Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 3. August 2011
Top-MeldungenBFH befragt EuGH zum Reverse Charge Verfahren bei Bauleistungen
Der Europäische Gerichtshof soll Zweifelsfragen zur Vereinbarkeit der deutschen Regelung zum so genannten Reverse-Charge-Verfahren bei Bauleistungen mit EU-Recht klären. Der Bundesfinanzhof hat am 30.06.3011 eine entsprechende Vorlage beschlossen (Az.: V R 37/10, BeckRS 2011, 95957). Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die Ermächtigung des Rates vom 30.03.2004 (2004/290/EG) zum Reverse-Charge-Verfahren «bei der Erbringung von Bauleistungen an einen Steuerpflichtigen» nur Baudienstleistungen oder auch (Werk-)Lieferungen betrifft.
BFH: Vorstandstätigkeit für eine Bank ist mit dem Beruf des Steuerberaters nicht vereinbar
Ein Mitglied des Vorstands einer Bank darf nicht als Steuerberater bestellt werden, weil die Vorstandstätigkeit mit dem Beruf des Steuerberaters nicht vereinbar ist. Dies geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 17.05.2011 hervor. Im Streitfall sei der Kläger gewerblich tätig, weil seine berufliche Tätigkeit als Vorstandsmitglied einer Genossenschaftsbank notwendig vom gewerblichen Charakter der Unternehmenstätigkeit der Bank geprägt werde. Dies sei aber mit dem Steuerberatungsgesetz nicht vereinbar, heißt es in der am 03.08.2011 veröffentlichten Entscheidung (Az.: VII R 47/10, BeckRS 2011, 95959).
FG Rheinland-Pfalz: Zahnarzt kann Anschaffungskosten für Luxushandy nicht als Betriebsausgaben absetzen
Ein Zahnarzt kann die Anschaffungskosten für ein Luxushandy (hier in Höhe von 5.200 Euro) nicht als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Dies hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 14.07.2011 entschieden. Ein Luxushandy sei weder notwendig noch angemessen, um die Erreichbarkeit des Arztes zu gewährleisten. Dafür genüge auch ein gewöhnliches Handy, so das FG (Az.: 6 K 2137/10).
OLG Celle: Keine Freistellung von StVO-Vorschriften für Unfallforschungsfahrzeuge
Der Fahrer eines Unfallforschungsfahrzeugs kann sich nicht auf eine Freistellung von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) berufen. Er hat keine Sonderrechte nach § 35 StVO. Dies hat das Oberlandesgericht Celle in einem rechtskräftigen Berufungsurteil vom 03.08.2011 entschieden und damit der Ansicht des erstinstanzlichen Landgerichts Hannover widersprochen. Unfallforschungsfahrzeuge unterfielen nicht dem in der Vorschrift genannten Kreis der Sonderrechtsfahrzeuge. Der Anwendungsbereich des § 35 StVO muss nach Ansicht des OLG eng ausgelegt werden, weil mit der Wahrnehmung von Sonderrechten erhebliche Gefährdungen verbunden seien (Az.: 14 U 158/10).
Weitere NachrichtenSechs Länder wollen bei Sicherungsverwahrung kooperieren
Für die Sicherungsverwahrung gefährlicher Straftäter gibt es einen gemeinsamen Lösungsvorschlag für sechs Bundesländer. Drei Länder wollen demnach Plätze für Sicherungsverwahrte einrichten und Insassen aus weiteren drei Ländern aufnehmen. Einrichtungen sind in Niedersachsen, Hamburg und Brandenburg geplant, wie Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) am 02.08.2011 sagte. Mecklenburg-Vorpommern könne seine Sicherungsverwahrten in jeder dieser drei Einrichtungen unterbringen. Auch Schleswig-Holstein und Bremen könnten Plätze belegen. Die Ministerin zeigte sich zufrieden über diesen Lösungsvorschlag einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der sechs Bundesländer: «Damit sind wir auf einem guten Weg.»
Bundeskabinett beschließt Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs
Das Bundeskabinett hat am 03.08.2011 den von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vorgelegten Entwurf zur Änderung des Personenbeförderungsgesetztes (PBefG) beschlossen. Mit der Novelle wird unter anderem die im Koalitionsvertrag vereinbarte Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs umgesetzt. Bislang unterliegt der Markt erheblichen Restriktionen. Ziel der Liberalisierung sei es, neue Angebote im Fernbuslinienverkehr zu ermöglichen, heißt es in der Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums. Die neuen Verbindungen müssten von den Unternehmen in eigener Initiative und auf eigenes wirtschaftliches Risiko eingerichtet und betrieben werden. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates. Nach der Kabinettsbefassung folgt das parlamentarische Verfahren. Die neuen Regelungen sollen 2012 in Kraft treten.
Kabinett billigt Gesetzentwurf gegen Landarzt-Mangel
Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zur Behebung des Landarztmangels gebilligt. Damit will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die wohnortnahe medizinische Versorgung flächendeckend sicherstellen. Mediziner sollen vor allem durch finanzielle Anreize aufs Land gelockt werden. Vor allem dort finden viele Hausärzte, die altersbedingt aufhören, keine Nachfolger.
