Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 20. Juli 2011
Top-MeldungenBAG: Berechnung der insolvenzgeschützten Betriebsrentenanwartschaft verstößt nicht gegen EU-weites Verbot der Altersdiskriminierung
Nach § 7 Abs. 2 BetrAVG (Betriebsrentengesetz) wird die Höhe der Betriebsrentenanwartschaft, für die der Pensionssicherungsverein bei Insolvenz des Arbeitgebers einzustehen hat, nach § 2 Abs. 1 BetrAVG bestimmt. Für die Berechnung der insolvenzgeschützten Betriebsrentenanwaltschaft kommt damit die gleiche Regelung zur Anwendung, die gilt, wenn festzustellen ist, wie hoch die gesetzlich unverfallbare Anwartschaft eines vor Eintritt des Versorgungsfalles aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschiedenen Arbeitnehmers ist. Der Dritte Senat des Bundesarbeitsgerichts hat jetzt entschieden, dass diese Berechnung der insolvenzgeschützten Betriebsrentenanwartschaft nicht gegen das unionsrechtliche Verbot der Altersdiskriminierung verstößt (Urteil vom 19.07.2011, Az.: 3 AZR 434/09).
BFH: Auf Umlaufvermögen entfallende Schuldzinsen sind seit 1999 nach Überentnahmen nur beschränkt abziehbar
Im Fall zu hoher Privatentnahmen sind die auf die Finanzierung von Umlaufvermögen entfallenden Schuldzinsen auch dann nur gekürzt abziehbar, wenn sie auf den Erwerb eines Warenlagers entfallen. Dies geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 23.03.2011 hervor (Az.: X R 28/09).
BGH: Falsche Angaben zu Bevollmächtigung in Einberufung zu Hauptversammlung führten nach § 121 Abs. 3 AktG a.F. nicht zu Nichtigkeit der Versammlungsbeschlüsse
Unzutreffende Angaben zur Bevollmächtigung in der Einberufung zur Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft führen nach der bis 31.08.2009 geltenden Fassung des § 121 Abs. 3 AktG nicht zur Nichtigkeit der in der Versammlung gefassten Beschlüsse. Das hat der für das Gesellschaftsrecht zuständige Zweite Zivilsenat des Bundesgerichtshofs entschieden (Urteil vom 19.07.2011, Az.: II ZR 124/10).
BGH: Erhebung von Sanierungsgeldern durch Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder ist rechtens
Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) hat zu Recht von an ihr beteiligten Arbeitgebern so genannte Sanierungsgelder gefordert. Dies geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 19.07.2011 hervor. Die zugrundeliegende Regelung in § 65 VBLS sei nicht mangels rechtlicher Existenz der Versorgungsanstalt rechtswidrig. Auch eine unangemessene Benachteiligung der Arbeitgeber im Sinne des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB scheide aus. § 65 VBLS sei einer Inhaltskontrolle nach den AGB-rechtlichen Maßstäben des BGB weitgehend entzogen, weil er auf einer maßgebenden Grundentscheidung der Tarifvertragsparteien basiere. Die Regelung sei zudem verfassungsgemäß und verstoße nicht gegen das Gemeinschaftsrecht, stellt der BGH klar (Az.: IV ZR 76/09, IV ZR 46/09 und IV ZR 68/09).
Weitere NachrichtenBFH: Verzögerungsgeld im Rahmen einer Außenprüfung darf wegen derselben Unterlagen nur einmal festgesetzt werden
Ein Verzögerungsgeld kann verhängt werden, wenn ein Steuerpflichtiger seinen Mitwirkungspflichten im Rahmen einer Außenprüfung nicht fristgerecht nachkommt. Dies betont der Bundesfinanzhof in einem Eilbeschluss vom 16.06.2011. Werden angeforderte Unterlagen auch nach der Festsetzung des Verzögerungsgeldes nicht vorgelegt, darf nach der jetzt veröffentlichten Entscheidung allerdings wegen derselben Unterlagen nicht noch einmal ein Verzögerungsgeld festgesetzt werden (Az.: IV B 120/10).
