Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 6. Juli 2011
Top-MeldungenBGH: Garantiefall bei Autokauf kann bei entgeltlicher Herstellergarantie trotz Überschreitung des Wartungsintervalls eintreten
Bei einer Kfz-Herstellergarantie, die im Zeitpunkt der Übernahme nur gegen Zahlung eines zusätzlichen Entgelts gewährt worden ist, darf die Garantieleistung nicht ohne Rücksicht darauf von der Durchführung von regelmäßigen Wartungsarbeiten in Vertragswerkstätten abhängig gemacht werden, ob der Garantiefall auf eine unterlassene Wartung zurückzuführen ist. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden. Bestehe die Gegenleistung für die Garantie in dem dafür entrichteten Entgelt, so stelle sich eine Klausel, die die Erbringung von Garantieleistungen von einer Wahrung bestimmter Wartungsanforderungen unabhängig davon abhängig mache, ob die Überschreitung des Wartungsintervalls für den eingetretenen Garantiefall ursächlich sei, als unangemessene Benachteiligung des Kunden dar. Sie sei deshalb gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirksam, heißt es in dem Urteil vom 06.07.2011 (Az.: VIII ZR 293/10).
BGH: Kündigungsschreiben wegen Eigenbedarfs muss lediglich bedürftige Person nennen und deren Interesse an der Wohnung darlegen
Bei einer Kündigung wegen Eigenbedarfs reicht es grundsätzlich aus, dass der Vermieter im Kündigungsschreiben die Person bezeichnet, für die die Wohnung benötigt wird, und das Interesse darlegt, das diese Person an der Erlangung der Wohnung hat. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 06.07.2011. Umstände, die dem Mieter bereits zuvor mitgeteilt wurden oder die ihm sonst bekannt sind, brauchen im Kündigungsschreiben außerdem nicht nochmals wiederholt zu werden, stellten die Richter klar (Az.: VIII ZR 317/10).
VG Aachen hält staatliches Glücksspielmonopol für europarechtswidrig
Die Erlaubnispflicht für die Vermittlung von Sportwetten verstößt gegen Europarecht. Dies hat das Verwaltungsgericht Aachen mit Beschluss vom 17.06.2011 unter Berücksichtigung aktueller Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesverwaltungsgerichts entschieden und damit seine bisherige Rechtsprechung geändert. Eine unter Berufung auf das staatliche Glücksspielmonopol von der Stadt Hückelhoven erlassene Ordnungsverfügung gegen einen Sportwettenvermittler erklärte das Gericht für rechtswidrig und ordnete die aufschiebende Wirkung der Klage des Sportwettenvermittlers an (Az.: 6 L 495/10).
FG Berlin-Brandenburg: Privat genutzter betrieblicher Pkw kann bei Berechnung der Umsatzgrenze für Kleinunternehmer außen vor bleiben
Unternehmer unterliegen als so genannte Kleinunternehmer dann nicht der Umsatzsteuer, wenn der Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Umstritten ist, wie sich die private Nutzung eines betrieblichen Fahrzeugs durch einen Kleinunternehmer auf die Berechnung des Gesamtumsatzes auswirkt. Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat dazu am 15.02.2011 entschieden, dass dieser Umsatz bei der Beurteilung, ob die für Kleinunternehmer maßgeblichen Grenzen erreicht werden, jedenfalls dann außer Betracht zu bleiben hat, wenn der Unternehmer bereits beim Erwerb des Kfz Kleinunternehmer war und deshalb insoweit keine Vorsteuer geltend machen konnte (Az.: 5 K 5162/10, BeckRS 2011, 95308). Gegen das Urteil wurde Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az.: V R 12/11).
Weitere NachrichtenKabinett beschließt Bundeswehrmandat für Südsudan
Die Bundeswehr soll sich an der von den Vereinten Nationen (UN) geführten Friedensmission in Südsudan beteiligen. Bis zu 50 Soldaten sollen in Stäben und als Militärbeobachter eingesetzt werden können. Dies hat das Bundeskabinett beschlossen, wie die Bundesregierung am 06.07.2011 mitteilt. Südsudan wird voraussichtlich zum 09.07.2011 ein souveräner Staat. Die staatliche Verwaltung und die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur sind bisher nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Ihr Aufbau bedürfe intensiver Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, betonte die Bundesregierung.
OLG Frankfurt a. M.: Hauptversammlungsbeschlüsse der Deutschen Bank 2009 zum Teil nichtig
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat die von der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 26.05.2009 gefassten Beschlüsse mit Urteil vom 05.07.2011 teilweise für nichtig erklärt. Neben den Beschlüssen über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat hielt das Gericht anders als die Vorinstanz auch die Beschlüsse über die Schaffung neuen genehmigten Kapitals für unwirksam. Die Berufung der klagenden Aktionäre hatte damit zum Teil Erfolg (Az.: 5 U 104/10).
OLG Koblenz: Bei roter Ampel Straße überquerender Radfahrer muss Unfallschaden selbst tragen
Ein Radfahrer, der trotz roter Ampel vom Gehweg auf die Straße fährt, mit einem Lkw kollidiert und dabei schwer verletzt wird, muss seinen Schaden regelmäßig selbst tragen. Dies hat das Oberlandesgericht Koblenz mit jetzt mitgeteiltem Beschluss vom 28.04.2011 entschieden. Eine Haftung des Lkw-Fahrers scheide in der Regel ganz aus, da ein solches Verhalten grob verkehrswidrig und extrem riskant sei (Az: 12 U 500/10).
