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Jul 7, 2011, 10:54:45 AM7/7/11
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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 7. Juli 2011

Top-Meldungen

Bundestag stimmt für begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Paare dürfen das Erbgut künstlich erzeugter Embryonen in Zukunft in Deutschland testen lassen. Nach einer ernsten und hochemotionalen Debatte frei von jedem Parteienstreit stimmte der Bundestag am 07.07.2011 mehrheitlich für die begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID).

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BGH: Beweislast für Verstoß gegen Grundsatz der Wirtschaftlichkeit bei der Betriebskostenabrechnung trifft Mieter

Macht der Mieter einen Verstoß gegen den in § 556 Abs. 3 Satz 1 BGB niedergelegten Grundsatz der Wirtschaftlichkeit bei der Betriebskostenabrechnung gegen den Vermieter geltend, trägt er die Darlegungs- und Beweislast für die Anspruchsvoraussetzungen eines möglichen Schadensersatzanspruchs. Das hat der für Mietrecht zuständige Achte Zivilsenat des Bundesgerichtshofs entschieden (Urteil vom 06.07.2011, Az.: VIII ZR 340/10).

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BAG: Nachbindung kommt auch neu in Gewerkschaft eintretendem Arbeitnehmer zugute

Ein Arbeitgeber ist nach seinem Verbandsaustritt an die vom Arbeitgeberverband bis zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Tarifverträge kraft Nachbindung im Sinne des § 3 Abs. 3 TVG bis zu deren Ende unmittelbar und zwingend gebunden. Diese Bindung tritt nach einer aktuellen Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts auch dann ein, wenn  ein Arbeitnehmer während der Nachbindungszeit erst in eine Gewerkschaft eintritt, die die Tarifverträge geschlossen hat (§ 4 Abs. 1 TVG). Dabei werde eine vorherige arbeitsvertragliche Vereinbarung, die Abreden unterhalb des Niveaus der Tarifverträge enthält, durch die normative Wirkung der Tarifverträge verdrängt, so die Erfurter Richter (Urteil vom 06.07.2011, Az.: 4 AZR 424/09).

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BAG: Interessenausgleich mit Gesamtbetriebsrat kann Stellungnahme des örtlichen Betriebsrats zu Massenentlassungsanzeige ersetzen

Gemäß § 102 Abs. 1 Satz 1 BetrVG ist der Betriebsrat vor jeder Kündigung zu hören. Zur Entgegennahme von Mitteilungen über die Kündigungsabsicht des Arbeitgebers ist nach § 26 Abs. 2 Satz 2 BetrVG der Vorsitzende des Betriebsrats oder im Falle seiner Verhinderung sein Stellvertreter berechtigt. Beabsichtigt der Arbeitgeber eine Vielzahl von Entlassungen, hat er diese nach Maßgabe des § 17 KSchG der Agentur für Arbeit anzuzeigen und der Anzeige eine Stellungnahme des Betriebsrats beizufügen. Im Insolvenzfall ersetzt gemäß § 125 Abs. 2 InsO ein zwischen dem Insolvenzverwalter und dem Betriebsrat zustande gekommener Interessenausgleich die Stellungnahme des Betriebsrats, wenn in dem Interessenausgleich die Arbeitnehmer, denen gekündigt werden soll, namentlich bezeichnet sind. Das gilt auch dann, wenn der Interessenausgleich mit dem Gesamtbetriebsrat zustande gekommen ist. Eine Stellungnahme des örtlichen Betriebsrats ist dann entbehrlich. Dies stellt das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 07.07.2011 klar (Az.: 6 AZR 248/10).

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BGH stärkt Sparkassen-Konkurrenz im Visa-Streit

Sparkassen und Genossenschaftsbanken dürfen ihre Geldautomaten nicht für Visa-Kunden sperren. In dem Dauerstreit scheiterte die Sparkasse Ingolstadt mit dem Versuch, ein gegen sie erwirktes Urteil des Oberlandesgerichts München vor den Bundesgerichtshof zu bringen. Der BGH-Kartellsenat hat die Beschwerde der Sparkasse gegen die Nichtzulassung der Revision in dem OLG-Urteil vom 17.06.2010 am 28.06.2011 zurückgewiesen (Az.: KZR 82/10).

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VG Dresden: Lernmittelfreiheit an Öffentlichen Schulen umfasst auch Kopien

Der in der Sächsischen Verfassung verwendete Begriff «Lernmittel» ist weit zu verstehen und erstreckt sich auch auf Kopien aus Schul- und Arbeitsbüchern sowie Lern- und Übungsheften. Deshalb sind die Schulen nach einer aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden verpflichtet, Schülern diese Kopien unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Wegen grundsätzlicher Bedeutung der Frage ließ das Gericht aber die Berufung zu (Urteil vom 30.06.2011, Az.: 5 K 1790/08).

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Weitere Nachrichten

BAG: Haustarifverträge von Telekom-Töchtern auf tarifungebundene ehemalige Arbeitnehmer der Deutschen Bundespost nicht anwendbar

Für tarifungebundene ehemalige Arbeitnehmer der Deutschen Bundespost, deren Arbeitsverhältnisse auf die Deutsche Telekom AG und anschließend auf ein Tochterunternehmen der Telekom übergegangen sind, gelten die Tarifverträge der Deutschen Telekom AG. Wie das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 06.07.2011 entschieden hat, erfasst die Bezugnahmeklausel in den Arbeitsverträgen mit der Deutschen Bundespost, die auf die Bestimmungen des Tarifvertrages für die Arbeiter der Deutschen Bundespost und die sonstigen für sie geltenden Tarifverträge in der jeweiligen Fassung verweist, zwar die Tarifverträge der Deutschen Telekom AG, hingegen nicht mehr die Haustarifverträge von Tochterunternehmen (Az.: 4 AZR 706/09).

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Europaparlament nimmt neue Vorgaben zur Strafverfolgung von Verkehrsdelikten an

Das Europäische Parlament will die in der Praxis vorherrschende Straflosigkeit bei Verkehrsdelikten im Ausland beenden. Es hat deshalb am 06.07.2011 neue Vorgaben für die grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit im Dienste der Verkehrssicherheit angenommen, wie die Pressestelle des Parlaments berichtet. Danach soll der Austausch von Fahrzeughalterdaten zwischen Mitgliedstaaten bald zur Regel werden, um Übertretungen der Straßenverkehrsordnung zu ahnden, gleich wo sie in der EU begangen wurden.

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EU-Kommission will Roaminggebühren für Surfen und Telefonieren im Ausland weiter senken

Die Europäische Kommission will die Mobilfunktarife für Reisende in der Europäischen Union weiter senken. Sie hat am 06.07.2011 ihre Vorschläge zur Regulierung der Roaminggebühren für die Zeit nach 2012 vorgestellt. Darin schlägt sie nicht nur neue Preisobergrenzen vor, um Mobilfunkkunden vor Horror-Rechnungen nach Reisen in andere EU-Länder zu schützen. Sie will vor allem den Markt auch für neue Anbieter öffnen, um dauerhaft für mehr Wettbewerb und damit für faire Preise zu sorgen.

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Klare Mehrheit im Europaparlament für neue Regelungen zu Lebensmittelverpackungen

Die Verbraucher sollen künftig beim Einkaufen von Lebensmittel besser informiert werden. Unter anderem müssen künftig auf der Lebensmittelverpackung in einer so genannten Nährwertbox der Energiegehalt sowie die Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz per 100g oder per 100 ml deutlich sichtbar angegeben werden. Mit klarer Mehrheit von 606 Ja-Stimmen gegen 46 Nein-Stimmen bei 26 Enthaltungen stimmten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments für eine entsprechende Verordnung, wie Berichterstatterin Renate Sommer (CDU) am 06.07.2011 mitteilte.

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EU-Kommission stellt Kartellverfahren gegen Boehringer ein

Die Europäische Kommission hat eine kartellrechtliche Untersuchung gegen den zweitgrößten deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim eingestellt. Der Konzern habe sich in einem Jahre andauernden Patentstreit mit dem spanischen Wettbewerber Almirall geeinigt. «Daher kann die Kommission ihre Untersuchung einstellen», teilten Europas oberste Wettbewerbshüter am 06.07.2011 in Brüssel mit. Die Auseinandersetzung hatte sich um Patente für die Behandlung der chronischen Lungenerkrankung COPD gedreht, die häufig bei Rauchern auftritt.

