Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 24. Oktober 2011
Top-MeldungenLSG Nordrhein-Westfalen: Krankengeld auch bei Krankschreibung am letzten Arbeitstag
Arbeitnehmer, die am letzten Tag ihres Arbeitsverhältnisses von einem Arzt krankgeschrieben werden, erhalten ab dem Folgetag Krankengeld, auch wenn mit dem Arbeitsverhältnis die Versicherung mit Anspruch auf Krankengeld endet. Das hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen mit jetzt veröffentlichtem Urteil vom 14.07.2011 entschieden und damit der von den (früheren) Spitzenverbänden der Krankenversicherung vertretenen Auffassung widersprochen (BeckRS 2011, 76164).
LG Hamburg: E.on muss 75.000 Euro für überhöhte Gasrechnungen zurückzahlen
Das Landgericht Hamburg hat die E.on Hanse Vertrieb GmbH zur Zahlung von 75.314,87 Euro an die Verbraucherzentrale Hamburg verurteilt. Laut eigener Pressemeldung vom 24.10.2011 hatte die Verbraucherorganisation die abgetretenen Rückforderungsansprüche von 55 Gaskunden geltend gemacht, die ihre aus Sicht der Verbraucherzentrale überhöhten Gasrechnungen seit 2004 nur unter Vorbehalt gezahlt hatten. Das Urteil, das auf die am 29.12.2009 eingereichte Klage der Verbraucherzentrale zurückgeht, erging am 17.10.2011 (Az.: 321 O 493/09).
Wettbewerbszentrale: Opel unterlässt Werbung mit «lebenslanger Garantie»
Der Automobilhersteller Opel wird eine Neuwagen-Anschlussgarantie mit Laufzeitbeschränkung ab dem 01.01.2012 nicht mehr als «lebenslange Garantie» bewerben. Wie die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V. am 24.10.2011 mitteilt, hat Opel ihr gegenüber eine entsprechende Unterlassungsverpflichtung abgegeben. Ihre Klage gegen Opel nehme sie deshalb zurück.
Weitere NachrichtenOnline-Netzwerke stehen im Bundestag Rede und Antwort
Vertreter von Online-Netzwerken haben sich am 24.10.2011 im Bundestag den Fragen der Abgeordneten des Unterausschusses Neue Medien gestellt. Nach heftiger Kritik von Datenschützern in den vergangenen Wochen betonte der Europa-Manager von Facebook, Richard Allan, das Unternehmen erstelle aus Nutzerdaten keine persönlichen Profile. Der Kieler Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte hingegen: «Nach unserer Überzeugung sind die Zustände, die wir bei Social Communities insbesondere aus den USA haben, rechtswidrig und daher nicht zu halten.» Daher gebe es einen «massiven nationalen Handlungsdruck».
Gutachten des Bundestags: Facebooks «Gefällt-mir-Button» datenschutzrechtlich bedenklich
Ein Gutachten des Bundestages zu Facebook-Fanseiten und dem «Gefällt-mir»-Button des Sozialen Netzwerks hat «erhebliche rechtliche Zweifel» an diesen Diensten ergeben. Eine abschließende datenschutzrechtliche Bewertung sei wegen der komplexen Rechtslage und der schwierigen Einordnung der technischen Abläufe aber nicht möglich, heißt es in der Studie des Wissenschaftlichen Dienstes für den Vorsitzenden des Unterausschusses Neue Medien, Sebastian Blumenthal (FDP).
OVG Münster kritisiert Lottoziehung im Fernsehen
Die Live-Übertragung der Ziehung der Lottozahlen im Fernsehen ist ins Visier der Rechtsprechung geraten. In einer jetzt veröffentlichten Begründung für ein Urteil zum Sportwetten-Monopol vo 29.09.2011 kritisiert das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in Münster die Werbung für das staatliche Lotto. Die «Art und Weise der öffentlichen Ermittlung von Gewinnzahlen vor laufenden Fernsehkameras» entfalte eine «unzulässige Anreizwirkung» (Az.: 4 A 17/08, BeckRS 2011, 54700).
Trojaner: Justizministerin schließt schärfere Gesetze nicht aus
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) denkt in der Debatte über sogenannte Staatstrojaner über schärfere Gesetze zum Schutz der Privatsphäre nach. «Ich schließe ja überhaupt nicht aus, dass wir nach Aufklärung des Sachverhaltes insgesamt ein Gesetz zum besseren Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung dann auch auf den Weg bringen», sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende am 23.10.2011 im Deutschlandfunk.
VG Berlin: «Schweinebraten» darf nicht aus mehreren Fleischstücken zusammengefügt sein
Ein Fleischprodukt darf nicht als «Schweinebraten» bezeichnet werden, wenn es durch Zusammenfügung mehrerer Fleischstücke erzeugt wurde. Ansonsten liegt eine Irreführung der Verbraucher vor. Dies hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden (Urteil vom 20.10.2011, Az.: VG 14 K 43.09).