Bundesverfassungsgericht verhandelt über Griechenland-Hilfe
Die Milliarden-Hilfen für Griechenland beschäftigen das höchste deutsche Gericht. Die Bundesverfassungsrichter sollen die Rechtmäßigkeit der gewaltigen Kredite klären. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) musste am 05.07.2011 in Karlsruhe die deutschen Hilfen für Griechenland, Irland und Portugal verteidigen. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler und eine Gruppe von Professoren hatten in Karlsruhe Klage dagegen eingereicht. Eine Entscheidung kann sich bis zum Herbst 2011 hinziehen.
Europaparlament: EU-Mitgliedstaaten sollen Anbau genetisch veränderter Organismen einschränken und untersagen dürfen
Nach dem Willen des Europäischen Parlaments sollen die EU-Mitgliedsländer das Recht haben, den Anbau genetisch veränderter Organismen einzuschränken oder zu untersagen. Auch aus Umwelterwägungen soll ein Verbot beziehungsweise eine Einschränkung möglich sein, erklärten die Abgeordneten am 05.07.2011 in der Abstimmung über einen Gesetzesvorschlag der Kommission, in dem letzteres noch nicht vorgesehen war.
LG Erfurt: Mehr als fünf Jahre Haft für Ki.Ka-Manager wegen Millionenbetrugs
Im bislang größten Betrugsskandal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss der ehemalige Manager des ARD/ZDF-Kinderkanals Ki.Ka für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Erfurt verurteilte den 44-Jährigen am 06.07.2011 wegen Bestechlichkeit und Untreue. Der einstige Herstellungsleiter des Ki.Ka hatte gestanden, mit Scheinrechnungen bei dem Erfurter Sender eine Millionensumme veruntreut zu haben - das Geld verspielte er großteils im Casino. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Rechtsausschuss des Bundestages billigt höhere Strafen für Widerstand gegen Polizeibeamte
Der Rechtsausschuss des Bundestages hat am 06.07.2011 mit den Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und FDP beschlossen, den Straftatbestand des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu verschärfen. Dies teilt der Pressedienst des Bundestages mit. Der Ausschuss billigte einen Gesetzentwurf der Bundesregierung (BT-Drs. 17/4143), der eine Anhebung des Strafmaßes von zwei auf drei Jahre vorsieht und den strafrechtlichen Schutz auf Feuerwehrleute und Rettungskräfte ausdehnt. Nach Angaben der Bundesregierung soll das Gesetz der laut Statistik zunehmenden Gewalt gegen Polizisten entgegenwirken.
Grüne fordern völlige Unabhängigkeit für Bundesdatenschutzbeauftragten
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit soll nach dem Willen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen völlige Unabhängigkeit erhalten. Wie der Pressedienst des Bundestags am 05.07.2011 mitteilt, fordert die Fraktion in einem Antrag (BT-Dr. 17/6345) die Bundesregierung auf, so schnell wie möglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die völlige Unabhängigkeit des Bundesbeauftragten garantiert. «Im Einklang mit dem Europarecht» solle der Gesetzentwurf diese Unabhängigkeit unter anderem dadurch sicherstellen, dass der Bundesdatenschutzbeauftragte die vollständige Personalhoheit über seine Mitarbeiter erlange und von der Dienstaufsicht durch den Bundesinnenminister oder anderer Regierungsbehörden befreit werde.
LG Kassel: Biologielehrer wird nach fünf Jahren unschuldig im Gefängnis freigesprochen
Ein heute 52 Jahre alter Biologielehrer ist vor dem Kasseler Landgericht von dem Vorwurf freigesprochen worden, im Jahr 2002 eine Kollegin vergewaltigt zu haben. «Den Angeklagten sehen wir nachweislich als unschuldig an», sagte der Vorsitzende Richter am 05.07.2011. «Es ist davon auszugehen, dass die Zeugin gelogen und die Geschichte von vorn bis hinten erfunden hat.» Der Prozess war neu aufgerollt worden, weil aufgrund neuer Beweismittel Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage der Frau aufgetreten waren.
Strafrechtler: Freispruch von Kassel ist lehrreiches Beispiel
Die jüngsten Freisprüche für den TV-Moderator Jörg Kachelmann und einen Lehrer aus Kassel können sich nach Überzeugung des Düsseldorfer Strafrechtlers Udo Vetter auf kommende Urteile auswirken. «Diese Fälle sind lehrreiche Beispiele und machen auch Richter sensibler», sagte der Jurist am 05.07.2011 in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Die gewonnene Öffentlichkeit hat die segensreiche Wirkung auf Richter, wahrscheinlich unschuldige Menschen nicht so schnell zu einer Strafe zu verurteilen», zeigte sich Vetter überzeugt. Bei kommenden Prozessen würden sich Richter der Beispiele bewusst - und kämen zu sensibleren Urteilen.
Linke fordert umfassende Modernisierung des Urheberrechts
Nach Ansicht der Linksfraktion muss das Urheberrecht umfassend modernisiert werden. Das geht aus einem Antrag der Fraktion (BT-Drs. 17/6341) an die Bundesregierung hervor, wie die Pressestelle des Deutschen Bundestages am 05.07.2011 mitteilt. Insbesondere sollen geeignete Formen gefunden werden, um die Öffentlichkeit in besonderem Maße in die Beratungen einzubeziehen. Hierfür seien digitale Medien eine sinnvolle Basis, argumentiert die Fraktion. |