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VG Karlsruhe: Verdacht auf manipulierte Fingerkuppen rechtfertigt erkennungsdienstliche Behandlung von Asylbewerbern

Asylantragsteller sind verpflichtet, Manipulationen ihrer Fingerkuppen zu unterlassen, die den Erfolg erkennungsdienstlicher Behandlungen vereiteln. Dies hat das Verwaltungsgericht Karlsruhe in mehreren Verfahren entschieden. Bestehe der Verdacht, dass ein Asylbewerber seine Fingerkuppen manipuliert habe, dürfe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dessen erkennungsdienstliche Behandlung anordnen (Urteile vom 12.05.2011, Az.: A 9 K 2910/10, A 9 K 23/11 und andere, rechtskräftig).

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LG Osnabrück: Zeitung muss Spekulationen über ihre «milde» Berichterstattung zur Insolvenz des ortsansässigen Basketballteams hinnehmen

Die Kritik eines Basketball-Internetportals an der Berichterstattung der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (NOZ) im Zusammenhang mit der Insolvenz der Osnabrücker GiroLive-Ballers ist von der Meinungsfreiheit umfasst. Dies hat das Landgericht Osnabrück entschieden und hierbei die Bedeutung der verfassungsrechtlich garantierten Presse- und Meinungsfreiheit hervorgehoben (Urteil vom 04.07.2011, Az.: 2 O 952/11, nicht rechtskräftig).

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Experten uneins über geplante Regulierung des Grauen Kapitalmarkts

Die von der Bundesregierung geplante Regulierung des «Grauen Kapitalmarkts», auf dem zum Beispiel so genannte geschlossene Fonds verkauft werden, ist unter Sachverständigen umstritten. Während einige sie in einer Anhörung des Bundestags-Finanzausschusses am 06.07.2011 ausdrücklich begrüßt haben, bewerteten andere sie als unzureichend. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob der Schutz der Anleger am besten von den Gewerbeämtern gesichert werden kann, wie in dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts (BT-Drs. 17/6051) vorgesehen oder ob nicht besser die für die Bankenaufsicht zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) diese Aufgabe übernehmen soll.

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Ausgewählte Urteilsanalysen

OLG Frankfurt a. M.: Nur 0,3 Gebühr für ein Abschlussschreiben

VV RVG Nrn. 2300, 2302

Entscheidend für die Frage, welche Gebühren für das Abschlussschreiben entstanden sind, ist allein der vom Anwalt im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit tatsächlich geleistete Aufwand. Durch ein Abschlussschreiben entsteht lediglich eine 0,3 Gebühr für ein einfaches Schreiben, wenn das Schreiben keine erneute rechtliche Prüfung erforderte und demzufolge lediglich die für ein Abschlussschreiben üblichen Standardformulierungen enthält.

OLG Frankfurt a. M., Urteil vom 30.09.2010 - 6 U 199/09, BeckRS 2011, 16107

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Jul 8, 2011, 11:04:16 AM7/8/11
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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 8. Juli 2011

Top-Meldungen

Bundesrat billigt Atomausstieg bis 2022

Der Bundesrat hat dem stufenweisen Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 am 08.07.2011 zugestimmt. Allerdings stoppte er das Gesetz zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden, das Bestandteil des Gesetzespakets zur Energiewende ist. Die Länder wollen die mit der Förderung verbundenen Steuerausfälle nicht mittragen.

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Bundesrat stoppt geplante Steuervereinfachungen vorerst

Die Bundesländer haben die von der schwarz-gelben Koalition beschlossenen Steuervereinfachungen vorerst gestoppt. Das entsprechende Gesetz fand in der Länderkammer am 08.07.2011 entgegen ersten Ankündigungen aus den Ländern und dem Bundestag überraschend keine Mehrheit. Der Vermittlungsausschuss wurde von den Ländern nicht angerufen. Jetzt hat der Bundestag die Chance, dies zu tun.

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BVerwG: Vorinstanz muss erneut über Schwere der begangenen Handlungen eines früheren PKK-Kämpfers entscheiden

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 07.07.2011 - nach Einholung einer Vorabentscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union - erneut über den Widerruf der Asyl- und Flüchtlingsanerkennung eines ehemaligen Kämpfers und Funktionärs der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) verhandelt und das Verfahren zur weiteren Aufklärung an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Der EuGH hatte entschieden, dass die im Streit stehenden Ausschlussgründe der schweren nichtpolitischen Straftat und der Zuwiderhandlung gegen Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen weder eine gegenwärtige Gefahr für den Aufnahmemitgliedstaat noch eine (nachgelagerte) Verhältnismäßigkeitsprüfung voraussetzen. Der Ausschluss hänge allein von der Schwere der begangenen Handlungen und der individuellen Verantwortung des Betroffenen ab (Urteil vom 07.07.2011, Az.: 10 C 26.10 und 10 C 27.10).

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EuGH-Generalanwältin: Jahresurlaubsanspruch eines langfristig erkrankten Arbeitnehmers darf zeitlich beschränkt werden

Der gesetzliche Anspruch auf Jahresmindesturlaub darf nach Ablauf einer bestimmten Frist erlöschen, auch wenn der Arbeitnehmer den Urlaub wegen einer langfristigen Erkrankung nicht wahrnehmen konnte. Diese Auffassung vertritt die Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofes Verica Trstenjak in ihren Schlussanträgen vom 07.07.2011. Voraussetzung sei, dass die Beschränkung mit dem Erholungszweck der Arbeitszeitgestaltungsrichtlinie 2003/88/EG vereinbar ist. Nach Trstenjaks Ansicht verpflichtet die Richtlinie die Mitgliedstaaten nicht, eine unbegrenzte Ansammlung von Urlaubs- beziehungsweise Abgeltungsansprüchen zu ermöglichen. Eine Begrenzung des Übertragungszeitraums auf 18 Monate hält sie für zulässig. Sie betont aber, dass dies nur einen Richtwert darstelle, da die Festlegung einer Frist für die Ausübung des Urlaubsanspruchs in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten falle (Az.: C-214/10).

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Bundestag verabschiedet Reform des § 522 Abs. 2 ZPO

Der Deutsche Bundestag hat am 07.07.2011 ein Gesetz zur Reform der Berufungszurückweisung durch Beschluss (§ 522 Abs. 2 ZPO) verabschiedet. Dies teilt das Bundesjustizministerium am 08.07.2011 mit. Danach kann gegen Zurückweisungsbeschlüsse künftig ab einer Beschwer von 20.000 Euro Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt werden. Außerdem wird ein Zurückweisungsbeschluss zusätzlich davon abhängig gemacht, dass eine mündliche Verhandlung nicht geboten ist. Die Schwelle der mangelnden Erfolgsaussicht der Berufung wird angehoben und künftig Offensichtlichkeit gefordert.

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Weitere Nachrichten

Bundestag beschließt unterirdische CO2-Speicherung

Energiekonzerne dürfen künftig an ausgewählten Standorten klimaschädliches Kohlendioxid unterirdisch speichern. Der Bundestag machte am 07.07.2011 den Weg frei für die Erprobung der umstrittenen CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) bis 2017. Für das Gesetz stimmten 306 Abgeordnete, 266 waren dagegen, zudem gab es eine Enthaltung. Mit der Technologie kann bei der Kohleverbrennung Kohlendioxid (CO2) abgetrennt und per Pipelines in unterirdische Lager verpresst werden. Die zwei bis drei Lager sollen maximal je drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aufnehmen dürfen. Während die Opposition die Technik als zu gefährlich ablehnt, kritisieren Energieversorger und Teile der FDP, dass es in dem Gesetz eine Ausstiegsklausel gibt.

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BGH verlangt im Fall eines Kunstfehlers eines Berliner Schönheitschirurgen Prüfung von Mord durch Unterlassen

Der Fall eines Schönheitschirurgen, der eine Fettabsaugung vorgenommen hatte, ohne den notwendigen Anästhesisten hinzuzuziehen und darüber die Patientin täuschte, ist vom Fünften Strafsenat des Bundesgerichtshofes an das Ausgangsgericht zurückverwiesen worden. Die Patientin war nach der Operation gestorben. Nun muss das Landgericht prüfen, ob Mord durch Unterlassen und versuchter Totschlag einschlägig sind (Urteil vom 07.07.2011, Az.: 5 StR 561/10).

