrig erlangten Wissens zu hindern, und andererseits das Interesse des Versicherers, sich von dem mittels arglistiger Täuschung zustande gekommenen Vertrag zu lösen.
BGH, Beschluss vom 21.09.2011 - IV ZR 203/09 (OLG Saarbrücken), BeckRS 2011, 27468 |