Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 17. Juni 2011
Top-MeldungenBundesländer und Grüne wollen Energiewende mittragen
Die Ministerpräsidenten von Union und SPD tragen die schwarz-gelbe Energiewende und den Atomausstieg bis 2022 grundsätzlich mit. Die geschlossene Front der Länder sei wichtig, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am 17.06.2011 im Bundesrat. Die Länderkammer befasste sich erstmals mit dem umfangreichen Gesetzespaket der Regierung zur Energiewende. Die Grünen bereiten derweil einen Sonderparteitag in Bezug auf die Novelle des Atomgesetzes vor, der sie grundsätzlich zustimmen wollen.
FG Niedersachsen: Aufgabe einer Investitionsabsicht stellt rückwirkendes Ereignis im Sinne des § 233a Abs. 2a AO dar
Die Aufgabe der Investitionsabsicht nach Erlass des Steuerbescheides, in dem ein Investitionsabzugsbetrag berücksichtigt wurde, stellt ein rückwirkendes Ereignis im Sinne des § 233a Abs. 2a AO dar. Dies hat das Niedersächsische Finanzgericht entschieden. Damit beginne der Zinslauf für den steuerlichen Unterschiedsbetrag, der sich aus der Rückgängigmachung des Investitionsabzugsbetrages im Ausgangsjahr (§ 7g Abs. 3 EStG) ergibt, erst 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem das rückwirkende Ereignis eingetreten ist. Die Finanzverwaltung hatte dagegen die Auffassung vertreten, dass der Zinslauf schon 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Abzugsbetrag geltend gemacht wurde, beginnt (Urteil vom 05.05.2011, Az.: 1 K 266/10, die Revision ist nicht zugelassen worden).
LG Hamburg wertet Fördermodell einer Online-Buchhandlung als Verstoß gegen Buchpreisbindung
Eine Online-Versandbuchhandlung darf nicht auf dem Wege eines so genannten Fördermodells Bücher für 90% des durch die Buchpreisbindung vorgegebenen Preises an ihre Kunden verkaufen, auch wenn die restlichen 10% von den fördernden Unternehmen übernommen werden. Die von der Antragsgegnerin geworbenen Unternehmen hätten den Zuschuss zum Fachbuch nämlich auch gezahlt, um als Gegenleistung von der Antragsgegnerin auf ihrer Homepage genannt zu werden, um auf diese Weise für das eigene Unternehmen werben zu können. Damit seien nicht die vollen 10% für die Begleichung des Buchpreises aufgewendet und der vorgegebene Preis daher nicht erreicht worden. Dies hat das Landgericht Hamburg in einem Eilverfahren mit Urteil vom 08.06.2011 entschieden (Az.: 315 O 182/11).
Weitere NachrichtenBundesrat stimmt für immissionsschutzrechtliche Privilegierung von Kinderlärm
Das zehnte Gesetz zur Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes entwickelt das Lärmschutzrecht nach Mitteilung des Bundesrates weiter, um den von Kindergärten, Spielplätzen und ähnlichen Einrichtungen ausgehenden Kinderlärm zu privilegieren. Die Änderung stelle sicher, dass der von den genannten Einrichtungen hervorgerufene Lärm im Regelfall nicht als schädliche Umwelteinwirkung angegangen werden könne. Die Länderkammer billigte die Änderungen am 17.06.2011.
Länder wollen mehr Datenschutz im Internet
Der Bundesrat möchte den Datenschutz im Internet verbessern. Daher hat er am 17.06.2011 einen Gesetzentwurf zur Änderung des Telemediengesetzes in den Bundestag eingebracht. Der Gesetzentwurf wird zunächst der Bundesregierung zugeleitet. Der Bundesrat begründet seine Initiative damit, dass Telemediendienste wie zum Beispiel Online-Netzwerke oder Internet-Foren immer mehr an Bedeutung gewönnen, der Datenschutz im Internet sei dagegen nicht ausreichend geregelt.
Mindestlohn bei Zeitarbeit wird künftig kontrolliert
Die Einhaltung des neuen Mindestlohns für die Zeit- und Leiharbeit soll künftig kontrolliert werden. Der Bundesrat billigte dazu am 17.06.2011 ein zuvor vom Bundestag beschlossenes Gesetz. Bisher war aus rein formalen Gründen eine behördliche Kontrolle des eingeführten allgemeinverbindlichen Mindestlohnes für Leiharbeiter nicht möglich. Dies ändert sich nun mit dem neu gefassten Arbeitnehmerüberlassungsgesetz.
EuG setzt Geldbuße für Wasserstoffperoxid- und Natriumperborat-Kartell teilweise herab
Die Entscheidung der Europäischen Kommission im Verfahren um das Wasserstoffperoxid- und Natriumperborat-Kartell verschiedener Chemieunternehmen ist nichtig, soweit sie L’Air liquide und Edison betrifft. Dies geht aus Urteilen des Europäischen Gerichts Erster Instanz vom 16.06.2011 hervor. Die gegen Solvay festgesetzte Geldbuße wird außerdem von ursprünglich 167,06 Millionen Euro auf 139,50 Millionen Euro herabgesetzt. Das Kartell, das vom 31.01.1994 bis 31.12.2000 dauerte, umfasste vor allem den Austausch vertraulicher Markt- und Unternehmensinformationen durch die Wettbewerber, die Einschränkung und Kontrolle der Produktion, die Aufteilung der Marktanteile und der Kunden sowie die Festsetzung und Überwachung der Preise (Az.: T-185/06, T-186/06, T-191/06, T-192/06, T-194/06, T-195/06, T-196/06 und T-197/06).