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Länder stoppen Gesetz zu Gebäudesanierung

Der Bundesrat hat am 08.07.2011 das Gesetz für eine stärkere Förderung von Gebäudesanierungen vorerst gestoppt. Nun muss wahrscheinlich im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat eine Lösung gefunden werden.

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LSG Hessen: Zweiter Elektro-Rollstuhl muss von Krankenkasse nur in Ausnahmefällen bezahlt werden

Die gesetzliche Krankenkasse muss Versicherten bei einer Behinderung im Bereich der Mobilität keinen zweiten Elektro-Rollstuhl gewähren. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Hessischen Landessozialgerichts in Darmstadt vom 19.05.2011. Etwas anderes gelte erst dann, wenn der Erst-Rollstuhl regelmäßig über längere Zeit nicht verfügbar sei, ein passender Ersatz-Rollstuhl nicht gestellt werden könne und der Versicherte deshalb über längere Zeit überwiegend bettlägerig sei, heißt es in der jetzt veröffentlichten Entscheidung (Az.: L 8 KR 310/08, BeckRS 2011, 73184).

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KG: Sing-Akademie zu Berlin erhält Grundstück ihres früheren Konzertgebäudes nicht zurück

Die Sing-Akademie zu Berlin hat das Eigentum an Grundstücken, auf denen ihr historisches Konzertgebäude stand, durch Enteignung verloren und kann deswegen nicht in einem Zivilprozess verlangen, im Wege der Grundbuchberichtigung als Eigentümerin ins Grundbuch eingetragen zu werden. Dies hat am 07.07.2011 das Kammergericht entschieden und eine anderslautende erstinstanzliche Entscheidung des Landgerichts Berlin vom 10.02.2010 geändert. Die Gesamtschau der Geschehnisse um die Grundstücke in der Zeit von 1945 bis 1963 führe zu dem Ergebnis, dass eine Enteignung vorliege. Der Staat habe seinerzeit die Grundstücke in Besitz genommen und anschließend unter vollständiger und endgültiger Verdrängung des Klägers aus dem Eigentum selbst die Eigentümerbefugnisse gewahrt und sei auch in das Grundbuch eingetragen worden (Az.: 28 U 10/10).

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EU-Parlament spricht sich gegen Wiedereinführung von Grenzkontrollen aus

Das Europäische Parlament lehnt eine Wiedereinführung der Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums ab. Migrationsströme und Asylsuchende könnten dies nicht rechtfertigen, heißt es in einer am 07.07.2011 verabschiedeten Entschließung. Einige Mitgliedsstaaten wollten angesichts des plötzlichen Zustroms von Migranten aus Nordafrika wieder Binnengrenzkontrollen einführen. Das Parlament bedaure dies und bekräftigt «seine entschiedene Ablehnung jedes neuen Schengen-Mechanismus, der andere Ziele als die Verbesserung der Freizügigkeit und der Verwaltung des Schengenraums durch die EU hat.»

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LG Mühlhausen: Gefängnisstrafen für Softwarepiraten

Zwei Softwarehändler, die urheberrechtlich geschützte Programme kopierten und die Kopien verkauften, sind am 07.07.2011 vom Landgericht Mühlhausen zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die beiden 35 Jahre alten Männer müssen wegen 971 Straftaten für dreieinhalb beziehungsweise drei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Die Richter blieben damit geringfügig unter den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenkläger (Az.: 530 Js 62175/08 – 6 KLs).

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USA: Mexikaner in Texas trotz internationaler Proteste hingerichtet

Die texanischen Behörden haben den Mexikaner Humberto Leal Garcia trotz internationaler Proteste am 07.07.2011 in Huntsville hingerichtet. Der wegen Mordes verurteilte 38-Jährige starb durch eine Giftspritze, teilten die Justizbehörden der dpa mit. Zuvor hatte die Regierung von US-Präsident Barack Obama noch ohne Erfolg versucht, beim U.S. Supreme Court einen Aufschub zu erreichen, weil dem Angeklagten nach seiner Festnahme nicht mitgeteilt worden war, dass er das Recht hat, seine Botschaft um juristische Hilfe zu bitten.

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Ausgewählte Urteilsanalysen

BAG: Außerordentliche Verdachtskündigung – Neubeginn der Kündigungserklärungsfrist bei Anklageerhebung

BGB §§ 241 II, 626

Der Arbeitgeber kann eine den Verdacht der Tatbegehung verstärkende Tatsache – wie die Erhebung der öffentlichen Klage – auch dann zum Anlass für den Ausspruch einer Verdachtskündigung nehmen, wenn er eine solche schon zuvor erklärt hatte. Die Frist des § 626 II BGB beginnt mit ausreichender Kenntnis von der verdachtsverstärkenden Tatsache erneut zu laufen.

BAG, Urteil vom 27.01.2011 - 2 AZR 825/09 (LAG Hessen), BeckRS 2011, 73197

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Jul 11, 2011, 10:34:34 AM7/11/11
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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 11. Juli 2011

Top-Meldungen

BAG: Anfechtung nach Falschbeantwortung der Frage nach Schwerbehinderung nur bei Ursächlichkeit für Einstellung

Die falsche Beantwortung einer dem Arbeitnehmer bei der Einstellung zulässigerweise gestellten Frage zu einer Schwerbehinderung kann den Arbeitgeber dazu berechtigen, den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten. Voraussetzung ist, dass die Täuschung für den Abschluss des Arbeitsvertrags ursächlich war. Wirkt sich die Täuschung im Arbeitsverhältnis weiterhin aus, kann zudem eine Kündigung gerechtfertigt sein. Dies stellt das Bundesarbeitsgericht klar (Urteil vom 07.07.2011, Az.: 2 AZR 396/10).

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BGH: Keine Beugehaft gegen ehemalige RAF-Terroristen in Prozess gegen Verena Becker

In dem Strafverfahren gegen die Ex-Terroristin Verena Becker wegen ihrer möglichen mittäterschaftlichen Beteiligung an der Ermordung des damaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback 1977 müssen die zwei ehemaligen RAF-Terroristen Siegfried Haag und Roland Mayer nicht als Zeugen aussagen. Der Bundesgerichtshof hat die Anordnung von Beugehaft aufgehoben, mit der das Oberlandesgericht Stuttgart Haag und Mayer zur Aussage zwingen wollte. Beide könnten die Auskunft verweigern, weil sie sich im Fall einer Aussage eventuell selbst wegen anderer Straftaten belasten müssten, heißt es in der Begründung (Az.: StB 8+9/11).

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LG Regensburg verurteilt Holocaust-Leugner Williamson zu Geldstrafe

Das Landgericht Regensburg hat den Bischof der erzkonservativen katholischen Pius-Bruderschaft Richard Williamson am 11.07.2011 wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu je 100 Euro verurteilt, weil er 2008 in einem Fernsehinterview den Holocaust geleugnet hatte. Das Amtsgericht Regensburg hatte gegen ihn in erster Instanz eine Geldstrafe von 10.000 Euro (100 Tagessätze) verhängt.

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LG Dortmund: Energieversorger müssen ihre Kunden per Brief über Preisänderungen informieren

Wenn ein Energieversorger seine Kunden über Preisänderungen nur per E-Mail informiert, ist dies nicht ausreichend. Dies hat das Dortmunder Landgericht in zwei Verfahren der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen zwei Energieversorger entschieden, wie die Verbraucherschützer am 07.07.2011 mitteilen. Auch dürfe eine Preisänderungsklausel in Strom- und Gaslieferverträgen nicht auf die sechswöchige Ankündigungsfrist für Preiserhöhungen verzichten. Ansonsten sei sie unwirksam (Urteil vom 14.01.2011, Az.: 25 O 247/11 und Urteil vom 27.04.2011, Az.: 8 O 473/10).

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Weitere Nachrichten

LSG Sachsen-Anhalt: Kein Krankenversicherungsschutz bei Scheinarbeitsvertrag zur Krankheitsabsicherung

Wird ein Arbeitsvertrag allein zur Absicherung gegen Krankheit geschlossen, wird keine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse begründet. Dies hat das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt mit rechtskräftigem Urteil vom 19.05.2011 entschieden. Ein Versicherungsschutz sei wegen Rechtsmissbrauchs ausgeschlossen (Az.: L 10 KR 52/07).

