Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 12. Januar 2012
Top-MeldungenBVerfG: Bundesnetzagentur steht bei telekommunikationsrechtlicher Marktregulierung Beurteilungsspielraum zu
Es ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Bundesverwaltungsgericht davon ausgeht, dass die Bundesnetzagentur bei der Regulierung der Telekommunikationsmärkte einen Beurteilungsspielraum hat, der gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbar ist. Dies stellt das Bundesverfassungsgericht mit einem Beschluss vom 08.12.2011 klar. Eine wegen einer Regulierungsverfügung der Netzagentur von T-Mobile erhobene Verfassungsbeschwerde hat es nicht zur Entscheidung angenommen. Die Mobilfunkbetreiberin sei weder in ihrem Recht auf effektiven Rechtsschutz noch in ihrer Berufsausübungsfreiheit verletzt (Az.: 1 BvR 1932/08).
VGH München: Kreisverwaltungsbehörden dürfen derzeit keine Prüfberichte über Pflegeheime veröffentlichen
Bayerns Kreisverwaltungsbehörden sind nicht berechtigt, Prüfberichte über Pflegeheime zu veröffentlichen. Dies stellt der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München mit zwei Beschlüssen vom 09.01.2012 in Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes klar. Zwar verpflichte das Bayerische Gesetz zur Regelung der Pflege-, Betreuungs- und Wohnqualität im Alter und bei Behinderung die Träger solcher Einrichtungen, Prüfberichte zu veröffentlichen, die im Rahmen der Qualitätssicherung erstellt wurden. Eine Befugnis der für die Durchführung des Gesetzes zuständigen Kreisverwaltungsbehörden, solche Prüfberichte selbst zu veröffentlichen, folge daraus aber nicht (Az.: 12 CE 11.2685 und 12 CE 11.2700, unanfechtbar).
LG Wuppertal: Hotel muss Mehrwertsteuerrabatt an Kunden weitergeben
Mit dem zum 01.01.2010 in Kraft getretenen Wachstumsbeschleunigungsgesetz wurde die Umsatzsteuer für Beherbergungsleistungen von 19 auf 7 Prozent reduziert. Nur selten geben die Hoteliers die Umsatzsteuersenkung aber an ihre Gäste weiter. In einem jetzt veröffentlichten Fall hat das Landgericht Wuppertal entschieden, dass der Hotelier den zwischen Buchung und Leistungserbringung in Kraft getretenen Umsatzsteuervorteil vollständig an eine Event-Agentur weitergeben muss. Die Revision zum Bundesgerichtshof wurde zugelassen (Urteil vom 11.01.2012, Az.: 8 S 54/11).
Weitere NachrichtenNach tödlichen Schüssen am AG Dachau: Täter wird Haftrichter vorgeführt
Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf einen jungen Staatsanwalt im Amtsgericht Dachau wird der mutmaßliche Täter am 12.01.2012 dem Haftrichter vorgeführt. Der Mann war wegen Mordes nach dem Angriff festgenommen worden. Die Motive des 54 Jahre alten Schützen liegen weiter im Dunkeln.
Hintergrund: Sicherheitsmaßnahmen vor deutschen Gerichtssälen
In deutschen Gerichten gibt es keine einheitlichen Sicherheitsstandards. Bei Zivilsachen im Amts- oder Landgericht wird in der Regel nur sporadisch kontrolliert. Die Überprüfungen beim Zugang zu Strafjustizgebäuden ähneln dagegen oft den Kontrollen in Flughäfen. Sitzen mutmaßliche Täter der Organisierten Kriminalität auf der Anklagebank oder wird Terroristen der Prozess gemacht, ist die Durchsuchung der Besucher nach Waffen die Regel.
VG Halle: Stufenaufstieg nach Lebensalter verstößt gegen Verbot der Altersdiskriminierung
Besoldungsvorschriften, die einen Stufenaufstieg nach Lebensalter vorsehen, verstoßen gegen das unionsrechtliche Verbot der Altersdiskriminierung. Dies betont das Verwaltungsgericht Halle in insgesamt acht Verfahren. Insofern sei das sächsische Besoldungsrecht in seiner im streitgegenständlichen Zeitraum geltenden Fassung rechtswidrig (Urteil vom 28.09.2011, Az.: 5 A 63/10 HAL und andere, nicht rechtskräftig).
OLG Düsseldorf: Rabattverträge der BAHN-BKK in konkreter Form vergaberechtswidrig
Das Verfahren der BAHN-BKK, mit dem die Krankenkasse Pharmaunternehmen Rabattverträge und Bedingungen vorgeben wollte, ist zwar unzulässig, unter bestimmten Voraussetzungen hält der Vergabesenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf derartige Verträge aber durchaus für möglich (Urteile vom 11.01.2012, Az.: VII-Verg 57/11 - VII-Verg 59/11 und VIIVerg 67/11, rechtskräftig).