CO2-Effizienz von Pkw wird für Verbraucher transparenter - Neue Regeln treten noch 2011 in Kraft
Das Bundeskabinett hat am 03.08.2011 die Novellierung der Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung gebilligt. Die Verordnung wird im August 2011 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und soll nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums zum 01.12.2011 in Kraft treten. Die CO2-Effizienzskala folgt dem Vorbild der bereits bei Haushaltsgeräten gebräuchlichen Form der Kennzeichnung. Diese enthält die Effizienzklassen A+ (grün und sehr effizient) bis G (rot und wenig effizient) und basiert auf einem so genannten relativen Modell. Das bedeutet, dass die Berechnung der CO2-Effizienz auf der Grundlage der CO2-Emissionen unter Berücksichtigung der Fahrzeugmasse erfolgt.
OLG Brandenburg: Verwendung einer Mini-Parkscheibe nicht erlaubt
Wer zum Nachweis der Parkdauer eine Parkscheibe verwendet, die erheblich kleiner ist als die vom deutschen Gesetzgeber vorgeschriebene, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das hat das Brandenburgische Oberlandesgericht entschieden. Denn dem Sinn und Zweck des Gesetzes entspreche es, dass eine Parkscheibe eine bestimmte Mindestgröße aufweisen müsse, um ein leichteres Ablesen der eingestellten Zeit und damit auch eine wirksame Kontrolle der Höchstparkdauer zu ermöglichen, heißt es zur Begründung (Beschluss vom 02.08.2011, Az.: (2Z) 53 Ss-Owi 495/10 (238/10)).
OLG Schleswig: Kein Schadenersatzanspruch für Lidl-Kunden nach Sturz vor Ausgangstür
Die Betreiberin des Lebensmittelmarktes Lidl in Schleswig haftet nicht für die Sturzverletzungen eines Kunden, die dieser beim Verlassen des Geschäfts erlitten hat. Nachdem das Landgericht Flensburg die Klage des gestürzten Kunden abgewiesen hatte, hat der Kunde jetzt sein dagegen gerichtetes Rechtsmittel zurückgenommen. Zuvor hatte ihn das OLG Schleswig auf die Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels hingewiesen. Ebenso wie die Vorinstanz konnte auch das OLG keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht im Zusammenhang mit dem Stolpern über die erhöhte Bordsteinkante vor der Ladentür erkennen (Beschluss vom 02.08.2011, Az.: 11 U 38/11).
VGH Mannheim: Beleidigung eines Mitschülers im Internet rechtfertigt bei fehlender Individualisierbarkeit des Betroffenen keinen Schulausschluss
Ein Ausschluss vom Schulunterricht wegen beleidigender Äußerungen über einen Mitschüler im Internet ist unverhältnismäßig, wenn der Betroffene mangels Individualisierung für Dritte nicht identifizierbar ist. Dies hat der Verwaltungsgerichtshof Mannheim mit unanfechtbarem Beschluss vom 12.05.2011 in einem einstweiligen Rechtsschutzverfahren entschieden und damit einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Stuttgart bestätigt. Denn die typische Gefahr des Internets, dass Beleidigungen an eine unüberschaubare Zahl von Nutzern verbreitet werden, realisiere sich in diesem Fall nicht (Az.: 9 S 1056/11, BeckRS 2011, 50852).
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Gesetz gegen unlautere Telefonwerbung hat Problem unerlaubter Werbeanrufe nicht gelöst
Am 04.08.2011 jährt sich zum zweiten Mal das Inkrafttreten des Gesetzes gegen unerlaubte Telefonwerbung. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale (VZ) Baden-Württemberg ist dies aber kein Grund zum Feiern. Denn am Problem habe sich nichts geändert, meint sie und verweist auf eine kürzlich durchgeführte Erhebung. Danach gehe die Abzocke durch unerlaubte Werbeanrufe unvermindert weiter. Die Verbraucherzentralen forderten weiter die so genannte Bestätigungslösung und lehnten die vom Bundesjustizministerium zur Zeit diskutierte Lösung eines sektoralen Ansatzes ab, erklärt Eckhard Benner, verbraucherpolitischer Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Österreich: Führender Rechtspolitiker wegen Korruption verurteilt
Ein führender österreichischer Rechtspolitiker wollte offensichtlich eine Staatsbürgerschaft gegen Schmiergeld vergeben und ist nun wegen Korruption verurteilt worden. Das Landesgericht Klagenfurt verhängte Medienberichten zufolge am 02.08.2011 sechs Monate Haft und ein Jahr auf Bewährung gegen den stellvertretenden Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsidenten) Uwe Scheuch.
Slowakei macht Psychotest für Waffenbesitzer zur Pflicht
Waffenbesitzer in der Slowakei müssen sich einem Psychotest unterziehen. Am 01.08.2011 ist ein Kriterienkatalog für die neue medizinisch-psychologische Untersuchung in Kraft getreten, die Bewerber um einen Waffenschein absolvieren müssen. Das teilte die Psychologenkammer des EU-Mitgliedsstaats mit. Die Bedingungen wurden vom Gesundheitsministerium nach Medienberichten zuletzt nochmals verschärft. |