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OVG Koblenz: Verbandsgemeinde muss finanzielle Doppelbelastung durch Beteiligung an Schulkosten über Kreisumlage hinnehmen

Eine Verbandsgemeinde kann gegen die Rechtmäßigkeit einer Kreisumlage nicht mit Erfolg einwenden, sie müsse die Kosten von Realschulen, die Teil eines Schulzentrums anderer Verbandsgemeinden sind, über die Kreisumlage mitfinanzieren und zugleich die Ausgaben der von ihr getragenen organisatorisch selbstständigen Realschule aufbringen. Dies hat das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz mit Urteil vom 07.06.2011 entschieden (Az.: 2 A 10213/11.OVG).

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Bundesrat begrüßt Aufhebung des Gesetzes für Internetsperren

Der Bundesrat begrüßt die Pläne der Bundesregierung, das Gesetz für Internetsperren aufzuheben. Dieses war 2010 verkündet, aber nie angewendet worden. Es sollte den Zugang zu kinderpornografischen Inhalten im Internet durch Sperrmaßnahmen unterbinden. Nach Darstellung der Bundesregierung besteht die Gefahr, dass die Sperren umgangen werden. Im Interesse der Opfer müsse es daher Ziel sein, strafbare Inhalte durch konsequentes Löschen nachhaltig aus dem Netz zu verbannen. Die verbesserten Erfolge bei nationalen und internationalen Löschbemühungen machten Sperrmaßnahmen zwischenzeitlich verzichtbar.

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Länder wollen Bekämpfung der Schwarzarbeit verbessern

Der Bundesrat möchte die Möglichkeiten optimieren, handwerks- und gewerberechtliche Verstöße zu ahnden. Hierzu hat er am 08.07.2011 den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes und des Telekommunikationsgesetzes (BR-Drs. 356/11) beschlossen.

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Bundesrat billigt CO2-Kennzeichnung für Pkw

Der Bundesrat hat am 08.07.2011 der Einführung eines Energielabels für neue Pkw zugestimmt, das Verbraucher künftig nach dem Vorbild der Kennzeichnungen für Haushaltsgeräte in farbiger, abgestufter Form über die CO2-Effizienz der Fahrzeuge informiert. Allerdings hat er zur Bedingung gemacht, dass nach drei Jahren weitere Kriterien zur Berechnung der Effizienzklasse geprüft werden. Denn die jetzige Berechnung unter Berücksichtigung der Masse der Fahrzeuge könne dazu führen, dass schwere Geländewagen unter Umständen eine bessere CO2-Effizienzklasse erhalten als Kleinwagen, kritisiert die Länderkammer.

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Bundesrat: Grünes Licht für Infektionsschutzgesetz

Die Länder haben am 08.07.2011 das Infektionsschutzgesetz gebilligt, das die Hygienequalität in Krankenhäusern optimieren soll. Ziel ist es, die Zahl der Ansteckungen von Patienten mit multiresistenten Erregern zu verringern.

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Bundesregierung will Pferde-Brandzeichen Ende 2012 verbieten

Die umstrittene Kennzeichnung von Pferden mit schmerzhaften Brandzeichen soll ab Ende 2012 verboten sein. Bis November 2012 werde die bisherige Ausnahme im Tierschutzgesetz gestrichen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gerd Müller (CSU), am 08.07.2011 im Bundesrat. Neue Mikrochips sollten europaweit den Schenkelbrand ablösen.

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Ausgewählte Urteilsanalysen

AG Berlin-Charlottenburg: Kostenerstattungsanspruch nur gegenüber Wohnungseigentümergemeinschaft

WEG §§ 43 Nr. 1, 16 II, 10 VI

Auch in einer Wohnungseigentümergemeinschaft ohne Verwalter besteht kein Kostenerstattungsanspruch für Eigentümer, die für den Verband in Vorleistung getreten sind, gegen andere Wohnungseigentümer. Erstattungsansprüche bestehen vielmehr nur gegen den Verband der Wohnungseigentümergemeinschaft.

AG Berlin-Charlottenburg, Urteil vom 15.06.2011 - 72 C 141/10, BeckRS 2011, 17125

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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 12. Juli 2011

Top-Meldungen

EuGH präzisiert Verantwortlichkeit von Internet-Marktplatzbetreibern für Markenrechtsverletzungen durch Nutzer

Der Europäische Gerichtshof hat in einem Urteil vom 12.07.2011 die Verantwortlichkeit von Betreibern einer Internet-Handelsplattform für Markenrechtsverletzungen durch Nutzer präzisiert. So könne sich ein Betreiber nicht auf eine Ausnahme von der Verantwortlichkeit berufen, wenn er Kenntnis von Markenrechtsverstößen hatte und es unterlassen hat, die betreffenden Daten unverzüglich zu entfernen oder den Zugang zu ihnen zu sperren. Außerdem müssten die nationalen Gerichte den Betreibern aufgeben können, Maßnahmen sowohl zur Beendigung der Markenrechtsverletzungen als zur Vorbeugung gegen weitere Verstöße zu ergreifen (Rs. C-324/09).

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BGH: Sperrung eines Mobilfunktelefons bei nur geringfügigem Zahlungsrückstand unzulässig

Ein Mobilfunkanbieter darf den Handy-Anschluss nicht wegen eines kleinen Zahlungsrückstands oder aus einem anderen geringfügigen Anlass sperren. Das hat der Bundesgerichtshof nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen das Unternehmen E-Plus entschieden, (Urteil vom 09.06.2011, Az.: III ZR 157/10). Der vzbv hält das Urteil für bedeutungsvoll für die gesamte Branche.

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Staatsanwaltschaft wirft Duisburger Rathaus im Zusammenhang mit Loveparade gravierende Fehler vor

Am 24.07.2010 starben bei der Loveparade 2010 in Duisburg 21 Menschen, viele Hunderte wurden zum Teil schwer verletzt. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat jetzt ihren Zwischenbericht vorgelegt. Danach hätte die Techno-Party nach den relevanten Sicherheitsstandards gar nicht stattfinden dürfen. Dies berichtet die «Rheinische Post» in ihrer Online-Ausgabe am 11.07.2011. Die Duisburger Staatsanwaltschaft sei in ihren Ausführungen zum Stand der Ermittlungen zu dem Ergebnis gekommen, dass man im Rathaus gravierende Fehler begangen habe.

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EuG hebt Geldbußen gegen Toshiba und Mitsubishi wegen Beteiligung an Kartell für gasisolierte Schaltanlagen auf

Das Europäische Gericht hebt nach eigener Mitteilung die gegen Mitsubishi und Toshiba wegen ihrer Beteiligung an einem Kartell für gasisolierte Schaltanlagen verhängten Geldbußen wegen Ungleichbehandlung durch die Kommission auf. Außerdem wird die Geldbuße von Fuji in Höhe von ursprünglich 2,40 Millionen Euro auf 2,20 Millionen Euro ermäßigt, während die gegen Hitachi verhängte Geldbuße in Höhe von 50,40 Millionen Euro aufrechterhalten wird. Die Geldbußen hatte 2007 die Kommission verhängt (Az.: T-113/07, T-132/07, T-133/07, Urteile vom 12.07.2011, nicht rechtskräftig).

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Weitere Nachrichten

OLG Oldenburg: Verjährungsfrist läuft nicht bei jahrzehntelang verdrängtem Missbrauch

Die Verjährung eines Anspruchs auf Schmerzensgeld beginnt nach einem Berufungsurteil des Oberlandesgerichts Oldenburg mit Kenntnis vom Schaden und der Person des Ersatzpflichtigen. Hat ein Tatopfer das Tatgeschehen aufgrund einer psychischen Traumatisierung verdrängt, beginnt die Verjährungsfrist erst mit Eintritt der Erinnerung an das Geschehene. Die späte Klage eines heute 34-jährigen Opfers von sexuellem Missbrauch im Kindesalter auf Schmerzensgeld hatte damit Erfolg (Urteil vom 12.07.2011, Az.: 13 U 17/11).