VG Gelsenkirchen: Keine Anrechnung auf Urlaubsanspruch, wenn kranker Beamter Urlaubsreise antritt
Begleitet ein krankgeschriebener Beamter mit Zustimmung seines Dienstherrn seine Familie auf der geplanten Urlaubsreise, schmälert dies seinen Urlaubsanspruch auch dann nicht, wenn die Erkrankung zwischen Urlaubsbewilligung und Urlaubsantritt eintritt. Dies hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen mit Urteil vom 18.10.2011 entschieden (Az.: 12 K 5952/10).
VG Minden: Entlassung eines Stabsgefreiten aus Bundeswehr wegen Schwarzfahrens war rechtswidrig
Fährt ein Soldat «schwarz» mit der Bahn, so rechtfertigt dies nicht unbedingt seine Entlassung aus dem Dienst der Bundeswehr. Dies zeigt der Fall eines Stabsgefreiten, dessen Entlassung das Verwaltungsgericht Minden für rechtswidrig erklärt und aufgehoben hat. Aus Sicht des Gerichts hätte es angesichts der Gesamtpersönlichkeit des Soldaten ausgereicht, seine Verfehlungen disziplinarisch zu ahnden (Urteil vom 04.10.2011, Az.: 10 K 180/10).
VG Trier: Schadenersatz für entwendeten Schulschlüssel nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit
Ein Beamter, dessen Dienstschlüssel gestohlen wurde, ist für einen erforderlich werdenden Austausch der Schließanlage des Gebäudes nur dann ersatzpflichtig, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat. Dies hat das Verwaltungsgericht Trier mit Urteil vom 11.10.2011 entschieden (Az.: 1 K 842/11.TR).
AG München: Kein Schadensersatz für zweifachen Hotelwechsel bei Acht-Tage-Reise
Muss ein Reisender zu Beginn und am Ende seines achttägigen Urlaubs jeweils in ein anderes Hotel umziehen, weil sein eigentliches Hotel überbucht ist, berechtigt dies zwar zur Minderung des Reisepreises, stellt aber keine derartig erhebliche Beeinträchtigung der gesamten Reise dar, dass zusätzlich noch Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit verlangt werden kann. Das hat das Amtsgericht München mit jetzt rechtskräftigem Urteil vom 26.01.2011 entschieden (Az.: 171 C 25962/10).
Ministerpräsidentenkonferenz in Lübeck: 15 Länderchefs suchen Glücksspielkompromiss
15 Länderchefs werden am 27.10.2011 auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Lübeck nach einer europarechtskonformen Lösung für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag suchen. Gastgeber der Konferenz wird ausgerechnet der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sein, dessen schwarz-gelbe Regierungskoalition den Glücksspielmarkt im September 2011 zum deutlichen Missfallen manch anderer Bundesländer im Alleingang liberalisiert hatte.
DAV warnt vor Rechtsschutzversicherungs-Tarif «M-Aktiv» der DEURAG
Die DEURAG bewirbt einen neuen Tarif, mit dessen Titel «M-Aktiv» nach Auffassung der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) der Eindruck erweckt wird, die Kunden könnten zukünftig aktiver ihre Interessen vertreten als bisher. Einer Pressemeldung des DAV vom 24.10.2011 zufolge ist tatsächlicher Kern aber eine Leistungsminderung. Es drohe die Gefahr, dass wichtige Fristen versäumt werden, warnt die Arbeitsgemeinschaft.
Der Fall Kalinka: Unrühmliches Ende eines Justiz-Krimis
André Bamberski hat fast 30 Jahre nach dem Tod seiner Tochter Kalinka endlich sein Ziel erreicht: Ihr Stiefvater, der deutsche Arzt Dieter K., wurde in Paris zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er für den Tod des Mädchens verantwortlich sein soll. «Jetzt wurde endlich Gerechtigkeit gesprochen in Gedenken an Kalinka, die das mehr als verdient hat», sagte der 74-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. «Nun kann ich endlich um sie trauern.»
Ausgewählte UrteilsanalysenLG Flensburg: Grobe Fahrlässigkeit nach Abkommen von der Fahrbahn bei circa 0,4 Promille
VVG § 81 II; AKB 2008 D.2.1, A.2.16.1
Das Landgericht Flensburg hat entschieden, dass auch eine Blutalkoholkonzentration zwischen 0,33 und 0,4 Promille wegen grober Fahrlässigkeit zu einer Leistungskürzung von 50% in der Vollkaskoversicherung führen kann, wenn der Fahrer eines stark motorisierten Fahrzeugs bei übersichtlicher Verkehrslage von der Fahrbahn abkommt.
LG Flensburg, Urteil vom 24.08.2011 - 4 O 9/11, BeckRS 2011, 23249 |