Bundesinnenministerium arbeitet an Gesetzentwurf zu Bürgerbeteiligung bei Großprojekten
Das Bundesinnenministerium will die Planungen für große Bauvorhaben beschleunigen, ohne die Mitspracherechte von Bürgern zu beschneiden. Die Behörden sollen die Antragsteller noch vor dem offiziellen Planfeststellungsverfahren dazu bewegen, freiwillig die Öffentlichkeit über ihre Planungen und mögliche Auswirkungen zu informieren. Das geht aus einem neuen Gesetzentwurf hervor, der nach Auskunft des Bundesinnenministeriums vom 11.01.2012 in den kommenden Tagen in die Ressortabstimmung gehen soll. Noch im ersten Quartal 2012 soll der Entwurf im Bundeskabinett behandelt werden.
Bundesregierung will Verpackungsverordnung überarbeiten
Die Bundesregierung plant, die Verpackungsordnung noch in dieser Legislaturperiode zu überarbeiten und durch eine Wertstoffverordnung oder ein Wertstoffgesetz zu ersetzen. Dies geht aus einer Antwort der Regierung (BT-Drs. 17/8254) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 17/8069) hervor, wie der Pressedienst des Deutschen Bundestages am 12.01.2012 berichtet. Außerdem solle eine Kennzeichnungspflicht für Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen die Transparenz für Verbraucher verbessern.
Keine Trendwende: Hartz IV-Klagewelle ebbt nur leicht ab
An Deutschlands größtem Sozialgericht in Berlin gab es 2011 erstmals seit Einführung weniger Hartz IV-Klagen als im Jahr zuvor - von einer Trendwende wollen die Richter aber nicht sprechen. Im siebten Jahr nach der Arbeitsmarktreform seien fast 31.000 Klagen eingegangen, sagte Gerichtspräsidentin Sabine Schudoma am 11.01.2012. Dies seien rund drei Prozent weniger als im Vorjahr. «Bei unserer Arbeit macht sich das aber nicht signifikant bemerkbar.»
Thomas Heilmann zum Berliner Justizsenator ernannt
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Thomas Heilmann (CDU) zum neuen Senator für Justiz und Verbraucherschutz ernannt. Wowereit überreichte dem 47-Jährigen am 12.01.2012 die Ernennungsurkunde, wie die Senatskanzlei mitteilte.
EU legt Ungarn Daumenschrauben an und hofft auf Einlenken
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán steckt längst in einer Position der Schwäche - und gerät jetzt noch mehr unter europäischen Druck: Bis zum 17.01.2012 müsse Ungarn einlenken bei den umstrittenen Verfassungs- und Gesetzesänderungen, sonst drohten Vertragsverletzungsverfahren, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am 11.01.2012. EU-Währungskommissar Olli Rehn setzte noch eins drauf: Er plane erstmals, die Auszahlung von Euro-Milliarden aus dem Kohäsionsfonds der EU zu sperren - als Strafe für Ungarns Verstoß gegen die Haushaltsdisziplin. Die Warnung der Kommission an die Adresse des rechts-konservativen Regierungschefs ist deutlich - jetzt hofft sie, dass er bald einknickt.
EU-Bürgerbeauftragter: Kommission muss Frühwarnsystem zum Schutz von EU-Mitteln überarbeiten
Das computergesteuerte Frühwarnsystem zum Schutz von EU-Mitteln muss Grundrechte, wie zum Beispiel das Recht auf Anhörung, besser respektieren. Dies müsse die Europäische Kommission durch Kontrollmaßnahmen sicherstellen, fordert der Europäische Ombudsmann P. Nikiforos Diamandouros, der eine Untersuchung und eine öffentliche Konsultation zum Frühwarnsystem durchgeführt hat. Das Frühwarnsystem ist ein interner Mechanismus zur Erfassung von Personen oder Unternehmen, die eine Bedrohung für die finanziellen Interessen der EU darstellen könnten.
AMG-Novelle: Versicherungswirtschaft lehnt geplante Beschränkung der Haftpflichtversicherer auf bestimmte Rückversicherer ab
In einer Stellungnahme zum Referentenentwurf für ein «Zweites Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften» kritisiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) die geplante Ergänzung der Deckungsvorsorgeregelung in § 94 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 AMG, die Haftpflichtversicherer in ihrer Auswahl eines Rückversicherungsunternehmens beschränken würde. Stattdessen solle zur Gewährleistung des Opferschutzes klargestellt werden, dass der pharmazeutische Unternehmer in keiner Form als Risikoträger an der Deckungsvorsorge beteiligt sein darf.
Ausgewählte UrteilsanalysenLSG Hessen: Terminsgebühr für Telefonat mit Kammervorsitzenden
VV RVG Vorbem. 3 III; VV RVG Nr. 3106
Außergerichtliche Einigungsgespräche müssen bestimmten qualitativen Anforderungen genügen, um die Terminsgebühr auszulösen. Konkret müssen sie an Umfang und Intensität einem Gerichtstermin gleichkommen. Eine bloße telefonische Kontaktaufnahme zwischen den Beteiligten genügt diesen Anforderungen regelmäßig nicht. Anders zu beurteilen ist ein qualifiziertes Telefonat zwischen dem Kammervorsitzenden und den Verfahrensbeteiligten, das über die Erörterung der Sach- und Rechtslage hinaus auch konkrete Vergleichsvorschläge zum Inhalt hat.
LSG Hessen, Beschluss vom 09.11.2011 - L 2 SO 192/11 B, BeckRS 2011, 78971
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