Nachrichten der beck-aktuell-Redaktion vom 19. Januar 2012
Top-MeldungenBVerfG: Solarienverbot für Minderjährige verfassungskonform
Kinder und Jugendliche dürfen öffentliche Solarien auch weiterhin nicht nutzen. Das Bundesverfassungsgericht hat das Sonnenstudio-Verbot für Minderjährige in § 4 des Gesetzes zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSG) mit Beschluss vom 21.12.2011 als verfassungsmäßig bestätigt. Das Verbot sei gerechtfertigt, um Kinder und Jugendliche vor UV-Strahlung zu schützen, da sie ein höheres Hautkrebsrisiko trügen (Az.: 1 BvR 2007/10).
BAG: Kein Anspruch auf Weihnachtsgratifikation bei gekündigtem Arbeitsverhältnis
Der Anspruch auf eine Weihnachtsgratifikation kann vom ungekündigten Bestehen des Arbeitsverhältnisses zum Auszahlungszeitpunkt abhängig gemacht werden. Eine entsprechende Bestimmung in Allgemeinen Geschäftsbedingungen hält einer Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB stand, entschied jetzt das Bundesarbeitsgericht. Dabei komme es nicht darauf an, wer das Arbeitsverhältnis gekündigt habe. Voraussetzung sei aber, dass mit der Gratifikation nicht die Vergütung von Arbeitsleistungen bezweckt sei (Urteil vom 18.01.2012, Az.: 10 AZR 667/10).
OLG Hamburg: Hotel muss sich Bewertungen im Internet gefallen lassen
Eine Hotelbetreiberin ist im Rechtsstreit mit einem Hotelbewertungsportal vor dem OLG Hamburg gescheitert. Die Klägerin sei unzutreffenden und für ihren Hotelbetrieb abträglichen Bewertungen nicht schutzlos ausgeliefert, befand das Oberlandesgericht, da sie deren Löschung verlangen und dies gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen könne. Ein allgemeines Bewertungsverbot würde hingegen dazu führen, dass das von der Rechtsordnung anerkannte Betreiben einer Hotelbewertungsplattform unmöglich gemacht würde (Urteil vom 18.01.2012, Az.: 5 U 51/11).
BAG: Anforderungen an Hinweispflicht des ArbG aus § 6 Satz 2 KSchG
Das Arbeitsgericht hat seiner Pflicht aus § 6 Satz 2 KSchG genügt, wenn es den gekündigten Arbeitnehmer gemäß dem Wortlaut des § 6 Satz 1 KSchG darauf hinweist, dass er sich im Verfahren über seine rechtzeitig erhobene Kündigungsschutzklage bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung erster Instanz zur Begründung der Unwirksamkeit der Kündigung auch auf innerhalb der Klagefrist nicht geltend gemachte Gründe berufen kann. Beruft sich der Arbeitnehmer trotz eines solchen Hinweises erst später auf weitere Unwirksamkeitsgründe, können diese im Rechtsmittelverfahren grundsätzlich nicht mehr berücksichtigt werden, entschied das Bundesarbeitsgericht am 18.01.2012 (Az.: 6 AZR 407/10).
Weitere NachrichtenBGH: Beugehaft gegen schwerkranke Zeugin im Strafverfahren gegen Verena Becker unverhältnismäßig
Der Bundesgerichtshof hat auf die Beschwerde der Zeugin Christa Eckes die Anordnung der Beugehaft aufgehoben, die das Oberlandesgericht Stuttgart in dem Strafverfahren gegen Verena Becker verhängt hatte, da Eckes nicht zur Aussage bereit war. Er stellt klar, dass die Beugehaft das Leben der schwerkranken Zeugin ernstlich bedrohen würde und ihre Anordnung deswegen unverhältnismäßig ist. Die Wahrheit dürfe nicht um jeden Preis erforscht werden. Das gelte auch in Fällen sehr schwerer Straftaten wie terroristisch motivierter Tötungsdelikte (Beschluss vom 10.01.2012, Az.: StB 20/11).
OLG Hamm: Keine Amtshaftung für Glätteunfall trotz Streuplan
Eine Gemeinde haftet bei einem Glätteunfall nicht wegen der Verletzung der Streupflicht, wenn sie ihren Verpflichtungen aus dem Streuplan nachkommt und dieser eine sichere Erfüllung des Winterdienstes gewährleistet. Dies betont das Oberlandesgericht Hamm mit Urteil vom 07.12.2010 (Az.: I-9 U 113/10).
