Aus der COVID-19-Konferenz: Wenn unsere Sorge schadet

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Sebastian Heinlein

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May 27, 2020, 4:49:15 AM5/27/20
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Liebe Kolleg:innen,

Es würde mich freuen, wenn Sie sich der Initiative für eine breit getragene Verantwortung in der Abwägung von auf der einen Seite Freiheit, seelischem und körperlichem Wohlergehen und auf der anderen Seite den Risiken für das Leben anschließen bzw. sich an der Debatte beteiligen:

Wie Ihnen wohl bekannt ist veranstalten wir seit 2 Monate vom Netzwerk Ethikarbeit in Lübeck und Umgebung (NEL) (www.ethik-netzwerk.de) mit Unterstützung des Gesundheitsamts und des taktisch-operativen Stabs der Hansestadt Lübeck eine wöchentliche Videokonferenz zum Thema Umgang mit COVID-19 im Gesundheitswesen der Hansestadt aus. An den Sitzungen nehmen im Schnitt zwischen 30-50 Personen aus unter anderem den Pflege-/Eingliederungseinrichtungen, Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten, Kassenärztliche Vereinigung, Hausarztpraxen, der Pflegeberufekammer, der Stadt sowie der Palliativ- und Hospizversorgung teil.

In unserer heutigen, achten, Sitzung ging es um den längerfristigen Weg in der Langzeitpflege. Die momentane Situation in den Pflegeheimen und den Einrichtungen der Eingliederungshilfe kann nicht langfristig in der derzeitigen Form durchgehalten werden. Bei den bestehenden Besuchsregelungen (soweit sie eingeräumt werden konnten) kann meist nur ein Besuch von 45 Minuten pro Woche ermöglicht werden. Dabei getrennt durch eine Plexiglasscheibe und mit Mundschutz versehen. Es darf dabei keine Berührung oder körperliche Nähe stattfinden - selbst zwischen seit Jahrzehnten Verheirateten. Dies bedeutet ein enorme Belastung für Bewohner und Angehörige sowie für die Kolleg:innen der Pflege, die diese Situationen vermitteln, begleiten und mit aushalten müssen.

Es besteht ein breiter Konsens in der Konferenz, dass wir nicht alle vulnerablen Gruppen, über Monate werden "wegschließen" können. Mit derzeit keinem bekannten Infektionsfall in der Stadt haben wir einen Zustand, der in den kommenden Monaten nicht besser werden kann; jedoch sind die Menschen in den Heimen ohne Perspektive einer Änderung immer noch weites gehend isoliert und damit seelischen Leid ausgesetzt. Damit die in den Einrichtungen lebenden Menschen und ihre Angehörigen die zum Wohlergehen erforderliche Teilhabe, Nähe und Berührungen erhalten, werden wir das Risiko eingehen müssen die Heime zu öffnen. Und damit auch das Risiko eines Ausbruchs und des möglichen Versterbens von Bewohnern an COVID-19. Dieses Hadern und Ringen um den richtigen Weg treibt die Verantwortlichen sehr um. Die Verantwortung hierfür muss gesellschaftlich breit getragen werden, damit es nicht nur die Schuld weniger bleibt. Mit unserer Sorge dürfen wir nicht denen sie gilt schaden.

Vielen zu Hause pflegenden Angehörigen brechen derzeit zudem die Entlastungsangebote weg - wie Tagespflegen, die erst langsam wieder öffnen - oder es besteht eine große Sorge sich mit Hilfen ebenfalls den Virus ins Haus zu holen; und damit ja auch die empfundene Schuld für ein mögliches Versterben der Liebsten auf sich zu nehmen. In meinem beruflichem Alltag erlebe ich selbst viele Familien in Selbstisolation oder dass grenzwertige Situationen mit enormen Einsatz versucht werden zu Hause aufrechtzuerhalten, um nicht durch die Besuchsregelungen in Krankenhäusern oder Heimen getrennt zu sein.

Wir wollen von der Online-Konferenz aus eine Initiative zu einer breiten Debatte in Politik und Gesellschaft starten. Die Konferenz findet per Zoom jeden Dienstag von 19 Uhr bis 20 Uhr statt:

Nähere Infos zur Teilnahme finden Sie auf der Homepage:


In einer separaten E-Mail werde ich Ihnen die groben Inhalte der vergangenen Sitzungen kurz zusammen fassen.

Seien Sie herzlichst gegrüßt,

 

Sebastian Heinlein

Altenpfleger, Palliative Care, Koordinator für Ethikberatung im Gesundheitswesen (AEM)

 

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Palliativnetz Travebogen gGmbH

Ziegelstraße 9 - 11

23556 Lübeck

Mobil:  0171 – 1520829
Tel.:  0451 – 160859-0 (Zentrale Büronummer)

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Web:  www.travebogen.de

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