Grüne verklagen Bundesregierung wegen Libyen-Einsatz
Die Grünen wollen die Bundesregierung wegen fehlender Parlamentsbeteiligung bei einem Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Libyen verklagen. Die Bundestagsfraktion lässt derzeit eine Klageschrift ausarbeiten und will sie möglichst bald beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einreichen. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Bundeswehr ohne Einschaltung des Bundestags in solche Einsätze geschickt werde, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin Katja Keul am 16.06.2011. «Es wäre schön, wenn wir dieses Jahr noch eine Entscheidung bekommen würden.»
Kartell internationaler Umzugsdienste in Belgien: EuG bestätigt verhängte Geldbußen weitgehend
Die von der Europäischen Kommission 2008 gegen mehrere Unternehmen wegen ihrer Beteiligung an einem Kartell internationaler Umzugsdienste in Belgien verhängten Geldbußen sind weitgehend rechtmäßig. Dies hat das Gericht der Europäischen Union mit Urteilen vom 16.06.2011 entschieden. Allerdings setzte das Gericht die der Gosselin Group auferlegte Geldbuße von 3,28 Millionen Euro auf 2,32 Millionen Euro herab und hob die gegen Stichting Administratiekantoor Portielje, eine Stiftung der Gosselin-Familienaktionäre, verhängte Gelbuße mangels Nachweises der Unternehmenseigenschaft im wettbewerbsrechtlichen Sinne auf. Außerdem hob das EuG auch die Verhuizingen Coppens auferlegte Geldbuße wegen fehlenden Nachweises der Kartellbeteiligung auf (Rs. T-199/08, T-208/08 und T-209/08, T-210/08, T-211/08).
LAG Schleswig-Holstein: Fristlose Kündigung wegen grober Vorgesetztenbeleidigung trotz möglicher Schuldunfähigkeit wirksam
Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hat mit Urteil vom 09.06.2011 die fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers wegen grober Beleidigung seiner Vorgesetzten für wirksam erachtet, obwohl der Arbeitnehmer möglicherweise schuldunfähig war. Das Gericht weist darauf hin, dass auch schuldlose Pflichtverletzungen des Arbeitnehmers ausnahmsweise einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung darstellen können. Dies bejaht es im vorliegenden Fall aufgrund der andauernden sexuell gefärbten groben Beleidigungen des Arbeitnehmers, die den Betriebsfrieden erheblich und unzumutbar störten (Az.: 5 Sa 509/10).
OVG Koblenz: Radfahrverbot gegenüber alkoholauffälligem Autofahrer rechtswidrig
Einem alkoholauffälligen Autofahrer darf nicht deshalb das Fahrradfahren verboten werden, weil er die Vorlage eines medizinisch-psychologischen Gutachtens zur Frage seiner Eignung als Fahrradfahrer verweigert. Dies hat das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz mit Beschluss vom 08.06.2011 entschieden. Ein einmaliges Führen eines Kraftfahrzeugs unter Alkoholeinfluss allein begründe keine Zweifel an der Eignung als Radfahrer, so dass die Anforderung eines MPU-Gutachens insoweit unzulässig sei (Az.: 10 B 10415/11.OVG).
Rheinland-Pfalz setzt sich im Bundesrat für einfacheren Wechsel des Stromanbieters ein
Rheinland-Pfalz setzt sich im Bundesrat dafür ein, dass die Verbraucher schneller und unbürokratischer ihren jeweiligen Stromanbieter wechseln können, meldet das Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz des Landes am 17.06.2011. Dies habe Jochen Hartloff, Verbraucherschutzminister des Landes, anlässlich der Beratung der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes im Bundesrat am gleichen Tag betont.
VG Berlin bestätigt Ausschluss von Klassenfahrt bei aggressivem Fehlverhalten gegenüber Mitschülern
Aggressives Fehlverhalten gegenüber Mitschülern kann den Ausschluss von einer Klassenfahrt rechtfertigen. Mit dieser Begründung hat das Verwaltungsgericht Berlin mit Beschlüssen vom 14.06.2011 die Eilanträge zweier Schüler einer siebten Klasse eines Gymnasiums in Berlin-Zehlendorf zurückgewiesen, die ihren Ausschluss von einer Klassenreise nach Amrum hatten rückgängig machen wollen. Solche Maßnahmen könnten ergehen, wenn ein Schüler die ordnungsgemäße Unterrichts- oder Erziehungsarbeit beeinträchtige oder andere am Schulleben Beteiligte gefährde (Az.: VG 3 L 350.11 und VG 3 L 351.11).
EU-Kommission: Deutschland muss Futtermittelrichtlinie umsetzen
Die Europäische Kommission hat Deutschland am 16.06.2011 aufgefordert, die noch ausstehenden nationalen Maßnahmen zur Umsetzung der Futtermittelrichtlinie (RL 2010/6/EU) mitzuteilen, mit der Höchstgehalte für unerwünschte Stoffe in der Tierernährung festgelegt werden. Als «unerwünschte Stoffe» gelten Stoffe oder Erzeugnisse in Futtermitteln – wie etwa Quecksilber, freies Gossypol oder Nitrite – die eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder für die Umwelt darstellen. Deutschland hat bislang nicht alle Maßnahmen zur Umsetzung der Futtermittelrichtlinie mitgeteilt.
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