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VG Stuttgart: Aus Ausbildungscamp der Taliban geflohener Afghane ist als Flüchtling anzuerkennen

Ein afghanischer Staatsangehöriger, der aus einem Ausbildungscamp der Taliban für Selbstmordattentäter geflohen ist, ist als Flüchtling anzuerkennen. Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart mit Urteil vom 21.06.2011 entschieden. Der Kläger sei in Afghanistan wegen seiner (vermeintlichen) politischen Überzeugung durch den afghanischen Staat sowie durch nichtstaatliche Akteure - die Taliban - verfolgt worden, ohne dass er eine innerstaatliche Fluchtalternative gehabt habe (Az.: A 6 K 749/11, BeckRS 2011, 52156).

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OVG Berlin-Brandenburg: Verweigerung der Akkreditierung einer freien Fotojournalistin für G-8-Gipfel im Juni 2007 war rechtswidrig

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat auf die Klage einer Studentin, die auch als freie Fotojournalistin arbeitete, festgestellt, dass die Verweigerung ihrer Akkreditierung zum G-8-Gipfel in Heiligendamm im Juni 2007 rechtswidrig war. Sie könne sich auf das Grundrecht der Pressefreiheit berufen und aus Gründen der Gleichbehandlung mit anderen Pressevertretern beanspruchen, dass über ihren Akkreditierungsantrag ermessensfehlerfrei entschieden werde. Dies sei nicht geschehen (Urteil vom 22.06.2011, Az.: OVG 10 B 1.11).

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AG München: Wohnungsmaklerin muss zweiseitige Tätigkeit offenlegen

Die Doppeltätigkeit einer Maklerin ist grundsätzlich zulässig. Sie ist jedoch offenzulegen. Geschieht dies in einem Expose der Maklerin und im notariellen Kaufvertrag, ist dies ausreichend. Dies hat das Amtsgericht München entschieden (Urteil vom 02.07.2010, Az.: 121 C 1836/10, rechtskräftig).

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Verbraucherzentrale geht gegen Rechtsschutzversicherer vor wegen weit gefasster Obliegenheitsklausel

Die Verbraucherzentrale Hamburg geht wegen einer ihrer Ansicht nach intransparenten und benachteiligenden Klausel in Verträgen gegen Rechtsschutzversicherungen vor. Laut Mitteilung der Verbraucherschützer sieht auch der BGH Klauseln wie die folgende kritisch: «Der Versicherungsnehmer hat alles zu vermeiden, was eine unnötige Erhöhung der Kosten oder eine Erschwerung ihrer Erstattung durch die Gegenseite verursachen könnte.» Diese Klausel sei für den Kunden von großer Bedeutung. Verstoße er gegen sie, riskiere er – je nach Verschuldensgrad – den Versicherungsschutz ganz oder teilweise. Die Klausel ist nach Überzeugung der Verbraucherzentrale nicht klar genug gefasst, so dass der Versicherungskunde nicht wirklich erkennen kann, was seine Verpflichtungen nach einem Schadensfall sind.

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Bundespräsident lässt sich Zeit mit Unterschrift des Atomgesetzes

Bundespräsident Christian Wulff hat eine unzureichende Einbindung des Parlaments bei der Energiewende kritisiert und will das neue Atomgesetz zunächst eingehend prüfen. Man dürfe solche Entscheidungen nicht in «Koalitionsausschüsse oder bestimmte Sonderkommissionen verlagern», betonte Wulff im ZDF-Sommerinterview mit Blick auf das Vorgehen der schwarz-gelben Bundesregierung. Zum geplanten Ausstieg bis 2022 und zur Stilllegung von acht Atomkraftwerken sagte Wulff, er müsse auch eigentumsrechtliche Fragen prüfen. Das Ganze sei sehr komplex und brauche Zeit. «Die werde ich mir auch nehmen.»

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EU will neue synthetische Drogen schärfer bekämpfen

Die Europäische Kommission will schärfer gegen neue psychoaktive Substanzen vorgehen und im Herbst Vorschläge dazu machen. Dies geht aus einem Bericht hervor, den sie am 11.07.2011 vorgelegt hat. Diese «neuen synthetischen Drogen werden mit einer nie dagewesenen Geschwindigkeit in ganz Europa verbreitet. Sie können giftig sein, machen süchtig und haben langfristige schädliche Wirkungen», sagte die für das Ressort Justiz zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding. 2010 ermittelte die EU nach Angaben der Kommission die Rekordzahl von 41 solcher Substanzen, die wie Ecstasy oder Kokain wirken und legal vertrieben werden.

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Ausgewählte Urteilsanalysen

BGH: Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung - Begriff der Außensozietät und Abgrenzung zu einer Kooperation

AVB-S §§ 4 Nr. 5 Satz 1, 12 I 1, III

Eine Kooperation zwischen Steuerberatern ist einer Außensozietät nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes nicht gleichgestellt. Steuerberater, die gegenüber dem Rechtsverkehr als Kooperation auftreten, haften nicht nach den Grundsätzen der Scheinsozietät.

BGH, Urteil vom 18.05.2011 - IV ZR 168/09 (OLG Frankfurt a.M.), BeckRS 2011, 15425

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Jul 13, 2011, 10:46:50 AM7/13/11
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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 13. Juli 2011

Top-Meldungen

BGH: Preisanpassungsklauseln in Fernwärmelieferverträgen müssen neben Markt- auch Kostenelement enthalten

Preisanpassungsklauseln sind nur dann gemäß § 24 Abs. 3 AVBFernwärmeV a.F. (entspricht § 24 Abs. 4 AVBFernwärmeV n.F.) zulässig, wenn sie neben einem Marktelement auch ein Kostenelement enthalten. Dies hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 13.07.2011 entschieden und damit seine bisherige Rechtsprechung bekräftigt. Nur hierdurch werde sichergestellt, dass neben der Kostenentwicklung auf dem Wärmemarkt auch die konkreten Erzeugungskosten und daneben die Kosten für die Bereitstellung von Fernwärme (etwa Transport, Verteilung) bei einer Preisanpassung angemessen berücksichtigt werden (Az.: VIII ZR 339/10).

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BGH: Verbrauchsgüterkauf kann auch bei «branchenfremdem» Geschäft einer GmbH vorliegen

Der Verkauf eines Gebrauchtwagens durch eine GmbH an einen Verbraucher unterliegt grundsätzlich auch dann den Vorschriften über den Verbrauchsgüterkauf (§ 474 BGB), wenn es sich hierbei um ein für die GmbH «branchenfremdes» Nebengeschäft handelt. Dies geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13.07.2011 hervor (Az.: VIII ZR 215/10).

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BFH: Innergemeinschaftliche Lieferungen sind bei Verschleierung der Identität des Abnehmers durch Unternehmer umsatzsteuerpflichtig

Innergemeinschaftliche Lieferungen sind entgegen § 6a UStG umsatzsteuerpflichtig, wenn der Unternehmer die Identität seines Abnehmers verschleiert, um diesem die Hinterziehung der geschuldeten Umsatzsteuer zu ermöglichen. Dies geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 17.02.2011 hervor (Az.: V R 30/10). Mit dieser Entscheidung und einem weiteren jetzt veröffentlichten Urteil vom selben Tag (Az.: V R 28/10) hat das Gericht eine Reihe von Zweifelsfragen bei so genannten innergemeinschaftlichen Lieferungen an Unternehmer in andere Mitgliedstaaten geklärt – insbesondere Fragen zur betrügerischen Ausnutzung der Umsatzsteuerbefreiung von Liefergeschäften innerhalb der Europäischen Union.

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BFH: Zivilprozesskosten sind als außergewöhnliche Belastungen abziehbar

Kosten eines Zivilprozesses können unabhängig von dessen Gegenstand bei der Einkommensteuer als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden. Dies hat der Bundesfinanzhof unter Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung mit Urteil vom 12.05.2011 entschieden. Voraussetzung sei, dass sie unausweichlich sind. Dies sei nur der Fall, wenn die Prozessführung hinreichende Aussicht auf Erfolg biete und nicht mutwillig erscheine. Davon ist laut BFH auszugehen, wenn der Erfolg des Zivilprozesses mindestens ebenso wahrscheinlich wie ein Misserfolg ist (Az.: VI R 42/10, BeckRS 2011, 95761).