BGH: Behandlung eines deutschen Patienten in Schweizer Kantonsspital richtet sich nach Schweizer Recht
Ein deutscher Patient, der sich in einem Schweizer Kantonspital hatte behandeln lassen, nahm einen Schweizer Arzt wegen unzureichender Aufklärung über die mit einer Medikamenteneinnahme verbundenen Risiken auf Schadenersatz in Anspruch. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass sich die deliktische Haftung des Beklagten gemäß Art. 41 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB nach Schweizer Recht richtet. Diese Bestimmung verdränge als Ausnahmebestimmung in besonders gelagerten Fällen die allgemein gehaltenen Anknüpfungsregeln der Art. 38 bis 40 Abs. 2 EGBGB - mithin auch das vom Kläger in Anspruch genommene Wahlrecht des Verletzten aus Art. 40 Abs. 1 Satz 2 EGBGB, so die Karlsruher Richter (Urteil vom 19.07.2011, Az.: VI ZR 217/10).
Bundesjustizministerium legt Eckpunkte für Reform der Sicherungsverwahrung vor
Die Planungen für die bis 2013 nötige Reform der Sicherungsverwahrung gewinnen langsam an Fahrt: Am 19.07.2011 seien Eckpunkte an die Länder verschickt worden, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Wegen des Zeitdrucks hatten mehrere Länder darauf gedrungen, dass der Bund schnell die Leitlinien präsentiert.
EU-Kommission: Banken sollen mehr Kapital von besserer Qualität vorhalten müssen
Die Europäische Kommission will den europäischen Bankensektor widerstandsfähiger gegen Krisen machen und zugleich solide Kredite für die Wirtschaft ermöglichen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat dazu am 20.07.2011 in Brüssel ein Gesetzespaket vorgestellt, das die Arbeit der 8.000 Banken in der Europäischen Union besser regeln soll. Nun müssen Europäisches Parlament und der Ministerrat der nationalen Regierungen darüber beraten. Der Bankensektor werde mehr Kapital von besserer Qualität vorhalten müssen, wenn er Risiken eingehe. Dies sei ein immens wichtiger Schritt, mit dem Konsequenzen aus der Krise gezogen würden und ein neuer Ansatz für den Umgang mit Risiken eingeführt werde, betonte Barnier.
LAG Berlin-Brandenburg: Minderheitsgruppe im Betriebsrat hat keinen Anspruch auf eigenes Büro
Eine Minderheitsgruppe im Betriebsrat kann vom Betriebsrat als Gremium keine Überlassung eigener Büroräume einschließlich Bürotechnik zur ausschließlichen Nutzung verlangen. Dies hat das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg nach mündlicher Anhörung mit Urteil vom 19.07.2011 entschieden. Den einzelnen Mitgliedern der Minderheitsgruppe stehe kein entsprechender Anspruch aus dem Betriebsverfassungsgesetz zu. Ein solcher ergebe sich weder aus § 40 BetrVG noch aus Grundsätzen des Minderheitenschutzes oder des Verbotes der Behinderung von Betriebsratsarbeit (Az.: 7 TaBV 764/11).
VG Köln: Klage gegen mögliche US-Atomwaffen im NATO-Fliegerhorst Büchel unzulässig
Eine Friedensaktivistin ist mit ihrer Klage gegen ein mögliches US-Atomwaffenlager im NATO-Fliegerhorst Büchel gescheitert. Das Verwaltungsgericht Köln konnte keine Möglichkeit einer Rechtsverletzung durch die Bundesrepublik Deutschland erkennen und wies die Klage deshalb mit Urteil vom 19.07.2011 als unzulässig ab. Die Strategie der nuklearen Abschreckung sei völkerrechtlich zulässig. Die Einschätzung, wie der Frieden zu sichern sei und welche Folgen mit der Stationierung von Atomwaffen verbunden seien, obliege den für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständigen Bundesorganen, erläutert das VG (Az.: 26 K 3869/10).