OVG Niedersachsen: Kürzung der Betriebsprämie für landwirtschaftliche Betriebe sorgt für Prozessflut
Auf die niedersächsische Verwaltungsgerichtsbarkeit rollt gegenwärtig eine neue Klagewelle zu. Seit Anfang des Jahres 2012 bis jetzt sind bereits 6.300 zusätzliche Verfahren aus dem Bereich des Landwirtschaftsrechts eingegangen. Dies teilte das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg am 18.01.2012 mit. Hintergrund ist laut OVG die Kürzung der Betriebsprämie für landwirtschaftliche Betriebe im Jahr 2011 um 9% statt bislang 5%, bei Betriebsprämien über 300.000 Euro beträgt die Kürzung sogar 13%.
Bundesratsinitiative aus Hamburg: Hasskriminalität schärfer bekämpfen
Die Hamburger Justizsenatorin Jana Schiedek (SPD) will mit einer Bundesratsinitiative Hasskriminalität, insbesondere rechtsextreme Straftaten, schärfer bekämpfen. Dies hat die Hamburger Justizbehörde am 17.01.2012 mitgeteilt. Hamburg werde dazu gemeinsam mit Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen Gesetzesantrag einbringen, der vorsehe, menschenverachtenden Motiven in § 46 StGB ausdrücklich eine strafschärfende Wirkung beizumessen. Der Senat habe der Initiative zugestimmt.
Steuerzahlerbund: Verschwendung von Steuergeldern muss konsequent sanktioniert werden
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) fordert eine konsequente Verfolgung und Bestrafung der Veruntreuung von Haushaltsgeldern und der Verschwendung öffentlicher Mittel. Er hat ein bei Bernd Schünemann, Ordinarius für Straf- und Strafprozessrecht, in Auftrag gegebenes Gutachten veröffentlicht, in dem Maßnahmen beschrieben werden, die eine «wirkungsvolle Ahndung von Haushaltsuntreue und Steuergeldverschwendung ermöglichen». Bundesregierung und Bundestag sollten diese Vorschläge umsetzen, verlangt der BdSt.
Bundesumweltministerium steht weiter zu Erneuerbare-Energien-Gesetz
Das Bundesumweltministerium hält am Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) fest. Der Erfolg sei «offensichtlich», sagte die Parlamentarische Staatssekretärin des Ministeriums Katherina Reiche (CDU) am 18.01.2012 im Umweltausschuss des Bundestages. Hintergrund sind Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rössler (FDP), der am 18.01.2012 seine Forderung nach einer Neujustierung der Ökoenergie-Förderung erneuert hat. Er möchte die festen Förderzahlungen für die Ökoenergie grundlegend reformieren, da sie «nicht wirtschaftlich» seien.
Trotz Antibiotika-Einsatz: Bundesregierung spricht sich für Massentierhaltung aus
Trotz wachsender Kritik am Antibiotika-Einsatz in der Tiermast hält Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) eine komplette Abkehr von der Massentierhaltung für unnötig. «Der Tierschutz beginnt beim Tier - egal wie groß oder wie klein der Betrieb letztendlich auch ist», sagte Aigner am 18.01.2012 im Bundestag. Untersuchungen zufolge würden in Großbetrieben sogar weniger Antibiotika verwendet als in mittleren Betrieben.
Nach Internet-Streik bröckelt in USA Front der Netzsperren-Befürworter
Der erste Internet-Streik mit einem Blackout der englischen Wikipedia zeigt Wirkung. Die politische Unterstützung für zwei umstrittene US-Gesetze, die im Kampf gegen Raubkopien im Internet drastische Maßnahmen wie Netzsperren vorsehen, bröckelt. Das Online-Lexikon Wikipedia ist unterdessen zur Erleichterung vieler Nutzer wieder voll erreichbar. Ihre Betreiber riefen aber zu weiterem Kampf gegen die Gesetze auf – jetzt vor schneeweißem Hintergrund, nachdem die Seite einen Tag lang schwarz war.
Österreich: Justizopfer des Austrofaschismus werden rehabilitiert
Das österreichische Parlament hat am 19.01.2012 einhellig beschlossen, die Justizopfer aus der Zeit des sogenannten Austrofaschismus zu rehabilitieren. Mit dem Gesetz werden rückwirkend alle politischen Urteile von Straf-, Sonder- und Standgerichten aus den Jahren 1933 bis 1938 gegen Personen aufgehoben, die für ein unabhängiges und demokratisches Österreich kämpften. |