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FG Berlin-Brandenburg: Festsetzungsverjährung hindert nachträgliche Verlustfeststellung bei fiktiver vollständiger Verlustaufzehrung

Ein Steuerpflichtiger kann keine gesonderte Verlustfeststellung mehr verlangen, wenn für den Veranlagungszeitraum, in dem erstmals ein Verlustabzug möglich gewesen wäre, bereits Festsetzungsverjährung eingetreten ist und der Verlust im verjährten Zeitraum vollständig aufgezehrt worden wäre. Dies hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg mit rechtskräftigem Urteil vom 28.02.2011 entschieden (Az.: 5 K 5210/08, BeckRS 2011, 95085). Denn sei für den Veranlagungszeitraum, auf den der Verlust vorzutragen wäre, bereits Festsetzungsverjährung eingetreten, müsse der Steuerpflichtige sich so behandeln lassen, als sei der Verlustvortrag vorgenommen worden.

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Weitere Nachrichten

EuG reduziert Millionen-Kartellstrafe gegen ThyssenKrupp-Unternehmensgruppe

Der ThyssenKrupp-Konzern muss wegen illegaler Absprachen auf dem Markt für Fahrstühle weniger bezahlen als von der Europäischen Kommission vorgesehen. Das Europäische Gericht Erster Instanz hat mit Urteil vom 13.07.2011 die Geldbußen herabgesetzt, die gegen mehrere Gesellschaften der ThyssenKrupp-Unternehmensgruppe verhängt worden waren. Nach Auffassung des Gerichts hatte die Kommission die festgestellten Zuwiderhandlungen fälschlicherweise als Wiederholungstaten angesehen. Deshalb wurde die Strafe von rund 480 auf rund 320 Millionen Euro reduziert. Die gegen die Gesellschaften der Unternehmensgruppen Otis, Kone und Schindler verhängten Geldbußen wurden aufrechterhalten (Az.: T-141/07, T-142/07, T-145/07, T-146/07, T-144/07, T-147/07, T-148/07, T-149/07, T-150/07, T-154/07 und T-151/07).

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FG Rheinland-Pfalz: Nebenberuflicher Übungsleiter mit Einnahmen unter steuerfreiem Betrag und höheren Betriebsausgaben kann Verluste steuerlich in Ansatz bringen

Verluste aus einer nebenberuflichen Übungsleitertätigkeit sind auch dann anzuerkennen, wenn die Einnahmen den steuerfreien Betrag nicht übersteigen. Das hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 25.05.2011 entschieden. Die Revision wurde wegen höchstrichterlichen Klärungsbedarfs zugelassen (Az.: 2 K 1996/10, nicht rechtskräftig).

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LSG Hessen: Fußballspiel auf Dienstreise ist nicht unfallversichert

Ereignet sich ein Unfall bei einem Fußballspiel auf einer Dienstreise, so handelt es sich in der Regel nicht um einen versicherten Arbeitsunfall. Dies hat das Hessische Landessozialgericht mit einem jetzt veröffentlichtem Urteil vom 15.03.2011 entschieden. Die Tatsache, dass ein Fußballspiel bereits im Rahmen der Einladung zu der Dienstreise als eigener Programmpunkt aufgenommen worden ist, begründe allein keinen sachlichen Zusammenhang zwischen der versicherten Tätigkeit und der Teilnahme am Fußballspiel. Ebenso sei für die Frage des Versicherungsschutzes nicht maßgeblich, ob die Teilnahme an einer sportlichen Veranstaltung aufgrund der Erwartungshaltung, auf Wunsch oder gar auf Weisung des Arbeitgebers erfolgte (Az.: L 3 U 64/06, BeckRS 2011, 73028).

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VG Berlin stoppt in Eilverfahren Besetzung des Amtes des Berliner Polizeipräsidenten

Die Stelle des Berliner Polizeipräsidenten darf vorerst nicht mit dem ausgewählten Bewerber besetzt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin auf den Eilantrag eines abgelehnten Mitbewerbers entschieden. Zur Begründung heißt es, die Behörde habe die Verfahrensvorgaben des Gesetzgebers, die der so genannten «Bestenauslese» dienten, nicht eingehalten (Beschluss vom 12.07.2011, Az.: VG 5 L 176.11).

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Insolvenzrichter billigen Verkauf der Nortel-Patente an Apple und Microsoft

US-amerikanische und kanadische Gerichte haben dem Verkauf von rund 6.000 Patenten und Patentanträgen des insolventen kanadischen Telekom-Ausrüsters Nortel Networks an ein Konsortium von sechs Technologieunternehmen, darunter Apple, Microsoft und Sony, zugestimmt. Das Paket, das für 4,5 Milliarden US-Dollar (3,2 Milliarden Euro) den Besitzer wechselt, ist eine mächtige Waffe im aktuellen Smartphone-Patentkrieg. Deshalb war auch der Internetkonzern Google an den Patenten außerordentlich interessiert, unterlag aber.

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Israelisches Parlament verabschiedet umstrittenes Anti-Boykott-Gesetz

Das israelische Parlament hat trotz aller Kritik und Warnungen ein umstrittenes Anti-Boykott-Gesetz verabschiedet. Demnach können nicht nur Israelis, sondern auch in Ostjerusalem lebende Araber auf Schadenersatz verklagt werden, wenn sie beispielsweise zum Boykott von Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland aufrufen. Mehrere Menschenrechtsorganisationen kündigten am 12.07.2011 an, dass sie das neue Gesetz vor dem Obersten Gerichtshof anfechten werden.

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Polen klagt gegen neue Emissionsrechte-Regelung

Polen will eine Neuregelung des Handels mit Emissionsrechten in der EU stoppen. Eine Klage sei beim Europäischen Gerichtshof eingereicht worden, teilte das Außenministerium in Warschau am 08.07.2011 mit. Er habe den Eindruck, dass Brüssel die polnischen Besonderheiten nicht berücksichtigt habe, sagte der polnische Regierungschef Donald Tusk.

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Deutscher Richterbund gegen Schließung bewährter Gerichtstandorte

Die Vorsitzenden der Bundes- und der Landesverbände des Deutschen Richterbundes (DRB) haben in einer Mitteilung vom 12.07.2011 ihre Solidarität mit ihren Kollegen bekundet, deren Gerichte von Schließungen bedroht sind. Sie fordern den Erhalt bewährter Gerichtstandorte und wenden sich in diesem Zusammenhang auch gegen die von der neuen Regierung in Rheinland-Pfalz geplante Schließung des Oberlandesgerichts und der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. In vielen Ländern Deutschlands wolle man Gerichte ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort schließen oder zusammenlegen, moniert der DRB.

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Gesetzentwurf: Grüne fordern auch für gleichgeschlechtliche Paare Ehe

Nach dem Willen von Bündnis 90/Die Grünen sollen auch gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen können. Dazu sei eine Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs erforderlich, heißt es im dazu vorgelegten Gesetzentwurf der Fraktion (BT-Drs. 17/6343). Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der damit verbundenen Änderung des Eheverständnisses gebe es keine haltbaren Gründe, homo- und heterosexuelle Paare unterschiedlich zu behandeln und «am Ehehindernis der Gleichgeschlechtlichkeit» festzuhalten, so die Begründung der Grünen.

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Jul 14, 2011, 10:43:25 AM7/14/11
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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 14. Juli 2011

Top-Meldungen

BVerfG: Keine Familienversicherung für Kinder verheirateter Eltern mit einem besser verdienenden privatversicherten Elternteil

Kinder verheirateter Eltern bleiben auch künftig von der beitragsfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen, wenn ein Elternteil privatversichert ist, mehr verdient als der gesetzlich versicherte Partner und ein Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze erzielt. Das Bundesverfassungsgericht hat seine bisherige Rechtsprechung (NJW 2003, 1381) mit jetzt mitgeteiltem Beschluss vom 14.06.2011 bestätigt und eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen. Der Ausschlusstatbestand in § 10 Abs. 3 SGB V sei mit den Grundrechten vereinbar. Die punktuelle Benachteiligung verheirateter Elternteile sei hinzunehmen, weil Ehen im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der gesetzlichen Regelung gegenüber nichtehelichen Lebensgemeinschaften nicht schlechter gestellt würden (Az.: 1 BvR 429/11).