VG Berlin: Jagdwurst mit wiederverwendeten Wurstbestandteilen darf nicht als «Delikatessjagdwurst» bezeichnet werden
Eine Jagdwurst darf nicht mit den Zusätzen «Delikatessjagdwurst» oder «Spitzenqualität» bezeichnet werden, wenn sie unter Zugabe abgeschnittener Bestandteile bereits zuvor erzeugter Jagdwurst hergestellt wird. Dies hat das Verwaltungsgericht Berlin mit Urteil vom 06.07.2011 entschieden. Diese Produktbezeichnung sei im Falle eines solchen Herstellungsprozesses für die Verbraucher irreführend, weil sie ihnen eine besondere Qualität signalisiere, die durch die Wiederverwendung von Wurstabschnitten nicht erfüllt werde. Das Gericht hat die Berufung zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen (Az.: VG 14 A 7.08).
EU-Kommission will Online-Einkäufe erleichtern
Wer im Ausland online einkauft, soll künftig EU-weit mehr Rechtssicherheit haben. Einen entsprechenden Vorschlag für den grenzüberschreitenden Handel vor allem im Internet hat EU-Justizkommissarin Viviane Reding für den Herbst 2011 angekündigt. «Dies wird die Verbraucher schützen und kleinen und mittleren Unternehmen mehr Chancen geben», sagte Reding am 19.07.2011 beim Treffen der EU-Justizminister im polnischen Sopot.
Dänen fordern EU zu Klage wegen Grenzkontrollen auf
Dänemarks Regierung verschärft den Streit um die neuen Grenzkontrollen mit der EU und wirft Brüssel Mangel an Seriosität vor. Steuerminister Peter Christensen forderte am 20.07.2011 im Rundfunksender DR die EU-Kommission außerdem auf, die Ernsthaftigkeit ihrer Kritik an den dänischen Grenzkontrollen mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof unter Beweis zu stellen. Die Kommission hatte vor einer Woche Experten an die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland sowie mit Schweden geschickt. Danach erklärte die zuständige EU-Kommissarin Cecilia Malmström, dass Kopenhagen die Notwendigkeit für die neuen Zollkontrollen nicht ausreichend begründet habe.
Bundesjustizministerin lehnt Internet-Pranger für Sextäter ab
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat die Forderung nach einem Internet-Pranger für Sextäter strikt zurückgewiesen. Dies geht aus einem am 20.07.2011 veröffentlichten Beitrag der «Passauer Neuen Presse» hervor. «Mit dem Rechtsstaat sind öffentliche Pranger unvereinbar», sagte die FDP-Politikerin. «Wenn man die Nachbarn gegen entlassene Häftlinge aufwiegelt, wird dem Schutz vor Gewalttaten nicht gedient», wies sie die Forderung der Polizeigewerkschaft zurück. Die ohnehin schon überlastete Polizei brauche nicht zusätzliche Arbeit.
Monatliche statistische Meldepflichten im Gastgewerbe zurückgefahren
Die Grenze für monatliche statistische Meldepflichten im Gastgewerbe wird ab dem Berichtsmonat September 2011 von 50.000 auf 150.000 Euro Jahresumsatz angehoben. Das geht aus der neuen Gastgewerbestatistikverordnung hervor, die am 15.07.2011 in Kraft getreten ist. Mit der neuen Verordnung würden rund 2.700 Kleinunternehmen von Meldepflichten und damit von bürokratischen Lasten befreit, heißt es in einr Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums vom selben Tag.
Bundeskabinett beschließt Gesetzentwurf zu Einrichtung eines bundesweiten Frauenhilfetelefons
Das Bundeskabinett hat am 20.07.2011 den von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vorgelegten Gesetzentwurf zur Einrichtung eines Frauenhilfetelefons beschlossen. Mit dem Frauenhilfetelefon soll erstmals ein bundesweites und rund um die Uhr erreichbares Hilfeangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, geschaffen werden. Die Bundesregierung setzt damit ein zentrales Vorhaben des Koalitionsvertrags im Bereich Gewalt gegen Frauen um. Die Freischaltung des Hilfetelefons ist für Ende 2012 geplant. |