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BGH: Kein Schadensersatz für Gaststättenpächter wegen Umsatzeinbußen durch Nichtraucherschutzgesetz

Das durch das Nichtraucherschutzgesetz Rheinland-Pfalz eingeführte Rauchverbot in öffentlichen Gaststätten führt nicht zu einem Mangel des Pachtgegenstandes und damit zum Schadenersatz für etwaige Umsatzeinbußen im Zusammenhang mit dem Rauchverbot. Das hat der Bundesgerichtshof in einer am 13.07.2011 veröffentlichten Entscheidung klargestellt. Auch muss der Verpächter nicht für Kosten von Umbaumaßnahmen aufkommen, die einen Raucherbereich ermöglichen sollen (Urteil vom 13.07. 2011, Az.: XII ZR 189/09).

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EuGH: Geografische Angabe «Cognac» für finnischen Branntwein nicht als Marke eintragbar

Eine Marke, die die geografische Angabe «Cognac» enthält, kann nicht für eine Spirituose eingetragen werden, die nicht unter diese Angabe fällt. Dies hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Seiner Ansicht nach würde die gewerbliche Verwendung einer solchen Marke die geschützte Angabe beeinträchtigen (Urteil vom 14.07.2011, Az.: C-4/10 und C-27/10).

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EuG: Geldbußen gegen Unipetrol, Kau?uk und Trade-Stomil wegen Beteiligung an Kartell für synthetische Kautschuke nichtig

Unipetrol und deren Tochtergesellschaft Kau?uk und Trade-Stomil müssen keine Geldbußen wegen einer Beteiligung an einem Kartell für synthetische Kautschuke zahlen. Das Gericht der Europäischen Union hat am 13.07.2011 eine Entscheidung der Europäischen Kommission, mit der diese gegen 13 Unternehmen Geldbußen in Höhe von insgesamt 519 Millionen Euro verhängt hatte, insoweit für nichtig erklärt. Nach Auffasung des Gerichts hat die Kommission eine Kartellbeteiligung der drei Unternehmen nicht hinreichend bewiesen. Außerdem setzte das EuG die Geldbuße gegen Eni und deren Tochtergesellschaft Polimeri Europa von 272,25 Millionen Euro auf 181,50 Millionen Euro herab (Rs. T-39/07, T-44/07, T-45/07, T-53/07, T-59/07 und andere).

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EuG erhält Geldbußen gegen Total und Elf Aquitaine wegen Bleichmittel-Kartells aufrecht

Für die Arkema France und deren Muttergesellschaften, Total und Elf Aquitaine, bleibt es bei den von der europäischen Kommission wegen der Beteiligung an einem Wasserstoffperoxid- und Natriumperborat-Kartell verhängten Geldbußen. Das hat das Europäische Gericht erster Instanz mit Urteilen vom 14.07.2011 entschieden. Danach durfte die Kommission den Muttergesellschaften Total und Elf Aquitaine die Zuwiderhandlung ihrer Tochtergesellschaft Arkema France zurechnen. Die EU-Behörde hatte gegen Arkema eine Geldbuße von 78,66 Millionen Euro verhängt, für die Total und Elf Aquitaine gesamtschuldnerisch haftbar gemacht wurden (Az.: T-189/06 und T-190/06).

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Weitere Nachrichten

BVerwG: Planfeststellungsbeschluss für Bau der Ortsumgehung Freiberg rechtswidrig und nicht vollziehbar

Das Bundesverwaltungsgericht hat über die Klagen einer anerkannten Naturschutzvereinigung und zweier Grundstückseigentümer gegen den Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion Chemnitz für den Bau der Ortsumgehung Freiberg im Zuge der Bundesstraßen B 101 und B 173 entschieden. Während das Gericht die Klagen der Grundstückseigentümer abwies, stellte es auf die Klage der Naturschutzvereinigung hin fest, dass der Planfeststellungsbeschluss rechtswidrig ist und nicht vollzogen werden darf (Urteile vom 14.07.2011, Az.: 9 A 12.10, 9 A 14.10 und 9 A 17.10).

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LG Nürnberg-Fürth: Internetkaufhaus darf sich in AGB nicht weltweite und gebührenfreie Lizenz aller eingetragenen Markenzeichen gewähren lassen

Eine Regelung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines Internetkaufhauses, wonach jeder Händler dem Kaufhaus die «weltweite und gebührenfreie Lizenz zur Verwendung aller eingetragenen Markenzeichen, Handelsnamen und der Namen und Darstellungen aller im Material auftretenden Personen» gewährt, ist überraschend und daher nach §§ 305c Abs. 1, 307 BGB unwirksam. Dies hat das Landgericht Nürnberg-Fürth anlässlich eines Streits zweier Aquaristik-Händler, die beide Waren bei einem großen Internetkaufhaus zum Verkauf anboten, entschieden (Urteil vom 04.02.2011, Az.: 4 HK O 9301/10, rechtskräftig).

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OLG Dresden: Online-Videorekorder von Save.TV mit Vervielfältigungsrecht der Sendeanstalten vereinbar

Der Online-Videorekorder von Save.TV ist mit dem Vervielfältigungsrecht der Rundfunkanstalten vereinbar. Dies hat am 12.07.2011 das Oberlandesgericht Dresden entschieden (Az.: 14 U 801/07), wie der Online-Videorekorder-Dienst am 13.07.2011 selbst mitteilt.

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OVG Berlin-Brandenburg bejaht Beitragsfreiheit für erstes Hortjahr eines vorzeitig eingeschulten Kindes

Eltern, deren Kinder vorzeitig eingeschult werden und denen deshalb die im Jahr 2006 eingeführte Kostenfreiheit für das letzte Kindergartenjahr entgeht, haben einen Anspruch auf Kostenfreiheit für das erste Hortjahr. Das hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden und in Abänderung des Urteils der Vorinstanz die Behörde verpflichtet, die monatliche Kostenbeteiligung für das erste Hortjahr der Tochter des Klägers auf 0 Euro festzusetzen. Die Revision wurde nicht zugelassen (Beschluss vom 07.07.2011, Az.: OVG 6 B 14.10).

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OVG Lüneburg: Apotheken-Werbegaben bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln nur in engen Grenzen zulässig

Bonusmodelle, bei denen Apotheken ihren Kunden bei der Abgabe verschreibungspflichtiger und damit preisgebundener Arzneimittel Einkaufsgutscheine und sonstige Werbegaben («Apotheken-Taler», «Bonus-Taler») gewähren, sind nur in sehr engen Grenzen zulässig. Dies hat das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen in Lüneburg mit Blick auf das Heilmittelwerberecht in mehreren Eilbeschlüssen vom 08.07.2011 entschieden (Az.: 13 ME 94/11, 13 ME 95/11 und 13 ME 111/11)

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Hessen-FDP setzt weiter auf Klage zum Länderfinanzausgleich

In der FDP-Fraktion im hessischen Landtag stößt der Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf Ablehnung, für die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs auf eine Klage vorerst zu verzichten. «Nachdem bisher auf dem Verhandlungsweg leider gar nichts passiert ist, bleibt es bei der Klage», sagte Fraktionschef Florian Rentsch am 12.07.2011 in Wiesbaden gegenüber der Presse.

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Ausgewählte Urteilsanalysen

LG Hagen: Unfallgeschädigter muss Reparaturen von Vorschäden konkret belegen

BGB § 249; ZPO § 286

Kommt es bei einem Unfall mit einem Fahrzeug in einem unfallvorgeschädigten Bereich zu einem neuerlichen Schaden, so hat laut Landgericht Hagen der Geschädigte den Vorschaden und dessen Reparatur konkret und im Einzelnen darzulegen. Selbst kompatible Schäden erhält ein Geschädigter nicht ersetzt, solange es möglich ist, dass diese Schäden durch einen früheren Unfall verursacht wurden.

LG Hagen, Urteil vom 19.05.2011 - 8 O 416/10, BeckRS 2011, 16387

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Jul 15, 2011, 10:55:12 AM7/15/11
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Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 15. Juli 2011

Top-Meldungen

FG Berlin-Brandenburg: Umsatzsteuerfreiheit innergemeinschaftlicher Lieferungen nur bei Nachweis durch Belege

Wer die Umsatzsteuerfreiheit innergemeinschaftlicher Lieferungen in der EU in Anspruch nehmen will, muss die Lieferung nachweisen, und zwar durch von der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung im Einzelnen vorgeschriebene Belege. Geschieht dies nicht, gibt es auch keine Umsatzsteuerbefreiung, stellte das Finanzgericht Berlin-Brandenburg mit Urteil vom 28.02.2011 (Az.: 5 K 5130/08) klar. Gegen das Urteil ist beim Bundesfinanzhof Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt worden (Az.: V B 35/11).

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VG Hannover untersagt Videoüberwachung im öffentlichen Raum

Die Stadt Hannover muss 70 Videokameras abschalten, die von der Polizei angebracht wurden und die grundsätzlich auch Aufnahmen speichern können. Eine Ausnahme gilt nur für Kameras zur Beobachtung des fließenden Verkehrs. Dies hat das Verwaltungsgericht Hannover entschieden. Nach dem niedersächsischen Sicherheitsrecht müsse eine Beobachtung «offen» erfolgen, damit der Einzelne sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung auch wahrnehmen kann (Az.: 10 A 5452/10, nicht rechtskräftig).

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EuGH-Generalanwältin: «People's Mojahedin Organization of Iran» zu Recht von EU-Terrorliste gestrichen

Nach Ansicht der Generalanwältin beim Europäischen Gerichtshof Eleanor Sharpston hat das Gericht der Europäischen Union zu Recht einen Beschluss des Rates vom 15.07.2008 für nichtig erklärt, soweit mit diesem die «People's Mojahedin Organization of Iran» (PMOI) auf der EU-Terrorliste belassen wurde. Sie schlägt in ihren Schlussanträgen vom 14.07.2011 deshalb vor, das von Frankreich gegen das Urteil des EuG eingelegte Rechtsmittel zurückzuweisen. Außerdem fordert sie eine Änderung der Verfahrensordnung des Gerichts, um diesem die Verwendung vertraulicher Informationen unter Wahrung der Verteidigungsrechte und des Rechts auf einen effektiven gerichtlichen Rechtsschutz zu ermöglichen, wenn sie zur Bekämpfung des Terrorismus erforderlich seien (Az.: C-27/09 P).

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Schäuble kritisiert Ratingagenturen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fordert vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in der Eurozone strengere politische Regeln für die Finanzmärkte. Im Interview mit den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe kritisierte er die Ratingagenturen, die die Werthaltigkeit von Staatsanleihen beurteilen. Die Agentur Moody´s habe die portugiesischen Anleihen in der vergangenen Woche herabgestuft und die Schuldenkrise damit abermals beschleunigt. «Wir müssen überlegen, ob die Regeln, die wir haben, ausreichen», sagte Schäuble.

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Weitere Nachrichten

Bundestagspräsident: «Resonanzstudien» der bayerischen Staatskanzlei keine verdeckte Finanzierung der CSU

Die umstrittenen «Resonanzstudien» der Bayerischen Staatsregierung stellten nach Feststellung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert keine verdeckte Parteienfinanzierung dar und verstießen damit nicht gegen das Parteiengesetz. Dies hat der Deutsche Bundestag am 15.07.2011 mitgeteilt. Strafe zahlen muss die CSU daher nicht. Lammert ermahnte die Staatskanzlei aber, den Anschein einer Verquickung staatlichen Regierungshandelns mit Aufgaben und Tätigkeiten einer politischen Partei bei künftigen Auftragsvergaben von Repräsentativbefragungen zu vermeiden.

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VG Neustadt bestätigt Rauchverbot für Zwei-Raum-Gaststätte

Ein Rauchverbot im Thekenraum einer Zwei-Raum-Gaststätte ist rechtens, wenn die Gaststätte ausschließlich über diesen Raum betreten werden kann. Mit Urteil vom 14.07.2011 hat das Verwaltungsgericht Neustadt die Klage einer Gastwirtin aus Bruchmühlbach-Miesau gegen eine Anordnung der beklagten Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau, den Thekenraum ihrer Gaststätte rauchfrei zu halten, abgewiesen. Nur durch das Rauchverbot sei sicher gestellt, dass den nichtrauchenden Gästen stets ein rauchfreier (Haupt-)Bereich zur Verfügung stehe (Az.: 4 K 222/11.NW).

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EnBW klagt als dritter Stromkonzern gegen Brennelementesteuer

Als dritter Energiekonzern will das Unternehmen EnBW gegen die Kernbrennstoffsteuer der Bundesregierung klagen. Das Unternehmen habe jetzt seine Steuererklärung vorgelegt und werde auf dieser Grundlage eine Klage beim zuständigen Finanzgericht Freiburg einreichen, teilte EnBW am 15.07.2011 in Karlsruhe mit. Hintergrund ist, dass der Konzern bei der Revision des Atomkraftwerks Philippsburg II vor einigen Wochen 41 der 193 Brennstäbe ausgetauscht hat. Die neuen Elemente unterliegen der Brennelementesteuer. Der Konzern RWE hat bereits Ende Juni 2011 eine Klage eingereicht. Auch E.on hat eine Klage gegen die Brennelementesteuer angekündigt, die dem Bund bis 2016 bei neun verbleibenden Kernkraftwerken bis zu 1,3 Milliarden Euro jährlich bringen soll.

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LSG Rheinland-Pfalz: Krankenhaus erhält Aufwandspauschale auch bei Zwischenrechnungsprüfungen durch MDK

Ein Anspruch des geprüften Krankenhauses auf eine Aufwandspauschale für Prüfungen durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) kann auch entstehen, wenn Prüfgegenstand die Notwendigkeit einer stationären Krankenhausbehandlung nach Erstellung einer Zwischenrechnung ist. Dies hat das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 07.06.2011 entschieden. Eine Einschränkung des Anspruchs lasse sich aus § 275 Abs. 1c Satz 3 SGB V nicht herleiten, betonten die Richter in ihrer jetzt veröffentlichten Entscheidung (Az.: L 5 KR 189/10).

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Bundeskartellamt richtet neue Abteilung zur Kartellverfolgung ein

Das Bundeskartellamt will die Verfolgung von Kartellen ausbauen. Wie die Behörde am 14.07.2011 mitteilt, soll deshalb eine dritte spezialisierte Abteilung zur Verfolgung von Kartellen eingerichtet werden. Neben der elften und zwölften Beschlussabteilung werde sich in Zukunft auch die zehnte Beschlussabteilung unter dem Vorsitzenden Carsten Becker ausschließlich der Kartellverfolgung widmen.

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OLG Bamberg: Verschweigen von Beschwerden bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung berechtigt Versicherung zur Anfechtung

Eine Versicherung kann einen Vertrag über eine Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgreich anfechten, wenn der Versicherte in seinem Antrag auf Versicherungsabschluss bereits bestehende Erkrankungen, etwa Rückenbeschwerden, verschwiegen hat. Dies entschied das Landgericht Coburg am 17.11.2010 (Az.: 13 O 260/10), das Oberlandesgericht Bamberg bestätigte das Urteil vollumfänglich (Beschluss vom 24.02.2011, Az.:1 U 142/10).

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Urteil in Argentinien: Lebenslänglich für die Folterknechte des ehemaligen diktatorischen Regimes

Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der Diktatur sind in Argentinien zwei Ex-Militärs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Gegen weitere fünf Angeklagte verhängte ein Gericht in Buenos Aires am 14.07.2011 Gefängnisstrafen zwischen 18 Jahren und 22 Jahren und sechs Monaten. Sie wurden für Morde, Folter und Misshandlungen Mitte der 1970er Jahre in dem berüchtigten Folterzentrum «El Vesubio» in Buenos Aires verantwortlich gemacht. Die Bundesregierung trat in dem Prozess als Nebenkläger auf, da in dem Lager auch die 1977 ermordete deutsche Studentin Elisabeth Käsemann interniert war.

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Ausgewählte Urteilsanalysen

LG München I: Eine «Ehrenschutzklage» gegen vermeintlich ehrkränkende Aussagen in einem Zivilverfahren kann bereits unzulässig sein

StGB §§ 185, 186, 193; BGB §§ 823, 824, 1004

Äußerungen in gerichtlichen Verfahren sind privilegiert und können regelmäßig nicht mit gesonderten Ehrenschutzklagen angegriffen werden, wenn sich der Betroffene durch sie in seiner Ehre verletzt fühlt.

LG München I, Urteil vom 11.02.2011 - 25 O 12665/10, BeckRS 2011, 09680

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